g/CJ AA t d'Ä s odf
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BEITRAGE
ZUR
GEBUKTSKUOE
UND
GYNAEKOLOGIE,
HERAÜSGEGEIiEX
D R . F. W. von SCAXZOXI.
DRITTER BAND.
(Mit X Hlhographirlen Tafeln )
WÜEZBÜEG, 1858.
VERLAG DKB STAHEL'SCHEN BUCHHANDLUNG.
3
Druck von J, M. Richter in Würzburg.
All die Leser!
Vorliegender Band der Beiträge zur Geburts-
kunde und Gynäkologie sollte bereits vor längerer
Zeit ausgegeben werden . welche Verspätung ich
um so mehr bedaure. da durch sie das Erscheinen
einiger werthvoller Arbeiten weiter hinausgerückt
wurde, als es den Verfassern derselben angenehm
sein konnte : zu meiner Entschuldigung sei indess
erwähnt, dass ich im Laufe des vergangenen Som-
mers durch mehr als 4 Monate von Würzburg ent-
fernt gehalten wurde und nach meiner Rückkunft
derartig mit anderweitigen Berufsgeschäften über-
häuft war. dass es mir vollends an der zur Her-
ausgabe des vorliegenden Bandes erforderlichen
Zeit mangelte.
Um so angenehmer ist es mir, jetzt das Ver-
sprechen geben zu können, dass die nöthigen Vor-
bereitungen getroffen sind, um den folgenden Band
in möglichster Kürze erscheinen zu lassen.
Scumoni.
Inhalt des dritten Bandes.
I. Lambl , das Wesen und die Entstehung der Spondy-
lolisthesis 1
II. Breslau, drei kleinere Mittheilungen 77
III. Simon, Zusammenstellung von 61 in Deutschland theils
_r führten, theils versuchten Ovariotomien .... 99
IV. HoLt, aus der Praxis 143
V. Tuppcrt. ein Fall von Atresia uteri congenita mit nach-
folgender Schwangerschaft 163
VI. Breslau, briefliche Mittheilung an den Herausgeber . 168
VII. Gregor Schmitt, ein Beitrag zur Lehre von der Entsteh
ung und Bedeutung des Nabelschnur-Geräusches ... 173
VIII. r. Scanzoni . ein Todesfall, hervorgerufen durch das
Einströmen von Kohlensäure in die Uterushöhle . . . 181
IX. r. Scanzuni. kurze Schilderung des grossen kaiserlichen
Erziehungshauses in Moskau 188
X. J. B. Schmidt , Bericht über die Leistungen der unter
der Leitung des Hofrath und Professor Dr. v. Scanzoni
stehenden geburtshilflich en Klinik zu Würzburg vom
L. November 1853 bis 31. October 1856
XI. Gregor Schmitt . Tabellarische Zusammenstellung der
Ereignisse in der geburtshilflichen Klinik zu Würzburg
während der sechs Jahre vom 1. November 185U bis
31. October 1856 265
I.
Das Wesen und die Entstehung der SpondyloUsthesis.
(Mit IX lithogr. Tafeln.)
Von Dr. AVilh. LAMBL , Docenten an der Universität zu Prä?.
Der Gegenstand der vorliegenden Abhandlung ist die
anatomische Untersuchung aller bisher bekanntgewordenen
Becken mit einer Dislocation des fünften Lendenwirbels nach
vorn und einer consecutiven Lendenlordose , wodurch der
Beckenraum beeinträchtigt und das Geburtsgeschäft so be-
deutend gefährdet wird, dass die Anomalie für eine wiewohl
seltene doch sehr wichtige erklärt werden muss. Auf Grund-
lage des anatomischen Befundes soll die Genese derWirbel-
schiebung ermittelt und die Theorie dieser merkwürdigen
Beckendifformität gegründet werden. Die historisch gewor-
denen Fälle sind folgende:
1) Die Prager Beobachtung, wovon das Präparat in den
Besitz der Sammlung der Würzburger Gebäransfalt
überging.
2) Ein Becken-Präparat mit Wirbelschiebung im anatomi-
schen Museum zu München.
3) Ein riesenhaft gebautes Becken und
4) Ein kleines Becken mit dieser DilYormität, beide im patho-
logisch-anatomischen Museum in Wien.
5) Das im Privatbesitz des Directors der Hebammenschule,
Hrn. Dr. Everken in Paderborn befindliche Becken.
Scanzoni's Beiträge III. *
Mit Ilinweisung auf die vollständige bei einem jeden
dieser Fälle anzuführende Quellenangabe müssen wir erwäh-
nen, dass unsere Beschreibung auf eigener Anschauung
beruht, die uns auf einer Reise im Jahre 1856 gestattet,
sowie die Ausführung der beifolgenden Originalzeichnungen
ermöglicht wurde. — Im Anschlüsse an diese 5 Fälle thei-
len wir noch einige einschlägige Beobachtungen mit, die
theils direct den Gegenstand berühren, theils indirect zu
der Frage gehören und zur vollständigen Darstellung füg-
lich einbezogen werden können. Es ist dies:
1) Eine Beobachtung von Robert, betreffend eine wahr-
scheinlich durch Wirbelschiebung bedingte Missbildung
eines jungen noch lebenden Mädchens.
2) Die Notiz über ein angeblich mit derselben Difformität
behaftetes Becken in der Maternite zu Brüsssel.
3) Anatomische Skizzen einiger in der Sacro-Lumbal-Junc-
tur erkrankter Becken, wovon uns die Präparate in den
verschiedenen Sammlungen von Europa zu Gesicht ge-
kommen oder Notizen aus der Literatur zugänglich
gewesen sind.
Von den erstgenannten 5 Fällen wurden mit Aus-
nahme des zweiten (Münchener) Präparats alle übrigen von
Kilian in einer Monographie geschildert und mit dem
Namen Wirbelschiebung (Spondylolisthesis) be-
zeichnet, und seitdem (1854) unter dieser passenden Be-
zeichnung in der Literatur angeführt ; die anderen hierher
bezogeneu Fälle sind bisher nicht zur allgemeinen Kennt-
niss gekommen, namentlich wird das Brüsseler Präparat
hier zum erstenmale besprochen.
Die bisherigen Erklärungsversuche dieser Anomalie
sind, wie man aus den bestehenden Abhandlungen ersieht,
nichts weniger als übereinstimmend und führen auch zu
keinem bestimmten Resultate. Während man Anfangs das
Uebel als blosse Deviation der Wirbelsäule beschrie-
ben (Lendenlordose, Dislocation des fünften Lendenwirbels,
Luxation u. s. w.), wurde als Ursache der Anomalie bald
die Atrophie und Consumtion de3 Lunibo-sacralen
Intervertebralknorpels bezeichnet, bald wurde dieselbe einer
Knochen- oder Knorpelerweichnng zugeschrieben:
einige Autoren dachten an Caries. ohne jedoch eine Spur
davon nachweisen zu können; andere endlich überhoben
sich jeder Discussion darüber mit der bequemen Erklärung,
das Uebel sei angeboren, als wenn das Angeborensein
nicht auch selbst bewiesen werden müsste. Insofern ist
die Spondylolisthesis ein Räthsel geblieben. —
Wir werden bei einem jeden der besprochenen Prä-
parate die darüber aufgestellten Meinungen berühren, er-
klären jedoch von Vorneherein, dass es sich hiebei weniger
darum handelt, zu entscheiden, ob die Anomalie angeboren
oder durch Krankheit erworben sei, sondern vielmehr zu
enträthseln, durch welchen mechanischen Vorgang
die Difformität zu Stande gekommen sein und
einen bestimmten Grad erreicht haben musste.
Findet die Lösung dieser Frage ihre Anwendung auf alle
5 Präparate, so wird sich daraus auch eo ipso die Beant-
wortung jeder Nebenfrage ergeben, die noch gestellt wer-
den könnte.
i. Fall. Die Prager Beobachtung.
(Hiezu Tafel I. und IL)
Beschrieben von Kiwi seh von Rotterau, Geburts-
kunde, Erlangen 1851, Seite 168—170. — B. Seyfert,
Wiener med. Wochenschrift 1853, Nr. 3, 8. 37. — H. F.
Kilian, Schilderung neuer Beckenformen, 1854, I. Die
Wirbelschiebung, S. 1 — 54 und Zusatz zu p. 51 im Arrtiang
?. 115 — 127. — E. Gurlt: Ueber einige durch Erkrank-
ung der Gelenkverbindungen verursachte Missstaltungen
l*
des Beckens, Berlin 1854, S. 2—10, als Dislocation des
letzten Lendenwirbels nach vorn ; — nebstdem in den
patholog.-anat. und geburtshilflichen Lehrbüchern. —
Das Präparat zeichnet sich durch den Mangel jeder
Spur von Knochen - oder sonstiger Erkrankung aus und
die normale Beschaffenheit der Textur sowohl, als auch
der sämmtlichen Knochenverbindungen, wenn man näm-
lich von der in Frage stehenden Dislocation absieht, führt
hier unabweislich zur Nachsuchung eines der Physiologie
näher liegenden Grundes für die Difformität, eines solchen
nämlich, der in der Entwicklungsgeschichte des Beckens zu
finden ist.
Wir haben den Grund der Deviation in dem Vorhan-
densein eincsSchaltwirbels, d.h. eines überzähligen,
rudimentär-entwickelten, in die Sacro-Lumbal-
Junctur von hinten eingekeilten Wirbels entdeckt,
und liefern zum Nachweis dieses Fundes zwei neue Ab-
bildungen des Präparates, welche den Gegenstand deutlich
versinnlichen.
Tafel I. Figur 1.
Die Ansicht von hinten gewährt den Ueberblick der
relativen Verhältnisse am Belehrendsten. Das hievon ent-
worfene Bild macht keinen Anspruch auf künstlerische
Beurtheilung, denn es wurde der Umriss schnell aufge-
nommen, und nur die Gegend um die hydrorrhachitische Lücke
zwischen dem Lenden- und dem Kreuzbein-Segment der
Wirbelsäule im Detail genau ausgeführt , um die Haupt-
sache klar vor die Augen zu stellen.
Das Becken steht mit der rechten Hälfte tiefer als mit
der linken, die Wirbelsäule ist nach links geneigt und
leicht nach rechts gedreht; demgemäss steht die letzte
Kippe links viel näher an der Crista ilium als die ent-
sprechende Kippe rechts. Die Processus spinosi sind
nach unserer Deutung mit den bctucffenden Zahlen bezeich-
5
net. Die Proc. transversi stehen wegen der Drehung
der Wirbelsäule auf der rechten Seite mehr nach hinten;
der vierte ist kurz, der darunter vorkommende ist durch
Verwachsung des fünften und sechsten entstanden, wie man
sich an den deutlich daran wahrzunehmenden Furchen als
Demarcationslinien befriedigend überzeugt; unter diesem
klafft eine weite Lücke, so dass man hier an den oberen
Rand des Kreuzbeins bequem den kleinen Finger einlegen
kann. Von da nach abwärts zählt man 4 normale hintere
Sacrallöcher. —
Auf der linken Seite sind die vier normalen
Sacrallöcher entsprechend den rechtseitigen vorhanden;
zu oberst jedoch ein überzähliges fünftes (ein fora-
men intertransversarium), gebildet von dem ausgeschweif-
ten oberen Kreuzbeinrande und dem darüber gelagerten,
assimilirten Proc. transversus des supernumerären Lenden-
Wirbels. Durch dieses schmale Loch hindurch erblickt
man die Spitze des normalen 5. Lendenwirbels, der am
meisten nach vorn tritt, während die oberen 1 — 4 etwas
mehr nach aussen gerichtet sind.
Tafel I. Figur 2.
Die seitlicheAnsicht der Lenden Wirbelsäule macht
die Sachlage in einer Beziehung noch anschaulicher. Zu
diesem Zwecke wurde mit Erlaubniss des Hrn. Hofr. Prof^
Scanzoni das linke ungenannte Bein von dem Kreuzbein
in derSynchondrose abgebrochen, die letztere selbst jedoch
in die Zeichnung nicht aufgenommen , sondern der noch
restirende Vorsprung des Knochens soweit weggedacht, als
zur freien Uebersicht der Wirbellagerung nothwendig ge-
wesen. Hieraus resultirt in der Zeichnung eine rein ge-
bliebene Lücke , deren Umriss ebenfalls einem construirten
Durchschnitt mehr als dem natürlichen planum auriculare
entsprechend , übrigens als unwesentlich ohne Ausführung
geblieben ist. — Man überblickt hier die linke Seite der
einzelnen Lendenwirbel (2 - 5), wovon der letzte vollkommen
horizontal liegt. Ihre Processus transversi (2 — 5) und die
Proc. spinosi (Sp. 1 — Sp. G) sind mit den gehörigen
Zahlen bezeichnet; die Gelenkfortsätze tragen die Bezeich-
nung A 2 — A 6. — Man findet, dass, während die Gelenk-
Verbindungen A 2 - A 4 der Norm gemäss aus je zwei
einander entsprechenden Fortsätzen gebildet werden, die
fünfte A 5 durch Concurrenz der drei zusammengeknickten
Lendenwirbel-Articulationen 4, 5 und 6 zu Stande kommt.
Der höchste Grad von Compression trifft hier den 5. Wir-
bel, der an seinem hinteren Umfang zwischen der Wucht
des Skeletts von oben und von unten gepresst erscheint.
Hiedurch sowohl, als auch durch die vorgeschrittene Syn-
ostose und die zahlreichen, zackigen Infractionen ähnlichen
Rauhigkeiten ist die Definition einigermassen erschwert und
namentlich da, wo die Chiffre A 5 angebracht ist, die Be-
stimmung nicht leicht, wie viel von diesem Wulste dem
oberen, wie viel dem unteren Gelenkfortsatze gehört.
So sehr auch der Arcus und die Fortsätze dieses
5. Lendenwirbels durch die Einschiebung des 6. Wirbels
gelitten haben, so ist doch dieser letztere in seiner hinte-
ren Hälfte ungleich kräftiger entwickelt und in den Einzeln-
heiten deutlicher ausgesprochen. Sein Proc. transv. sin.
(mit 6 bezeichnet) verbindet sich mit dem Kreuzbein, der
Proc. transv. dexter ist mit dem gleichnamigen 5. zu einem
dicken conischen Zapfen verschmolzen (hintere Ansicht 5
und 6); die Proc. articulares sind beiderseits stark markirt,
die oberen (in der seitlichen Ansicht mit 6 bezeichnet) ver-
binden sich mit dem comprimirten 5. und zum Theil da-
durch auch mit dem 4.; — die unteren bilden mit den
Knorren des Kreuzbeins rundliche stark hervorragende
Knochenwülste (Fig. 1. t. t.) , welche die Oeffnung des
Rückenmark-Kanales von beiden Seiten begränzen.
Die Lücke des Spinalcanals hat eine unregelmässig
rundliche Form, 12 — 16 Lin. Länge, 8-12 Lin. Breite.
Ihre Ausdehnung nach Oben erreicht eben die Stelle des
Isthmus, d. i. jener Gegend, wo der Canal durch Knick-
ung der Säule in Folge des vorgeschobenen 5. Lenden-
wirbels im sagittalen Durchmesser bis auf 1 Lin. beengt
erscheint (Tafel IT, Durchschnittsansicht;: in diesem oberen
Umfang wird sie von dem hinteren Rande einer horizontal
gelagerten Knochenlamelle begränzt, deren Deutung als
Arcus insofern einige Schwierigkeiten bietet, als sich die
Knochensubstanz auf der rechten Durcbschnittshälfte un-
mittelbar in den Körper des 5. Wirbels verfolgen lässt^
während sie linkerseits als der überzähligen Wilbelhälfte
zugehörig sich erweist. Vergleicht man die einzelnen Punkte
beider Hälften Schritt für Schritt genau mit einander, so
gelangt man zu der Ansicht , dass in diesem hinteren Um-
fang die rechte Hälfte des überzähligen Wir-
bels weniger entwickelt und zum grossen
Theil mit der rechten Hälfte des 5. Lenden-
wirbels verschmolzen, — die linke Hälfte des
eingeschobenen Wirbels dagegen in ihren
Einzelnheiten genauer differenzirt und nur
in der Medianlinie der hinteren Circumferenz
mit dem 5. Lendenwirbel vereinigt erscheint.
Bezüglich der Stellung dieses überzähligen eingeschalte-
ten Wirbels wäre besonders hervorzuheben , dass derselbe
im Verhältr.iss zur senkrechten Axe des Beckens — im
Gegensatze zu den anderen Lendenwirbeln — leicht nach
links gedreht, übrigens horizontal gelagert ist. Von
Hinten betrachtet präsentiren sich die einzelnen Stücke
dieses Schaltknochens wie Keile, die zwischen die
normale Lumbo-Sacral- Verbindung eingesetzt
das Lendensegment der Wirbelsäule nach
vorne schieben. Da die linke Hälfte des Schaltknochens
stärker entwickelt ist, drängt sie auch die entsprechende
Hälfte der Wirbelsäule weiter nach vorn: darin findet die
Drehung der Wirbelsäule nach rechts ihre Begründung,
8
und in dem nach Vorwärtsrücken der liukscitigen proc.
transversi ihren auffallenden Ausdruck. — Ferner bieten die
sümmtlichen Fortsätze dieser linken eingeschalteten AYirbel-
hälfte mehr Berührungspunkte sowohl den über-, als auch
den untergeordneten Elementen des Gerüstes und nicht
bloss hierin, sondern auch in der umfangreichen Verknöche-
rung und endlich in der Adaptation des proc. transversus
an das Kreuzbein findet die diesseitige Einziehung und Neig-
ung der Wirbelsäule nach links ihre Erklärung.
Hinsichtlich der Knochen- und Knorpeltextur ist nur
wiederholt zu bemerken, dass das ganze Präparat keiue
Spur irgend einer Erkrankung zeigt. (Tafel II.) Selbst der
durch die Schiebnng comprimirte und im Bogen verlängerte
5. Lendenwirbel und der dadurch an seiner oberen vorderen
Kante abgerundete 1. Sacral- Wirbel tragen weder die Spur
von Infraction, noch von Erweichung, Verfettung oder Ent-
zündungs-Product. Die Intervertebral-Knorpelscheiben haben
die der Vertrocknung normal- zukommende Physiognomie
und selbst die Knorpelscheibe der Sacro-Lumbal-Verbin-
dung unterscheidet sich durch nichts anderes von den übrigen,
als durch eine starke in der Mitte der Wirbelkörperflächen
bis zur Atrophie gediehene Corapression. Die einander zu-
gekehrten Ränder dieser beiden Wirbelkörper sind wulstig auf-
geworfen und in der Art umgestülpt, wie man dies ancompri-
mirtenWirbelkorpern als Ausdruck reactiverConsolidation häu-
tig findet. — An der vorderen Fläche des Kreuzbeines findet
man über dem 1. rechten Sacralioche einen ähnlichen 4 — 5"'
breiten exostotischen Wulst, wodurch der geschobene Lenden-
Wirbel gestützt und emporgehalten wird. Wir können diesem
Knochenvorsprung gleichfalls keine andere Deutung geben, als
die einer localen, durch die Druckverkältnisse bedingten, somit
consecutiven Hyperplasie imUmfange einesKnochenrandes, der
zu solchen Wucherungen bekanntlich ganz besonders disponirt.
Zur sicheren Constatirung dieses Befundes, woran eine
dem vorliegenden Fall entsprechende Theorie der Wirbel-
Schiebung angeknüpft werden kann, geben wir noch die
detaillirte Besehreibung des 6. Lendenwirbels. Der-
selbe ist zwischen den 5. Lenden- und den 1. Sacral-
Wirbel eingeschaltet, und gleichsam von hinten eingekeilt.
Körper rudimentär, am vorderen Umfang der Wirbel-
säule nicht sichtbar, am Durchschnitt der Wirbelsäule [Tat. IL
R.) über beiden Hälften des convexen oberen Endes des
l.Sacralwirbels in Gestalt eines Knochenplättchens vorhan-
den, dessen beide Hälften sich zu einem. 2—3 Lin. im
Sagittaldurchmesser, etwas mehr als 1 Zoll im Trausversal-
durchmesser betragenden, flachen, compacten, in Knorpel-
bandstreifen eingebetteten Knochenstück summiren.
Arcus. Nur zur Hälfte erhalten, nämlich in Form
eines schlanken , die hvdrorrhachitische OefTnung von der
linken Seite her nach hinten begränzenden, von vorn
nach hinten flachgedrückten, 1 V* Lin. ho hen Knochenbalkens
(Taf. I. Fig. 1. 6. — Taf. IL Sp. 6.) —
Da der Beckendurchschnitt die Mittellinie des Kreuz-
beines einhält, bis zu welcher die linke Bogenhälfte hin-
reicht, kann man mit grosser Wahrscheinlichkeit annehmen,
dass die Bogenhälfte beim Durchsägen abgebrochen wurde
und verloren ging. Die rauh angerissene Knochentläche
der rechten Seite an der dem Arcus entsprechenden Stelle
spricht gleichfalls für diese Annahme.
Processus articulares. An der linken Seite
confluirt der obere Gelenkfortsatz mit dem des 4. und 5.
Lendenwirbels zu einem zackig-rauhen Wulste; die Zacken
bezeichnen die Begränzung der nahtähnlich in einander-
greifenden Gelenkfortsätze, wovon der des accessorischen
(6.) Lendenwirbels die grösste Entwicklung und normale
Physiognomie erreicht hat.
Der untere linke Gelenkfortsatz des 6. Lendenwirbels
ist mit dem entsprechenden des Kreuzbeins zu einem rund-
lichen, haselnussgrossen, uneben höckerigen, stark nach
hinten prominirenden Wulste verschmolzen und allem An-
10
seheine nach synostotisch verbunden. Mit einiger Mühe
gelingt es, an der gefurchten Oberfläche die ursprüngliche
Demarcation der beiden Fortsatze zu unterscheiden. Die
Stellung der Articulationsflächen ist jedenfalls eine von der
Norm abweichende, da ihre muthmafeslichen Umrisse nicht
drin gewöhnlichen Verhältniss entsprechen.
Reell terseits findet man den oberen Gelenkfortsatz
des 6. Lendenwirbels als rundliches Höckerchen zwischen
den aneinander gerückten Gelenkfortsätzen des 4. und 5.
Lendenwirbels in ähnlicher Weise wie links hervorragend ;
die Verbindung ist hier noch inniger als die entsprechende
der linken Seite.
Der untere rechte Gelenkfortsatz bildet mit dem
correspondirenden des Kreuzbeins einen ähnlichen rundlichen
Wulst, wie links; die Demarcation ist hier deutlicher aus-
gesprochen und die Furche mit ßandmasse bedeckt; sie ist
bei einem Verlauf von oben aussen nach unten innen abnorm;
eine oberflächliche Synostose besteht hier nicht, eine innere
ist jedoch möglicherweise vorhanden.
Processus transversa Der linke zeigt eine aus-
gezeichnete Entwicklung und Assimilation an das Kreuz-
bein. Er ist 1 Zoll lang, 1 — iy. 2 Lin. dick, die untere
Kante in der Ausdehnung von 8 Lin. mit einem dem proc.
transversus analogen Wulste des Kreuzbeins innig verbun-
den und mittelst einer festen Bandmasse angeheftet. Seine
obere Kante ist an der Abgangsstelle des proc. art. sup.
— wie bei allen Lendenwirbeln — rinnenformig ausgehöhlt ;
die untere begränzt mit dem freien (inneren) Ende den
oberen Umfang des überzähligen Sacralloches (foramen inter-
transversarium).
Vermöge der Neigung der Wirbelsäule und einer leich-
ten Axendrehung des überzähligen Wirbels nach links tritt
der proc. transv. dexter um ganze 5 — 6 Lin. weiter
nach vorn im Vergleiche mit dem proc. transv. sin.; der
erstcre ragt frei nach aussen, ohne an das Kreuzbein an-
11
jrelöthet zu sein, über welchem er 4 — 5 Lin. hoch stellt.
Mit der unteren Fläche ruht derselbe seiner Länge nach
auf der oberen Fläche des gleichnamigen Fortsatzes des 5.
Lendenwirbels, und ist von diesem in der Langenrichtung
durch eine deutliche Furche getrennt: an seiner Wurzel ist
er mit der des 5. Lendenwirbels so wie auch der Anfang
des Arcus in ein compactes Knochenstiick mit Schwund
jeder Demarcation zusammengeschmolzen.
Aus den mitgetheilten Thatsachen resuhirt die anato-
mische Diagnose dieses Beckens : Rudiment ärerSchalt-
wirbel im hinteren Umfange derSacro-Lumbal-
Junctur mit consecutiver Dislocation und
Lordose der Lendenwirbelsäule.
Der Wirbel ist wie ein Keil von hinten zwischen den
letzten Lenden- und den 1. Sacralwirbel eingetrieben; er
musste bei seiner allmähligen Entwicklung , wobei sein
Körper der Verkümmerung unterlag, die Sacro-Lurabal-
Junctur mit der Länge der Zeit ganz mechanisch in der
Art umstalten, das der von hinten gehobene Lendenwirbel
mit seinem Körper in eine stark abschüssige Lage kam,
so dass er unter der Last des Oberkörpers mittelst seiner
dehnbaren Knorpelscheibe gleiten konnte und beim aufrech-
ten Gange durch den Druck des Körpergewichtes allmählig
nach vorn geschoben wurde, bis er an die vordere Fläche
des ersten Kreuzbeinwirbels gelangte. — Die stärkere
Ent Wickelung der linken Hälfte dieses Keiles be-
gründet eine weitere Vorwärtsschiebung auf dieser Seite
der Lendenwirbelsäule oder eine Drehung derselben nach
rechts. — Die Lordose selbst ist dann als consecutive
Erscheinung der Wirbel-Luxation zu betrachten ; sie findet
im Brust- und Halssegment ihre leichte Compensation durch
correspondirende Krümmungen. — Die seitliche Krüm-
mung nach links — in diesem Falle keine eigentliche
Scoliose, sondern einfache Neigung, ist in der Assimila-
tion des Schaltwirbels an das Kreuzbein durch den proc.
12
transversus , sowie durch die innige Verbindung der übri-
gen Fortsätze dieser Seite begründet; Beispiele und Belege
für diese Erscheinung findet man in allen grösseren Samm-
lungen von anatomischen Knochen -Präparaten. — Das
Offenbleiben d es R ückenmarkskan al s im hinteren
Umfange der Lumbo - Sacral- Verbindung beziehen wir auf
die letzte Spur einer frühzeitig dagewesenen Hydror-
rhachis. Die reine Spina bifida lumbo - sacralis scheint
uns im Ganzen weniger häufig vorzukommen, als die am
lliatussacralis; sie kommt aber jedenfalls häufiger hier als
in den oberen Segmenten der Wirbelsäule vor. An abnorm
gebildeten Becken finden wir ihre Spur selten so deutlich
wie hier ausgesprochen. — Ohne weiteren Untersuchungen
vorgreifen zu wollen, die zum Aufschluss über diesen Ge-
genstand führen werden, wären wir geneigt, den Nicht-
Verschluss des Wirbelkanals als jenes Moment
anzusehen, das zum Ansatz von Ossifi cation s-
puneten innerhalb der häutigen Hüllen des Rückenmarks
Gelegenheit bietet, und der Bildung von überzähligen
Wirbeln Raum gibt. Das Vorhandensein von Schalt-
Knochen an Schädeln, die in der Jugend hydroeepha-
lisch gewesen sind , und einige Zeit hindurch mit offenen
Fontanellen und Nähten versehen waren, dürfte als Beweis
per anologiam für die Richtigkeit dieser Auffassung einbe-
zogen werden. Hierin, sowie in der nachfolgenden, theils vor-
zeitigen, theils ungleichzeitigen und asymmetrischen Ossifi-
cation der Knochenverbindungen , — und endlich in den
mannigfachen consecutiven Formabweichungen unterliegt
wohl das ganze Skelett einem Gesetze, dessen Ausdruck
in den verschiedenen Partien nach der Beschaffenheit der
constituirenden Theilc blos modificirt erscheint. —
Wir haben bereits erwähnt, dass dieses Präparat be-
sonders in Anbetracht des Mangels jeder Spur einer
Textur er krankung, die das Zusandekommen dieser
13
Beckendifformität erklären könnte, so auffallend und interessant
erscheint ; da der Schwund der sacro-lumbalen Knorpelscheibe
nach unserer Darstellung eine consecutive Erscheinung der
Dislocation selbst ist, so entfällt eine Discussion über einen
besonderen krankhaften Vorgang in dieser Junctur, und es
erübrigt nur zu bemerken, dass ein solcher weder hier
nachweisbar noch sonst an den Zwischenknorpeln , wenn
man den pathologischen Zustand als Erweichung bezeich-
nen wollte, irgendwie näher bekannt ist, dass aber auch
dieser Erweichungsprocess keinen Erklärungsgrund für die
Difformität abgeben könnte, so lange nicht andere abnorme
Verhältnise, von denen wir die oben besprochenen mecha-
nischen hervorheben, eintreten würden.
Wenn nun hiermit nachgewiesen ist, dass diese Becken-
Difformität nicht durch Krankheit erworben
ist, so wird das Angeborensein doch nicht in der
Art und in dem Sinne zugestanden, wie es andere Auto-
ren schlechtweg behauptet haben. Angeboren konnten
höchstens die Ossificationskerne der einzelnen
Theile des rudimentären Schaltwirbels, nicht aber die
Spondylolisthesis, als solche, gewesen sein, wenn es
nämlich gestattet ist, zu denken, dass dieses Wirbelrudiment
so kindlich zur Welt gekommen ist, als überhaupt Wirbel-
theile beiNeugebornen auszusehen pflegen. Der keilförmige
Schaltwirbel gab eine der mechanischen Be-
din gungenzurW irbel sc hiebung ab, diese jedoch hatte
sich erst später mit dem aufrechten Gange entwickelt, und
ist ein — nicht durch Krankheit, sondern durch die Kör-
perlast erworbenes Uebel, — durch das normale,
aus seinem Schwerpunkt verrückte Gewicht des Oberkör-
pers, welches jahrelange an der Intervertebralscheibe der
Lumbo-sacral-Junctur zu drücken und zu zerren hatte,
bevor diese gewichen ist, und die Wirbelkörper dem un-
mittelbaren Contact überliess.
14
11. Fall. Das Münchner Becken mit Wirbelschiebung.
Iliezu Tafel III.
Dieses Präparat wurde in jüngster Zeit durch Herrn
Dr. Breslau (in Scanzoni's Beiträgen zur Geburtskunde
und Gynaekologie II. Bd. 1855) bekannt gegeben. Es hat
im Ganzen eine grosse Aehnlichkeit mit dem I. Fall, und
zwar weniger im Bezug auf die Difformität, welche an
diesem viel geringer ist, als vielmehr hinsichtlich der ana-
tomischen Details an der Lumbo-sacral-Junctur , welche
die genetischen Anhaltspunkte für die Abnormität ab-
geben.
An der hinteren Seite des Beckens findet man in der
Gegend zwischen dem letzten Lendenwirbel und dem ersten
Sacralwirbel die hy d rorrh ach i tische Oeffnung des
Wirbelkanals, deren seitliche Begränzung zwei rund-
liche, aus der Verschmelzung der proc. obliqui der Lumbo-
sacral-Verbindung hervorgegangene Höcker bilden. Ueber
dieser Oeffnung zählt man nach sorgfältiger Entfernung der
Ligamenta interspinosa 6Dornfortsätze; der 4. und 6.
sind sehr kräftig entwickelt, zwischen beiden eine tiefe
Lücke , in deren Grunde der auffallend verkümmerte proc.
spinosus 5. in seiner mehr nach unten als nach hinten
sehenden Richtung verborgen liegt , so dass man denselben
leicht übersehen könnte, wenn man die zu ihm gehörigen
Schenkel des Wirbelbogens am Längendurchschnitte des
Präparats nicht verfolgen würde.
Von den proc. transversis der linken Seite sind fünf
deutlich ausgesprochen, der sechste jedoch unkenntlich, und
zwar durch Assimilation, wie es scheint, an das Kreuz-
bein , oder nur wegen der unvollständig entfernten Band-
masse, welche diese Gegend verdeckt. R echte rseits
zählt man offenbar 6 proc. transversi; zwischen dem
4. und 5. besteht eine grosse Lücke, dadurch hervorge-
bracht, dass der 5. Querfortsatz verkümmert, schief nach
15
abwärts gerichtet und gleichsam an den Wirbelkörper an-
gezogen ist; — der sechste Querfortsatz ist deutlich ent-
wickelt und ragt frei nach aussen.
Der Fund von einem überzähligen Quer- und Dom-
Fortsatz leitet die Aufmerksamkeit auf den Nachweis eines
dazu gehörigen überzähligen Wirbelkörpers. Dieser
ist durch eine ähnliche Knochenplatte repräscntirt, wie
in dem ersten Falle und befindet sich im vorderen Um-
fange des Wirbelkanals in der Höhe der Sacrolumbal-
Junctur. Am Durchschnitt sieht man ein die hintereu
Contouren des ersten Sacralwirbels deckendes Knochenstück
(Taf. III. R) von 6'" Höhe, 1 1 V" Dicke, keilförmig, mit
der Basis au den Vorsprung des hinteren unteren Randes
des lumbalen (5.) Wirbelkörpers angelehnt, mit der Spitze
nach hinten und abwärts gegen den hinteren oberen Rand
de3 sacralen Wirbelkörpers gerichtet. Die spongiöse Sub-
stanz dieses Knochens, der das Rudiment des sechsten
Wirbelkörpers darstellt, gleicht jener der übrigen Wirbel-
Körper. — Der Umriss ist allseitig deutlich ausgesprochen
und der Knochen somit ganz umschrieben; doch ist die
Demarcation im oberen Umfange nur durch eine feine
Linie gezogen nnd der Knochen somit hier an die synosto-
tische Lumbo-sacral-Junctur näher gerückt als nach ab-
wärts, wo zwischen demselben und der hinteren zu be-
schreibenden Dachfläche des sacralen Wirbelkörpers ein
grösserer mit Faserknorpel erfüllter Spalt besteht.
Die Verbindungsfläche des fünften Lenden- und des
ersten Sacral-Wirbelkörpers zeigt folgende Eigentümlichkeit:
Der Körper des fünften Lendenwirbels springt in den Becken-
raum in der Art vor , dass die vordere Hälfte der
unterenFläche frei schwebt, die hi ntere Hälfte
dagegen auf dem Sacralwirbel aufruht und mit
demselben zum Tb eil synostotisch verschmol-
zen ist. Verfolgt man am Durchschnitt die Demarcations-
linie dieser beiden Wirbelkörper, so findet man, dass diese
16
von vorn her auf eine 4 Linien weite Strecke deutlich mar-
kirt und durch die compacte feste Rindensubstanz der be-
treffenden Knochen ausgesprochen ist; weiterhin geht die
spongiöse Substanz mit dicken festen Knochenbalken (Skle-
rose) ununterbrochen von dem letzten Lenden- zu dem ersten
Kreuzbeinwirbel über (Synostose) und wollte man durch
diese hindurch eine künstliche Demarcationslinie ziehen, um
die eigentliche Grösse und Form der einzelnen Wirbelkörper
annähernd zu bestimmen, so würde dazu der hintere untere
Hand des Lendenwirbelkörpers, welcher einen lefzenähnlichen
Vorsprung bildet, dienen, da sich die Trennungslinie der
vorderen Hälfte der Lumbo- Sacral - Junctur ungezwungen
und in fast gerader Richtung dahin verlängern lässt. Bei
dieser Ergänzung findet man, dass der Körper des Lenden-
wirbels seine normale Grösse und Form beibehalten , und
abgerechnet eine geringe Verkürzung der hinteren Fläche
keine Einknickung und keinen Eindruck von unten erlitten,
und ebenso wenig eine andere Texturveränderung als die
oben erwähnte Sclerose erfahren hatte. Die Durchschnittsfläche
stellt ein ziemlich gewöhnliches Rechteck dar, an dem der
hintere Umriss etwas concav, der untere leicht convex, der
vordere untere Winkel (Promontorium) stark abgerundet,
erscheint.
Anders verhält es sich mit dem ersten Sacral-
wirbel, dessen Durchschnittsfigur ein nach oben dach-
förmig verlängertes Prisma präsentirt, wovon die
Spitze den aufliegenden fünften Lendenwirbel in seinem hin-
teren Umfange gleichsam in die Höhe hebt. Die vordere
Fläche die-er dachförmigen Verlängerung dient nämlich der
hinteren Hälfte des Lendenwirbels zur Anlagerung und ist
selbst nur zur Hälfte durch die erwähnte Demarcationslinie
von demselben getrennt , wogegen die Spitze des Giebels
mit dem Lendenwirbel durch Confluenz der spongiösen Sub-
stanzen völlig verschmilzt und ähnlich verdichtet und scle-
17
rosirt erscheint, wie die betreffende Partie des aufruhenden
Lendenwirbels.
Diese eigenthiimliche dachförmige Zuspitzung und Ver-
längerung des ersten sacralen Wirbelkörpers in seiner hin-
teren Hälfte scheint uns am einfachsten daraus erklärlich
zu sein, dass an dieser Stelle die ohnediess dünne Knorpel-
scheibe am frühesten zur Absorption und die Knochenflächen
dadurch in unmittelbare Berührung kamen , wodurch ihre
Synostose eingeleitet wurde. Da jedoch zu gleicher Zeit
der Schwerpunkt des Oberkörpers durch das Vortreten des
fünften Lendenwirbels nach vorn verrückt wurde , übte der
dislocirte Wirbelkörper die einem Hebel zu vergleichende
Wirkung aus, indem sein vorderes Ende unter der Last des
Oberkörpers nach unten, das hintere nach oben tendirte,
wobei die vordere obere Kante des Sacralwirbels als Hypo-
mochlion unverändert blieb, während sich die hintere (syno-
stotische) im Verlaufe der Zeit in der Art emporheben Hess,
dass der Sacralwirbel an derselben Stelle in dieser letzteren
Richtung verlängert und wie ausgezogen erscheint.
Der durch die Dislocation des fünften Lendenwirbels
und die consecutive Lordose bedingte Isthmus canalis
vertebralis liegt zwischen dem sechsten proc.
spinosus und dem oberen hinteren Rande des
ersten Sacralwirbels und misst 2V> Linien; darüber
ist der Rückenmarkskanal weit genug und misst im sagit-
talen Durchmesser in der Höhe des vierten Intervertebral-
knorpels über 9 Linien. Vergleicht man die Länge und
Richtung der einzelnen Wirbelbögen unter einander, so
findet man , dass der fünfte vorgeschobene Lendenwirbel,
abgesehen von der geringen Entwickelung seines proc. spi-
nosus, in seinem Bogen eine Verlängerung und bogenför-
mige Krümmung mit nach oben gekehrter Convexität zeigt,
wie sie an den übrigen Wirbeln nicht vorkommt. Durch
das höher an einauder Gerücktsoin der drei unteren
Dornfortsätze, welches in der Lendenlordose seinen Grund
Scanzoni's Beiträge III. Z
18
findet, erscheint die hintere Begränzung des Wirbelkanals
von einer compacten, vom vierten Lendenwirbel bis zu der
hydrorrhachitischen Lücke ununterbrochen fortlaufenden
Knochenwand gebildet, indem die Bogen des 4., 5. und 6.
Lendenwirbels unter einander synostotisch verschmolzen sind.
Ucber den Zustand der proc. obliqui sup. & inf. des
intercalirten Wirbels kann leider bei der unvollständigen
Präparation des Beckens, an dem überall dichte Lagen von
Bandapparat haften, nichts Näheres mitgetheilt werden. Mög-
licherweise ist die Stellung der Articulationsflächen einiger-
massen abweichend , was sich nach einer neuerdings vor-
zunehmenden Maceration des Präparates und sorgfältigen
Entfernung der überflüssigen Bindegewebstheile leicht er-
mitteln Hesse. — Wenn auch in dieser Beziehung eine ge-
naue und vollständige Beschreibung des Schaltwirbels nicht
gegeben werden kann, so ist doch aus der vorliegenden
Mittheilung zu entnehmen, dass die anatomische Diagnose
dieser Beckendifformität folgendermaßen lautet: Hydror-
rhachis sacro-lumbalis; rudimentäre Ent-
wicklung eines Schaltwirbels in der Sacro-
Lumbal-Junctur mit consecutiver Lordose,
partielle Synostose des dislocirten Wirbels
mit dem Kreuzbein nach Consumtion des Zwi-
schenknorpels.
Auch hier ist, wie in dem ersten Falle, auf dieHydror-
rhachis weniger Gewicht zu legen, als auf das eingescho-
bene Wirbelrudiment, welches durch die Entfernung der
ursprünglich zu einander gehörigen Gelenkfortsätze des 5.
Lenden- und des 1. Sacralwirbels wie ein von hinten ein-
getriebener Keil den Wirbelbogen gehoben und dem Wirbel-
körper durch die abschüssige Lage die Gelegenheit zum
Gleiten nach vom geboten hat. Diese fand unter der Ein-
wirkung der Last des Oberkörpers wirklich, jedoch in be-
schränktem Maasse statt, indem sehr frühzeitig die hintere
schwächere Portion der Intervertebralscheibe schwand und
19
die dadurch ermöglichte Berührung und theilweise Synostose
der Wirbelkörper der weiteren Dislocation des Lendenwirbels
ein Ende machte. Die frühzeitig eingetretene Ankylose der
Lumbo-sacral-Junctur erweist sich somit als ein glücklicher
Abschluss der Dislocation und als die definitive Begränz-
ung der Beckendeformation. —
Das Vorkommen von überzähligen incompleten
Schaltwirbeln ist in der Anatomie eben keine neue
Thatsache ; allein in der Art und mit den Consequenzen,
wie wir dasselbe an den besprochenen zwei Beckenpräpa-
raten gefunden , ist dasselbe unseres Wissens noch nicht
beobachtet worden. In grösseren anatomischen Museen
findet man gar nicht selten Anomalien dieser Gattung, die
je nach ihrem speciellen Verhalten bald mit, bald ohne
auffallende Formveränderung der Wirbelsäule auftreten.
Meist sind es incomplete Wirbclkörper von Keil-
form (Taf. IV.), die mit einem mehr weniger rudimen-
tären Apparat von Fortsätzen , zuweilen mit einem com-
pleten Schenkel des Wirbelbogens, von der einen oder der
anderen Seite der Wirbelsäule zwischen zwei normal gebil-
dete Wirbelkörper eingeschaltet sind , und vermöge ihrer
Höhe eine mehr weniger deutliche Deviation verursachen.
Verhältnissmässig findet man diese Abnormität am häufig-
sten an Skeletten Neugeborner, die mit Hydrocephalus oder
Hydrorrhachis oder mit beiden Uebeln zugleich behaftet,
frühzeitig mit dem Tode abgehen. Unter den Fällen , die
ich gesehen , war die Abnormität im Halssegmente der
Wirbelsäule öfter vorfindlich als im Brust- und im Lenden-
Segmente. Den schönsten Fall fand ich im anato-
mischen Museum zu Leyden , wo dasselbe von dem
Anatomen Bonn (Nr. 310) aufgestellt wurde. Vier Hals-
Wirbel, vom Atlas an gezählt, stehen gerade; auf diese
folgt ein halber linker, dann ein schräg gestellter cora-
pleter, nachher ein incompleter rechter, dann wieder ein
2*
20
completer schräger, endlich noch ein halber rechter, dar-
unter die gerade stehende Säule der übrigen completen
Wirbel, jedoch um die halbe Wirbelbreite nach rechts ver-
rückt. Die Wirbclbögen und proc. spinosi sind zu zweien
und dreien confus mit einander verschmolzen.
Einen ausgezeichneten Fall von con gen italer De-
viation der Wirbelsaule bei einem Erwachsenen sah
ich in Guy's Hospital in London (unter Nr. 1004 ^ mit
der Aufschrift : Curvature and anehylosis of spinc congeni-
tal). Von oben gezahlt befinden sich vier complete Wirbel
an dem Präparate, von unten zählt man ihrer fünf, im
Ganzen neun complete Wirbel, zwischen welchen eine
synostotische Knochenmasse links von der Höhe zweier,
rechts von der Höhe zweier und eines halben Wirbels in
der Art schräg liegt, dass dadurch der obere Theil der
Wirbelsäule um eine ganze Wirbelbreite nach rechts von
dem unteren Theil gerückt und beide Theile etwas schief
gestellt erscheinen.
Das Wiener pathologisch-anatomische Museum besitzt
unter folgenden Nummern einschlägige Präparate:
1) Eine Wirbelsäule mit zahlreichen Schalt-
Wirbeln, Nr. 43 (232). Kyphoskoliotische Krümmungen
bedingt durch zahlreiche, theils links, theils rechts einge-
keilte incomplete Wirbel , die wegen theilweiser Synostose
mit den normalen completen Wirbeln die Zählung erschwe-
ren. Das Kreuzbein dieses Präparates sucht in Bezug auf
Difformität seines Gleichen : es ist links höher als rechts
und sieht mit der Spitze schief nach rechts hin ; die linke
Seite hat 5 Sacrallöcher und einen rechten Intertransver-
salraum , die rechte hat dagegen nur 3 Sacrallöcher und
eine Lücke zwischen dem proc. transversus des 5. Len-
denwirbels und dem Kreuzbein. Der Grund hievon liegt
in der Verlängerung der linken Hälfte des Kreuzbeins durch
Schaltwirbel und in der Assimilation des proc. transversus
21
dexter des 5. Lendenwirbels und Verschmelzung mit dem
Sacrum.
2) Luxation der Wirbelsäule durch Einschaltung
eines incompleten Wirbels zwischen dem 11. und 12. Brust-
Wirbel links, Nr. 1772 (5265). — Die Verbindung des
12. completen Brust- mit dem 1. Lendenwirbel bildet einen
kantigen Vorsprung, und wenn der obere Theil der Wir-
belsäule senkrecht gestellt wird, erscheint der untere nach
vorn und rechts verschoben.
3) Schalt wirbel ohne Deviation der Wirbel-
Säule, Nr. 2253. — Complete Wirbelsäule mit Sacrum
und incompleten Wirbeln an folgenden Stellen : a) zwischen
dem 11. und 12. Brustwirbel links ein dreieckiger Keil mit
einer 13. Rippe, einem halben proc. spinosus und einem
Rudiment vom rechten Schenkel des hinteren Bogens; —
b) zwischen dem 1. und 2. Lendenwirbel links ein keil-
förmiger halber Wirbelkörper mit completem Bogen und
doppeltem zum Theil verwachsenem proc. spinosus ; —
c; ebendaselbst rechts vis-ä-vis dem Vorigen ein ähnlicher
halber Wirbelkörper mit dem 1. Lendenwirbel verwachsen,
wodurch dieser rechterseits doppelt so hoch als linkerseits
erscheint. Der 5. und 6. Brustwirbel einfach verwachsen.
4) Eine ähnliche Wirbelsäule mit Krümmun-
gen, unilateraler Osteophytbildung und theilweiser Ver-
knöcherung Nr. 387 (3070).
Die Ausgleichung der verschiedenen Höhe einer solchen
Wirbelsäule, welche oft trotz der einseitigen Schaltwirbel
gerade bleibt, beruht darauf, dass die benachbarten com-
pleten Wirbel an der Seite, wo sich der incoraplete zwi-
schen dieselben einkeilt , um etwas niedriger sind , als an
der anderen freien Seite : sie compensiren dann durch ihre
einseitige Verkürzung selbst die durch den keilförmigen
Schaltwirbel bedingte einseitige Verlängerung der Wirbel-
Säule, und die letztere bleibt dann (wie in Nr. 2253) ohne
Deviation. — Oder aber es compensiren zwei von ver-
22
schiedenen Seiten eingekeilte Schaltwirbel die Diviation der
Wirbelsäule dadurch, dass sie entweder in gleicher Höhe
oder in geringer Distanz von einander links nnd rechts eine
gleich grosse Ilöhenzunahine der Wirbelsäule bedingen.
Den eclatantesten Beleg hiefür bietet ein in seiner Art
vielleicht als einzig dastehendes Präparat imJosephinum
in Wien (Taf. IV.), eine Halswirbelsaule, woran 6 cora-
plete normale Halswirbel und zwischen dem 5. und 6.
completen ein merkwürdig durchwachsener Doppel-
Wirbel — im Ganzen also die Zahl von 8 Halswirbeln
— vorkommt. Der Doppelwirbel besteht, von vorn be-
trachtet, aus drei Körpern: einem halben rechten, einem
ganzen, schräg von links oben nach rechts unten gestellten
und einem halben linken Wirbelkörper. Diese 3 Stücke
haben zusammen die Höhe von 2 Halswirbeln ; ihre ur-
sprüngliche Begränzung ist noch ganz deutlich ausgespro-
chen, obwohl sie nicht von einander zu trennen sind, da
sowohl die Körper zum Theil verwachsen sind, als auch
ihre zwei Wirbelbögen vollkommen schliessen. Der obere
Wirbelbogen entspringt mit seiner rechten Branche von
dem incompleten rechten , mit der linken Branche von der
linken Seite des completen schrägen Körpers; — der un-
tere Wirbelbogen halt in ähnlicher Weise mit seinen bei-
den Branchen die rechte Seite des completen schrägen und
den incompleten linken Wirbelkörper zusammen. In dem
eben angeführten Verfolg der einzelnen Körper und Bogen-
stücke beschreibt der Doppelwirbel eine Spirallinie, welche
von dem rechten incompleten Körper beginnt und in dem
linken incompleten endet. Die Wirbelsäule erleidet durch
diese höchst sonderbare Anomalie, welche an die Zwillings-
Krystalle der Mineralogie erinnert, keine seitliche Deviation,
weil sich die als Schaltwirbel zu betrachtenden incompleten
Körper unter einander compensiren und in Verbindung mit
dem schräg gestellten completen Wirbelkörper links und
rechts die Höhe von zwei W T irbeIn erreichen. —
23
Bei diesen Anomalien, deren Kenntniss zum Yerständ-
niss der Krümmungen der Wirbelsäule, sowie auch der in
Frage stehenden Fälle von Wirbelschiebung am Becken von
Wichtigkeit ist, wäre es angezeigt, auf die Entwickelungs-
Geschichte zurückzugehen und die Anzahl der Ossi f i-
cationspuncte der Wirbel zu prüfen, deren Plus oder
Minus diesen Missbildungeu zu Grunde liegt. Wir wollen
uns so kurz als möglich fassen und die Repräsentanten der
Wirbel nach ihrem fötalen Ossificationswege im Normal-
zustände skizziren, — eine Darstellung, wie sie nach dem
englischen Osteologen, Herrn Holden, der Präparateur in
Paris, Herr Vasseur, an erwachsenen Wirbeln künstlich
reproducirt. Darnach kommen an den Wirbeln folgende,
ursprünglich als getrennte Knochenkerne wahrnehmbare
Ossificationsmassen vor:
Am Atlas: 1 für den Körper, — 2 für den Bogen
(links und rechts), — 2 für die proc. transversi, im Gan-
zen: 5 ;
am Epistropheus: 1 für den Körper, — 1 für den
unteren Rand oder die untere Körperfläche, — 2 seitliche
und 1 terminale für den proc. odontoides, — ferner 2 für
den Bogen , — 2 für die proc. transversi , — 1 für den
proc. spinosus, im Ganzen: 10;
an jedem der übrigen Halswirbel: 1 für den Kör-
per, — 2 für den oberen und den unteren Rand, — 2 für
den Bogen, — 2 für die proc. transversi, — 2 für den
proc. spinosus, — im Ganzen : 9.
an jedem Brustwirbel: 1 für den Körper, — 2 für
den oberen und den unteren Rand, — 2 für den Bogen, —
2 für die Querfortsätze, — 1 für den Dornfortsatz, — im
Ganzen: 8;
an jedem Lendenwirbel: 1 für den Körper, — 2 für
den oberen und den untereu Rand , — 2 für den Bogen,
— 2 für die Querfortsätze , — 2 obere und 2 untere für
24
die proc. paraglenoidales, — 1 für den Dornfortsatz, — im
Ganzen: 12.
Gemeinschaftlich für alle Wirbel sind von diesen Ossi-
ficationsmassen hiemit nnr folgende: 1 für den Körper, —
2 für den Bogen , — 2 für die proc. transversi, — 1 für
den proc. spinosus (welcher Letztere nur beim Atlas fehlt).
Von dieser einfachen Regel weichen die Wirbel sehr häufig
ab ; der Körper wird z. B. von zwei Knochencentris gebil-
det, welche einen ganz normalen Wirbelkörper liefern,
wenn die Verknöcherung von beiden Punkten aus gleich-
massig fortschreitet; in diesem Zustande findet man bei-
nahe sämmtliche Wirbelkörper an dem oben beschriebenen
Präparate von Leyden. Kommt aber von beiden Knochen-
Kernen nur einer zur Entwickelung, so liefert er einen
halben Wirbelkörper, der als rudimentärer Schaltwirbel ver-
möge seiner Keilform die AVirbelsäule zur Deviation zwin-
gen kann. — Ein ähnlicher Vorgang betrifft die hintere
Hälfte des Wirbels, und es kann auch hier bald der linke,
bald der rechte Knochenkern ursprünglich allein vorhanden
sein oder doch im weiteren Verlauf der Ossifikation zur
stärkeren Entwickelung kommen. — Da die Schliessung
der Wirbelbögen von oben ihren Anfang nimmt und mit
der Zeit nach abwärts fortschreitet, so trifft der mangelhafte
Verschluss am häufigsten die untere Kegion der Wirbel-
Säule. Da ferner die Ossifikation der Wirbelkörper in der
Mitte der Säule beginnt und von da nach oben und nach
unten ihren Fortgang nimmt, so ergibt sich für die ent-
fernten Partien desselben, im Hals- und im Lendensegment,
die Disposition zu einer abnormen Ossifikation. Im Gan-
zen stellt die physiologische Retardation des Verknöcher-
ungsprocesses in der fötalen AVirbelsäule das ungünstigste
Verhältniss für das Lendensegment und für
das Kreuzbein, — ein Resultat dieser Betrachtung,
wofür die zahlreichen in allen Sammlungen befindlichen
25
und in allen Lehrbüchern erwähnten Anomalien dieser
Theile sprechende Belege liefern.
///. Fall. Ein grosses tceibliches Becken mit Spondylolis-
thesis in Folge von Hydrorrhachis.
(AViener pathol.-anat. Museum Xr. 1756 [5248]. — Von
einer 28 J. alten Frau mit Herzhypertrophie, vorgekommen
am 13. März 1837.
(Hiezu Tafel V. : VI. B. und C. und Tafel VII.. B.. C.J
Von Rokitansky in den usterr. Jahrbüchern XIX.
1839 beschrieben und als Lordose in der tiefsten Lenden-
gegend aufgefasst, im Handbuch der pathologischen Anat.
IL Bd. 1856, S. 186 der Destruction oder Consumtion des
letzten Zwischenwirbelkörpers zugeschrieben, und in dieser
Art der Auffassung in Kilian's Monographie citirt. —
Plumpes Becken von riesenhafter Architektonik: grösste
Cristen- Distanz 12" 6"', Hohe 9". — Conjugata
(Distanz der Symph. oss. pubis von dem Vorsprunge zwi-
schen dem 4. und 5. Lendenwirbel als falschem Promon-
torium) = 2" 9'"; — eigentliche Conjugata (Distanz der
Symphyse und des oberen Sacral-Randes als des wahren
Promontoriums) = 4". — Querdurchmesser des Eingangs
— 6" 3'", — schräge Durchmesser = 5" 9'". — Der
Arcus pubis ist mit seinen inneren Rändern nach vorn und
aussen umgestülpt,* die Rundung ist oben 2" 6'" weit,
unten zwischen den tub. ischii 3" 6'". — Der obere Sym-
physen-Rand ist in Folge der geringen Beckenneigung
horizontal gestellt und sogar noch emporgeschoben.
Der an den vorderen Rand des 1. Sacralwirbels ge-
drückte 5. Lendenwirbel ist am trokenen Präparat abge-
löst und daher die Einsicht in die näheren Verhältnisse an
der Lumbo-Sacral-Junctur gestattet. Die Knorpelscheibe
dieser Verbindung ist völlig geschwunden, die Articulations-
Flächen in correspondirendem Sinne sattelförmig ausgerun-
det, uneben und knochenrauh , mit warzigen und körnigen
Erhabenheiten besäet. Bei genauem Vergleich der ent-
sprechenden Stellen an den Articulationsflächen findet man,
dass die zwischen und in einander passenden Knochen-
Wucherungen einer Neubi 1 düng gehören, die gleich-
zeitig mit dem Schwund des Knorpels von den Knochen-
Tafeln der Wirbelkörper aus zur Entwickelung gekommen
ist und die völlige Verschmelzung beider Wirbel
mit Ankylose der Verbindung angebahnt hatte;
nebst dieser krankhaften Veränderung der Verbindung findet
man am vorderen Rand des 1. Kreuzbein wirbeis symme-
trisch zu beiden Seiten der Medianlinie knöcherne
Stützmassen, welche, in Bezug auf Form und Grösse,
stark entwickelten Semilunarklappen gleichen, und durch
ihre Lage und Richtung der Wucht der auf sie drückenden
Wirbelsäule entgegenstreben. Diese Osteophytmasse ist
auch hier auf den oberen Rand des ersten Sacralwirbels
beschränkt. —
Die Lendenwirbelsäule ist stark nach links
geneigt, nicht aber deutlich gekrümmt. Einigen Anhalt
zur Begründung dieser Abweichung bietet die Betrachtung
der Gelenkflächen des letzten Lendenwirbels und die Asym-
metrie desselben in Vergleich zu den übrigen Lendenwir-
beln. — Examinirt man die processus articulares,
so findet man zuvörderst, dass die des letzten Lendenwir-
bels in jederBeziehung weit von einander abstehen, beson-
ders aber die inferiores durch die Expansion des Wirbel-
Bogens ungemein stark nach hinten abgewichen sind;
ferner bemerkt man am Lumbo-sacral-Gelenk rechts,
dass die Gelenkflächen im sagitalen Durchmesser
parallel und senkrecht stehen, so dass die Fläche
am proc. lumbalis inf. gerade nach aussen , die des proc*
sacralis gerade nach innen sieht. Durch den Verlust der
physiologischen Schiefstellung ist somit in dieser Verbind-
ung ein Gleiten ermöglicht. — Linkerseits dagegen ist die
27
normale Schieftscllung der correspondirenden Gelenkflächen
besser erhalten (am proc. sacralis sieht die Fläche deutlich
nach innen, hinten und oben, am proc. lumbalis entgegen-
gesetzt), daher der feste Halt nicht beeinträchtigt.
Die Processus transversi der einzelnen Lenden-
Wirbel sind am 1., 2. und 3. beiderseits gleich schlank und von
gleicher Länge; — am 4. links sehr kurz, dünn, — rechts
länger und mit dem vorigen gleich schlank; am 5.
rechts doppelt, d. i. mit einfacher Wurzel ausgehend
und nach aussen zu in der Art verbreitert, dass die untere
Hälfte den übrigen proc. transversis ähnlich sieht , die
obere, schaufeiförmig verflachte, abnorm erscheint ; — links
der Fortsatz einfach, sehr lang und sticheiförmig zugespitzt.
Bezüglich der Richtung besteht am 5. Wirbel eine Um-
gleichheit zwischen beiden Querfortsätzen darin, dass der
rechte nach aussen, der linke stark nach hinten sieht.
Am Auffallendsten ist die abweichende Form und
Grösse des 5. Lendenwirbels , dessen Eigentümlichkeit im
ursächlichen Zusammenhange mit der Beckenanomalie steht.
Wir haben diesen Wirbel von der unteren Fläche aus be-
trachtet, und zur bequemen Vergleichung einen normalen
5. Lendenwirbel dazu auf Taf. VII., B. C, in natürlicher Grösse
gezeichnet. Die Grössen Verhältnisse desselben lassen die Basis
der von der Lendenwirbelsäule gebildeten Pyramide ungemein
massenhaft erscheinen ; diePyramide misst in der grösstenBreite
unten am 5. Lendenwirbel: oben am 2. Lendenwirbel:
im Wirbelkörper: 2" 5"' 1" 8'"
zwischen d. proc. transv. 4" 4'" 2" 8'".
Betrachtet man diePyramide von oben, so findet man
die beiden fossae lumbales (die prismatischen Räume
zu beiden Seiten der proc. spinosi , zwischen diesen und
zwischen den proc. transversis) am Grunde durch hori-
zotale Knochenwände begränzt, — eine Eigentüm-
lichkeit, die keinem anderen Becken in diesem ausgezeich-
tenen Grade zukommt. Der Bogen des 5. Lendenwirbels
ist nämlich in seinen beiden Schenkeln fliigelförmig ver-
breitert und horizontal gestellt, der Spin alkanal dem ent-
sprechend ungemein erweitert und *wie aufgebläht, der
proc. spinosus dadurch gleichsam von innen her aufgelöst
und in eine dachförmige Platte umgewandelt, welche von
der Spitze des Dornfortsatzes nur auf l. 1 /*'." überragt wird.
Die obere Kante dieses Daches liegt an der unteren Kante des
proc. spinosus des 4. Lendenwirbels unmittelbar an, daher
das Spatium interspinosum hier ganz fehlt ; die untere
Fläche deckt den hydrorrhaehitisch bis auf 1" 4'" erwei-
terten Kanal, der an der Stelle der Wirbelschiebung keinen
Isthmus, wie bei den übrigen Fällen von Wirbelschiebung
zeigt, sondern eine Aufblähung, die zur Einführung eines
Daumens von der Spina bifida aus Raum genug bietet. —
Ein ebenso seltenes als merwürdiges Verhalten zeigen
die. beiden Bogenschenkel an ihrer portio interarticularis,
nämlich eine auflallende Verdünnung und Durch-
bruch in der Mitte der Knochenplatten in Form rundlicher
Lücken, durch welche die proc. articul. des 4.
Lendenwirbels nach unten hindurchblicken. Jeder
dieser Schenkel ist durch die Perforation wieder in 2 Wur-
zeln getrennt: die rechte äussere und die linke innere Wur-
zel ist zackig facturirt , die rechte innere und die linke
äussere so bedeutend verdünnt, dass die vorderen und die
hinteren Theile derselben in einem Punkte nur mit schmalen
Spitzen einander berühren. (Taf. VII. B.)
DieCompressions-Atrophie, Usur und Fractur des Wir-
belbogens setzt einerseits einen langwierigen durch abnorme
Druckverhältnisse bedingten, anomalen Vorgang im Knochen-
gewebe eben so gewiss voraus, als sie andererseits, nament-
lich in Verbindung mit der hydrorrhachitischen Missstaltung
dieses Wirbels, der der gesammten oberen Körperlast unter-
liegt, die Deviation der Lumbo-sacral- Junctur genügend
erklärt. Wenn die oben bemerkte ungewöhnliche Volums-
zunahme des Lumbaisegmentes der Wirbelsäule nach abwärts
29
schon äusserlich ein von innen aus wirkendes Uebel verräth,
das dem Riickenmarkskanal eine ähnliche Physiognomie
einprägt, wie der Hydrocephalus dem Schädelgehäuse, so
findet man bei der näheren Einsicht in das Innere des vom
letzten Lendenwirbel gebildeten Ringes eine so merkwürdige
und asymmetrische Missstaltung dieses Vermittlers des Ober-
körpers mit den unteren Extremitäten, dass die Locomotion
des Wirbelkörpers nicht bloss begreiflich und in allen Einzeln-
heiten erklärlich wird , sondern dass es sogar undenkbar
ist , wie unter solchen Umständen eine Wirbelverschiebung
nicht eintreten sollte. Durch die Erweiterung des Wirbei-
ringes und die gleichzeitige Verlängerung der beiden Schen-
kel des Wirbelbogens war das erste Moment gegeben,
wodurch es dem Wirbelkörper möglich ward, unter dem
Drucke der Körperlast nach vorn zu weichen; die Auf-
blähung des Wirbelkanals hatte zugleich die mit der Me-
dianebene parallele Senkrechtstellung der Articulationsfläche
an dem rechten proc. obliq. inf. zur Folge, deren Nach-
giebigkeit dem Gleiten des Wirbels zu Gunsten kam. Die
Verdünnung des Wirbelbogens in der Interarticular-Portion
führte beinahe zur völligen Trennung des hinteren Bogen-
theiles vom Wirbelkörper und dieser wäre, — auf diese
Art haltlos geworden — der völligen Luxation preisgegeben
worden, wenn nicht der durch Zerrung unterdessen atrophirte
Zwischenwirbel die unmittelbare Berührung der betreffen-
den Wirbelkörper ermöglicht und die Synostose derselben
eingeleitet hätte, wodurch nicht bloss die Wirbelverschieb-
ung zum Stillstand , sondern der ganze Process auch zum
Abschluss kam.
Rokitansky hatte, wie erwähnt, die Beckenanoma-
lie bezüglich der Dislocation des Lendenwirbels der Con-
sumtion des Zwischenknorpels zugeschrieben, ohne
den weiteren Vorgang genauer zu prüfen und zu erörtern;
die Hydrorrhachis wird in der Beschreibung wohl angege-
ben , ohne jedoch näher gewürdigt und im Vcrhältniss zu
30
der Wirbelschiebung verwerthet werden. In dieser Art finden
wir das Recken auch in Kilians Monographie (S. 124)
notirt, und wir erlauben uns daher anhangsweise auf diese
Ansicht speciell einzugehen.
Die Consumtion des Zwischenknorpels ist, als ursprüng-
liche, spontane Anomalie, eine Annahme , die bisher in
keiner Thatsache eine Stütze gefunden hat. Soll man sich
darunter einen congenitalen Mangel derlntervertebralscheibe
vorstellen? — Man hat diesen nicht beobachtet, und es
wäre sonderbar, wenn gerade der grösste und wichtigste
Zwischenknorpel fehlen sollte. — Ist es ein freiwilliger
Schwund des Knorpels ? — Man kennt diesen nicht. —
Was für ein innerer histologischer Vorgang hat den Knorpel
sonst zur Consumtion bringen können , wenn diese eine
primäre gewesen sein soll? — Man weiss darüber nichts,
und die Consumtion ist insofern eine unbekannte Grösse,
die eine andere Unbekannte nicht erklären kann.
Aber die Consumtion kann auch keine Dislocation des
Wirbelkörpers herbeiführen. Man schneide die Interverte-
bralscheibe von den beiden Knochenflächen los, an denen
sie haftet: man wird die Knochenflächen der Wirbelkörper
näher an einander rücken , aber nicht verschieben können.
Gesetzt es wäre eine solche Consumtion, wann immer im
Verlaufe des Lebens eingetreten: sie hätte die entblössten
Flächen der Wirbelkörper in unmittelbaren Contact gebracht;
und die nächste Folge davon wäre, aller Wahrscheinlich-
keit nach, eine Verschmelzung derselben in den correspon-
direnden Flächenpunkten, eine Synostose gewesen, welche
die beiden W^irbelkörper nicht bloss in ihrer wechselseitigen
Lage nicht gestört, sondern vielmehr diese so innig befestigt
hätte, dass eine Verschiebung derselben auch unter den
günstigsten Umständen rein unmöglich geworden wäre.
Also die Consumtion des Zwischenknorpels, weit ent-
fernt, ein Gleiten der Wirbel zu ermöglichen, muss dasselbe
geradezu verhindern. Zum Gleiten der Wirbel ist
31
im Gegentheil die Gegenwart eines Zwischen-
knorpels eine Nebenbedingung; mit dem Schwunde
des Knorpels nimmt die Gleitungsfähigkeit des fünften Len-
denwirbels ab, und die völlige Absorption des Knorpels
bezeichnet zugleich die Gränze der Wirbelschiebung, indem
alsdann entweder Einkeilung der Berührungsflächen beider
Wirbelkörper, oder Synostose derselben eintritt. —
Die Consumtion des Zwischenknorpels ist somit nicht
das primäre und ursächliche Moment bei der Wirbelschieb-
ung ; sie ist ein consecutiver Zustand, die Folge von über-
mässiger Zerrung in der Richtung von hinten nach vorn,
die Folge von ungleich vcrtheiltem Druck zwischen zwei
Knochen , deren correspondirende Punkte aus einander
weichen, — eine Theilerscheinung in den Veränderungen der
Junctur, ein Schlusspunkt, dessen baldiges Zustandekommen
nur wünschenswerth erscheint, insofern man bei einem
jungen Individuum die Begränzung des pathothogischen
Vorganges und den möglichst geringen Grad von Difformi-
tät im Auge behält. Der Schwund des Zwischenknorpels,
ist von allen Uebeln das kleinste, das letzte und das heil-
samste, und wenn es je dahin kommen sollte, bei jungen
Individuen, die unzweifelhaft mit dieser Beckenanomalie
behaftet wären, an eine durch einen operativen Eingriff zu
leistende Kunsthilfe zu denken, so müsste man vor Allem
an die Destruction des Zwischenknorpels denken.
Da wir an diesem Becken die Missbildung des fünften
Lendenwirbels , namentlich seine Verlängerung und Ver-
dünnung in der Interarticular-Portion, als das primäre Moment
der Gesammtanomalie angegeben, möge hier noch als An-
hang eine nähere Angabe über diesen interessanten Befund
ihren Platz finden.
Die Interarticular-Portion des Bogens des
fünften Lendenwirbels unterliegt nämlich auch an
sonst normalen Wirbelsäulen einer eigenthümlichen Bildung,
welche zur Aufklärung der vorliegenden Frage über die
32
Wirbelschiebung Einiges beiträgt. Wir haben in vielen
Museen den fünften Lendenwirbel einer wiederholten Prüf-
ung unterworfen und in mehreren Fallen gefunden, das3
die genannte Portion ohne sonstige Difformität des Bogens
abnormer Weise eine Unterbrechung zeigt, die man nur
für eine fötale erklären kann, nachdem alle Zeichen einer
krankhaften Entstehung derselben ganz und gar fehlen.
Diese Continuitätsstörung ist im exquisiten Falle eine
vollständige Pseudarthrose, ein abnormes Gelenk
(Tafel VI. B. ein Präparat aus dem anat. Cabinet in Bonn)
welches sich in beiden Schenkeln des Wirbelbogens in querer
Richtung etablirt und eine Beweglichkeit demselben verleiht,
wodurch der Dornfortsatz gehoben und gesenkt werden
kann, ohne dass der Wirbelkörper sich im Geringsten rührt;
auch die Gelenkfortsätze können dann einigermassen von
einander entfernt werden, indem die oberen am Wirbelkörper
befestigt bleiben, die unteren dagegen, hinter der abnormen
Gelenkverbindung gelagerten, dem Zuge des Wirbelbogens
nach hinten folgen.
Nebst dieser vollständigen Gelenkverbindung zwischen
Wirbelkörper und Bogen gibt es noch abnorme Configura-
tioneo der Interarticular - Portion , deren Reihe mit einer
Verschmächtigung und Verlängerung beginnt, und
mit einer vollständigen Trennung schliesst , wobei jedoch
die beiden getrennten Wirbeltheile mit zackigen, gleichsam
gebrochenen Spitzen durch Vermittlung eines Faser-
knorpels unter einander verbunden sind, oder aber weit
abstehen und bloss an einem dünnen Bande zu-
sammenhängen. — An einem solchen Präparate, welches
wir gleichfalls im anat. Museum zu Bonn gesehen hatten,
(Taf. VI. C, schematischer Umriss), zeigt der Lenden-Wirbel-
körper (a) anseiner unteren Fläche eine auffallende Aushölung.
Dieser entsprechend ist der erste Sacralwirbel an seiner
oberen Fläche sattelförmig ausgeschweift (S. 1.) in der Art,
dass die vordere Hälfte derselben und der vordere Rand abge-
33
rundet und nach oben convex, die hintere Hälfte dagegen
concav erscheint. Die Ausholung am Lendenwirbel
entspricht der Convexität der vorderen Flächen-
hälfte des Sacralwirbels, und es unterliegt keinem
Zweifel, dass es dem lumbalen Wirbelkürper vermöge der
dehnbaren Verbindung (e) mit seinem Bogen gestattet war,
eine Subluxation so lange zu behaupten, bis diese ab-
norme Configuration der correspjndirenden Flächen aus-
gewirkt ward. — Man könnte diesen Fall ohne Weiteres
als beginnende Wirbelschiebung einregistiren und mit der-
selben Begründung zur Spondyluüstbesis rechnen , wie sie
für die vorliegenden fünf Fälle lautet.
Die Durchmusterung grösserer Sammlungen, wo ganze
Skelette und Wirbelsäulen aufgestellt sind, wird bezüglich
dieser leicht zu übersehenden Anomalie hoflentlich noch
manchen Beitrag liefern , die Ken: tniss des vorliegenden
Gegenstandes erweitern und die Lehre zum völligen Ab-
schluss bringen.
IV. Fall. Ein kleines weibliches Becken mit Spondyloli-
sthesis.
(Wiener pathol.-anat. Museum 2s. 1715 [5203]. — Von
einer 22 J. alten Puerpera, vorgekommen inl J. 1836).
(Hiezu Tafel VI. A.)
Die Person wurde nach viertägiger Gc-burtsarbeit mittelst
der Perforation entbunden und starb acht Tage daraal an
Metrophltbitis mit Verjauchung der Symphysen. (Roki-
tansky: Oesterr. Jahrb. XIX. 1839. — Handbuch der
pathol. Anat. IL Band 1S56. S. 186. — Dr. J. Späth,
in der Zeitschr. der k. k. Gesellschaft der Aerzte tu Wien.
X.Jahrgang. 1S54. Januar-Heft. — Die Beschreibung von
Späth ist in Kilian's Neuen Beckenformen (Mannheim
1854] S. 116 wörtlich abgedruckt.)
Scanzonis Beiträge III. <J
34
Die Vereiterung der Symphysis pubis bildet einen Sack,
der am getrockneten Präparate eine rundliche Form bei
einem Halbmesser von 3 /4 Zoll hat; derselbe springt nach
hinten '/i Zoll über die Fläche der Symphysenknochen ein.
Dadurch wird die Conjugata auch noch beeinträchtigt und
in Bezug auf die hintere Beckenwand folgendermassen mo-
dificirt:
1) Eigentliche Conjugata (vom oberen Symphysen -Band
zum wahren Promontorium, d. i. der Furche des ein-
geknickten ersten Sacralwirbels) = 4 Zoll.
2) Von der hinteren Wölbung der Symphyse zum falschen
Promontorium, d. i. dem Vorsprung zwischen dem 4 u. 5.
Lendenwirbel = 2 Z. 6'". Vom oberen Symphysen-
rande zu diesem Promontorium = 3'' 3'". —
3) Von denselben Punkten an der Symphyse zum oberen
falschen Promont. , d. i. dem Vorsprung zwischen dem
3. iL 4. Lendenwirbel = dieselben Distanzen von 2" 6'"
und 3" 3'".
Bei Lebzeiten hatte die Untersuchung ohne Ermittelung
des wahren Promontoriums überhaupt nur die mittlere
Distanz von zwei Zoll etlichen Linien finden können.
Der Querdurchmesser des grossen Beckens (grösste
Distanz der beiden Cristae ilium) beträgt 10" 6'", die
Höhe des Beckens 7" 8'". —
Der Arcus pubis ist sehr breit , die obere Begrenzung
desselben durch den Eitersack , der die beiden Branchen
von einander entfernt, als horizontaler Hand von 2" Lange,
die untere Distanz des Bogens auf 3" Länge erweitert.
Besondere Beachtung verdient die Compression und
Einknickung des ersten Sacralwirbels und die Re-
duetion seiner Höhe im vorderen Umfang auf 3'"; dadurch
tritt das merkwürdige Verhältniss in Erscheinung, dass der
untere Rand des 5. Lenden - und der obere Rand des 2.
Sacralwirbels einander vis-a-vis zu stehen kommen, dazwi-
schen in einer tiefen Furche der Rest der vorderen Fläche
35
des 1. Sacralwirbels in satteförmiger Krümmung eingelagert
bleibt. Der Körper des 5. Lendenwirbels wird
dadurch gleichsam in's Kreuzbein eingesenkt und
stellt abnormer Weise in seinen breiten Flanken mit den
Rändern des Eindruckes des Kreuzbeines in Knorpelver-
bindung. (Die letztere ist wohl das, was man, wie uns
dünkt, irrthümlich als Gelenkverbindung bezeichnet,
und dabei sogar von zwei Gelenkfortsätzen des ver-
schobenen AVirbelkürpers gesprochen hat. Wir sehen daran
weder Fortsätze, noch Gelenkl'ortsätze , geschweige denn
congenitale Gelenkfortsätze). — Die hintere Fläche des 1.
Kreuzbeinwirbels ist von normaler Höhe und Richtung;
dagegen liegt die etwas verkürzte hintere Fläche des 5.
Lendenwirbelkörpers völlig horizontal und etwas tiefer als
der hintere Rand des Sacralwirbels. Man bemerkt hier
den hiatus sacro-lumbalis in Kartenherz - Form,
nämlich von rundlichem Umriss und durch den von oben
einspringenden schnabelförmig gekrümmten proc. spin. des
5. Lendenwirbels in 2 Hälften getheilt.
An dem 5. Lendenwirbel sind nebstdem folgende
Abweichungen erheblich: Derselbe hat im Ganzen eine im
sagittalen Durchmesser ausgezogene, bogen-
förmig gekrümmte, mit der Convexität nach oben ge-
kehrte Gestalt; sein Bogen ist verbreitert und mit der
Fläche etwas horizontal gestellt , jedoch weniger als bei
N. 1756; die pro c. art ic ul. sacro -lumbales bilden zu-
sammen, wie bei dem Münchener decken, u. z. beiderseits
plumpe, haselnussgrosse Höcker, an denen man die pa-
rallele Senkrechtstellung der A rticul ationsflä-
chen und daher die Aufhebung des mechanischen Momentes
zum festen Halt dieser Gelenkverbindung, genau wahrnimmt.
— Der durch die Deviation des Lendenwirbels bedingte
Isthmus des Spinalkanals beträgt unter dem Arcus des 5.
Lendenwirbels nur 2'", ist übrigens von normaler Breite.
Die Elongation und Bogenkrümmung des Arcus zeigt eine
36
grosse Uebereinstimmung mit der ähnlichen Beschaffenheit
des 5. Lendenwirbels an dem Paderborner Becken.
Auch über diesen Fall finden wir uns veranlasst, auf
den nach eigener Anschauung geschöpften Befund einige
Corrolarien folgen zu lassen. — Späth war in seiner Be-
schreibung nahe daran, der hydrorrhachitischen Deformation
des q. Lendenwirbels zu erwähnen, denn in seinem Resume
liesst man unter 7): „da der letzte Lendenwirbel über die
schiefe Verbindungsfläche am Kreuzbein so nach vorne
hereingerückt ist, dass sein unterer Rand 3'" weit vorsteht,
vermag sich sein Bogen nach rückwärts nicht mehr an den
des nächsten Kreuzwirbels anzuschliessen , sondern las st
an der hinteren W and des Wirbel k a n a 1 s eine
Lücke von 5 L in. Länge und 6 Lin. Breite." —
Indessen übersah Späth die Hauptsache dabei, die Klon-
gation uud Bogenkrümmung des Arcus und die abnorme
Stellung der proc. obliqui des dislocirten Wirbels, und ohne
diese Angabe ist eine Lücke an der hinteren Wand des
Wirbelkanale3 nicht weiter zu verw^erthen gewesen. —
Kilian legt wieder ein besonderes Gewicht auf die
„jedenfalls angeborene" sogenannte Neubildung
zweier kurzer Gelen kfortsätze zu beiden Seiten
des unteren Dritttheils des Wirbelkörpers (1. c. S. 124),
welche angeblich Späth völlig übersehen hat, während
sie dem Scharfblicke Rokitansky' s nicht verborgen
blieb. — Confrontiren wir aber die Beschreibungen beider
Autoren, so finden wir die Angabe über diesen Punkt in
folgenden Worten:
Rokitansky (1839. Oesterr. Medic. Jahrb. XIX. B.) :
„Der erste Kreuzwirbel ist ungewöhnlich niedrig und nimmt
mittelst zweier nach innen sehender, seicht coneaver Gelenk-
flächen vor und über der Synchondrosis sacro-iliaca zwei
vom unteren Seitentheile des letzten Lendenwirbels ab-
gehende Gelenkforisätze so auf, dass letzterer im
Kreuzbeine wie eingekeilt erscheint , wobei er zu-
37
gleich über die sehr abhängige Verbindungsfläche des ge-
nannten Kreuzwirbels sehr tief in das Becken gerückt ist
und eben vor ihm auf 4"' hervorragt. " — Und Späth
(1854. Zeitschr. der k. k. Ges. der Aerzte zu Wien. X.Jahr-
gang, — bei Kilian S. 119 unter d): -Der letzte Lenden-
wirbel hat an seiner vorderen Gelenklläche die normale
Hohe, während er dieselbe rückwärts bei weitem nicht
erreicht. Seine untere Verbindungsfläche ist brei-
ter und seitwärts aufgebogen, so dass sie über die
Gelenkfläche am Körper des ersten Kreuzwirbels noch 2'"
bis 3'" breit auf seine Flügel hinausreicht." —
Wir haben nach eigener Anschauung , ohne uns der
citirten Beschreibungen an Ort und Stelle zu bedienen, den
Sachverhalt so gefunden, wie er oben bezeichnet wird:
-Der Körper des 5. Lendenwirbels erscheint gleichsam in's
Kreuzbein eingesenkt, und steht abnormer Weise in seinen
breiten Flanken mit den Rändern des Eindrucks des Kreuz-
beins in Knorpelverbindung."'
Also , das vermeintliche corpus delicti haben wir alle
gesehen, jedoch verschieden beschrieben und anders ge-
deutet. — Eine ontologische Auffassung dieses eigenthüm-
lichen Befundes dient offenbar zu nichts, denn angenommen
— aber nicht zugestanden — diese Verbindung sei wirk-
lich von Gelenkfortsätzen gebildet, was resultirt daraus für
die Wirbelschiebung und die BeckendifformitätV Stellen
wir uns selbst den unwahrscheinlichen Fall vor, ein Indi-
viduum brächte diese Abnormität der Verbindung, wie sie
vor uns da steht, mit zur Welt; so ist nicht zu begreifen,
warum der Lendenwirbel ceteris paribus nicht in seiner
normalen Lage verharren, sondern eine Dislocation erleiden
sollte. — Im Gegentheil haben wir derlei Anomalien der
Sacro-Lumbal-Junctur hie und da beobachtet und verzeich-
net, die überhaupt keine Consequenzen , am allerwenigsten
das Gleiten des Lendenwirbels über die vordere Kreuz-
beinkante bewirkten. — Gehen wir hingegen auf die Ge-
38
neso. dieser Pormalion ein, und berücksichtigen wir die
mechanisches Momente, die bei der allmüligen Entwicklung
einer solchen Lageveräuderung nothwendig mit irn Spiele
gewesen sein mussten , so linden wir in der (Konfiguration
dieser Verbindung wieder den Ausdruck des verrückten
Schwerpunktes der Körperlast, die nach gelockertem Wider-
stände von Seite des Wirbelbogens und der proc. artic.
inferiores, anstatt in gleichmässiger Vertheilung auf der
oberen Flache des Kreuzbeines aufzuruhen, mit voller Wucht
auf die vordere Kante desselben drückte, wodurch es dem
Lendenwirbel möglich wurde, sich an dieser Stelle gewisser-
massen in das Kreuzbein einzuarbeiten und einen Eindruck
hervorzubringen, mit dessen nach innen gekehrten Flächen
der Körper des Lendenwirbels in überknorpelte Verbind-
ung trat.
Dass hiezu eine gewisse Weichheit und Nachgie-
bigkeit der Knochen textur nothwendig gewesen sei,
ist a prioi anzunehmen , allein diese Annahme ist keine
willkürliche , sondern vielmehr das Ergebniss der sämmt-
lichen coneurrirenden Formverhältnisse: 1) der untere
Rand des 5. Lendenwirbels ist in die Breite ge-
drückt und seitlich um- und aufgestülpt (nach Späth:
„seitwärts aufgebogen"), — 2) der 1. Kreuzwirbel ist
an seiner vorderen Fläche im Sinne der Längenachse
comp ri mir t, und hier in der Luftlinie vom oberen zum
unteren Rande auf 3'" reducirt, — eine Verkürzung, die
freilich, wie Kilian S. 125 richtig bemerkt, erst am Ion-
gitudinalen Durchschnitt genau zu bemessen wäre, die wir
aber annähernd bestimmt haben, indem wir eine Durch-
schnittsansicht nach genauen äusserlich abnehmbaren Mess-
ungen so gut als möglich zu construiren bemüht waren.
— 3) Die Flügel dieses Wir bels sind gleichzeitig
nach vorn und einwärts gebogen, so dass die obere
Fläche der Lateralmassen eine seitliche Compression beur-
kundet, die sich besonders aus der Distanz der Synchon-
39
droses sacro-iliacae ergibt. Diese rücken nämlich an der
lin. arcuata auf 3" 9'" zusammen, während die normale
Distanz desselben 4" 3'"— 4" 7"' (Späth, sub c). Man
muss diese Erscheinung besonders desshalb hervorheben
weil sie gerade das Gegentheil von dem ausspricht, was
man bei der Annahme von abnormen Gelenkfortsätzen
des Lendenwirbels zu denken geneigt wäre. Die letzeren
sollten nämlich als etwas Ueberraässiges, zu dem normalen
Bestand des Kreuzbeins Hinzugetretenes, zur Verbreiter-
ung desselben wenigstens so viel beitragen , als sie selbst
zusammen ausmachen ; allein weit entfernt , dies zu
thun, ziehen sie die Breite des Kreuzbeins unter die Norm
herab! — Wo will man die Erklärung dieser Erscheinung
herholen, wenn man die Symptome der Compression über-
sieht, die sich hier und noch in anderen weniger wesent-
lichen Punkten unzweideutig kund geben, und sammt und
sonders in den veränderten Druckverhältnissen ihre unge-
zwungene Erklärung und natürliche Begründung finden? —
Die anatomische Diagnose für dieses Becken lautet
somit nach unserer Anschauung: Hydrorrhachis sacro-
lumbalis mit consecutiver Verlängerung des Bo-
gens des fünften Lendenwirbels, parallele Senk-
recht Stellung der Articulations flächen der
proc. obliq. in f., Dislocation desselben Wirbels
nach vorn, — Compression des ersten Sacra 1-
Wirbels im vorderen Umfang mit Einkeilung
des Lendenwirbels in denselben; Lendenlor-
dose, Vereiterunng der Symphyse nach Metro-
phlebitis puerperalis.
V. Fall. Das Paderborner Becken.
(Hiezu Taf. VII. und VIII.)
DasPad er borner Becken ist von allen bisherigen
einschlägigen Fällen die completeste und gründlichste Be-
40
obachtung, die unserer Literatur durch die classische Mo-
nographie von Kilian einverleibt wurde (De spondylolis-
thesi , gravissima pelvangustiae causa nuper detccta, cum
tab. III. lithogr. Bonnae, (ohne Jahreszahl, bei Gelegenheit
der Jubiläumsfeier der Universität Bonn im J. 1853 ver-
öffentlicht). — Schilderung neuer Beckenformen und ihres
Verhaltens im Leben, Mannheim 1854).
Es handelt sich hier nicht darum , eine vollstän-
dige anatomische Beschreibung des ganzen Beckens zu
liefern und vielleicht das zu wiederholen, was bereits früher
gut gesagt wurde: uns k;im es eigentlich auf die eigene
Anschauung der Lumbosacral-Verbindung an, und da wir
bereits an zwei Becken den von den früheren Autoren
übersehenen Schaltwirbel entdeckt und nachgewiesen haben,
dass dieser, sowie in den zwei anderen Fällen die Miss-
bildung des Bogens des 5. Lendenwirbels, — die Grund-
Bedingung der merkwürdigen BeckendifTormität abgebe, so
wird es von einigem Interesse sein, den Befund auf den
es hier eigentlich ankommt, und auf den wir selbst höchst
gespannt waren, mit einiger Detailangabe mitzutheilen. Im
übrigen verweisen wir auf die anatomischen und geburts-
hilflichen Maussangaben in der genauen Beschreibung von
Kilian.
Das Becken ist von allen übrigen im Ganzen das am
meisten symmetrische; es bietet eine reine Lordose des
Lendensegmentes der Wirbelsäule ohne seitliche Krümmung
oder Neigung derselben dar; der rechte Schenkel des arcus
pubis ist etwas mehr concav ausgeschweift und seine Höhe
etwas bedeutender als auf der linken Seite, daher auch das
rechte Acetabuluin anscheinend etwas höher steht. Das
tuber ischii tritt rechts etwas mehr nach aussen als links.
— Die Symphyse ist wie bei allen übrigen wegen starker
Senkung des Beckens leicht schnabelförmig vorgezogen,
dabei aber so stark nach oben springend , dass eine von
der oberen Kante nach hinten gezogene horizontale Linie auf
41
das untere Drittel des zweiten Lendenwirbels fällt, die
untere Kante im Niveau des dritten Intervertebral-Knorpels
steht. Dadurch wird die vordere und normal untere
Fläche zur oberen, — die hintere, normal obere zur
unteren; dadurch kommt eine sehr horizontale Conjugata
von 2" 3'" zu Stande, die auf die Verbindung des 2. und,
3. Lendenwirbels fällt , während der grössere Theil der
Lendenwirbelsäule, der 3., 4. und 5. Lendenwirbel in die
Tiefe des Beckens gesunken ist.
Das Kreuzbein hat eine Krümmung, die man nur an
osteomalacischen Becken mit Infraction in einem so hohen
Grade kennt. Der obere Theil (1. und 2. Wirbel) steht
beinahe senkrecht, der untere Theil (3., 4. und 5. Wirbel)
liegt beinahe wagrecht zur Körperaxe, und da der letzte
(dislocirte) Lendenwirbel auch nahezu horizontal und folg-
lich mit dem unteren Theil des Kreuzbeins beinahe parallel
liegt, so resultirt daraus eine höchst eigenthiimliche Exca-
vatio sacralis von pyramidaler Gestalt, die im sagittalen
Durchmesser einigermassen das an Raum einbringt, was sie
im verticalen Durchmesser eingebiisst hat. — Das Kno-
chengewebe des Kreuzbeins zeigt keine auffallende Altera-
tion ; bei genauer Betrachtung findet man jedoch die Ma-
schen der spongiösen Substanz sehr weit, die Knochenbalken
und Lamellen dick; im unteren Theil ist das Gewebe des
Kreuzbeins stark fetthaltig wie bei Osteomalacie. — Im
Uebrigen ist der Knochen leicht, allerwegen stark porös,
in den fossis iliacis papierdünn und durchscheinend.
Die hintere Ansicht des Beckens, welche zur Ver-
sinnlichung der Difformität des verschobenen Lendenwirbels
wesentlich beiträgt, haben wir (Taf. VII.) bei diesem wie
bei dem Prag -Würzburger Becken aufgenommen und so
gut, als es die kurze Zeit gestattete, ausgeführt; bezüglich
der Durchschnittsansicht verweisen wir auf die eben so
naturgetreue als künstlerische Abbildung in Kilian's Ab-
handlung und liefern nebstdem (Taf. VIII.) die Durch-
42
schnitlsansicht der rechten Hälfte behufs der näheren Angaben
über die Missbildung des 5. Lendenwirbels und der Ableitung
der Gesammt-Difformität aus dem Mechanismus des Beckens.
Der sehr breite hiatus sacralis (T. VII. A. hi) reicht
bis zum 2. Sacralloch, (bei der starken Krümmung des
Kreuzbeins kommt in der Zeichnung nur der oberste Theil
desselben zur Ansicht); darüber kommen zwei kleine Höcker
— proc. spinosi der zwei oberen Sacralwirbel — vor, und
über diesen eröffnet sich der Hiatus lumbo-sacralis (S)
1 Zoll breit, % Zoll hoch. Die obere Begränzung dieses
letzteren bildet das hintere Bogenende des 5. Lendenwir-
bels, dessen beide Branchen, in ungleichem Niveau — die
linke höher, die rechte tiefer gestellt sind, und weder in
innige Verbindung mit einander treten, noch einen eigent-
lichen proc. spinosus bilden. Sie unterbrechen als dünne
schmale Knochenspangen die Lumbo-Sacral-OefTnung, die
sich weiter nach oben bis an den proc. spin. des 4. Len-
denwirbels fortsetzt, von wo an weiter aufwärts der Ver-
schluss des Spinalkanals vollständig ist. Sie liegen so tief
unter dem Niveau der Dornfortsätze der übrigen Lenden-
Wirbel, dass man sie unter der Hautdecke unmöglich hätte
durchfühlen können, und obgleich die oberen Lendenwirbel
durch die Dislocation des 5. bedeutend nach vorn gerückt
sind, wären doch nur die 4 D ornfortsäze desselben
als solche nachweisbar gewesen. Zu dem tiefen Stand
und dem Verdecktsein dieser Arcus-Rudimente des 5. Len-
denwirbels trägt auch der Zustand der proc. articulares
bei, die hier eine merkwürdige Uebereinstimmung mit denen
des Prag-Würzburger Beckens bilden.
Die processus articulares lumbo-sacrales (hji)
bilden nämlich , symmetrisch zu beiden Seiten des Hiatus
gelagert, rundliche Protuberanzen von der Grösse einer
halben Wallnuss (auf der Tafel beiKilian der am meisten
nach hinten vorragende concentrisch straffirte Höcker),
worin man nur die Verschmelzung des proc. artic sacralis
43
mit dem proc. artic. lumbalis inf. sehen kann. Ihre Be-
gränzung ist durch die Synostose unkenntlich ge-
worden; indessen scheint auch liier an jedem der Höcker
eine oberflächliche, schief von oben aussen nach unten
innen verlaufende Furche die Andeutung abzugeben, dass
die Demarcation beider contribuirender Theile in dieser
Richtung verlief. Erwiese sich diese Annahme als richtig
— dies wäre durch einen passenden Querdurchschnitt zu
ermitteln, — so könnte auch die Richtung der Ebenen be-
stimmt werden, in der die Articulationsflächen zu einander
und zu dem normalen Yerhältniss verliefen. So wie die
Sache steht, lässt sich nur aus der x\nalogie ähnlicher
Vorgänge an diesen Gelenken mit Wahrscheinlichkeit an-
nehmen , dass der langwierige mechanische Einfluss, dem
diese Gelenke durch die Dislocation de* Wirbelsäule und
den dadurch bedingten übermässigen Zug andauernd ausge-
setzt waren, durch einen lenten adhäsiven Entzündungsvor-
gang zur völligen Verschmelzung und Synostose geführt
habe. —
Die processus transversi lumbales an unserer Zeich-
nung (Taf. VII. A. 3. 4. 5.) sind beiderseits normal gebil-
det und sehen frei nach aussen ; sowie ihre Wirbel sind
auch sie sehr tief in den Beckenraum und weit nach vorn
gerückt. — Da an diesem Becken weder ein überzähliger
Fortsatz noch ein anomales Wirbelrudiment nachzuweisen
ist, so muss die Aufmerksamkeit besonders auf jeneEigen-
thümlichkeiten des geschobenen Wirbels gerichtet sein, die
sonst im ursächlichen Zusammenhange mit der Difformität
stehen.
Betrachtet man den D.Lendenwirbel von der Seite,
so findet man, dass er im sagittalen Durchmesser in die
Länge gezogen und in einem Bogen mit nach oben
gekehrter Ccnvexität gekrümmt ist. Die Verlängerung
und Bogenkrümmung betrifft ausschliesslich die beiden
Schenkel des Arcus und die dadurch bedingte Verdünn-
44
ung ihrer Knochenmasse betrifft vorzugsweise die Stelle
zwischen dein proc. artic. superior und inferior,
rechts und links. Diese Fortsätze kommen dadurch in ein
derartiges Missverhältniss, dass die oberen ganz nach
vorn und etwas tiefer gerückt, die unteren dagegen
völlig nach hinten und zugleich etwas höher gestellt er-
scheinen. Tafel VIII liefert hiezu den Vergleich der sche-
matischen Figuren eines normalen (A) mit dem difformen
5. Lendenwirbel (ß); a "Wirbelkörper, b Wurzel des Wir-
belbogens , c oberer Gelenkfortsatz, d unterer Gelenkfort-
satz, e Interarticularportion des Bogens, f Dornfortsatz. —
f hinteres Ende desselben, bei B fehlend und unentwickelt,
daher nach der muthmasslichen Richtung entworfen. Man
kann sich von diesem Missverhältniss keinen besseren Be-
griff bilden , als wenn man sich einen Wirbel von Caout-
schouc vorstellt, von dem blos die unteren Gelenkfortsätze
fixirt, der ganze vordere Theil dagegen in Bogenkrümmung
vor- und abwärts gezogen wird: die Verdünnung des arcus
wird dann die Partie vor dem fixen Puncte betroffen und
die oberen (von der Wirbelsäule belasteten) Gelenkfortsätze
werden sich soweit entfernen , dass sie endlich tiefer zu
liegen kommen , als es die fixirten ursprünglich gewesen
sind. —
Es wäre bei diesem Becken ebenso wünschenswerth
eine Profil-Ansicht der Wirbelsäule aufzunehmen , wie wir
diess bei dem Prag-AVürzburger gethan haben; indessen ist
die Sache auch einigermassen einleuchtend aus der Durch-
schnittsansicht, wenn man nämlich die Contouren innerhalb
des Spinalkanals sorgfältig verfolgt und die Verhältnisse
der Wirbelkörper, der Wurzeln und der Dornfortsätze der
Bögen vergleicht (Taf. VIII. C).
Dass sich die Difformität des 5. Lendenwirbels wirk-
lich auch in der dargestellten Art und Weise entwickelt
haben musste , unterliegt wohl keinem Zweifel, denn die
Uebereinstimmung aller Umstände gibt keiner andern Idee
45
Raum. — Eine andere Frage ist aber die: was war das
erste ursächliche Moment zu dieser Verlängerung und Ver-
dünnung des Wirbelbogens, welche speciellen Bedingungen
gingen einer solchen ungewöhnlichen Missbildung des Wir-
bels voraus , die , wenn auch aus dem Mechanismus be-
greiflich, dieser Wirbelverbindung doch so selten zukommt?
— Wir müssen gestehen, dass uns hier der ganze Hergang
der Genese auf den ersten Blick mehr Schwierigkeiten ge-
boten, als es bei den vorigen Becken der Fall war. Ware
an ein spoutanes Auswachsen des Wirbelbogens zu denken,
so wäre der Knoten bis auf dieses Itäthsel gelöst. — Allein
die Verlängerung der beiden Bog ei.schenkel ist auch keines-
falls eine secundäre . d. h. bloss von der Dehnung und
Zerrung des Wirbels nach vorn abhängige Erscheinung,
denn für diese selbst ist das primäre Moment zu suchen. —
Ebenso wenig können wir die Alteration des Intervertebral-
Knorpels für das primäre und causale Moment halten , da
sich au demselben nur die Spuren der Compressions-Atropl.ie
nachweisen lassen.
Bekanntlich resistirt der Intervertebral- Knorpel bei
Krankheiten der Wirbelsäule viel hartnäckiger als der Wirbel-
knochen selbst, nicht bloss bei Spondylitis und Caries. bei
Usur vom Druck andringender Aneurysmen und anderer
Geschwülste, sondern selbst bei den alle Gewebe durch-
setzenden Neubildungen, wesshalb derselbe auch als Isolator
bezeichnet wird: woher käme hier die auf eine Junctur
beschränkte Erkrankung der Knorpelscheibe , da doch die
zu ihrer Ernährung beinahe ausschliesslich contribuirenden
Gelenkflächen der Wirbelkörper keine andere Texturver-
änderung beurkunden, als eine consecutive Verstärkung der
Knochenbalken an der dem grössten Druck ausgesetzten
Stelle der spongiösen Substanz? — Endlich,
Abgesehen davon, dass man eine Verflüssigung und
Erweichung oder einen spontanen Schwund dieser Knorpel-
scheiben weder hier noch sonst wo beobachtet hatte, und
46
«lii '-elbe schwerlich auf einen anderen local so seltsam be-
schränkten Krankheitsprocess zu beziehen wäre, so würde
Hf ja im besten Falle, wenn sie nachgewiesen wäre, gar
nicht hinreichen, das Kutschen des Wirbelkörpers nach vorn
zu erklären , so lange die fixen proc. artic. festen Wider-
halt bieten.
Anatomische Anhaltspunkte zur Begründung
einer Theorie der Genese für diese Wirbelschiebung bieten
unseres Erachtens nur folgende Eigentümlichkeiten des
Beckens: 1. Die Spur von ITydrorrhachis und die dadurch
bedingte MissbÜdung des Wirbelbogens des 5. Lendenwir-
bels, — und 2. die Form - und Texturveränderung der
Heckenknochen selbst. —
Was den ersten Punkt betrifft, so lehrt der Vergleich
dieses Beckens mit einer normalen und mit den vorherbe-
sprochenen spondylolisthetischen Becken, dass die Hy-
dro r r h a c h i s durch Erweiterung des Rücken-
markkanals einen guten Theil an der Verdün-
nung der einzelnen Bogent heile genommen
habe, und dass sie wahrscheinlich auch zur Dislocation
der Gelenkflächen an den proc. obliquis beizutragen im
Stande gewesen sei. An einem normalen wohlgebildeten
5. Lendenwirbel sehen die Gelenkflächen des proc. artic.
inf. so nach aussen und vorn, dass ihre hintere Begränzung
eine senkrechte, zur Medianlinie parallele Linie bildet und
eine in diese Linie zum äusseren Rand des Wirbelkörpers
gelegte Ebene muss die Wurzel des proc. transversus in
gerader Richtung von hinten nach vorn schneiden (Taf. VT.
D. xy). — Bei unserem difformen Lendenwirbel stellt
die Begränzungs-Furche beider proc. articul. an der Lumbo-
Sacral-Verbindung eine schräg von aussen oben nach unten
innen verlaufende Linie dar, und die Ebenen der Articula-
tiunsflächen haben demgemäss eine abnorme Richtung. Man
kann sich diese Richtung vergegenwärtigen, wenn man mit
einem normalen Wirbel, woran die Spitzen der proc. trans-
47
versi die Achse bilden, eine solche Drehung vornimmt, dass
die vordere Fläche des Wirbelkörpers wie bei der Spondy-
lolisthesis nach unten sieht: die Begränzung der Articula-
tionsflächen wird dann von einer schräg von oben aussen
nach innen unten verlaufenden Linie gebildet und die Ebe-
nen sehen dann nach unten aussen, wobei sie, wenn nicht
eine synostotische Verschmelzung zwischen ihnen und den
correspondirenden Gelenkflächen des 1. Sacralwirbels be-
stände , ihrem Wirbel keinen gehörigen "Widerhalt geben
könnten. —
Die nicht entsprechende Vereinigung der hinteren Bo-
gentheile , ihre Verdünnung und die mangelhafte Bildung
des proc. spinosus ist jedenfalls eine Theilerscheinung der
gehemmten Entwickelung im Wirbelbogen , wiewohl auf
die spina biöda selbst ein geringerer Theil der consecutiven
Dislocation zu rechnen kommt als auf die Verlängerung
der Interarticulai -Partie des Wirbelbogens.
Nebst dieser Anomalie , deren Anlage jedenfa'ls der
fötalen Periode gehört, ist die Form- und Texturver-
änderung der Beckenknochen nicht zu übersehen,
da sie offenbar zur gesammten Difformität des Beckens
mehr beiträgt, als dies bei den anderen vier Becken be-
merkbar ist. In dieser Beziehung weisen wir auf folgende
hervorragende , zum Theil an der Durchschnittsansicht der
rechten Beckenhälfte ersichtliche Eigenschaften hin:
a) Der Knochen ist sehr zart gebaut, ungemein leicht,
sein Gewebe spröde , grob porös , zum Theil atrophisch
verdünnt, zum Theil grobmaschig rareficirt, anderwärts (in
den Sacralwirbeln) die Knochenbalken verdickt, überdiess
ungleich fetthaltig. —
b) Die Krümmung des Kreuzbeins ist ungewöhnlich
stark entwickelt und selbst viel grösser als an dem Prag-
Würzburger Becken, obwohl die Wirbelschiebung in sofern
an dem Paderborner einem geringeren Grade gehört, als der
48
geschobene Lendenwirbel an dem vorderen oberen Kande
des Sacralwirbels stehen blieb, während er an dem Würz-
burger Becken mit Abrundung dieses Randes bis an die
vordere Flache des Sacralwirbels gerückt ist. —
c) Die Formveränderung des von hinten nach vorn
ausgezogenen Lendenwirbels und des gekrümmten Kreuz-
beins spiegelt sich auch in den ungenannten Beinen ungleich
auffallender als in den anderen Fällen von Wirbelschiebung
ab: bei verminderter Höhe der ungenannten Beine bemerkt
man eine Streckung und Verlängerung derselben nach vorn
wodurch das Becken die anderen Fälle von Wirbelschieb-
ung (im sagittalen Durchmesser) um 1 Zoll , ein normales
sogar um 1 j /cj— l 3 4 " übertrifft. —
d) Das schnabelförmige Vortreten und Aufsteigen der
Symphyse, das völlige Verkehrtsein ihrer Flächen, der Stand
der Cristae ilium , deren oberste Punkte die Spinae sup.
ant. bilden, die grosse Tiefe der Gelenkpfannen und ähn-
liche Einzelnheiten sind Erscheinungen, die diesem Becken
im höchsten Grade und in einer solchen Art zukommen,
dass der daraus resultirende Gesamra t eind r uck auf die
Idee einer Nachgiebigkeit und Dehnbarkeit führt,
einer Eigenschaft, die den Beckenknochen — freilich in
einer anderen Art und Reihenfolge von Erscheinungen —
bei einem massigen Grade von Knochenerweichung zu-
kommt. —
Nach unserer gegenwärtigen Begriffsbestimmung ist
die Osteomalacische eine in ihren anatomischen Merkmalen
zu genau umschriebene Beckenform , als dass man ihr die
vorliegende DiiTormität einverleiben könnte ; allein eben
desshalb und besonders darum, weil es bisher keine Cathe-
gorie ähnlicher Formen gibt, finden wir uns veranlasst, den
Umstand mit Accent hervorzuheben, dass bei dem Pa-
derborner Becken nicht bloss die Neigung, die
bei den anderen Fällen von Wirbelschiebung bedeutend
49
vermindert ist, tief unter Null sinkt, sondern dass
daraus nebstdem auch eine durch andauernd be-
standene Nachgiebigkeit der Knochentextur zu
erklärende Form v er an dem ng aller einzelnen
Bestan dt heile des Becken skeletes wahrzunehmen
ist, die den übrigen Becken nicht zukommt.
Es scheint uns nicht undenkbar, dass der letzte Len-
denwirbel, abgesehen von seiner durch Hydrorrhachis be-
dingten Missstaltung , auch in der späteren Lebensperiode
an der Nachgiebigkeit und Dehnbarkeit der Knochentextur,
der das ganze Beckenskelett in terworfen war, partieipirt
habe, und dass die Verschmächtigur.g des interarticularen
Bogentheils, die Verlängerung und Bogenkrümmung des
Wirbels .zum Theil jenem chronischen Ufcbel zuges hrieben
werden könne , das aus Mangel eines detaillirten Befundes
über das Verhallen der Gewebe im frischen Zustande nicht
mit Praecision bezeichnet werden kann, in einiger Beziehung
jedoch an Osteomalacie erinnert. Die Dehnbarkeit des
Wirbeibogens hätte bei noch längerem Bestände einerseits
bis zur völligen Atrophie desselben führen, und andererseits
eine noch stärkere Wirbelschiebung zur Folge haben können,
wenn nicht schon früher durch die . Q yr.osto ? e der processus
articulares sacro-lumbales , und gleichzeitig durch die Ein-
keilung des vorderen Randes des 1. Sacralwirbels mitten
in die untere Gelenkfläche des Lumbalwiibels einem höhe-
ren Grade von Dislocation G rängen gesetzt worden uären.
Eines Umstandes müssen wir noch erwähnen, der uns
an dem Becken nebstdem auffiel. Es ist dies der wirkliche
oberflächlich etwas raue Saum (auf unserer Zeichnung der
hinteren Beckenansicht [Tafel VIT. A] mit p bezeichnet),
der sich hinten an die Synchondroses; sacro-iliacae anlegt
und dem Anschein nach als keilförmige Knochenscheibc
zwischen das Kreuz- und das Darmbein (tuberositas iliuin)
eindringt. Da dies links und rechts zu finden ist, gewinnt
Scauzoni's Beiträge III. "*
50
da< Kreuzbein dadurch an Breite ohneEinbuss der Symmetrie;
indessen scheinen die beiden Knochensäume mehr den
Darmbeinen anzugehören und stellen vielleicht einen knö-
chernen Wulst, einen abnormen Liinbus der Tuberositas
dar, dessen Entstehung bei den veränderten Druckverhält-
nissen nicht unpassend der andauernden Zerrung der Ilio-
Sacralbänder zugeschrieben werden könnte- Wir erinnern
hier an das einzige Becken mit einem einigermassen ähn-
lichen Befunde, das wir in Nägele's Sammlung zu Heidel-
berg sahen und in unserem Reisebericht (Frage/ Viertel-
jahrschrift 1857) unter N. 13 notirten.
Wir dürfen nicht unerwähnt lassen, dass Kilian in
seiner umsichtigen Schilderung dieser Beckeminomalie alle
diese einzelnen Formabweichungen der Beckenknochen ge-
hörig hervorgehoben (1. c. p. 43), und da, wo es sich um
die Entstehungsweise handelt, die Erweichung des Knochen-
gewebes, wenn auch in einer beschränkten Ausdehnung
(p. 49) zu Grunde legt. Es erübrigt daher nur, die Gegeq-
gründe gegen die Annahme eines pathologischen Vorganges
zu erwägen und jene Umstände zu würdigen, die für eine
mehr physiologische Entwickelung der Difformität
sprechen, — wenigstens den Antheil, den die nor-
malen oder nicht allein innerhalb des B ecken -
bereichs liegenden Verhältnisse als Nebenbeding-
ungen an der Difformität haben konnten , in's Licht zu
setzen. Das ist der einzige Weg, um die Beckengattung
bezüglich ihrer Entwickelung richtig aufzufassen und die
bequeme, alle Schwierigkeiten brevi manu beseitigende Be-
hauptung des „Angeborenseins" in ihre Schranken zu ver-
weisen. Dieses Dogma musste gerade bei jenem Becken
aufgestellt werden, wo man von der Anamnese so gut wie
nichts gewusst; es wäre kaum in dieser Art der Fassung
aufgetaucht, wenn man von der Anamnese so viel werth-
volle Anhaltspunkte hätte holen können, als es bei dem von
Kilian geschilderten Paderborner Fall möglich ist.
51
Zunächst ist liier das Alter des Individuums in An-
schlag zu bringen. Ein Becken, das 40 Jahre lang den
Bedingungen einer Difiormität unterliegt, wird dieselbe aus-
geprägter, in huherem Grade entwickelt kund geben mi
als eines, das kaum mehr als die Hälfte dieses Alters er-
reicht hat. In dieser Beziehung wäre mehr Gewicht auf
die langwierige Dauer der Difiormität zu legen, als auf die
pathologischen Bedingungen derselben. —
Ferner erfahren wir, dass die Paderborner Frau, in
ihrem 34. Lebensjahre verheiratl.et, bis zum 40. viermal
schwanger gewesen, in ihrem 35. Jahre mit einer
Frühgeburt davongekommen, im 36. Jahre durch den Kai-
serschnitt entbunden , im 39. Jahre abermals durch eine
glückliche Frühgeburt ohne Beistand frei geworden, im
40. Jahre bei der 4. Schwangerschaft den schlimmsten Com-
plieationen des Kaiserschnittes zum Opfer gefallen ist. Wir
können uns wohl gegenüber den allgemein bekannten That-
sachen bezüglich des Einflusses der Schwangerschaft auf
das Becken einer weitläufigen Deduction überheben und auf
diese Reihe von Ereignissen einfach hinweisen, unter denen
die Gesammtform eines von der Pubertät an bereits miss-
stalteten Beckens allmäiig und unmerklich Modificationen
erlitt, die sich bis zu dem höchsten bis jetzt bekannten
Grade dieser Difiormität steigerten. —
Wir erfahren endlich, dass die äusseren Verhält-
nisse, das Gesammtbefinden, die allgemeine
Körperbeschaffenheit des Individuums nichts we-
niger als günstig waren, um die einmal angebahnte Miss-
staltung des Beckens in dem Fönschreiten ihrer Entwickl-
ung aufzuhalten oder ihr Glänzen zu selzen. Wenn auch die
Angaben über das im 10. Lebensjahre überstandene „Xerven-
fieber", über die nachherige langwierige „Steifheit desKörpers"
(Muskelschwäche?) die allgemeine und tiefe Erkrankung nicht
präcis genug bezeichnen, so reichen sie doch hin, besonders
in Verbindung mit den constatirten Thalsachen der unge-
4
52
meinen Gracilität, dem schwächlichen Körperbau, dessen
Ausdruck sich in dem zarten Beckengerüst wieder kund
gibt, und dem historisch verbürgten Umstände, dass die
Frau unter den drückendsten Verhältnissen des Lebens zu
schweren Handarbeiten angewiesen war, — diese Krank-
heitsgeschichte reicht hin, um uns das Bild der elendesten
Existenz klar vor die Augen zu stellen, in welcher der ge-
sammte Organismus darniederliegen , die Ernährung aller
Gewebe herabkommen, das Knochengerüst selbst unter der
Atrophie der Weichthcile Volums- und Form Veränderungen
erleiden musste.
Vergleichen wir die Summe dieser Bedingungen, welche
den allgemeinen Verhältnissen des Individuums entnommen
sind, mit der Summe der dem Präparate zu entnehmenden
Zeichen einer mutmasslich localen Erkrankung, so fällt die
"Waagschale tiefer für die Auffassung des anscheinend pa-
thologischen Befundes am Beckengerüste als Theileffekt
ungewöhnlicher Bedingungen, denen der Ge-
sammtorgan ismus jahrelange unterworfen
war, ohne dass eine besondere Erkrankung
der Knochentextur n o t h w e n d i g coneurrirt
hätte. — Wir gehen hieruit an die Betrachtung der me-
chanischen Verhältnisse, unter denen die Beckenanomalie
zur Entwickeluug kommen musste.
Als Mechanismus betrachtet stellt das Becken
eine Welle vor, die sich über zwei Zapfen dreht, wenn die
Gelenkköpfe der Oberschenkel, auf denen das Becken ruht ?
die Umdrehungspunkte abgeben. Es zerfällt in zwei Hälf-
ten, einen oberen und einen unteren Halb ring, die
sich in der Linie zwischen den Gelenkpfannen als fixen
unbeweglichen Theil (linea intercondyloidea) wie ein Hebel
erster Gattung auf und ab bewegen. Die Kräfte, welche
auf diese Theile einwirken, halten einander in ihrem Ge-
gensatz das Gleichgewicht: auf den oberen Ilalbring wirkt
der M. iliopsoas in der Richtung und Tendenz die Wölbung
53
einzudrücken; die ligg. sacro-iliaca wirken diesem entgegen ;
— auf den vorderen Halbring wirkt der Druck des M.
iliopsoas wie die Schnur auf die Rolle in einem Flaschen-
zuge, und die Adductoren wieder entgegengesetzt. Diese
Kräfte wirken auf den unteren Halbring gerade in ent-
gegengesetzter Richtung als die ein, welche den oberen
Halbring beherrschen : überwiegend suchen sie die Wölb-
ung beider Ringe einzudrücken , die vordere der hinteren
Beckenwand zu nähern, und folglich den sagittalen Durch-
messer zu Gunsten des transversalen zu beeinträchtigen.
Gegen die Verbreiterung des Beckens im Pinne des queren
Durchmessers widersetzt sich hauptsächlich die Starrheit
des Knochengewebes und die Straffheit der Bänder an den
Knorpelverbindungen; wo diese weicht, wird das Becken
bekanntlich im Sinne der erwähnten Kräfte eingedrückt:
die hintere Wand gibt dem Zuge des Ilio-Psoas noch vorn
nach, der horizontale Schambeinast bekommt den Eindruck
der über ihn gleitenden Musculatur, wodurch die Symphyse
schnabelförmig vorspringt, die Schenkel des vorderen Halb-
ringes treten nebstdem unter dem Einfluss der Schenkel-
köpfe nach einwärts (Osteomalacie) und die Verbiegung
ist um so grösser, je weniger der Knochen wiederstands-
fahig ist, und je reiner die Einwirkung der Kräfte auftritt.
Zieht man auch die übrigen Muskel in Betracht, so ergibt
sich ihre Einwirkung einfach aus der Richtung des Faser-
zuges von ihrem Vorsprung zum Ansatz: so wirken die
Abdominal-?vluskel auf den unteren Halbring in der Rich-
tung nach oben ein, die Obturatorii in der Richtung nach
aussen, u. s. w.
So ergibt sich die Genese einer Beckendiffcrmität bei
einer Textur-Erkrankung des Gerüstes. Die dadurch be-
dingten Formen der sogenannten rachitischen und osteo-
malacischen Becken sind hinlänglich bekannt , als dass sie
nicht mit der blossen Erwähnung abgethan werden könnten.
Hier kommt ein anderes Moment, und zwar beinahe aus-
54
schliesslich in Betracht, welches diese neue Anomalie be-
dingt: das ist die Last des Oberkörpers, welche vom
Hecken getragen und den unteren Extremitäten übermittelt
wird. Diese ruht auf dem oberen Bogen des Beckenringes
in einer Art auf, dass ihr Schwerpunkt in die Mitte der
linea intercondyloidea fällt. Auf der Taf. IX ist in Fig. 2.
der schemalische Umriss des Paderborner Beckens in den
eines normalen eingezeichnet, um die Drehung des Becken-
ringes anschaulich zu machen. Versinnlieht man sich den
Beckenring durch ein Oval (Taf. IX. Fig. 1), dessen Ebene
der Form nach nahezu dem Beckeneingang entspricht, so
wird eine durch das Oval gezogene horizontale
Umdrehungsaxe HH — (linea intercondyloidea) — den
oberen von dem unteren Beckenhai bring trennen.
Jener hält die Last des Oberkörpers in seiner Höhe (a)
aufrecht, dieser unterstützt als Gegenwölbung die belastete
Krümmung des oberen Halbringes. Stellt man sich die
Last des Oberkörpers als eine Kraft vor, welche auf den
höchsten Funkt des oberen Halbringes einwirkt, so wird
unter normalen Verhältnissen die Kichtung dieser Kraft
eine senkrechte sein (ab) , wobei der untere Halbring eine
entsprechende Richtung nach abwärts von der Umdrehungs-
axe nimmt, und den Grad der normalen Becken -Neigung
bestimmt. Nebenbei sei bemerkt, dass ein den Beckenring
repräsentirendes Oval nicht im Beckeneingang liegt, da sich
dieser von der senkrechten Richtung gegen die horizontale
neigt; die Ebene des Beckenringes muss vielmehr vom
Promontorium durch die linea intercondyloidea gelegt, und
daher tiefer unter der Symphyse vor dem Tuber ischii,
den Schambogen schneidend gedacht werden. (Fig. 2. ab).
Die Vorstellung wird nur berichtigt, wenn man sich hin-
zudenkt, dass die Symphyse als ein mehr nach vorn stre-
bender Aufsatz dem unteren Halbring beigegeben ist (Fig.l.S),
wodurch der Beckeneingang aus seiner senkrechten (nach
vorn ofienen) Lage in eine mehr horizontale (nach oben
55
offene) Neigung gebracht wird. Der untere Halbring ist
nämlich nach abwärts von der linea intercondyloidea offen
und schliesst durch einen nach vorn strebenden Aufsatz;
dieser besteht aus zwei Schenkeln, deren jeder durch einen um
das for. obtur. laufenden Ring gebildet wird; der stärkste
Theil davon entspricht der senkrechten Lage des Gesammt-
ringes (os ischii), — die zwei schwächeren (der horizontale
und der absteigende Schambeinast) bilden den Schlag* des
Gesammtringes und zugleich den nach vorn strebenden
Aufsatz des unteren Halbringes (Symphyse). Die klare
Vorstellung des Beckenmechanismus in seinen normalen
Verhältnissen ist allein hinreichend, um die Consequenzen
des verrückten Schwerpunktes als genetische Momente der
fraglichen Beckendifformität richtig zu begreifen.
Wir haben nun eine Reihe von Becken vor uns, bei
denen der Angriffspunkt der von oben einwirkenden Kraft
nicht, wie unter normalen Verhältnissen, in die obere Fläche
des ersten Sacralwirbels fällt, sondern mehr nach vorn ver-
rückt ist und, je nach der Einpflanzung des vorgeschobenen
Lendenwirbels, bald auf der vorderen Kante bald auf der
vorderen Fläche des ersten Sacralwirbels ruht. Eine die
Richtung dieser Kraft bezeichnende Linie (Fig. 1 mn) neigt
sich, je nach Maassgabe der Lendenlordose, von der Senk-
rechten gegen die Horizontale unter verschiedenen Winkeln.
Zerlegt man die Kraft in ihre Componenten, so findet man,
dass eine davon den Beckenring in der senkrechten Rich-
tung belastet, während die andere Componente denselben
von dem Angriffspunkte aus nach hinten drückt (no). Bei
aufrechter Stellung des Körpers wird die senkrechte Com-
ponente durch den oberen Halbring auf die Umdrehungs-
punkte und deren Stützen (Oberschenkel) wie im normalen
Zustande einwirken; die abgeneigte Componente
bewirkt aber dadurch, dass sie den oberen
Halbring nach hinten drückt, eine hebeiför-
mige Bewegung des ganzen Beckenringes in der
56
1 in drehungsaxc Ilif, so dass der untere Halb-
ring um eben soviel nach vorn (b rf), als der obere
nach hinten (ac) weicht. Der Beckenring dreht sich so-
fort wie eine Welle um ihre Zapfen: um so viel Grade
als der obeie Beckcnhalbring nach hinten sinkt, steigt der
untere nach vorn; im äussersten Falle, wie das Paderborner
Becken (Fig. 2) zeigt, kommt der Beckenring aus der senk-
rechten ab beinahe in die horizontale Lage cd und der
Symphysen -Aufsatz des unteren Halbringes, der mit dem
letzteren allmählig aufgestiegen war, befindet sich endlich
auf der Höhe eines beschriebenen Bogens, wo er den nor-
malen Stand des Beckeneingangs weit überragt und seine
untere Fläche nach vorn oben, seine obere nach hinten
unten kehrt (Fig. 1. S und S").
Der Schwerpunkt des Oberkörpers fällt auch bei dieser
abnormen Lage des Beckenringes in die Mitte der Um-
drehnngsachse (Fig. 2. aHb), denn eine von dem ersten
geradestehenden Lendenwirbel gezogene Senkrechte schnei-
det die linea intercondyloidea in der Mitte. Die Senkrechte
betrifft nur das obere Viertel der Lenden Wirbelsäule, wäh-
rend sich die unteren drei Viertel derselben nach hinten
krümmen und in der Richtung der abnormen Componenten
auf das Kreuzbein treffen. — Da die Wirbel dieses Abschnittes
sämmtlich dem Beckenraumc verfallen sind , stemmen sie
sich so gegen das Kreuzbein, dass dieses sammt dem hin-
teren Theile der Darmbeine nach hinten rückt und zugleich
in seinem zweiten Wirbel eine ungewöhnlich starke Krüm-
mung (beinahe eine Knickung) erfährt, indem der untere
vollkommen horizontale Theil desselben dem Zuge einer
in entgegengesetzter Richtung wirkenden Kraft folgt. —
Die Lenden Wirbelsäule erscheint somit als ein
Keil, der — in den Becken räum eingetrieben —
den oberen (hier hinteren) Hai bring von dem un-
teren (hier vorderen) zu entfernen sucht. Die zwi-
schenliegenden Weichtheile des Unterleibs vervollständigen
57
die Keilwirkung der Lendenlordose auf die vordere
Beckenwand indirect . während der Angriff der Wirbelsäule
auf die hintere Beckenwand direct is:.
Hierin liegt der Grund der Elongation, die man,
abgesehen von der Lageveränderung . an den einzelnen
Beckei knochen im Sinne des sagittalen Durchmessers
wahrnimmt : sie betrifft besonders den oberen Halbring
als jene Beckenhälfte, die hinter dem Hypomochlion be-
findlich und der Keilwirkung der Lendenwirbelsäule tu -
mittelbar ausgesetzt ist; sie fehlt jedoch auch an den
Knochen des unteren [vorderen] Halbrings nicht, wie
aus der Form und den Dimensionen des f< r. obturat.
ersieht. — Hierin liegt endlich auch die Erklärung, warum
das Kreuzbein eine so sonderbare Knickung erlitten und
mit dem längeren unteren Theile vollkommen horizontal ge-
stellt erscheint : es ist diese Krümmung rur der Ausdruck der
abnorm gewordenen Becken -Neigung . die ein Aufsteigen
des unteren Halbringes und zugleich ein entsprechendes
Vor- und Heraufziehen des Kreuzbeins an jener Hälfte zur
Folge haben mussre . welche mit der Symphyse urid dem
Schambogen durch das ligamentöse Beckendiaphragma be-
ständig in Verbindung geblieben war.
Recapituliren wir das Gesagte, um es in kurzer
druck zu lassen, so müssen wir die hydrorrhac Iritis che
Deformation des Bogens des i. Lendenwirbels
als das primäre Moment bezeichnen, das zur Disloca-
tion des Wirbelkörpers und zu der Lendenlordose die
Grundbedingung absrab. die sich jedoch durch den aufrech-
ten Gang stark entwickelte und durch den 40jährigen Be-
stand zu dem hohen Grad gelangte, durch weichen sie die
jüngeren Präparate übertrifft. Diese lange Dauer, die un-
günstigen Lebens-Verhältnisse, das Leiden des Gesammt-
organismus sind in Bezug auf das Zustandekommen des
hohen Grades der Difformität des ganzen Beckens wohl zu
besücksichtigende L'mstände. und das langwierige Allgemein-
58
leiden spiegelt sich auch in einer geringen Texturverände-
rimg des Beckengerüstes ah; der wichtige Erklärungsgrund
liegt jedoch im Mechanismus des B e c k e n sk e 1 e tt s
Belbßt, welches unter der abnormen Belastung vom Ober-
körper, niimlich bei dem nach vorne gerückten Schwerpunkt,
auch ohne Concurrenz einer localen Aifection oder einer
Textuierkrankung, die anomale Gesammtform , sowie die
Veränderungen an seinen einzelnen Bestandteilen erleiden
musste.
Anhang.
Als Anhang zu dieser Erörterung lassen wir einige
einschlägige Beobachtungen folgen , die zur Beleuchtung
unseres Gegenstandes dienen werden. Vor Allem gehört
hierher:
1. Die Beobachtung von Dr. Robert zu Coblenz,
ehem. Professor der Medicin an der Universität zu Marburg
(mitgctheilt in der Monatsschrift f. Geburtsk. 1855. Bd. 5.
Ilft. 2. S. 81). — Wir entnehmen daraus die den Fall be-
treffende Notiz im Wortlaute des Berichterstatters mit Hin-
weglassung der kritischen Bemerkungen (Taf. IX. Fig. 3.
Copie der von Dr. Robert in Holzschnitt beigefügten
Abbildung). Die spezielle Beobachtung lautet:
t Am 25. October 1851 wurde mir von einer Mutter
aus einem benachbarten Dorfe ein vierjähriges Kind , Anna
Maria Keil, gebracht, das mit einem sehr starken Unterleib,
der Angabe nach seit seiner Geburt, behaftet war. Bei
genauerem Examen wurde mir sodann zugegeben, dass man
diese Missbildung zur Zeit erst deutlicher bemerkt habe,
als das Kind zu laufen anfing. Dieser Zeitpunkt trat jedoch
spät ein, erst nachdem das Kind beinahe sein zweites Lebens-
jahr vollendet hatte. Ich liess nun das Kind entkleiden,
und musste gestehen, dass der Unterleib so stark vortrat,
59
das? er cn miniature dem Bauche einer im achten Monate
schwangeren Frau glich. Bei seitlicher Anschauung des
Kindes stellte sich heraus, dass keine Auftreibung des Unter-
leibs, sondern ein Hervortreten desselben durch eine be-
deutende Lordosis der Wirbelsäule vorhanden war, wie ich
sie in ihrer Reinheit früher nie gesehen habe. Gefühl und
Percussion wiesen auch keine Geschwulst oder Yergrössc-
rung eines Organes im Unterleibe nach, welche denselben
hätten auftreiben können. Das Kind war dabei sehr kräftig
gebaut, und hatte sehr stark entwickelte Muskeln. Dabei
hatte es einen zu dieser Muskelentwicklung im grössten
Contrast stehenden unsicheren wankenden Gang, so dass
die senkrechten Erhebungen äusserst gering, die seitlichen
horizontalen Schwenkungen dagegen sehr bedeutend waren.
Man pflegt ihn wohl im gemeinen Leben watschelnd zu
nennen. Kilian wählt in seinem Werke die Bezeichnung
den Gang der Quadrupeden. In der That war derselbe
so auffallend, dass ich zunächst an ein Leiden beider Hüft-
gelenke dachte und eine genaue Untersuchung musste mich
erst davon überzeugen, dass die Oberschenkel und Darm-
beine, soweit ihre Conturen fühlbar, vollkommen wohl-
gebildet und die Gelenkköpfe in ihren Pfannen einer jeden
normalen Bewegung fähig waren. Bei einer vollkommenen
Symmetrie beider Körperhälften und bei vollkommen geraie
verlaufender Wirbelsäule in Bezug auf ihre seitliche Rich-
tung fand sich eine bedeutende Einbiegung der Lenden-
wirbel, welche um so mehr in die Augen sprang, da bei
Kindern dieses Alters bekanntermassen die bei Erwachse-
nen vorkommende S förmige Krümmung nicht vorhanden
ist. Das Kreuz fiel etwas flach ab, die Lendenwirbel bil-
deten nach hinten eine Concavität, deren tiefster Punkt dem
zweiten Wirbel entsprach. Die Rückenwirbel bildeten eine
diese compensirende Convexität, deren am meisten vortre-
tender Punkt in der Höhe der Gräte der Schulterblätter
sich befand. Die Wilbelsäule des Halses verläuft fast senk-
60
recht. Brachte man das Kind in horizontale Lage, so
schwand die Convcxität der Rückenwirbel vollständig, die
Concavität der Lendenwirbel glich sich nur unvollständig
aus und man fühlte dieselbe durch die erschlafften Bauch-
decken hindurch bedeutender vorspringen. Die Länge des
Lumbaltbeils der Wirbelsäule im Verhältniss zur übrigen
war bedeutend kurz. Dies veranlasste mich die Spinal-
fortsätze zu zählen und während ich die Zahl an den Rücken-
wirbeln normal fand, konnte ich trotz der aufmerksamsten
Untersuchung nur v i er Lcn denspinalfo rtsätze auf-
finden. I'ebrigens waren die vorhandenen sehr breit und
stark, wie der übrige Knochenbau des Kindes. Legte man
eine Linie von der grössten Convexität der Rückenwirbel-
säule EU der des Kreuzbeins, so betrug die Tiefe der Ver-
krümmung, welche dem zweiten Lendenwirbel entsprach,
95 Mm. Legte man das Kind auf den platten Boden hin,
oder zog man es an dem Kopfe in die Höhe, so glich sich
die Verkrümmung bis auf jene in den Lendenwirbeln fast
vollkommen aus. Die Muskeln waren dabei an keiner Stelle
spasmotisch gespannt. Auch die neben den Lendenwirbeln
verlaufenden Rückenmuskeln sprangen nicht in dem Maasse,
wie es sonst der Fall bei Lordose ist, hervor. Durch Strecken
verminderte sich die Krümmung etwas. — Das Kind konnte
dabei Bewegungen mit der Wirbelsäule machen, den Ober-
körper seitwärts drehen und sich bücken, wobei jedoch die
Spinalfortsätze der unteren Lendenwirbel nicht vortraten. —
Das Becken hatte offenbar eine sehr geringe Neigung. Es
liess sich dieses aus drei Erscheinungen ermessen , ohne
dass ich genauer die Neigung nach Nägele's Methode zu
messen brauchte. Ein Mal waren die Hinterbacken und
das Kreuz nicht, wie es bei Kindern ist, rund, sondern die
Theile waren sehr flach von oben nach unten abfallend.
Sodann stand die vordere Wand der Symphyse fast senk-
recht, und endlich trat dieselbe bei der Profilansicht stärken
wie bei andern vor den Schenkeln hervor. Ueberdeckt man
61
das Bild (die Profilansicht des Kindes) in der oberen Hälfte,
so glaubt man, der Rumpf sei stark vorgebeugt, überdeckt
man es in der unteren Hälfte , so glaubt man einen auf
staik nach rückwärts geneigter Ebene ruhenden Körper zu
sehen. Die Knochen des Reckens sind ebenfalls sehr stark
entwickelt. Bei einer Gesammtbreite des Beckens von
20 CM. beträgt die hintere Breite des Kreuzbeines 8 CM.
Die Entfernung des Spinalfortsatzes zur vorderen Fläche
der Symphyse beträgt 52 Mm. Nach einer übrigens nicht
geuau genommenen Messung stand der untere Rand der
Symphyse 35 Mm. höher, als die Spitze des Kreuzbeins."
2. Ueber das Brüsseler Präparat kam uns durch
die besondere Gefälligkeit des Herrn Dr. Gluge, Professor
daselbst , folgende Krankengeschichte und Beschreibung
schriftlich zu:
„Anna Maria B..., 42 Jahre alt, rachitisch, trat in
die Maternite zu Brüssel am 4. April 1838 um 7 Uhr
Morgens ein. Sie befindet sich am Ende ihrer dritten Schwan-
gerschaft und seit dem vorigen Tage in Geburtswehen. Bei
ihrer zweiten Schwangerschaft wurde sie mittelst der Zange
von einem todten Kinde entbunden. Die Wehen dauern
den ganzen Tag fort. Um 8 Uhr Abends ist die Cervical-
portion beinahe völlig erweitert, die Wässer gehen von
selbst ab. Man überzeugt sich bei der Indagation von einer
ersten Lage des Kindskopfs über dem oberen Beckenraum.
Da der Uterus in Form eines Quersacks über die Schen-
kel vorfiel, hielt man die Frau in der Rückenlage und unter-
stützte den Bauch mittelst einer Serviette, um den Eintritt
des Kopfes in's Becken zu befördern. Ungeachtet der ener-
gischen Contractionen des Uterus, trat der Kopf nicht ein.
Plötzlich nach einer andauernden Wehenthätigkeit , stösst
die Frau einen langen Schrei aus und fällt in Ohnmacht.
Der Kopf verschwand aus dem oberen Beckenraum ; die
Gebärmutter verlor ihren grossen Umfang. Als die Frau
62
wieder zu sich kam, verriethen die sämmtlichen Erschei-
nungen, die Angst, die beständige Agitation, die allgemeine
Blässe, die Kalte der Extremitäten, die Kleinheit des Pultes,
die Empfindlichkeit des entstellten Enterleibs, der Blutfluss
aus den Geschlechtsteilen u. s. w. hinlänglich, welches
traurige Ereigniss eingetreten sei. Die Frau gab ihren
Geist in dieser Qual auf, und man machte unmittelbar dar-
auf die Gastrotomie".
„Ein todtes Kind, sehr gross, männlichen Geschlechtes,
wurde aus dem Unterleib gefördert. Die Placenta ward
gleichfalls mitten unter die Gedärme ausgestosssen worden.
Bei der Leichenöffnung fand man eine longitudinale Ruptur
der hinteren linken Seite des unteren Abschnittes der Ge-
bärmutter und der Vagina. Die Synchondroses sacro iliacae
und die Symphyse zeigten eine grosse Beweglichkeit. 11 —
„Das in derMaternite befindliche Becken zeichnet sich
durch die flacher als gewöhnlich stehenden Darmbeine und
die Dünnheit der Knochen aus. Die Darmbeine sind an
einigen Stellen durchscheinend und haben in der Nahe der
Iliosacral-Verbindung kaum '/<* Mm. Dicke. Der Becken-
eingang hat eine ovale Form, deren breites Ende nach
hinten steht. — Diese Formveränderungen sind von folgen-
den Structur- Veränderungen begleitet; sie betreffen die
Lendenwirbel, das Sacrum, und die Iliosacral-Verbindung."
„Die zwei mit dem Becken verbundenen Lenden-
wirbel sind nach vorwärts übergeneigt (Lordose)
und verengen den Beckeneingang so , dass der vorletzte
Lendenwirbel das Promontorium bildet. — Der Durchmesser
zwischen dem vorspringendsten Theil des Lendenwirbels
(oberer oder unterer Band?) bis zum oberen Rande der
Schambeinfuge ist 3 Zoll 3 Linien. —
Von der Mitte des letzten Lendenwirbels dahin —
3 Z. 6 L. —
Von der Verbindungsstelle des letzten Lendenwirbels
mit dem Sacrum bis dahin — 4 Z.
63
Der Querdurchmesser des Reckeneingangs ist 4 Z.
8 L.
Die zwei schrägen Durchmesser — 4 Z. 4 L."
„ Der obere Theil des Sacrums von innen (vorn) be-
trachtet, der dem ersten falschen Wirbel entspricht, ist
beträchtlich verändert, weniger die beiden folgenden falschen
AVirbel. Es hat hier eine Atrophie stattgefunden, indem
der Knochen so verkürzt ist, dass die zwei oberen Sacral-
lücher sich genähert und nur durch eine 1 — 2 Mm. dicke
Knochenleiste getrennt, und überhaupt verkleinert sind. —
Der Knochen ist hier locker, dünn, areolär, enthält Lücken,
die aber nicht durchgehen, — ganz wie bei Caries. —
Eine gleiche Veränderung zeigt sich auch .an der oberen
Fläche das Sacrum, welche rauh und ausserdem mit stalak-
titenartigen festen Osteophyten bedeckt ist. Diese Osteo-
phyten finden sich auch an den beiden Ilio-sacral-Verbin-
dungen , wodurch diese ungleiche, erhabene, lippenartige
Ränder erhalten."
„Die Länge des Sacrums ist 2 Zoll 8 Linien, die Höh-
lung mit einbegrifYen.
Gerader Durchmesser der mittleren Apertur = 4 1 i Z.
Querdurchmesser = 4 Z.
Durchmesser zwischen den Spitzbeinhöekern = 2 Z.
5 L.
Vom Ende des Steissbeins bis zum oberen Rande der
Schambeinfuge = 3 Z. 10 L.
Von ebendaselbst zum unteren Rande = 3 Z. 2 L.
Höhe der Schambeinfuge 19 L.~
„An der hinteren Fläche das Sacrum , dem ersten
falschen Wirbel entsprechend, bis inclusive zum vorletzten
Lendenwirbel, jedoch nur an der linken Seite neben den
Dornfortsätzen befindet sich eine brückenartige, feste, höcke-
rige Osteophytenmasse , welche die beiden letzten Lenden-
wirbel und das Kreuzbein fest verbinden. Die Zwischen-
knorpel scheinen nicht krank gewesen zu sein, soweit sich
64
i
dies am trockenen Präparate noch erkennen lässt. Die
noch übrigen Schenkelknochen und die betreffenden Gelenke
sind normal."
„Aus dorn Gesagten lässt sich mit Sicherheit schliessen,
dass hier eine geheilte, einzig auf das Sacnim beschrankte
Caiics bei einem scrophulöscn Subjecte stattgefunden hat.
Das Sacrum sank ein und die Wirbelsäule trat nach vorne
über".
Die vorausgeschickte Krankheitsgeschichte zu diesem
Becken wurde von Herrn Prof. Van Iluevel gefälligst
mitgetheilt und ist uns zugleich mit der von Herrn Prof.
Gluge verfassten Beschreibung des Beckens von dem
Letzteren brieflich eingesendet worden. Vorausgesetzt, dass
das Präparat, welches hier besprochen wird, wirklich das-
jenige ist, von dem Herr Geheimrath Kilian in der Vor-
rede zu seiner Monographie erwähnt, es in einem Schranke
der Maternitd zu Brüssel gesehen zu haben, so ist aus der
vorliegenden Mittheilung mit Gewissheit zu entnehmen, dass
das Becken in einiger Beziehung, namentlich in der Lenden-
lordose und der Ueberdachung des Beckenraumes durch
die unteren Lendenwirbel, den von uns in Untersuchung
gezogenen Becken mit Wirbelsehiebung ähnlich ist, dass
es sich jedoch von diesen wesentlich durch eine
andere Genese und durch wirklich krankhafte
Texturveränderung der Knochen unterscheidet.
Insofern gehört es eigentlich nicht in die Kathegorie der
Spondylolisthesis und es wäre hier vielmehr die Frage zu
discutiren , ob die Caries des Kreuzbeins noth-
wendiger Weise solche Co n Sequenzen habe, die
eine ähnliche Beckendifformität hervorzubringen
im Stande sind. — A priori ist gegen die Möglichkeit
nichts einzuwenden, denn beobachtet man Knickungen und
winkelige Krümmungen an allen Puncten der Hais-
und der Brustwirbelsäule in Folge von cariöser Zer-
störung einzelner Wirbelkörper, so kann dasselbe auch
65
am Kreuzbein vorkommen. Wir haben allerdings den
Schwund von Wirbelkörpern in dieser Region mit anderen
Consequenzen beobachtet; wir fanden in den Museen Prä-
parate mit der umfänglichsten Zerstörung der Lendenwirbel
und des Kreuzbeins, ohne dass eine wirkliche Wirbelschie-
bung eingetreten wäre, weil hiebei in der Regel die Wirbel-
bögen ihre Gelenkverbindungen nicht verlassen, sondern
diese vielmehr synostotisch zu verschmelzen pflegen; wir
berufen uns auch auf Robert, der im Anhange zu seiner
vorher mitgetheilten Beobachtung ausdrücklich diesen Gegen-
stand bespricht und angibt, zwei Fälle von Spondylitis
sacralis mit völliger Zerstörung des Wirbelkörpers ohne
Verrückung des Lendenwirbels nach vorn beobachtet
zu haben. —
Dessen ungeachtet liegt eine Vorneigung der Wirbel-
säule über dem Kreuzbein gewiss innerhalb der Gränzen
der Möglichkeit, und sollte sich diese unter den bisher be-
kannten Fällen von Caries sacralis als eine grosse Selten-
heit erweisen , so wird das Brüsseler Becken dadurch an
Interesse und Werth gewinnen , dass es zu diesem Satz
einen so eclatanten Beleg liefert.
3. In weiterer Linie gehören hierher BeckendifTor-
mitäten, die ihrem Wesen nach entschieden in die Reihen
der durch allgemeine Texturkrankheiten be-
dingten gestellt werden müssen, zugleich aber ein mehr oder
minder ausgezeichnetes Vortreten des letzten Lendenwirbels
gegen die Symphyse, oder eine Ueberdachung des
Beckeneingangs durch das Lendensegment der Wirbel-
säule aufzuweisen haben. Wir führen hier aus der Erinne-
rung folgende Präparate an :
a) Ein osteomalacisches Becken mit Lordose
und linksseitiger Scoliose der Lendenwirbelsäule und Ueber-
dachung des dreieckigen Beckeneingangs ; das Präparat
angeblich im Cabinet anatomique de laMaison
Scanzoni's Beiträge III. "
CG
d'A ccouchcm cn t in Paris befindlich. Wir haben das-
selbe nicht zur eigenen Anschauung bekommen können und
citiren es bloss nach einer Abbildung in Holzschnitt aus
Scanzoni's Geburtshilfe.
b) Beckenpräparat mit Wirbelsäule im Amphi-
t h e a t r e des 1 1 ö p i t a u x i n P a r i s. — Rachitisches
P» ecken mit einer extremen Kyphoskoliose der Brust- und
Lordose der Lenden - Wirbelsäule , wobei der 10., 11.
und 12. Brustwirbel ihre vordere Fläche vollkommen nach
hinten gekehrt haben. Der Symphysenknorpel ist ausein-
ander gewichen ; man findet jedoch in der Profilansicht,
dass die Beckenneigung sehr gering, der obere Symphysen-
rand sehr hoch gestellt, die Acetabula nach vom gekehrt
sind. Die Lendenlordose zeigt nebst der Vorneigung auch
eine linksseitige Drehung; die Verbindung des 1. und 2.
Lendenwirbels , welche beide, mit den Vorderflächen nach
oben gekehrt, horizontal liegen, lehnt sich an die Crista
des rechten niedrigeren Darmbeines unmittelbar an.
c) Becken und Wirbelsäule von einein hochbejahrten
Individuum im anatomischen Museum zu Bonn. Kypho-
skoliose der Brustwirbelsäule mit Vorneigung und rechts-
seitiger Krümmung der Lendenwirbelsäule, wodurch die 3
unteren Lendenwirbel dem Beckcnraume verfallen. Becken-
enge durch Verkürzung der Conjugata und der rechten
Linea sacrocotyloidea. Synostose sämmtlicher Wirbel und
Synchondroscn.
4. Als Gegensatz zu diesen Formen möge hier noch
eine durch Spondylitis und Carics bedingte
Missst alt ung ihre Erwähnung finden, die besonders ge-
eignet ist , die Idee fernzuhalten, dass die
Spondylolisthesis die Folge von Caries sei,
oder wenigstens, dass eine durch Caries hervorgebrachte
Diflonnität, die mit der Spondylolisthesis einige Aehnlich-
keit hat, zur Regel gehöre. —
67
Wir haben schon oben im Nachsätze zu dem Brüsseler
Becken erklärt , das? die Zerstörung der Wirbelkörper und
ihrer Scheiben ohne bedeutende Deviation der Wirbelsäule
vorkommen könne. Es wird hiebei nämlich gleichzeitig
mit dem Substanzverlust ein Osteophyt geliefert, das
zur Reparation desUebels einen mehr weniger vollständigen
Ersatz liefert : Beispiele hiefür liefert die Caries an allen
Puncten der Wirbelsäule und es ist dieser Vorgang völlig
übereinstimmend mit dem chronischen Entzündungsprocesse
in anderen Geweben, wo die destruetive und die produetive
Richtung der Ernährungsanomalie einander bald das Gleich-
gewicht halten, bald eine über die andere vorwiegend auf-
tritt. — In einem solchen Falle , wovon das instruetive
Präparat im anatomischen Museum zu Montpellier be-
findlich ist (mit der Aufschrift: „Carie du rachis , piece
de'racntrant la diflerer.ee de produits reparateurs et du
debris d'os destines ä etre elimines;" — beschrieben in:
Annales cliniques de Prof. Alquie 1855. p. 30.) — findet
man , dass die Abscesskapsel in der Ausdehnung der zwei
unteren Lenden- und des ersten Kreuzbeinwirbels ein Ossi-
ficat lieferte, welches mit griffelförmigen Spargen von einem
Wirbelkörper zum andern hinstrebt und den gesund geblie-
benen Antheil des Knochens bereits unterstützt , bevor es
noch zur Elimination der abgestorbenen, durch die Nekrose
entfärbten Partien gekommen ist.
In anderen Fällen geht gleichzeitig mit der Destruction
der Wirbelkörper eine adhäsive Entzündung im Bereiche
der Wirbelbögen vor sich und bringt eine compacte Syn-
ostose im hinteren Umfange des Wirbel-
canals hervor, wodurch die Wirbelsäule aufrecht erhalten
wird , selbst wenn die vordere Wand völlig zerstört und
geschwunden ist. Auch dieser Ausgang kommt an allen
Stellen der Wirbelsäule, verhältnissmässig am häufigsten im
Halssegmente vor. Die oben erwähnten Fälle von Robert
(in unserem Nachsatze zu dem Brüsseler Becken) gehören
68
wohl auch hieher. Das pathol.-anatom. Museum zu Florenz
enthalt ein ähnliches Präparat von Destruction der Lenden-
vvirhel und des Kreuzbeins ohne Deviation.
Endlich kommt eine cariöse Zerstörung mit
einer exquisiten Deviation der Wirbelsäule vor,
diese Abweichung ist jedoch eine Kyphose der Len-
dengegend mit corapensirender Lordose der Brust-
gegend — der reine Gegensatz zu der Lendenlordose bei der
Wirbelschiebung. Die besten Präparate, die uns zur Kennt-
niss gekommen sind, mögen hier kurz skizzirt werden :
a) Caries lumbo-sacralis. (Nr. 259 des pathol.-
anatom. Museums zu Prag. Taf. IX. Fig. 4 nach einer
eigenhändigen Zeichnung in natürlicher Grösse auf Vi re-
ducirt). — Sehr starke Beckenneigung, das Kreuzbein
vollkommen gerade , in der Mitte etwas lordotisch , Conju-
gata: 5" 3"', Vorderfläche des ersten Kreuzbeinwirbels
durch Caries rauh und arrodirt, von den Lenden-
wirbeln nur zwei vorhanden, der 1. und der 5.,
die zu einem niedrigen Keil geschmolzen, mit der Basis
nach hinten, mit der Spitze an der hinteren Fläche
des 1. Sacralwirbels aufruhen; die 5. Wirbelbögen des
Lendensegmentes sind erhalten und vollkommen synostotisch,
ihre Dornfortsätze beschreiben die kyphotische Bogen-
krümmung mit gleichen Abständen (spatia interspinosa) ; der
Rückenmarkskanal Sförmig gekrümmt, die obere Krümmung
der Kyphose entsprechend, — die untere, mehr gestreckte,
hinter dem l.und2. Sacralwirbel bis auf ein Zoll im sagit-
talen Durchmesser erweitert.
Hier trat offenbar der Schwund der mittleren Lenden-
wirbelkörper früher ein , und zwang die Wirbelbögen zu
einer Annäherung und nachträglichen Verknöcherung, wäh-
rend der Rest der zusammengesunkenen und nach hinten
gerückten Wirbelkörper zuletzt die Synostose mit dem
Kreuzbein einging. Die Convexität des Kreuzbeins, die
starke Beckenneigung, die Verlängerung der Conjugata bieten
69
als consecutive Erscheinungen dieser Difforraität einen har-
monischen Gegensatz zu der Wirbelschiebung.
b) Ein completes Skelet mit einer ähn-
lichen Lendenkyphose, welches wir im Amphitheatre
des Höpitaux in Paris aufgestellt fanden, und im Herbst 1856
die beiliegende Skizze davon aufgenommen haben. (Taf. IX.
Fig. 5.) — Es rührt von einem 18jährigen schlanken, ma-
geren Mädchen her, welches nach einer mündlichen Mit-
theilung des Prosektors, H. Dr. Le Gendre, kurz vorher
marastisch zu Grunde gegangen war. — Sämmtliche Lenden-
wirbel und die obere Hälfte des Kreuzbeins an der vorderen
Fläche durch Caries zerstört, die Lendengegend zusammen-
gesunken, nach hinten auffallend stark convex , der Rumpf
dadurch so verkürzt, dass die unteren Rippen beinahe die
Darmbeine berühren, das Ellbogengelenk des herabhängen-
den Armes in gleicher Höhe mit dem Hüftgelenke steht, die
Hand bis nahe an das Kniegelenk reicht. Die unteren
Extremitäten im Vergleich zum Oberkörper sehr lang.
Starkes Vortreten der Brust in Folge der compensirenden
Dorsal-Lordose. — Die näheren Verhältnisse der Lenden-
wirbel und des Beckens sind denen des vorigen Präparates
ganz ähnlich mit dem Unterschiede, dass von säuamtlichen
zerstörten Wirbelkörpern noch Rudimente vorhanden sind.
Theorie der Genese.
Nachdem wir unseren Gegenstand vom anatomischen
Standpunkt aus betrachtet und geprüft haben , wollen wir
zum Schlüsse die Resultate dieser Analyse kurz zusammen-
fassen und für die W i r b e 1 s c h i e b u n g eine Theorie der
Genese aufstellen , wie sie sich aus der vorliegenden Schil-
derung der bisher bekannten Fälle ergibt.
Das Wichtigste hierüber ist in folgenden Sätzen ent-
halten :
70
1. II y drorrliachi s 1 um b o - sacr ali s , deren mehr
weniger ausgeprägte Spuren an allen mit der AN'irbclschielj-
ung behafteten Hecken gefunden werden, bildet das erste
ursächliche Moment zu einer Deformation des
fünften L en d e n \v i r b e 1 s , u. z. durch Erweiterung des
Kanals, Verdünnung und Verlängerung des Wirbelbogcns,
durch mangelhaften Schluss desselben im Processus spinosus
und abnorme Stellung der übrigen Fortsätze.
2. Wenn auch beide Schenkel des Wirbelbogcns und
der Fortsätze an diesen Veränderungen Theil nehmen , so
ist es doch ganz besonders dielntcrarticular-
Portion des Bogen s als die schwächste vom Arcus,
welche der Verdünnung und Verlängerung im höchsten
Grade unterliegt, ja zuweilen, selbst eine Knorpel- oder
wahre anomale Gelenkverbindung darstellt.
3. Bei dieser Verlängerung des Wirbelbogcns und der
Erweiterung des W r irbelkanals wird eine wesentliche Stel-
lungsänderung der Gclcnkfortsätze beobachtet, und
diese wird dem Grade nach bedeutender an den unteren
schiefen Fortsätzen sein, da diese hinter der schwachen
Interarticular-Poriion des Wirbelbogcns liegen und in der-
selben wurzeln, dagegen wird die Veränderung geringer
an den oberen schiefen Fortsätzen sein, da diese vor
der Interarticular- Portion liegen und von der dicken Wur-
zel des Wirbelbogcns ihren Ursprung nehmen.
4. Nebst der Entfern ung der Gclcnkfortsätze, welche
durch die Verlängerung der Interarticular- Portion einge-
leitet wird, erleiden die unteren schiefen Fortsätze
eine Drehung ihrer Articulatiunstläc'ien , so dass diese
letzteren aus der normalen Schiefstellung in die abnorme
parallele Stellung gelangen, wodurch ihr Gleiten durch
die schiefen Fortsätze des Kreuzbeins ermöglicht wird.
71
5. Unter diesen Umständen geht der feste Halt, den
der Wirbelkörper in seinen Gelenkfortsätzen hat, verloren,
und der Wir belk ö rp er ge w i n n t nebstdem durch die
Verlagerung seines Cogens die Gelegenheit, unter dem
Drucke der Körperlast zu rutschen, sich zu verschie-
ben, zu entweichen.
6. Die bedeutende Höhe , die Compressionsfähigkeit
und Dehnbarkeit, welche die Intcrvertebralscheibe
der Lumbo-Sacral-Junctur in so ausgezeichnetem Grade
besitzt, und wodurch auch die grössere Beweglichkeit des
Lendensegmentes der Wirbelsäule an dieser Stelle bedingt
wird. ges:atten dem Lendenwirbel, scbald es seine Gelenk-
verbindungen nicht verhindern, unter der Last des
Oberkörpers auszugleiten, was immer und zwar
desshalb nach vorn geschieht, weil der Körper selbst
vorn höher, hinten niedriger ist. — weil die normale Krüm-
mung der LendenwhbeJsäule dieselbe Richtimg hat, — und
weil endlich die nach vorn unten abschüssige Lumbaifläche
des Kreuzbeins eben nur das Gleiten nach vorn begünstigt
und möglich macht.
7. Zum Gleiten des Wirbelkörpers ist das Vorhanden-
sein des Z wischen knorpels eine ebenso allgemein not-
wendige Bedingung, als der Xachlass des festen
Schlusses, den der Wirbelbogen mit seinen unteren Ge-
lenkfortsätzen bildet. Die letztere Bedingung der Wirbcl-
schiebung wird durch die hydrorrhachitische Difformität
(Verlängerung) des Wirbelbogens hinreichend erfüllt, sie
könnte nebstdem durch eine Luxation dieser Fortsätze, oder
durch eine Fractur des Bogens auch gegeben sein.
8. In anderen Fällen jedoch wird die Verbindung der
Gelenkfortsätze in einer anderen Art abnorm modiueirt und
die Bedingung zum Gleiten des Wirbelkörpers gleichfalls
72
gesetzt. Dies geschieht durch die Bildung und mangel-
hafte Entwickclung eines überzahligen Wirbels,
dessen Anlage wohl in Combination mit einer fötalen Hy-
drorrhachis vorkommen kann, wenn gleich es nicht unmög-
lich ist, dass sich ein incompleter Schaltwirbel auch ohne
Mydrorrhachis durch die Anlage überzähliger Ossifikations-
kerne entwickeln könne.
9. Ein incompleter Schaltwirbel, von dessen
Körper sich nur ein blättchenförmiges Rudiment, der Bogen
jedoch mit seinen Fortsätzen mehr weniger vollständig
entwickelt hat, stellt zwischen dem fünften Lenden- und
dem ersten Sacralvvirbel einen gleichsam von hinten ein-
getriebenen Keil vor, der die normgemäss zu einander
gehörenden Articulationsflächen der schiefen Fortsätze an
der Lumbo-Sacral-Junctur direct von einander entfernt,
dadurch aber mittelst Hebelwirkung den Körper des fünften
Lendenwirbels in eine solche abschüssige Lage bringt, dass
dadurch ein Gleiten desselben nach vorn (unter den gleichen
Bedingungen wie oben), so wie auch eine consecutive Ver-
längerung des Wirbelbogens ermöglicht wird.
10 Bei dem Gleiten des letzten completen Lenden-
wirbels über die vordere Kante des ersten Sacralwirbels
wird der Zwischenknorpel soweit gezerrt und übermässig
gedehnt, bis endlich die Festigkeit seiner Structur über-
wunden wird. Dadurch, sowie durch den Umstand, dass
von dem Zeitpunkt an , wo der untere Rand des Lenden-
wirbels den oberen Rand des Sacralwirbels überschritten,
die Correspondenz der einzelnen Flächenpunkte aufgehoben
wird, muss der Knorpel, während die untere Fläche des
Lendenwirbels allmälig über die Kante des Sacralwirbels
rückt, durch Usur atrophiren und namentlich an der
dem grössten Druck ausgesetzten Stelle mehr weniger rasch
und vollständig schwinden.
73
11. Der völlige Schwund des Zwiscbenknorpels bringt
die entblössten Knochenflächen in unmittelbare Berührung
und sofort treten in diesen entsprechende Veränderungen
auf. Die bezüglichen Wahrnehmungen lassen sich unter
folgende Modificationen zusammenfassen. Es erfolgt ent-
weder :
a) Abrundung der vorderen Kante des Sacral wirbeis,
in deren Convexität sich die Aushöhlung der unteren Fläche
des Lendenwirbels einpasst; — oder
b) Compression der beiden in ein Missverhältniss
der Lage gebrachten Wirbelkörper, wodurch namentlich die
vordere Fläche des Sacralwirbels und die hintere des Len-
denwirbels eine Verkürzung erleiden; oder
c) Einkeilung der vorderen Kante des Sacralwirbels
in die untere Flüche des Lendenwirbels, wodurch diese auf
jener reitend erscheint; — es erfolgt ferner gemeinhin
d) Verdichtung der Knochenbalken der spongiösen
Substanz der Whbelkörper, und zwar im bedeutendsten
Maasse an der dem grössten Drucke ausgesetzten Stelle
ihrer abnormen Berührungsfläche; — oder endlich auch
e) Synostose dieser Verbindung durch eine mehr
weniger vollständige Verwachsung und Verschmelzung der
wechselseitig dislocirteu Wirbel.
12. Es kann der Schwund des Zwischenknor-
pels, bevor es noch zu einer bedeutenden Dislocation ge-
kommen ist, wenigstens an der Stelle des grössten Druckes
so rasch und vollständig eintreten, dass die da-
durch bewirkte unmittelbare Berührung der Knochen und
ihre consecutive Synostose dem weiteren Processe
ein Ende setzt und die Difformität auf ein Minimum
beschränkt.
13. Ebenso tritt eine Ankylose der Gelenkver-
bindungen durch Synostose der schiefen, gegen einander
7!
winklig gestellten Fortsätze des Lenden- und des Sacral-
wirbels ein. Der abnorme übermässige Zug, dem die Bän-
der dieser Gelenke andauernd unterworfen sind, bringt eine
mechanische Heizung hervor, die etwa unter dem Vorgange
einer chronischen adhäsiven Entzündung dieser Gclcnk-
apparate zur Synostose und zur förmlichen Verschmelzung
der correspondirenden Fortsätze führt.
IL Obwohl also durch die abnorme Parallel -Stellung
der Articnlationsflächen beider processus obliqui inferiores
des letzten Lendenwirbels die Möglichkeit zum völli-
gen Entweichen derselben aus ihrer Verbindung mit
den Gelenkfortsätzen des Kreuzbeins gegeben , und eine
unbegrenzte Schiebung des Lendenwirbels angebahnt sein
kann, so beschränkt sie sich doch zuweilen auf
eine blosse Subluxation und verharrt in diesem Zu-
stande unter der Gunst der früher oder später eingeleiteten
Verknöcherungsvorgängc in den Körpern und Bögen der
betheiligten Wirbel.
15. Während die Dislocation des letzten Lendenwirbels
und die consecutive Lendenlordose ihren Grund zunächst
in der Missbildung des Wirbclbogens hat, entwickelt sich
allmälig unter der Einwirkung des aus seinem normalen
Schwerpunkte verrückten Gewichtes des Oberkörpers eine
B e ckendi fformität, deren wesentliche Merkmale in der
mangelhaften B ecken n eigung, im Aufsteigen der
Symphyse, in einer Krümmung des Kreuzbeins
und Elongation des Beckens im sagittalcn Durch-
messer bestehen.
16. Diese Bcckendifformität beruht auf einer allmälig
auftretenden A chsend reh ung des Beckenringes in
der linea intercondyloidea, wobei die Umdrehungs-
punkte (acetabula) unverrückt bleiben, während der obere
Hai bring allmälig nach hinten sinkt, der untere
dagegen nach vorn steigt. Es zerlegt sich nämlich —
bei der abnormen Richtung der von oben einwirkenden
Kraft und bei der Ortsveränderung des Angriffspunktes
derselben auf das Kreuzbein — diese Kraft in zwei Compo-
nenten, von denen die eine das Becken in vertiealer Rich-
tung belastet, während die andere auf die Basis des
Kreuzbeins nach hinten drückt und den Beckenring zur
Achsendrehuiig zwingt, wobei zugleich die in den Becken-
raum eingesunkene Lendenlordose gleich einem Keile die
hintere von der vorderen Beckenwand zu entfernen sucht.
17. Im aussersten Falle geht die Achsendrehung
des Beckenringes in der linea intercondyloidea bis
beinahe zur horizontalen Lage seiner im normalen
Zustande verticalen Längenachsc. In diesem Falle steht
die Neigung des Beckeneinganges, welche unter normalen
Verhältnissen 50- 05° beträgt, unter Null, d. h. der
Beckeneingang steigt mit seinem vorderen Ende
einige Grade über die Horizontale empor, die Elon-
gation des Beckens im sagittalen Durchmesser erreicht das
höchste Maass , die Symphyse ragt hoch hinauf und kehrt
ihre untere Fläche nach oben vorn, ihre obere nach unten
hinten u. s. w. r
18. Alle diese Veränderungen sind das Resultat ab-
normer mechanischer Verhältnisse des Beckengeriistes und
kommen daher der Hauptsache nach ohne Concurrenz von
Texturerkrankungen der Beckenbestandtheile zu Stande.
Sie unterscheiden sich hiedurch wesentlich von ähnlichen
Becken-DifTormitäten , die ihr Dasein der Entzündung und
Caries , der Rachitis und der Osteomalacie verdanken und
an den allgemeinen Kennzeichen dieser Krankheiten leicht
kenntlich sind. — Damit ist jedoch die Möglichkeit der
Complication einer Spondylolisthesis mit Krankheiten des
76
Beckengerüstes und seiner Theile nicht ausgeschlossen ; es
ist vielmehr mit Nachdruck hervorzuheben , dass sowohl
locale Erkrankungen al3 auch das Allgemein -Leiden des
Organismus unzweifelhaft einen wichtigen Einfluss auf die
bereits bestehende Anomalie ausüben können, wodurch die-
selbe sowohl der Art als dem Grade nach eine bestimmte
Eigenthüralichkeit erlangen wird.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. I. u. IL Zum ersten Falle, dem Prag- Würzburger
Becken, S. 3.
T. I. Fig. 1. Hintere Ansicht des Beckens, Original-Zeichnung
etwas verkleinert, zur S. 4.
Fig. 2. Seitliche Ansicht der Wirbelsäule , Original-
Zeichnung in natürlicher Grösse, zur S. 5.
T. IL Durchschnitts- Ansicht der linken Beckenhälfte , nach
Kilian. S. 8. R das Rudiment des überzähligen
(sechsten) Wirbelkörpers.
Taf. III. Zweiter Eall, das München er Becken, Durchschnitts-
Ansicht der linken Beckenhälfte, Original-Zeichnung, zur S. 14.
R das Rudiment des Körpers des Schaltwirbels.
Taf. IV. Beispiele von incompleter Schaltwirbelbildung , S. 19.
Original-Zeichnungen. Das Präparat ans dem Josephinum
in Wien und das von Leyden (mit der Originalaufschrift:
Curvatura spinae dorsi a congenita difformitate vertebrarum,
Boiin 310.) in natürlicher Grösse, die übrigen in verkleinertem
Maassstab aufgenommen.
Taf. V. Dritter Fall, das grosse Wiener Becken, S. 25.
Durchschnitts-Ansicht der linken Beckenhälfte nach der Pro-
tection construirt, daher nur im Umriss entworfen. Die Ziffern
1 — 5 bezeichnen die Körper der Lendenwirbel.
Taf. VI. A Vierter Fall, das kleine Wiener Becken, S. 33
Linke Beckenhälfte, wie in der vorigen Tafel entworfen.
B Pseudarthrose in der Interarticular-Portion des fünften
Lendenwirbels. 8. 32. Original-Zeichnung.
C Beginnende Wirbelschiebung. S. 32 und S. 70 sub 2.
Schematischer Umriss , worin der abnorme Wirbel gelb
77
illuminirt ist, der dicke schwarze Contour der abnormen
Lagerung der Lendenwirbelsäule entspricht, der zweite
blasse Contour ihre normale Richtung bezeichnet.
a Der Körper des letzten Lendenwirbels, womit
b die Wurzel des Bogens und
c der Umriss des proc. obliq. sup. verbunden ist, während
d der Umriss des proc. obliq. inf. durch
e die getrennte Interarticular-Portion des Bogens ent-
fernt, und bloss mit
f dem proc. spinosus vereinigt erscheint.
J Die Knorpelscheibe der Sacro-Lumbal-Junctur.
S. 1. Der erste Sacral- Wirbelkörper.
D Schematischer Umriss eines normalen letzten Lenden-
wirbels, von hinten betrachtet, zur Darstellung der Flächen -
richtung der Gelenkfortsätze. Zur S. 35, 46 u. 70 unter 4.
as as processus articulares superiores, die Gelenkflächen
nach hinten gekehrt und in der Richtung der Linien
ab und cb convergirend.
ai ai processus articulares inferiores , die Gelenkflächen
nach vorn gekehrt, sowie die Vorigen in der Rich-
tung der Linien aß und yß convergirend. — Die
durch die normale Schiefstellung der Gelenkfort-
sätze bedingte Keilform der Gelenkverbindung abc
und aßy fällt mit ihrer Spitze bß in die Median-
Ebene des Wirbels M.
Die abnorme Parallel-Stellung der unteren Ge-
lenkfortsätze (ai ai) wird durch die Linien ed u. (.iv
versinnlicht , wenn nämlich die Richtung aß nach
SO und ßy nach fiv abgelenkt wird , ist der Paral-
lelismus dieser Richtungen mit der Medianebene Mbß
hergestellt, diese Gelenkverbindungen ausser Halt
gebracht und der Wirbel dislocationsfähig.
xij xij Senkrechte , zur Medianlinie parallele Linien der
äusseren Begränzung der Gelenkfortsätze.
Taf. VII. A Fünfter Fall, das Paderborner Becken. Hintere
Ansicht in natürlicher Grösse. Original-Zeichnung. S. 39 u. 42.
B Zum dritten Fall, dem Wiener grossen Becken, S. 28
u. 70 unter 4. Der fünfte Lendenwirbel dieses Praeparates.
von unten gesehen. Originalzeichnung in natürlicher Grösse.
I. I. Die Interarticular-Portionen des Wirbelbogens, durch
deren Usur und Atrophie der hintere Bogentheil
78
\Min Wirbelkörper entfernt erscheint. Im Grunde
dter Lücken so wie in dem des uydrorrhachitisch
aufgeblähten Spinalkanals sieht man die Theile des
nächsten oberen Lendenwirbels durchblicken.
C Zu dem Vorigen. Ein schöner normaler 5. Lendenwirbel
in derselben Ansicht von unten zur bequemeren Ver
gleichung mit dem durch Ilydrorrhachis missstalteten
( H ) aufgenommen.
1. I. Die Interarticular-Portionen des Wirbelbogens mit
den Spitzen der senkrecht Übereinander stehenden
Gelenkfortsätac.
Taf. VIII. Zum fünften Falle, dem Paderborn er Öecken, S. 39,
dann S. 70 unter 2 und folg.
A Scheinatische Durchschnittsfigur der rechten Hafte eines
normalen, und
B dvs ditl'ormen fünften Lendenwirbels' an dem Paderborner
Becken.
a der Wirbelkörper,
b die Wurzel des Bogeris,
c proc. articularis superior.
d proc. articularis inferior.
e portio interarticularis,
/"proecssus spinosus, der in B nur rudimentär vor-
handen, daher
f die Spitze desselben, in B nach der Bogenkrüm-
mung des Wirbels muthmasslich entworfen und
punktirt worden ist.
C Durchschnitts-Ansicht der rechten Beckenhälfte. Original-
Zeichnung.
Taf. IX. Fig. 1 und % Zur Seite 54 und 74 unter 16.
Fig. 1. Schematische Darstellung des Beckenringes und dessen
Drehung um die Axe. S und $' der Symphysen- Aufsatz.
Fig % Durchschnitts-Ansicht der linken Hälfte eines n o r-
m alcn wohlgebildeten Beckens, mit s c h \\ a r /. e n
Contouren gezogen : dieselbe von dem Paderborner
Becken mit 1» 1 a a s e □ ( Jontouren eingezeichnel and gelb
illuminirt. um "den Grad der Drehung des Beckenringes
und die Formabweichung anschaulich zu machen.
Figj ;>. Lendenlordose , Copie nach Robert aus Cöblenz , zu
dessen Beobachtung, S. 58.
Fig. 4. Ein Becken mit Lendenkyphose in Folge von Caries
lninbo-sacralis. Original-Zeichnung auf ■ 2 der natür-
lichen Grösse reducirt I Xr. 2ö9 des Präger path.-anat.
Cab. I S. 68, a.
Fig. 5. Proßlansieht eines Skeletes mit Lendenkvphose in I
von Caries. Aus dem Amphitheatre des Höuitaux
(Clamart ) in Paris. Original-Zeichnung in stark ver-
jüugtem Maassstab. S. 09. b.
II.
Drei kleinere Mitlheilungen.
Von Dr. BRESLAU, Privatdocentcn in München.
1. Ein Fall von Ecrasement lineaire einer carcinomatösen
Vaginalportion.
(Mit 1 Abbildung.)
Während eines längeren Aufenthaltes in Paris hatte ich
mehrfach Gelegenheit, das Ecrasement lineaire , Herrn
Chassaignac's neue Methode, Geschwülste durch ein
langsames, successives Zerquetschen mittelst einer stumpfen
Kettensäge zu entfernen, kennen zu lernen, und, erstaunt
über die glücklichen Resultate einer Reihe von Operationen,
wünschte ich sie selbst zu versuchen und zu prüfen. Ob-
wohl der im Folgenden erzählte Fall der Erste ist, welcher
eine Gelegenheit zur Ausführung derselben bot , glaube
ich doch mit der Veröffentlichung desselben einen kleinen
Reitrag zur wissenschaftlichen Prüfung der in die Gynaeko-
logie kaum eingeführten Operation zu liefern. Indem ich
voraussetze, dass den meisten meiner Leser das Instrument :
„der Ecraseur" und seine Anwendungsweise „das Ecrase-
ment" aus Herrn Chassaignac's eigenem kürzlich erschie-
nenem Werke*) oder aus Schmidt's Jahrbüchern Bd. IL
1856. pag. 65 bekannt sein wird, so verweise ich, um
*) Tratte de l'ecraseinent lineaire , par M. Chassaignac. —
Paris 1856.
1
81
Wiederholungen zu vermeiden, auf diese Schriften und die
ihnen beigefügten Abbildungen.
Krankengeschichte.
Josepha Herrmal, 45 Jahre alt, von robustem
Körperbau mit geringem Fettpolster, blass und etwas
kachectisch aussehend, trat im Monate Januar in polikli-
nische Behandlung. Mit 18 Jahren menstruirt, litt sie später
während 10 Monate an Chlorose und gebar hierauf schnell
hinter einander 3 Kinder, welche leben und wovon das
jüngste 20 Jahre alt ist. Geburten und Wochenbette ver-
liefen normal. Vor etwa 18 Jahren will sie eine Leber-
entzündung durchgemacht haben, befand sich aber seit der
Zeit wohl, ist mit geringen Unterbrechungen regelmässig
menstruirt gewesen und ging ihrem Geschäfte als Taglöh-
nerin rüstig nach. Der Grund, warum sie uns nun consul-
tirte, war eine heftige Gastralgie, wesswegen wir ihr Tropfen
aus Aqua laurocer. mit Morphium verordneten. Bis Anfangs
April erholte sie unseren Rath nicht mehr, als sie neuer-
dings kam, um uns zu sagen, die Tropfen hätten ihr zwar
gut gethan, der Magenschmerz sei geringer geworden, allein
seit mehreren Monaten zeige sich ein weisser mit Blut
untermischter, bisweilen stark riechender Ausfluss aus den
Genitalien und zugleich seien Schmerzen im Kreuze auf-
getreten, welche über die Hüftbeine die Schenkel hinab sich
erstreckten. Bei der alsbald vorgenommenen Untersuchung
per vaginam fand sich : die vordere Muttermundslippe in
einen taubeneigrossen Tumor umgewandelt, dessen Ober-
fläche sich grob granulirt, ungleich hart und an vielen
Stellen zerklüftet anfühlte. Die glatte, derbe Beschaffen-
heit der Yaginalportion war nur mit der Spitze des Fingers
wenige Linien breit von der Umschlagsstelle der Scheide
zur vorderen Lippe zu fühlen, wo der Tumor scharfkantig
wie ein callöses Geschwür mit umgeschlagenem Rande en-
digte. Zwei Drittthcile der hinteren kleinen Lippe fühlten
Scanzoni's Beiträge HI. Q
82
sich gesund an, aber gegen die seillichen Commissuren und
den Muttermund zu wurde die Oberlläche rauher, einer
Himbeere ähnlich. Der Muttermund war von der vorderen
hypertrophischen Lippe bedeckt und von klein- und grob-
körnigen Granulationen überwuchert. An keiner Stelle
der Scheide finden sich weder Geschwüre noch Infiltratio-
nen. So weit auch die Vaginalportion verändert war, gab
es doch noch überall einen schmalen gesunden Theil
an der Grunze der Scheideninscrtion. Der Uterus war etwas
beweglich, weder dessen Körper noch irgend ein Tumor
durch das Scheidengewölbe zu fühlen. Dem zurückgezoge-
nen Finger folgte eine ziemliche Menge übelriechenden mit
Klut gemischten Eiters und Schleimes. Die Sonde wendete
ich nicht an, weil sie mir zur Diagnose entbehrlich schien.
Durch das Speculum konnte ich der wiederholt eintretenden
Blutung wegen , die ich durch Betupfen mit Tinct. ferri
inuriat. und Kalt- Wasser -Injectionen zu stillen genöthigt
war, nur einen flüchtigen Blick auf den nussfarbigen, grau-
lich rothen Tumor warfen. Im Abdomen war kein Tumor
zu entdecken, nur die Leber ragte etwa 3 Finger breit
unter den falschen Rippen hervor, Inguinal- und Schenkel-
drüsen waren nicht geschwollen. Durch Ausschliessung der
reinen Bindegewebs- und der drüsigen Hypertrophie und der
Polypenbildung glaubte ich ein Cancroid, ein epitheliales
oder medulläres Carcinom der Vaginalportion vor mir zu
haben , und da ich die Unmöglichkeit einer erfolgreichen
Zerstörung des Tumors durch ein Aetzmittel vor dessen
Weiterausbreitung einsah , so proponirte ich der Kranken
als einzige Chance für ihre Wiedergenesung die Entfernung
desselben durch eine Operation, welchen Vorschlag sie ohne
Zögern annahm. Die Wahl blieb mir nun zwischen Exci-
sion, Ligatur, Galvanocaustik und Ecrascment lincaire. Die
Excision schien mir nicht passend, weil ein dabei nicht zu
vermeidender Blutverlust der Kranken schädlich sein musste;
die Ligatur mit dem Faden, welche Tage und selbst Wochen
83
bis zum Abfallen der Geschwulst erfordert hätte, musste
der häufig ihr folgenden Metrophlebitis wegen verworfen
werden ; die Galvanocaustik , eine in vielen Beziehungen
allen anderen Methoden vorzuziehende, konnte ich des mir
fehlenden Apparates wegen nicht in Ausführung bringen.
So blieb mir denn nur das Ecrasement, bei welchem, so
viel ich bisher gesehen hatte, nie eine bedeutende Blutung
eingetreten war.
Am 15. April unternahm ich die Operation in Gegen-
wart der Herren Dr. Seitz, Lindwurm, Franque sen.
und Nussbaum und freue mich, noch einmal öffentlich
diesen Herren, insbesondere den Herren Nussbaum und
Franque für ihre thätige Mitwirkung meinen besten Dank
aussprechen zu können. Nachdem die Kranke auf ein Quer-
bett in Steinschnittlage gebracht, und in eine tiefe Chloro-
form -Narcose versetzt war, welche % Stunden anhielt,
setzte ich nach einander mehrere Museux'sche Hacken-
zangen und andere einfache und doppeltgezähnte Hacken
so tief und hoch wie möglich in die Geschwulst und in die
freien Theile der Vaginalportion ein , wobei mehrere Male
einzelne Bröckelchen der Geschwulst sich abtrennten und
Ein Hacken ausriss; hierauf suchten wir vereint durch
rotatorische Tractionen den Uterus herabzuziehen, was uns
nach einigen Anstrengungen soweit gelang, dass der unterste
Theil der Geschwulst zwischen den Schamlippen sichtbar
wurde. Sofort legte Dr. Nussbaum mit grosser Fertig-
keit die Schlinge des Ecraseur, nachdem er sie über Hacken
und Zangen geführt hatte , scharf an die Grenze des ge-
sunden und kranken Gewebes und zog sie massig fest zu.
Da uns nun das vordere Scheidengewölbe stark verkürzt
und gespannt erschien , so untersuchten wir nochmals die
Blase mit einer Sonde , fanden aber ihre Direction nicht
verändert, ihre hintere Wand in die Schlinge nicht einge-
zogen. Nun wurde durch ein Ungefähr alle 15 Secunden
wiederholtes hebelartiges Bewegen des T förmigen Ecraseur-
6*
84
Stieles die allmähligc Abschniirung des Tumors versucht,
die Zangen bis auf Eine abgenommen, welche der Vorsicht
halber von Neuem fest eingesetzt wurde, um das Zurück-
weichen des Tumors bei einem etwaigen Brechen des Ecra-
scur zu verhindern , und schon nach 20 Minuten war der
Tumor glücklich entfernt.
Die Besichtigung desselben ergab, dass ein etwa gulden-
grosses Stück der Scheide mit abgezwickt worden war und
diesem entsprechend musste ein Loch in derselben sein.
Eine alsbald vorgenommene Untersuchung Hess dasselbe
auch in dem vorderen Scheidengewölbe finden und bereits
drängte sich eine Darmschlinge in die Scheide herab, welche
ich mit Leichtigkeit reponirte. Um das weitere Vorfallen
derselben zu verhindern und die geringe Blutung zu
stillen, wurden 3 Feuerschwamm -Tampons eingebracht,
die Kranke horizontal ins Bett gelegt, und, nachdem sie
aus der Narcose erwacht war und über heftigen Drang
zum Uriniren klagte, wurde ihr der Urin mit dem Catheter
abgelassen und dabei die Ueberzeugung gewonnen, dass
die Blase nicht verletzt war. Der Kranken wurde die
grösste Ruhe empfohlen und, um die peristaltische Bewegung
der Gedärme möglichst zu verhindern, wurde ihr */ 2 Gr.
Opium gegeben und die 3malige Wiederholung dieser Dose
in 24 Stunden angeordnet.
Den IC. Morgens fand ich die Kranke ohne alle Reac-
tion , kaum 60 Pulsschläge in der Minute, das Abdomen
unschmerzhaft, nicht aufgetrieben, obwohl sie 1 mal , wohl
in Folge des Chloroforms, gebrochen hatte, ihre Gemüths-
stimmung war die fröhlichste und zufriedenste von der Welt.
Mittags wurde ich plötzlich gerufen weil : „Etwas beim
Husten herausgefallen sei, was man nicht mehr hinein-
bringe". An nichts Anderes denkend als einen Darmvorfall
eilte ich sogleich zur Kranken, wo ich Dr. Nussbaum
fand, bereits beschäftigt — einen der 3 Tampons zu repo-
niren. Am 17. Abends wurden die 3 Tampons nach ein-
85
ander mit Vorsicht entfernt, da ein längeres Liegenlassen
derselben der bereits eingetretenen Fäulniss halber, die
sich durch einen sehr üblen Geruch kund gab, nicht rath-
sam erschien. Bei dieser Gelegenheit untersuchten wir mit
dem Finger und fanden das Loch in der Scheide blos mehr
von der Grösse eines Zwölfers, die Ränder geschwollen und
die Oberfläche der dahinter liegenden Darmschlinge, resp.
der Peritonealausstülpung , welche sie bedeckte, ungleich,
raub, wie granulirt und mit den Rändern des Loches ver-
löthet. Hierauf ward ein neuer Tampon , ein in ein Stück
feine Seide gewickelter Badeschwamm eingebracht und mit
einer T Binde befestigt. Den 19. Früh wurde auch dieser
Tampon entfernt, und eine Injection mit lauwarmem Wasser
und Eichenrindendecoct gemacht, um das stark riechende
in der Scheide zurückgehaltene zersetzte Blut und eiterige
Secret auszuspülen. Die Kranke empfand dabei keinen
Schmerz und liess bald darauf von selbst eine grosse Menge
hellen Urins , welcher ihr bis dahin jeden Tag 2 mal mit
dem Catheter abgenommen worden war. Am 20., bis zu
welchem Tage der Stuhl durch wiederholte Gaben von
Opium ^im Ganzen nahm die Kranke 6 Gr.) zurückgehalten
worden , erfolgte eine breiige , schmerzlose Entleerung und
somit war jede Furcht vor einer durch Verrückung der
Gedärme bedingten Peritonitis und vor einem Vorfall in
die Scheide beseitigt. In den folgenden 8 Tagen wurden
wiederholt Injectionen mit Eichenrindendecoct und Aq. chlor,
gemacht und dabei mehrmals einige nekrotisch abgestossene
Fetzen von Epithel und Lindegewebe weggespült. Der
Zustand der Kranken liess nichts zu wünschen übrig, der
Appetit wurde durch Eier und ein Stückchen Kalbfleisch,
der Durst durch ein Quart gutes Bier gestillt, der Schlaf
bei Nacht war fast ununterbrochen , Schmerzen mit Aus-
nahme vorübergehender Krämpfe in der Blasengegend, waren
keine vorhanden, das Loch in der vorderen Scheidewand
verkleinerte sich immer mehr und am 27. konnte ich nur
86
mehr eine Ouerspalte mit gewulsteten, nahe an einander
Hegenden Rändern, den Muttermund trichterförmig einge-
zogen und mit einigen Granulationen besetzt linden.
Am 26., also am 14. Tage nach der Operation, stand
die Kranke auf m;d ging etwas im Zimmer herum. Einige
Mattigkeiten abgerechnet, beland sie sich im Ganzen wohler
als vor der Operation. 8 Tage darauf besuchte sie mich
in meinem Hause und äusserte ihre Freude darüber, dass
nicht bloss ihre Leiden der Genitalien , sondern auch ihre
Magenschmerzen vollkommen verschwunden seien und dass
sie nun wieder im Stande sein werde, ihr Brod zu verdienen.
Die Untersuchung mit dem Spcculum, welche ich nun zum
ersten Male unternahm, zeigte eine transversale bläulich
rothe etwa \" breite Narbe etwa 4 Finger breit über dem
Scheideneingang an der dem Uebergang des Peritonaeum
von der Blase zum Uterus entsprechenden Stelle, die Scheide
nach oben beträchtlich verengert, wesshalb es mir nur mit
Mühe gelang, den noch etwas erodirten zusammengezoge-
nen Muttermund zu sehen.
Am 17. Mai traten die Menses ein und dauerten massig
stark und schmerzlos, 2 Tage.
Von nun an betrachte ich die Operirte als geheilt,
werfe aber zugleich die Frage auf: „Wird sie es bleiben?"
Bevor ich diese zu beantworten versuche , will ich zuerst
eine Beschreibung des exstirpirten Tumors folgen lassen:
Das Gewicht desselben beträgt 3 6 / s Loth (bayer. Civilgew.)
seine grösste Breite (in der Richtung des queren Becken-
durchmessers) 2" 3'", seine grösste Hohe 1" 2'". Das
Aussehen der unteren Seite des Tumors war das eines
Blumenkohls ; von Blut und Schleim bedeckte und mit Blut
inliltrirte kleinere und grössere rundliche Vegetationen bilden
die Oberfläche, welche von unregelmässigen seichten und
tiefen Furchen nach allen Seiten hin durchschnitten ist.
Die Anschwellung betrifft die ganze vordere Lippe und
überschreitet die seitlichen Commissuren. Zwei Dritttheile
87
der hinteren Lippe sind gesund. Nach oben ist der Tumor
von der Vaginalinsertion schari begrenzt, über sie hinaus
erstreckt er sich an keiner Stelle. Oberhalb des Tumors
der vorderen Lippe befindet sich das schon oben erwähnte
Stück gesunder Scheide, an deren Aussenfläche nichts
vom Peritonaeum zu sehen ist. Dreht man den Tumor
um (cfr. Abbildung Nr. IL), so sieht man, dass der Ecra-
seur durch das derbe, fibröse Gewebe des Cervix geführt
wurde, an welchem sich keine pathologische Veränderung
entdecken lässt.
Die frisch angestellte mikroskopische Untersuchung,
welche ich der Güte des Herrn Dr. Franque jun. ver-
danke, ergab Folgendes :
Aus den vielfach zerklüfteten Lippen des Muttermun-
des Hess sich beim darüber Fahren mit dem Skalpell eine
dicke, weisslich gelbe Flüssigkeit ausdrücken, in der sich
neben Blut- und Eiterkörperchen unter dem Mikroskope
viele zellige Gebilde auf verschiedenen Entwicklungsstufen
erkennen Hessen. Sie waren theils rundlich, theils und zwar
der Mehrzahl nach länglich, auf einer Seite mit langen
dünnen Anhängen versehen, enthielten alle grosse längliche
Kerne und deutliche Kernkörperchen, um welche eine fein
körnige Masse gelagert war. Ein Querschnitt an diesen
Stellen liess deutlich nicht sehr dichte Bindegewebszüge
erkennen, zwischen denen die oben beschriebenen zelligen
Elemente sich wiederfanden. Am Orificium internum uteri,
über welchem der Schnitt geführt war, fand sich die Schleim-
haut, stark injicirt, und in die hypertropische Mucosa und
Submucosa erstreckten sich enorm erweiterte, vielfach und
weit ausgebuchtete Schleimbälge, welche an ihren Wänden
mit Epithel überzogen waren und mit gleichförmig runden
Zellen , zwischen denen sich einzelne freie Kerne fanden,
angefüllt waren. Von den oben beschriebenen Zellen fand
sich auf dieser Seite der exstirpirten Geschwulst keine
Spur. —
88
Die Beantwortung der ol)en gestellten Frage ergibt
sich nun von selbst. Der Tumor ist ein wirkliches Me-
dullar-Carcinom und somit wird leider aller Wahrschein-
lichkeit nach früher oder später eine örtliche Recidive oder
eine allgemeine Verbreitung desUebels nachfolgen, worüber
ich seinerzeit berichten werde, wenn ich die Operirte nicht
aus den Augen verliere.
Was ich für meinen Thcil durch diese Operation ge-
lernt habe, ist Folgendes :
1) Ich werde das nächste Mal die Schlinge des Ecra-
seur wo möglich noch genauer an die Grenze der krank-
haften Veränderung anlegen und sogleich festschnüren, da-
mit im Anfange der Operation nichts mehr von den an-
grenzenden Partieen in die Schlinge gezogen werde.
2) Ich w r erde, wo immer es darauf ankömmt, eine
möglichst unblutige und verhält nissmässig
doch rasche Exs ti rpation einer Vaginalportion oder
eines Polypen zu machen, und wo immer die Schlinge des
Ecraseur über den Tumor zu führen ist, dieses Instrument
allen anderen vorziehen.
Ich hoffe, dass meine erfahrenen Collegen dieses Vor-
haben nicht als ein zu Sanguinisches auslegen mögen, son-
dern dass sie dem bekannten Spruche : „sine ira et studio"
folgend, eine Operation prüfen werden, welcher im Gebiete
der Gynaekologie ein weites Feld offen steht.
Erklärung der Abbildungen.
(In 3/4 der natürlichen Grösse.)
T. I. Der Tumor von unten gesehen , eine Sonde durch
den Muttermund gesteckt, liegt mit ihrem sichtbaren Ende auf
dem gesunden Theile der hinteren Lippe auf-, a das Stück ab-
gezwickte Scheide.
T. IL Der Tumor von oben gesehen. Die gesunden, con-
centrisch gelagerten Fasern des Cervix treten deutlich hervor.
89
2. Heilung einer vollkommenen Incontinenz des Urins
durch Abtragung: beider hypertrophischen Nymphen.
Catharina Rottenfässer, 45 Jahre alt, eine robuste
Taglöhners-Frau, regelmässig raenstruirt, Mutter von vier
Kindern, wovon sie das letzte vor 2\ Jahren geboren hatte,
bemerkte, dass sie seit dem letzten Wochenbette, welches
sie schon nach einigen Tagen verliess, um ihrem Erwerbe
nachzugehen , den Urin nicht mehr recht halten könne.
Nachdem sie vergebens lange Zeit verschiedene Hausmittel
dagegen versucht hatte, wandte sie sich Ende Mai um Hilfe
an die hiesige medicin. Poliklinik. Ihr Gang war auffallend
mühsam, ihre Haltung gebückt, sie klagte über fortwährend
unwillkürlichen Urinabgang, namentlich beim Gehen und
Stehen , über heftiges Jucken an den Genitalien und
Schenkeln, über ein lästiges Gefühl von Schwere und Ziehen
in der unteren Beckengegend. Bei der vorgenommenen
Untersuchung fand ich den ganzen Umfang der äusseren
Genitalien und die innere Schenkelfläche excoriirt, mit ein-
zelnen furunkulösen Pusteln besetzt, bei Berührung sehr
schmerzhaft, von darüberlaufendem Urin befeuchtet, die
Schamhaare von eingetrockneten Harnsalzen incrustirt —
Zwischen den grossen, wenig entwickelten Schamlippen
hing ein beinahe birngrosser, die ganze Lange der Scham-
spalte einnehmender, nach aufwärts etwas schmälerer, glat-
ter und etwas teigig anzufühlender Tumor hervor, welcher
sich nach Entfernung der Schamlippen von einander als
die bedeutend vergrösserte linke Nymphe herausstellte.
Nun gewahrte man auch die rechte Nymphe, welche von
gleicher Beschaffenheit, wie die linke, aber nur etwa 4-mal
so gross und von dieser bedeckt war. Die Mündung der
Urethra war klaffend, für die Spitze des kleinen Fingers leicht
zugänglich , aus ihr tröpfelte fast beständig Urin heraus.
Da ich die Quelle des unwillkürlichen Urinabgangs noch
anderswo suchen EU müssen glaubte, etwa in einer Blasen-
Bcheidenfistel , aus welcher consecutiv Vergrösserung der
Nymphen und Excoriationen hervorgegangen sein könnten,
so untersuchte ich noch mit dem Finger und Speculum die
Scheide, mein besonderes Augenmerk auf die vordere Wand
derselben richtend, fand aber, abgesehen von einer massigen
Leucorrhoe nichts, was mir bemerkenswerth erschien. So-
mit konnte das Leiden nur von zwei Seiten betrachtet wer-
den. Entweder war nach der Geburt eine Atonie des
Spbincters der Blase zurückgeblieben, in Folge deren Urin
unwillkürlich abging, der reizend auf die Nymphen wirkte,
deren Anschwellung verursachte und die äusseren Genitalien
und die Schenkel exeoriirte, oder die Nymphen waren
wahrend des Wochenbetts, vielleicht schon während der
Schwangerschaft angeschwollen, die Anschwellung war ge-
blieben und selbst grösser geworden , hatte an der Urethra
gezerrt , ihre Muskelfasern durch ihre Schwere erschlafft,
und war so die permanente Ursache der schon angegebenen
Symptome geworden. Ich glaubte mich für die letztere
Annahme entscheiden zn müssen; 1. weil eine dauernde,
idiopathische Lähmung des Sphincters der Blase sehr selten
ist ; 2) weil der Angabe der Kranken gemäss sowohl im
Liegen, als zu Zeiten, wenn der Tumor weniger gross und
schwer war, der Urin weniger unwillkürlich abging. Worin
bestand aber nun der Tumor selbst? Seine glatte Ober-
fläche, seine gleichmässig teigige Beschaffenheit Hessen
darauf schliessen, dass wir es mit einer einfachen Hyper-
trophie und Oedem zu thun hatten. Grössere Gefässc,
varicöse Venen waren wohl an den Unterschenkeln im Ver-
laufe der Vena saphena und in den grossen Schamlippen,
aber nicht in den kleinen zu sehen, man konnte aber wohl
vermuthen , dass sie deren welche enthielten, ja es lag
nahe, in dem Zustande der Gefässe selbst, bei sonst
fehlenden Anhaltspunkten, den Grund der Hypertrophie zu
finden.
91
Einer langwierigen, bei der Mittellosigkeit der Kranken
mit adstringirenden Mitteln u. dgl. kaum durchzuführenden
Cur auszuweichen, schlug ich vorerst die Abtragung des
grösseren Tumors, d. i. der linken Nymphe vor. Am 2. Juni
unternahm ich die Operation mit dem Ecraseur in Gegen-
wart der Herren Prof. Seitz, Dr. Franque jun. und
Dr. Nussbaum, denen ich für ihre gütige Assistenz hier
nochmals bestens danke. Nachdem die Kranke chlorofor-
mirt war, wurde um die Basis der Geschwulst eine Ligatur
mit einem s:arken Faden und oberhalb desselben die Schlinge
des Ecraseur angelegt. Nach kaum 10 Minuten war die
Geschwulst getrennt. Die ecrasirte Fläche war glatt, etwa
2±" lang und J' J breit, es flössen kaum einige Tropfen
Blut.
Der Verband bestand in Charpie, welche durch eine
TBinde festgehalten wurde. In den folgenden Tagen trat
eine höchst unbedeutende Reaction ein. Kaum eine Spur
von Fieber, die eiternde, gut granulirende Wunde wurde
mit Camillenthee gewaschen, zog sich bald zusammen und
war am 12. Tage fast gänzlich "geheilt. Schon während
der Heilung hatte sich der unwillkürliche Urmabgang ge-
mindert, die Kranke empfand, als sie am 4. Tage nach
der Operation aufstand, weniger Schwere und Ziehen. Der
entfernte Tumor bestand aus verdickter Schleimhaut und
einem weitmaschigen submucösen Bindegewebe, welches von
seröser Flüssigkeit wie ein Schwamm durchtränkt war. —
Längere Zeit sah ich die Kranke nicht wieder, als sie nach
14 Tagen mich wieder besuchte und klagte, dass ihr Leiden
wieder zugenommen habe. Ich fand nun die rechte Nymphe
von gleicher Grösse, als die linke gewesen war, nur noch
etwas teigiger als diese.
Woher in verhältnissmässig so kurzer Zeit diese An-
schwellung entstanden war, konnte ich mir nicht erklären:
vielleicht durch den Reiz der Charpie und der Waschungen
oder durch eine vicarirende Congestion und Stase.
92
Den 2. Juli unternahm ich die Operation des zweiten
Tumors in Gegenwart der Herren Doctoren: Vogel,
Schanzenbach, Walther, Franque sen. , Behr
und May.
Mein Freund Dr. A. Vogel hatte die Güte, mir sei-
nen Middeldorpf sehen galvanocaustischen Apparat zur Ver-
fügung zu stellen. Drei Batterien waren hinreichend , um
den Piatinadraht zum kräftigen Glühen zu bringen. Die
Kranke wurde chloroformirt , hierauf um den Tumor eine
starke Schnur angelegt und darüber die Schlinge des Pla-
tinadrahtes. Als nach Schliessung der Batterie die Schlinge
zum Glühen gebracht war , wurde sie angezogen und in
weniger als 1 Minute war der Tumor getrennt. Im ersten
Augenblick kam aus der schwach verbrannten Schnittfläche
kein Tropfen Blut, kaum aber hatten wir sie mit einem
feuchten Schwamm betupft, so spritzten 3 starke Arterien
und eine ziemliche Menge venösen Blutes quoll daneben
hervor. Dr. Vogel versuchte mit dem Galvanocauster,
d. i. mit einer stumpfen, glühend gemachten Piatinaklinge
die Blutung zu stillen, indem er die Wunde stark cauteri-
sirte, allein es gelang nicht. Wir waren genöthigt, 3 Ar-
terien zu unterbinden, was nicht ohne Mühe geschah, in-
dem sie sich in das lockere Gewebe stark retrahirt hatten,
oder ihre Enden durch das Cauterisiren zerstört waren.
Hierauf wurde zwischen die Schamlippen zur Vor-
sorge ein in Liquor ferri sesquichlor. getauchter Schwamm
gelegt, und mit einer Binde befestiget. Die Beschaffenheit
des Tumors war die gleiche wie die des ersten , die seröse
Flüssigkeit floss aber schon bei einem ganz leichten Drucke
aus. —
Die Heilung ging regelmässig von Statten; am 5. und
6. Tage wurden die Ligaturen entfernt, der Brandschorf
stiess sich allmählig ab , die "Wunde granulirte gut und
vernarbte in einem Zeitraum von ein paar Wochen. Mit
der Heilung der Wunde verlor sich die Incontinenz des
93
Urins, die verlängerte und klaffende Urethra zog sich zu-
sammen und zurück, die erythematöse Röthe, die Excoria-
tionen und Pusteln in den äusseren Genitalien und der
Schenkelfläche verschwanden. Die vollkommen genesene
Kranke fühlte sich äusserst glücklich und konnte ihren
Pflichten als Gattin und Mutter wieder nachkommen.
Epikrise. Die Operation ist durch den Erfolg gerecht-
fertigt , ebenso die Diagnose, dass die Incontinenz des
Urins durch die Hypertrophie der Nymphen hedingt war.
Was die Wahl der Operationsmethoden anbetrifft, so ge-
stehe ich, dass ich das erstemal den Ecraseur weniger aus
Nothwendigkeit als aus Vorliebe und des Reizes der Neu-
heit wegen angewendet habe. Das zweitemal bediente ich
mich des galvanocaustischen Apparates, um auch dieses
Verfahren zu prüfen und um es in seiner Wirkungsweise
mit dem in vieler Beziehung rivalisirenden Ecraseur zu
vergleichen. Der Fall war um so günstiger, als wir an
ein und derselben Kranken einen dem ersten gleichbeschaf-
fenen Tumor zu entfernen hatten. Die Schuld, dass der
Hauptzweck der Galvanacaustik: „die Blutung zu ver-
hüten", nicht erreicht wurde, trifft uns allein, aber nicht
die Operations-Methode. Dr. Vogel hatte dieselbe früher
nie gesehen, ich selbst nur zweimal vor einigen Jahren
in Berlin bei Professor Langenbeck, in München war
sie bisher meines Wissens noch nie angewendet worden.
Offenbar war der glühende Draht zu schnell, mit zu-
viel Kraft angezogen worden, so dass kein gehöriger Brand-
schorf auf der durchschnitteneu Fläche entstehen konnte«
Durch fortgesetztes Cauterisiren mit dem Galvanocauster
hätten wir vermuthlich die Blutung zum Stehen gebracht;
wir unterliessen aber die längere Anwendung, weil im
Falle des Nichtgelingens bei immer grösser werdendem
Substanzverluste die Unterbindung der Arterien noch
schwieriger geworden wäre. Bei der nächsten Anwend-
ung der Galvanocaustik werde ich den glühenden Draht
91
fangsamer anziehen und hiedurch wohl ein denen von
Middeldorpf u. A. beschriebenen glücklichen Resul-
taten ähnliches erzielen.
3. Ein Beitrag zur Aetiologie der Wirbelverschiebung.
Im Musee Dupuytren in Paris befindet sich ein Stück
einer menschlichen Wirbelsäule, welches in hohem Grade
meine Aufmerksamkeit auf sich zog, da es einen Beitrag
zu der nicht genau genug bekannten Aetiologie der Wir-
belverschiebung liefert. Das Präparat ist mir von Herrn
Houcl, dem Conservator des Musee Dupuytren zum
Zeichnen überlassen worden und Herr Fano, Prosector
an der medicinfschen Facultät zu Paris hat die Freund-
lichkeit gehabt, mir seine bisher nicht veröffentlichten No-
tizen zu dem betreffenden Falle zu geben, wofür ich den
beiden Herren hiemit mit Vergnügen öffentlich meinen
Dank ausspreche. Das Präparat ist, wie folgt, bezeichnet :
„Schiefbruch des 12. Rückenwirbels, das untere Stück des
Fragmentes nach vorne, das obere nach rückwärts stehend,
das letztere verengert den Wirbelkanal bedeutend , so dass
er nur mehr 2 Millimetres misst."
Die Note des Herrn Fano lautet wörtlich übersetzt:
„Ein 25jähriger TaglÖhner , Namens Minguet, fiel vor
13 Monaten von einem ungefähr 8 Metres hohen Baume
zuerst auf die Füsse, dann auf die Nierengegend. Seit der
Zeit des Sturzes waren die unteren Extremitäten gelähmt,
was ihn zu einem ununterbrochenen Aufenthalt im Bett
zwang. Ungefähr 6 Wochen nach dem Erreigniss fanden
sich bereits Schorfe in der Kreuzbeingegend. Im August
1847, trat Minguet in das Spital de Bon Secours ein,
von wo er in das Spital St. Antoine den 30. Sept. trans-
ferirt wurde. Bis zu dieser Epoche war der allgemeine
Zustand befriedigend, aber von diesem Moment an verlor
der Kranke den Appetit, bekam Diarrhöen und unregel-
95
massige Anfülle von Fieber, wobei die Schwäche immer
grösser wurde. Den 8. Febr. 1848 wurde er von Erbrechen
galliger StofYe ohne Schmerzen im l nterleibe ergriffen. Da-
mals reichte die Anästhesie der unteren Extremitäten bis
in die Gegend der Regio iliaca, die Bewegungslosigkeit der-
selben war vollkommen , nebenbei Incontinentia urinae et
alvi. Dieser Zustand dauerte ohne Besseruug, bis der Kranke
am 10. Febr. erlag.
Bei der Autopsie fanden sich zahlreiche metastatische
Abscesse in den Lungen. Das Examen der Wirbelsäule
wurde genau angestellt und das Präparat im Musee Dupuy-
tren deponirt.
Der untere Theil der Regio dorsalis der Wirbelsäule
und das Anfangsstück der Regio lumbaris zeigen eine sehr
ausgesprochene Concavität von vorne. Der Körper des 12.
Rückenwirbels scheint zu fehlen. Ein vertical von vorne
nach rückwärts geführter Durchschnitt der Wirbelsäule zeigt
sehr gut die Natur der Verletzung, deren Sitz sie ist Ober-
uud unterhalb des 12. Rückenwirbels hat der Wirbelkaual
seine normale Weite. Im Niveau dieses (des 12.) Wirbels
ist die Weite des Kanals fast gänzlich verschwunden. Diese
Disposition rührt von der folgenden Eigenthümlichkeit her«
Zwischen dem 11. Rückenwirbel und dem 1. Lendenwirbel
existirt der Rest des 12. Rückenwirbels. Derselbe hat die
Gestalt eines Keiles, die Spitze nach vorne, die Basis gegen
den Wirbelkanal zu gewendet. Der obere Theil dieser
Basis bildet im Inneren des Wirbelkanals einen sehr vor-
springenden Winkel, der, wie schon vorhin erwähnt, be-
deutend den Raum des Kanals verengert und in dieser Höhe
das Rückenmark stark comprimirt.
Der Körper des 12. Rückenwirbels war demnach allein
gebrochen und die vordere obere Fläche des Körpers wurde
resorbirt. Die hintere untere Portion ist zwischen den be-
nachbarten Wirbeln eingezwängt geblieben in der Art, dass
sie beinahe mit dem 11. Rückenwirbel zusammengewachsen
96
wäre. Unter- und oberhalb des fracturirten Wirbels war
das Rückenmark gesund, ebenso die Nerven der Cauda
equina.
Wenngleich nun dieser Fall in mehrfacher Beziehung
ein bedeutendes Interesse bietet, so will ich mich dennoch
nur auf diejenigen Punkte beschränken , welche dem Ge-
burtshelfer am nächsten liegen. — Sind schon an und für
sich Brüche der Wirbelsäule selten, so sind Heilungen der-
selben gewiss noch weit seltener. Dass eine solche voll-
ständig hier eingetreten , wird man nicht bezweifeln ; der
Kranke ging erst an Pyämie in Folge des Decubitus zu
Grunde und hätte unter günstigeren Verhältnissen sicher
noch länger leben können. Der Decubitus war durch die
Paralyse , diese durch die Compression des Rückenmarks
bedingt. Das fracturirte Stück der Wirbelsäule war voll-
ständig consolidirt , ein fortdauernder entzündlicher Prozess
im Knochen nicht vorhanden. Vermuthlich ist beim Sturze
eine massige Verschiebung der schräg gebrochenen Stücke
des 12. Rückenwirbelkörpers eingetreten, die allmählig erst,
theils in Folge der Schwere des oberen Theils der Wirbel-
säule, theils vielleicht durch die Lage des Kranken im Bette,
theils durch Erschlaffung der fibrösen Verbindungen weiter
gediehen ist. Der Druck der Knochen gegen einander hat
einerseits hingereicht eine Absorption des einen Bruchstückes
bis zum fast völligen Verschwinden desselben zu bewirken,
andererseits hat er die Verschiebung der Wirbel, das Herab-
rutschen des oberen über den unteren begünstigt und ver-
mehrt , und endlich hat er eine bedeutende Verdünnung
des Zvvischenwirbelknorpels (des 11. und 12. Dorsalwirbels)
veranlasst, die mit der Zeit vermuthlich zu einer vollstän-
digen Synostose der beiden W r irbel geführt hatte.
Die Heilung der Fractur geschah in ähnlicher Weise
wie beim Pott'schcn Buckel, nur dass bei diesem der Ver-
lust eines Theils des Wirbelkörpers durch Caries
und Nekrose der Infraction oder wirklichen Fractur der
97
Reste eines oder mehreren "Wirbel vorangeht, worauf
dann die Consolidation folgt, wahrend in unserem durch
Trauma veranlassten Falle die Fractur dem Verluste des
Wirbelkörpers, resp. eines Theils desselben voranging,
worauf dann eine vollständige Consolidation folgte. Es ist»
schwer zu sagen , ob die Verengerung des Wirbelcanals
durch Hineindrängen des unteren Bruchstückes gleich von
Anfang geschah oder ob dies erst später in dem Maasse,
als das vordere obere Bruchstück resorbirt wurde, durch
den zunehmenden Druck des oberen Theils der Wirbel-
säule erfolgte. Aus der gleich nach dem Falle vorhan-
denen Lähmung möchte man schliessen , dass das Rücken-
mark von vorn herein durch das in den Wirbelcanal hin-
einragende spitze Bruchstück comprimirt wurde, allein es
ist auch möglich , dass in den Wirbelcanal ein Bluterguss
bei der heftigen Erschütterung durch den Sturz stattfand,
wodurch das Rückenmark comprimirt und eine Lähmung
bewirkt wurde (wie ich es in einem Falle auf Velpeau's
Klinik sah), und dass erst später das fracturirte untere
Stück des 12. Rückenwirbelkörpes in den Kanal sich ver-
schob und eine gleiche Wirkung wie der Bluterguss , nem-
lich Lähmung der unteren Extremitäten, der Blase und
des Mastdarms u. s. f. hervorbrachte. Gleichviel aber, mag
das eine oder das andere der Fall gewesen sein, so ersehen
wir doch als das Schlussergebniss nach einer traumatischen
Veranlassung eine wirkliche Wirbelverschiebung
eine Spondvlolisthesis (Kilian) entstanden, ein Her-
abgleiten eines oberen Wirbels auf einen unteren und eine
Veränderung der Achse der Wirbelsäule, deren Richtung
von einer geradlinig gestreckten oder nach vorne schwach
convexen , eine gekrümmte, winkelige, schwach concave
geworden ist. Hätte die P'ractur an einem tiefer gelegenen
Theile der Wirbelsäule, an dem letzten Lendenwirbel statt-
gefunden , dann wäre caeteris paribus derselbe auf den
ersten Sacralwirbel herabgesunken und nothwendiger Weise
Scanzoni's Beiträge III. i
98
wäre dann durch das Vorwärtsbeugcn der Wirbelsäule
eine solche Verengerung des Beckeneingangs entstanden,
wie in den von Kiwi seh, Späth, Kilian und mir be-
schriebenen spondylolisthetischen Becken. Bei keinem dieser
Becken, deren nun 4 bekannt sind, konnten die aetiologi-
schen Momente genau eruirt werden. Ki wisch und Späth
hielten die Difforniität für einen angeborenen Bildungsfehler,
Kilian und ich glauben, sie sei durch Krankheit, durch
einen Erweichungs- und Necrotisirungs-Process des Knochens
und der Knorpel nach der Geburt entstanden. Ich bin
weit entfernt davon, jetzt behaupten zu wollen, in einem
der 4 bekannt gewordenen Becken sei die DifTormität durch
Fractur erzeugt worden, denn ich finde in keinem derselben
bestimmte Anhaltspunkte für diese Ansicht, ich will nur
für künftige Fälle darauf aufmerksam machen , dass eine
Fractur in der Gegend des letzten Lendenwirbels schliess-
lich eine Wirbelverschiebung und eine Verengerung des
Beckenein gangs zur Folge haben kann, und dass es
in manchen Fällen vielleicht dem Anatomen schwierig sein
w T ird, an dem getrockneten, von Weichtheilen cntblossten
Knochen zu bestimmen, ob Tuberculose , Caries , Necrose,
Erweichung oder traumatische Ursache die Veranlassung
zu der vor ihm liegenden Veränderung gewesen sei.
III.
Zusammenstellung von 61 in Deutschland theils aus-
geführten, theils versuchten Ocariotomieen.
Von Dr. GUSTAV SIMOX in Darmstadt.
Bei der neuerdings in Deutschland und Frankreich
vielbesprochenen Frage von der Zulässigkeit und den Indi-
cationen zur Ovariotomie , möchte es für uns Deutsche
von grossem Interesse sein, die Resultate zusammengestellt
zu sehen , welche von unseren Landsleuten erzielt wurden.
Zwar sind in den meisten der früher aufgestellten Statistiken
über diese Operatiou auch Fälle angeführt , welche in
Deutschland vorkamen, aber da dieselben unter der grossen
Anzahl englischer und amerikanischer Fälle, für die wir
selbst keine Controlle haben können, fast verschwinden . so
sind die aus jenen für uns speciell zu abstrahlenden Re-
sultate verloren. — Eine Zusammenstellung der in Deutsch-
land vorgekommenen Ovariotomieen schien mir aber auch
ganz besonders um desswillen zweckmässig zu sein , weil
diese Operation hier noch bei weitem nicht so gewöhnlich
geworden ist, wie in England und Amerika und weil sie
erst in dem letzten Decennium häufiger ausgeführt wurde-
Diese Verhältnisse machen es nämlich in Deutschland noch
möglich, alle Fälle oder doch die bei weitem grösste Mehr-
zahl derselben und das spätere Schicksal der mit Glück
Operirten zu erfahren, während dies in England und Amerika
ganz unmöglich sein dürfte.
100
Zur Erreichung möglichster Vollständig-
keit der deutschen Statistik habe ich nicht allein die
in der Literatur verzeichneten Fälle zusammengestellt, son-
dern ich habe auch auf Privatwegen, durch Schreiben an
Professoren und Acrzte in den meisten der grösseren und
Universitäts-Städte Deutschlands bis jetzt nicht publicirte
oder in weniger bekannten Dissertationen zerstreute Fälle
zu erlangen gesucht. So ist es mir gelungen, eine Statistik
von 61 Fällen, darunter 23 bis jetzt nicht tabellarisch auf-
geführte zu bringen, die sicherlich den bei weitem grössten
Theil der in Deutschland vorgekommenen Ovariotomieen um-
fassen dürfte, wenn ich auch überzeugt bin, dass mir immer-
hin noch einzelne Fälle unbekannt geblieben sind. Alle
fremden Fälle habe ich auf das Strengste ausgeschieden,
selbst wenn sie von Deutschen in angrenzenden Ländern
ausgeführt wurden *). — Auch bei der Aufführung der
einzelnen Fälle habe ich mich nicht damit begnügt , nur
einzelne Momente aus den Operationsgeschichten, wie „Grösse
des Schnittes", „Adhäsionen" u. s. w. genauer anzugeben,
wie Kiwisch u. A. gethan haben, sondern ich habe eine
fortlaufende kritisch gesichtete Reihe von Krankengeschichten
zu liefern gesucht, welche in gedrängter Kürze möglichst
vollständig alles für die Beurtheilung der einzelnen Fälle
und der Ovariotomie überhaupt wichtig Scheinende enthal-
ten sollte. Bei den 23 neu angeführten Fällen konnte ich
die benöthigten Angaben durch die Güte der Operateure,
an welche ich mich wendete, meist mit leichter Mühe erlangen,
dagegen waren zur Ergänzung der in früheren Tabellen an-
geführten Fälle sehr mühsame und zeilraubende Quellen-
studien nöthig, weil meist nicht einmal die näheren Citate
angegeben waren. Trotz aller Bemühungen musste ich
*) So habe ich die von Haartmann in Helsingfors (1849) mit
unglücklichem Erfolge ausgeführte Ovariotomie nicht angeführt (S. diesen
Fall in Schmidt'a Jahrbüchern B. 69, Pag. 335).
101
jedoch einzelne Fälle so unvollständig lassen , wie ich sie
in den Tabellen angegeben fand , weil mir das Material zu
deren Ergänzung mangelte. Hoffentlich wird mir in späte-
rer Zeit, in welcher ich dies Thema nicht aus den Augen
verlieren werde, die Gelegenheit, das Fehlende nachzuholen.
Bei der Eintheilung der Tabelle über die 61
theils ausgeführten, theils versuchten Ovariotomieen habe
ich den Hauptzweck der Statistik, nämlich die Abschätzung
des Nutzens oder Schadens, welchen die Ovariotoraie nach
den bis jetzt gewonnenen Resultaten hatte, ganz besonders
im Auge behalten und habe desshalb nach dem Ausgange
der Operationen die Hauptabtheilungen gemacht. Hierfür
waren 3 Hauptabteilungen nöthig, nämlich 1) Operationen
mit Ausgang in radicale Heilung : 2) Operationen mit Aus-
gang in Tod und 3} Operationen, von welchen die Kranken
zwar genasen, aber nur sehr vorübergehenden, zweifelhaften
oder gar keinen Nutzen hatten. — In der letzten Rubrik
habe ich nicht allein die Fälle untergebracht, iu welchen
die Ovariotomie nach Eröffnung der Bauchhöhle wegen
zu starker Verwachsungen oder falscher Diagnose ganz
aufgegeben wurde , sondern ich glaubte auch solche Fälle
darunter bringen zu müssen, in welchen nach ganz oder
theilweise vollendeter Ovariotomie die Kranken von der
Operation genasen , aber noch nachträglich au den Folgen
derselben oder an den Folgen des ursprünglichen Leidens
zu Grunde gingen. So habe ich 2 Fälle hier rubricirt,
einen Fall von Martin, in welchem die Patientin
8 Monate nach glücklicher Exstirpation eines Colloid-
Cystoids an Krebsbildungen im Pankreas, in den Lymph-
drüsen und Lungen starb, welche der Operateur selbst mit
dem früheren Leiden in Zusammenhang brachte und einen
anderen Fall von Küchenmeister und Steinert, in
welchem die Ovariotomie wegen starker Verwachsungen
nicht vollendet werden konnte und die Kranke zwar von
der Operation genas, aber 3 / 4 Jahre nach derselben durch
102
die Ruptur einer sccundär gewachsenen Cyste zu Grunde
ging. Operationen mit solchen Ausgängen können natür-
lich nicht unter die Rubrik der radikalen Heilungen gezahlt
werden , sondern sie müssen als Operationen betrachtet
werden, die nur vorübergehenden , vielleicht gar keinen
Nutzen für die Erhaltung des Lebens hatten. Denn wenn
sich die Patientinnen in beiden Fällen nach der Operation
auch kürzere Zeit ganz wohl fühlten (im Falle von
Martin 4 Monate lang), so ist es immerhin noch sehr in
Frage zu stellen , ob dieselben ohne Operation , mit dem
ursprünglichen Leiden , bei Palliativbehandlung (Punktion)
nicht länger gelebt haben würden *). — Eine weitere
Eintheilung der vorliegenden Tabelle besteht darin, dass
ich jede der 3 Hauptabtheilungen , welche nach den
Ausgängen der Operation gebildet wurden, wieder in 3
Unterabtheilungen und zwar je nach der Art der Operation
und des gefundenen Leidens gebracht habe. Diese Unter-
abtheilungen begreifen: 1) vollendete Ovariotomieen, 2) ver-
suchte, aber wegen zu starker Verwachsungen unvollendete
oder ganz aufgegebene Ovariotomieen, 3) versuchte Ovario-
tomieen, bei welchen sich aber nach Eröffnung der Bauch-
höhle die Diagnose als falsch erwiess. — Die letztere der
3 Unterabtheilungen, welche, genau genommen, nicht in
*) Unter diese Rubrik müssen künftighin wohl anch alle die
Fälle gebracht werden , in welchen nach vollendeter Ovariotomie die
Kranken zwar von der Operation genasen , aber noch nachträglich an
einer zurückgebliebenen Bauchfistel (durch stärkere Jaucheabsonderung,
Peritonitis u. s. w.) zu Grunde gingen ; ferner, wenn nach der Exstir-
pation eines Medullarsarcoms des Eierstocks sehr bald Krebsbildungen
in andern Organen entstanden und endlich nicht allein solche Fälle,
in welchen nach nicht vollendeter Exstirpation eine seeundäre Cyste
wuchs, sondern auch, wenn nach der Exstirpation eines Eierstocks
die Cyste des zurückgelassenen gleichzeitig erkrankten anderen
Eierstocks sich alsbald vergrösserte und das frühere Leiden in derselben
das Leben bedrohenden Gestalt wiederherstellten.
103
eine Statistik der Ovarientumoren gehört, habe ich dess-
halb beibehalten, weil bei der Beurtheilung der Lebens-
gefährlichkeit einer Operation auch auf die diagnostischen
Irrtbümer , welche öfters nicht zu vermeiden sind und auf
deren Folgen Rücksicht genommen werden muss. Zwar
wird es in unserer Zeit nicht mehr vorkommen, dass man
wie Dohlhoff (183S) eine Ovariotomie versuchen wird,
wo gar keine Geschwulst im Leibe ist, aber es wird bei
dieser Operation stets vorkommen , dass Geschwülste des
Uterus, Retroperitonaealgeschwülste u. s. w. mit Ovarien-
tumoren verwechselt werden.
^Yas nun die Tragweite der vorliegenden Sta-
tistik betrifft, so ist es wohl natürlich, dass sie für uns
Deutsche maassgebender sein wird, als die früheren Stati-
stiken, in welchen die in England und Amerika vorge-
kommenen Fälle die grösste Rolle spieleu. Denn wir finden
hier nur die Resultate von deutschen Aerzten (darunter
viele der hervorragendsten Chirurgen Deutschlands) zu-
sammengestellt, die unter denselben klimatischen atmos-
phärischen u. s. w. Verhältnissen, wie wir leben und deren
Befähigung zur Stellung der Diagnose, zur Ausführung der
Operation u. s. w. uns meist ganz genau bekannt ist. Aber ich
halte die vorliegende Statistik nicht allein für uns Deutsche
für maassgebender als die früheren Statistiken, sondern ich
glaube auch, dass sie eine sicherere Basis zur Beurtheilung
der Ovariotomie überhaupt auch in anderen Ländern bilden
wird. Denn wenn jene Statistiken sich auch über Hunderte
von Fällen erstrecken, während die meinige nur 61 Fälle
zählt, so leiden die ersteren doch an sehr gewichtigen
Fehlerquellen, welche ich in der vorliegenden Tabelle mög-
lichst vermieden habe. Ich will hier nicht von einigen zwar
sehr auffallenden , aber nicht besonders in die Waagschale
fallenden Fehlern reden, dass z. B. Operationsfälle doppelt,
unter dem Namen des Operateurs und des Referenten an-
geführt wurden u. a. m. (S. Anmerkungen zur Tabelle)
104
sondern ich bezeichne nur zwei Fehlerquellen, welche einen
bedeutenden Einfluss auf die zu abstrahlenden Resultate
ausüben müssen. Der Hauptmangel, an welchem die Sta-
tistiken leiden, ist immer der, dass die glücklich verlaufenen
Fälle möglichst vollständig publicirt werden, während sehr
viele unglücklich verlaufenen der Vergessenheit anheimfallen.
Zwar hat Fock („lieber die operative Behandlung der
Ovariencysten" in der Monatsschrift für Geburtskunde und
Frauenkrankheiten VII, 5 und 6) ganz richtig bemerkt,
dass nicht anzunehmen ist, dass ein Operateur nur glück-
lich verlaufene Fälle publicirt, während er seine unglück-
lichen verschweigt. Aber wie viele Operateure haben nur
unglücklich ausgegangene Fälle, wie Viele, welche glück-
lich verlaufene Fälle publiciren konnten , haben später nur
mit Unglück ausgeführte Operationen ! Diese Fälle , deren
es wohl eine sehr grosse Anzahl gibt, möchten zum grössten
Theil nicht publicirt sein. Denn abgesehen davon , dass
es den Operateuren nicht zu verargen ist, wenn sie mit der
Publikation unglücklich verlaufener Fälle warten wollen,
bis sie denselben glückliche Operationen zur Seite stellen
können, so ist die Ovariotomie jetzt schon eine so äusserst
gewöhnliche Operation geworden, besonders wenn sie un-
glücklich ausfiel, dass ein Operateur den Vorwurf der
Langweiligkeit fürchten muss, wenn er die Krankengeschichten
von unglücklichen Ovariotomieen veröffentlichen wollte, deren
Verlauf nicht durch besondere Umstände von grösserem
Interesse ist. Wie bedeutend aber diese Verhältnisse bei
den aus einer Statistik zu abstrahlenden Resultaten in die
Waagschale fallen müssen, ersieht man sogar aus der besten
und genauesten aller bis jetzt existirenden Statistiken , aus
der von Robert Lee (Medico-chirurgical transacitons, Vol.
34). Denn dieser, welcher alle ihm, auch auf Privatwegen,
bekannt gewordenen, nur in England vorgekommenen Fälle
zusammenstellte, konnte nur die Operationen von 51 Opera-
teuren , die 162 Operationen ausführten, angeben. Sollten
105
nun aber in einem Lande, das Tausende von Aerzten
zählt, in welchem die Ovariotomie schon seit 20 — 30 Jahren
als eine durchaus zulässige Operation betrachtet wird, in
welchem diese Operation so gewöhnlich geworden ist, dass
Clav 69, Bird 31 Ovariotomieen unternommen haben,
sollten in diesem Lande bei der Häufigkeit des Leidens nur
51 Aerzte diese Operation ausgeführt haben, zu welcher
weder eine besondere, durch lange Uebung zu erwerbende
Geschicklichkeit, noch ein complicirter Instrumentenapparat
nothwendig ist? Dies ist gewiss unglaublich. Denn in
Deutschland, wo diese Operation noch viele und gewichtige
Gegner fand und noch findet (z. B. Dieffenbach, Scan-
zoni) habe ich 34 Operateure bei 61 Operationen anzu-
führen. — Eine zweite, sehr gewichtige Fehlerquelle der
aus den früheren Statistiken gezogenen Resultate liegt aber
darin, dass bei vielen derselben solche Fälle zu den Heil-
ungen gezählt wurden, in welchen die Ovariotomie wegen
zu starker Verwachsungen oder falscher Diagnose aufge-
geben werden musste, die Patientinnen aber von der Operation
genasen. Diese Fälle, in welchen das ursprüngliche Leiden
unverändert zurückblieb und die Kranken die höbe Lebens-
gefahr, die schon mit dem Bauchschnitte allein verbunden
ist, vergebens überstanden hatten, können nur zu den gänz-
lich missglückten Operationen , oder gewiss nicht zu den
Genesungsfällen gezählt werden. Diesen Fehler haben
zwar Robert Lee, Kiwis ch u. A. vermieden, von denen
der erstere 60 solcher Fälle bei 162 Operationen anführt,
aber es w r ar selbst Robert Lee unmöglich, bei den Fällen,
welche als geheilt ausgegeben wurden, das spätere Befinden
zu konstatiren (S. Lee a. a. 0.). Daher können sogar die
Resultate einzelner Operateure, wie von Clav, welcher
69 Mal operirte (S. Fock a. a. 0.) nicht maassgebend
sein. Denn wie viele dieser Geheilten mögen noch nach-
träglich an zurückgebliebenen Bauchfisteln mit Jaucheab-
sonderung und reeidivirenden Peritonitiden, an seeundären
106
Krebsbildungen nach Kxstirpation von Medullarsarcomen
des Eierstocks, durch sccundäre Cysten bei nicht vollendeter
Ovariotomie, oder durch das Wachsen der Cysten in dem
gleichzeitig erkrankten, aber nicht exstirpirten anderen Eier-
stocke zu Grunde gegangen sein! — Die erste dieser Fehler-
quellen habe ich, wie oben angegeben, durch genaue
Nachrichten aus den verschiedensten Thcilen Deutschlands,
die zweite durch die Genauigkeit der Krankengeschichten,
in welchen ich stets auf das spätere Befinden Rücksicht
nalim und darnach die einzelnen Fälle rubricirte, möglichst
vermieden. — Die vorliegende Tabelle dürfte daher die
Resultate der Ovariotomie viel richtiger angeben , als
selbst die von R. Lee, da in England an eine nur
annähernd vollständige Zusammenstellung der vorge-
kommenen Fälle und an eine genaue Controllirung der-
selben wegen der Häufigkeit der ausgeführten Operationen
nicht mehr gedacht werden kann. — Ja , was unsere
deutsche Statistik noch besonders auszeichnet, ist, dass
in Deutschland nicht so viele diagnostische Irrthümer
vorkamen und dass wir nicht so tolle Unternehmungen
aufzuweisen haben, wie die Engländer und Amerikaner.
Denn wenn R. Lee bei 162 Operationsfällen 60 anführen
muss, in welchen die Operationen wegen zu starker Ver-
wachsungen oder falscher Diagnose aufgegeben werden
mussten, so habe ich nur 17 solcher Fälle unter 61 ver-
zeichnet; und wenn Clay einmal den halben Uterus, ein
anderes Mal den halben Uterus und beide Ovarien (natür-
lich mit tödtlichem Ausgange) ausschnittt und sich damit
rühmte, eine mit Bauchdecken, Zwerchfell, dem Magen,
dem Netze und den Gedärmen fest verwachsene Ovarial-
Cyste exstirpirt zu haben, wenn W. L. Atlee (Amerikaner)
beide Ovarien und eine davon isolirte Beckengeschwulst
in einer Sitzung exstirpirte, wenn er in einem andern Falle
2 dickgestielte Uterusfibroide und ein drittes aus der Uterus-
substanz selbst entfernte, wenn er bei 30 Fällen 8 Mal
107
operirt hat, weil er die Uterusfibroide für Ovarienturaoren
hielt (S. Fock a.a.O.), — so können sich dagegen unsere
Operateure rühmen mit grösster Vorsicht die Auswahl
der Fälle getroffen und die Operation mit möglichster Schon-
ung ausgeführt zu haben. —
Resultate: Aus der vorliegenden Tabelle ersehen
wir, dass bei 61 theils ausgeführten, theils versuchten
Ovariotomieen 44 Operirte = 72 8 6 i p. Ct. unmittelbar
durch die Operation zu Grunde gingen, dass bei 5 Operirten
= 8 Vf.i P- Ct. die Operation nur vorübergehenden oder
gar keinen Nutzen hatte , obgleich die Kranken von dem
operativen Eingriffe genasen und dass nur 12 Patientinnen
= 19 41 6i P- Ct. radikal geheilt wurden.*)
Vollständig ausgeführt wurde die Ovari-
otomie in 44 Fällen. Von diesen 44 starben 32 Operirte
= 72 8 /n p- Ct. unmittelbar durch die Operation, 1 Patientin
tä 2 3 /ii p. Ct. starb 8 Monate nach glücklich überstandener
Exstirpation eines Colloid -Cystoids an Krebsbildung im
Pancreas, in den Lymphdrüsen und Lungen und 11 Operirte
= 25 p. Ct. wurden radikal geheilt. —
Versucht, aber wegen zu starker Verwachs-
ungen unvollendet gelassen oder ganz aufge-
geben wurde die Operation in 15 Fällen. Davon wurde
1 Kranke radikal geheilt, bei 3 war die Operation ohne,
oder nur sehr vorüberziehenden Nutzen und 11 starben
unmittelbar durch die Operation.
Versucht, aber wegen falscher Diagnose
aufgegeben wurde die Operation in 2 Fällen. 1 Operirte
starb, 1 genass von der Operation.
*) Die Resultate der Ovariotomie in Deutschland können immerhin
noch etwas ungünstiger sein, als die hier angegebenen, weil mir immer
noch der eine oder der andere unglücklich ausgegangene Fall unbekannt
geblieben sein dürfte. —
108
Diese Resultate sind bei weitem nicht so günstig, als
solche, welche aus den früher aufgestellten Statistiken ge-
zogen wurden, und während Fock u. A. die Lebensge-
fährlichkeit der Ovariotomie mit der von Bruchoperationen
und Oberschenkelamputationen in Parallele bringen, so ist
die Ovariotomie nach der oben aufgestellten Statistik lebens-
gefährlicher als der Kaiserschnitt, bei welchem nach K aiser'3
Berechnung 63 p. Ct., nach Anderen etwa a /a der operk-
ten Frauen zu Grunde gehen (S. Nägele's Geburtshülfe
B. IL).
Was nun die aus der vorliegenden Statistik zu ab-
strahlende Zulässigkeit und die Indicationen zur
Ovariotomie betrifft, so werde ich später Gelegenheit
finden, mich weitläufiger darüber auszulassen, wenn noch
einige andere dabei in Rede kommenden Punkte, z. B.
eine genauere Statistik der Lebensdauer von an Cystoiden
des Eierstocks Leidenden, mit palliativen Mitteln (Punktion)
behandelten Kranken, erledigt sind.
110
4.
Tabellarische Zusammenstellung von Gl in Deutsc
A. Operationen mit
1) Bei vollem
Operateur
Alter
und Wohnort
der
desselben.
Kranken
Dauer und Verlauf des Leidens und Zustand
der Kranken vor der Operation.
Adhäsione:
erwachJ
ii.it <u
1820
Chrysmar
(Jsny in "Wür-
temberg).
1832
~833
1834
5.
1846
Ritter.
Ehrhartstein
(Salzburg).
Quittenbaum
(Rostock).
v. Siebold
(Darmstadt).
38
Jahr.
36
42
2 b
Yerwa'
gen mit
Frau die mehrmals geboreu hatte. Vor
5 Jahren die ersten Spnreu des Leidens. —
Ascites, Oedem der Füsse , bedeutende Becken in v
Abmagerung und Sinken der Kräfte. Vor- Aushöhlung)
aussichtlich baldiger Tod. —
Zuerst die Paracentese, 2 "Wochen später
die Exstirpation.
Die Frau hatte 4 Kinder geboren. — Seit
2 Jahren eine Geschwulst in der rechten
Seite. Heftige Schmerzen ; sehr bedeutende
Ausdehnung des Unterleibs. 2 Functionen,
l 1 2 Monat und 8 Tage vor der Operation.
Schnelle Regeneration der Flüssigkeit.
Hatte nicht geboren. Die Geschwulst
bestand seit 2 Jahren. Mehrmalige Punc
tion ; schnelle Regeneration der Flüssigkeit.
Abendliches Fieber; bedeutende Ausdeh-
nung des Unterleibes; Abmagerung. —
Der Kräftezustand aber noch gut. —
Kreuzbeins!
Leichte.
Keine.
Sehr leic
Keine.
111
leils ausgeführten, tbeils versuchten Ovariotomieen.
. mg in radikale Heilung:.
tariotomie.
asfiihrungr der Operation und
>1 Zufälle bei derselben.
Beschaffenheit
der
Geschwulst.
Rcactionser-
scheinungen und
Zeit bis zur Ge-
nesung.
Besondere
Bemerkungen
Späteres
Beiluden.
Literarische
Quelle.
ichschnitt auf der liuken
*Mp vom Schwertknorpel
■Jfczur Symphyse. Trennung
rwaehsungen mit Finger
- nd Messerstiel. Durchstech-
"■ Dg des Stieles und Unter-
indung nach 2 Seiten. Be-
.euteuder Darmvorfall. Ge-
inge Blutung.
— *» « *■ < ^_
•g « c rr — ^.
■0 ^ 3 ^ = BD
>'.* fi tt w- cn ^
»1 § r=!
* |~ ~ | cT ~
i ~ =. > & Er
• -! 1 1 O 3
GeringeReac-
tionserschein-
ungeu. Heil-
ung nach sechs
Wochen.
2 ö
2. ®
© »
3 05
c- 2.
et C
er. p
C'. ■
Gräfe's u.
Walther's
Journal.
S. 60.
-j Incision der Bauchdecken
■ 10g.
Cyste 12 Pfd.
schwer.
Heilung.
Kiwisch's
Tabelle.
dto.
-•f Lange Incision.
-j Bauehschnitt von 6 Zoll
lue neben der linea alba
«hterseits. Ligatur en masse.
'orfall der Gedärme. Geringe
UutllDg.
1
Gemischt, d.
feste Theil 26
Pfd., der flüs-
sige 12 Pfund.
Heilung.
Cystosarvom
d. rechtenEier-
stocks mit viel.
Höhlen u gela-
tinöser, gelbl.
Flüssigkeit.
Die Heilung
erfolgte nach 4
Wochen, unge-
achtet baldauf-
tretender , be-
trächtlicherPe-
ritonitis.
Gebar später ein Patientin lebt noch (nach 10
gesundes Kind. 'Jahren) und ist gesund.
Quittenbaum.
De ovar.hypertro-
phia et oxstirp.
Rostock, l8;r>.
- 4 Zoll langer Bauchschnitt
nderlinea alba. LeichteEnt-
»icklung d. Geschwul>t nach
leren Entleerung. Vorfall
ler Gedärme und Eintritt von
Mut und Flüssigkeit iu die
Bauchhöhle. Ligatur isolirt
gatoren). DerStiel nicht
n die Bauchwunde einge-
näht. Die dicht an den Knö-
>fen abgeschnittenen Lieatu-
?n blieben iu derBauchhöhle
( wück.
Cystoid. Eine grosse mit dünner
hellgelber und ;j-4 kleinere mit
dicker, schmutzig gelber Flüs-
sigkeit gefüllte Cysten.
Heilung der Wunde per primam
intentionem. Hückelir der Kran-
ken In ihre Heimat!» nach sechs
Wochen.
Durch gütige Mittheilung des
Herrn Stabsarztes Dr. v. Siebold.
112
as
<—
*
W
3
N
■
Operateur
iinil Wohnort
desselben.
Aller
der
kranken
Dauer und Verlauf des Leidens und Zustand
der Kranken vor der Operation
Adhäsion«
6.
1848
Stilling
(Cassel).
28
Jabr.
Hatte dreimal geboren. — Beschwerden
im Unterleibe seit 4 Jahren ; Anschwellung
seit 2 Jahren. — Vorausgegangene Para-
centese durch die Scheide und die Bauch-
decken. Umfang des Leibes sehr bedeu-
tend; Ascites; Abmagerung.
Gering
dem Netz
7.
1849
Knorre
(Hamburg).
24
Hatte nicht geboren. Das Leiden be-
stand seit 2 l / z Jahren. Die Geschwulst
füllte den ganzen Unterleib aus, und ruhte
beim Sitzen auf den Oberschenkeln. Das
Allgemeinbefinden ungestört. Alle Organe
finigirten regelmässig, nur die Stuhlentlee-
rung war träge.
Breite an
vorder. Bai
wand.
8.
9.
1850
1851
Kiwisch
(Würzburg).
19
Hatte nicht geboren. Das Uebel seit
10 Monaten. — Grosse, die Unterleibshühle
ausfüllende, schnell wachsende Geschwulst.
Hinfälligkeit, verminderter Appetit, heftige
Schmerzen , aber im Ganzen noch guter
Kräftezustand. War einmal per vaginam
puuktirt.
Keine.
Langenbeck
(Berliu).
38
Hatte eiumal abortirt. — Das Leiden
seit 4 Jahren. — Ziemlich gutes nur blas-
ses Aussehen. Die Geschwulst füllte den
ganzen Unterleib bis 2 Fiuger breit unter
dem Schwertfortsatze aus. — Schnelles
Wachsen der Geschwulst im letzten Jahre. —
Verdauungsstörung und schnelle Abmage-
rung. Noch relativ guter Kräftezustand.
Keine.
i
113
Beschaffenheit
Reactionser-
=r v.
55
- —
— C5
S -9
isführung der Operation und
der
*chcinun°:enund »"*
1 O
Literarische
Zufälle bei derselben.
Zeit bi< zur Ge- £> ^
5 ~
Qnelle.
Geschwulst.
i F 3
nesung.
| a
liscbnitt vom Nabel
ir Symphyse. Entleer-
i4g von 2 Eimer Flüssig-
st ans der Bauchhöhle,
achträgliche Erweiterung d.
Cyste mit
die mit Uta
diten gefüllt
s • I ?• 5 1
Ist II I
£ N -,? ? -
Mehrere .1
Operation u. 1
die Patientin
— — v '-
~ -X 2 ö
er 5 5ö«
-» — a.
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co^ c 2.
= 2 ' 3
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QR5 5- j_. r:
auchschnitts. Keine Zufälle
*i der Operation. Nur ein
Il : L 1= I | =3=-
» öS* • 5. ' 2 — 5 *
*1 3T- *- - *
5 r p
heil des mit dem Stiele
»rwachsenen Netzes fiel vor,
orde losgetrennt und zu-
ickgebracht.
m » ®
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"■ig
2. s? = «-«" 2. E er « n
Ist »=i: = \-'-Z
5^1 SJ'rf ? 3-1
Dyste fand
rch welche
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eten war.
c s« "2.
^ O ■
f Bauchschnitt 2 Zoll lang
ST «' *5l
1
GeringeReac- w
Deutsche
l der linea alba. Entwick-
z 5- ~
tion. Heilung! *
Klinik,
,jng der Geschwulst nach
RS ?
nach4AVochen.
1849. 5. 8.
nrchtrennung der Adhäsio-
es _ £.
5 3;
ST
?n mit Finger und Messer
=■ = : g
r»_
nd Entleerung von 8 Pfd.
-. - s
= '
ystenflüssigkeit. — Durch-
*m 9? *
CO
echung des sehr kurzen
P ■"■ 2.
=
ieles uud Unterbindung
a-e*»
o
ich 2 Seiten. — Keine Zu-
p {j<
-
lle bei der Operation. Bei
4 2.
;r Bauchnaht das Bauchfell
cht mitgeiasst.
2 <B
5 i
p*
Bauchschnitt 8 Zoll in der
**
Anfangs ge-
2 ^
.**-<£' X g
iea alba. Vorfall der Ge-
ringe Beactipn, 5 f »
ggr?
Mme ; Erguss des Kysten-
— . —
spiiterAbscess- ~ ~ '_.
- s — **
haltes und Blutes in die
öl 5;
bildung in der S g ~
& s o. <
rinchböhle . welche mit
2^
regio iliaca. — " El
-■ F ~ 3.
t-hwämmen ausgeschöpft
Genesungin44 3 — er
Tagen. i P =
— - = i
■erden musste. Eigatur en
crT 2.
psse. Bauchnaht mit 5
ö gr 5
N ~ O ^£-
ihten. Der Stiel nicht in
» — _j
=" '— T= t
e Bauchwunde eingenäht.
r i.
F«
S r f : p
: jlBauchschnitt in der linea
— =r Q ac
Peritonitis ge- !f —
Deutsche
*>a 2 Zoll lang. Leichte
» Ü • 'P ~
ringen Grades. = Ei
Klinik,
»ntwicklung der Geschwulst
o fi 3. £"
, Heilung nach •» 2
1851.
ich ihrer Entleerung. Unter-
ET g =• 2 ■
ä Wochen.
n r»
Seite 223
ioduog des 2 Zoll dicken
a = * EI Q
L =
und Fock's
liieles en masse und isnlirt
P 5 IJ-s
er; ca'
a «^
Tabelle.
Ligaturen). — Keine Zu-
— TT a
& «9 a H
1 §
le bei der Operation.
1 P 1 • «+
p-3-
«ntoni's Beiträge III.
114
Operateur
Alter
und Wohnort
der
desselben.
kranken
Dauer und Verlauf des Leidens und Zustand
der Kranken vor der Operation.
Adhäsior
in.
l 1.
1852
1856
Langenbeck
(Berlin).
Bardeleben
(Greifswalde).
3l
Jahr.
29
Unverheiratet, zart gebaut. Seit 5 Jah-
ren besteht das Leiden. Magerkeit; Aus-
dehnung des Unterleibes, wie im 9. Monate
der Schwangerschaft. Die Geschwulst be-
weglich. Ziehendes Gefühl in den Schen-
keln und Schwere derselben. — Relativ
noch ziemlich guter Gesundheitszustand.
Unvei heirathet, schwächlich, von blassem
Aussehen. Seit 8 Jahren besteht das Uebel.
Abmagerung und Heruntergekommensein
durch langen Jodgebrauch. — Heftige
Schmerzen , Verdauungsstörungen ; Stuhl-
und Urinbeschwerdeu. Kein Fieber.
Keine.
Keine.
2) Bei unvo.
12. 1844
Bühring
(Berlin).
38
Hatte geboren. — Das Leiden seit Ly 8
Jahren. — Sehr bedeutende Ausdehnung
des Unterleibes ; Verdaunngsbeschwerden.
häufiges Erbrechen, asthmatische Beschwer-
den. — Grosse Abmagerung, kachektischer
Zustand, bald zu erwartender Tod.
Sehr bedjp
teude.
3) Bei fal
Anmcrk. 1. Kiwisch hat Chrysmar's Operationen (1 glückliehe, 2 todtliche) in
dem Namen von Hopf er. Hopf er hat aber niemals selbst operirt, s(
Operationen.
Anmerk.2. Bei Kiwisch ist eine Kadicalheilung durch Incision vonDzondi ange
terer niemals eine solche Operation mit glücklichem Erfolge oder übei
(S. D oh 1 hoff in 11 u st 's Magazin. Bd. 51.)
115
usfiihruDg der Operation und
Zufälle bei derselben.
Beschaffenheit
der
Geschwulst.
Reactionser-
scheinungen und
Zeit bis zur Ge-
nesung.
Il
7" ■
2 ©
t 2.
5 2
2 5
Literarische
Quelle.
bauchschuitt2 1 / 4 Zoll lang
l der linea alba. Leichte
Intwickluug der Geschwulst,
»urchstechung des Stieles
nd Unterbindung nach 2
eiten. Keine Zufälle bei der
Iperatipn.
Einfach a Cyste
raitneun Quart
Flüssigkeit.
Länger dauern-
deEiterun^. am
Euded. 2. Mts.
heft. Erbrechen
und Erschein-
ungen v. Koth-
verhaltungen.
Heilung nach 2
Monaten.
■ — '
— ='
Äff
srg
o
Deutsche
Klinik.
1853.
Seite 43
und Fock's
Tabelle.
Bauchschnitt 2 Zoll lang.
q der linea alba. Leichte
üntwicklnng der Geschwulst.
„igatur en masse. Einnähen
les Stieles in die Wunde.
)as Bauchfell nicht mit in
lie Nähte gefasst.
Einfache Cyste
von 5" Durch-
messer u. 1—3
Linien dicken
Wandungen.
Massige, lo-
kale Entzünd-
ung — Heilung
in 4 Wochen.
Dio Patientin ist
noch gesund.
1 1 ° l
v" ~ ~ Er
00 .2 = —
SlS 2
efer Ovariotomie.
Nach dem Bauchschnitte Dünnwandige Heftige Reac-
leigte es sich, dass die Ope- Cyste mit Jau- tion. Bildung
ation der Verwachsungen che u. zersetz- einer Kothfls-
Tegen nicht vollendet wer- ten Fibringe- tel. Genesung
Jen konnte. Seitliche Iuci- rinseln gefüllt, nach oWochen.
•ion und Entleerung von */i
äimer Jauche und vieler zer-
jetzter Fibringerinnsel. —
iusfiillung der Geschwulst
nit Charpie, die in Höllen-
einlösuug getaucht war.
a
4
7
t*
~
■si
-
in
(S
■
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—
— .
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=
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—
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-
-
—
-5
-
3
=
n
f*
ZT
-,-
2c S n.
Hagnose.
'abelle doppelt angeführt. Einmal unter dem richtigen Namen , das zweite Mal unter
zählt nur in Gräfe's und Walt her 's Journal 3 von Chrysmar ausgeführte
fach dem Zeugnisse X) o h 1 ho ff s. eines langjährigen Schülers vonDzondi. hat aber letz-
ur gemacht; selbst in Dzondi's Lehrbuch der Chirurgie fehlen alle Angaben darüber.
116
B. Operationen n>
i) Bei vollendet
Operateur
und Wohnort
desselben.
Alter
der
Kranken
Dauer und Verlauf des Leidens und Zustand
der Kranken vor der Operation.
Adhäsionen
1819f
2.
1820
1834
1836
1837,
Chrysmar
(Isny).
dto.
Groth
(Bornluivd in
Holstein).
47
Jahr.
38
Dohlhoff
(Magdeburg).
1838
Stilling
(Cassel).
Schott
(Frankfurta/M)
26
23
Hatte mehrere. Kinder. Seit 3 Jahren Starke mit
Schwellung der linken Seite. Abmagerung, Ion u. Mag«
Appetitlosigkeit, abendliches Fieber, grosse
Ausdehnung des Unterleibes: Ascites. —
Unverheirathet, von schwächlicher Con- Leicht tren
stitution mit Rückgrathsverkrümmung. Das bare mit dei
Leiden bestand seit 5 — 8 Jahren. Punc- Promontori
tion vor mehreren Jahren. — Sehr grosser
Umfang des Unterleibs; Ascites.
llatte mehrmals geboren. — Das Leiden
bestand seit mehr als 2 l / 2 Jahren. Sehr
starke Ausdehnung des Unterleibs und sehr
heftige Schmerzen.
22
31
Hatte nicht geboren. — Der Unterleib
war durch gleichzeitigen Ascites sehr be-
deutend aufgetrieben. Das Aussehen aber
gesund und das Allgemeinbefinden sehr
gut. —
Unverheirathet. — Seit 3'/a Jahren be-
stand das Uebel. Vollständige Ausfüllung
des Unterleibes. Blühend, gesund, kiäftig
constituirt.
Seit 5 Jahren. — Sehr bedeutende Aus-
dehnuug des Unterleibes. Ascites. Guter
Krät'tezustand.
Keine.
Keine.
Keine.
Sehr unbedeu-
tende mit dem
Netze.
117
msgang in Tod.
wiriotomie.
Führung der Operation und
Zufälle bei derselben.
Beschaffenheit
der
Geschwulst.
Zeit bis zum Tod
und
Todesursache.
Besondere Literarische
Bemerkungen.
jBaucbschuitt vom Scbwert-
borpel bis zur Symphyse,
[rennung der Verwachsungen
it Finger und Messerstiel.
oppelte Ligatur des Stieles. Ovariumj
portall der Gedärme. Ge-
lage Blutung.
Ovariencyste 121 Tod36Stunden
Pfund schwer mit nach der Operation 1
Knorpel- u. Kno-'durch Peritonitis.
chenstellen (linkes
Bauchschuitt vomSchwert-l Entartung des Tod 36 Stunden
porpel bis zur Symphyse, linken Ovariums. nach der Operation
jurebstechung des Stieles
[ld Unterbindung nach 2
•iten. Vorfall der Gedärme.
Fächriche Ge-j durch Peritonitis,
schwulst 6V 2 Pfd.!
schwer.
Jauchschnitt links vom Na-
1 67a Z °U ^ng. Der 3 4
)11 dicke Stiel einmal unter-
Cystengeschwulst Tod 16 Stunden
d. linkenOvarinms nach der Operation
mit mehrenHöhlen durch Nachblut-
imden. Leichte Entwich- und gallertartigem
l der Geschwulst. Ge-
»er Blutverlust bei der
sration.
Inhalte.
eine Incision der Bauch-|Cysten mit dunkel- Tod durch Peri-
:n. Entleerung eioeribraunemFluidum. tonitis 16 Stunden
ung.
bedeutenden Menge se-
t Flüssigkeit aus der
chhöhle. Anschneiden
Cyste; Entleerung des
.Ites und Exstirpation.
Stiel fingerdick. Unter-
lungisolirt. Geringe Blu-
;r 4 Zoll lange Bauch-
itt musste um 2 Zoll
— Entartung des nach d. Operation
linken Ovariums.
Cyste des rechten; Tod durch Nach-
Eierstocks mit ge-,blutungamvierteni
litert werden. Anschuei-latinösef , citron- Tage
der Cyste und Eutlee- gelber Flüssigkeit
; der Flüssigkeit. Kein gefüllt,
dl bei der Operation.
:hschnitt vom Nabel
in
In Fächer ge- Tod 28 Stunden
zur Symphyse in der theilte Cyste mit nach der Operation
a alba. — Entwickluug'gelatinösemlnhalt. durch Peritonitis.
Geschwulst sehr leicht. 1 25 Pfd. schwer.
Stiel lang aber sehr ge-
reich. Ligatur en masse.l
Quelle.
Gräfe's u.
Walther' s
Jonrn.XII
S. 60.
dto.
Rust's
Magazin.
Bd. 51.
S. 77.
Schmidfs
Jahrbücher
Bd. 38
S. 59.
£. — 55*
|o g<*
er od ®
118
•
m
kl
2L
-i
o
Vi
cs
a^
Operateur
und Wohnort
desselben.
Alter
der
Krauken
Dauer und Verlauf des Leidens und Zustand
der kranken vor der Operation.
Adhäsionen 1
7.
1841
T843
Hayny
(Jungbunzlau).
28
Jahr
Hatte geboren. — Das Uebel seit 5
Jahren. Vor 3 Jahren die erste Punction
und später noch 5 weitere. Mau hatte
der Patientin in Prag schon vor 3 Jahren
die Exstirpation vorgeschlagen. Grosse
Ausdehuung des Unterleibes.
Leichte mit tri
vorder. Band»
wand und dei
Netze.
Bühring
(Berlin).
38
2%
Verheirathete Frau; ungeheure Aus-
dehnung des Unterleibes seit mehr, als
2 Jahren ; sehr bedeutende Verdauungs-
störungen und grosse Abmagerung. Der
Zustand äusserst quälend ; voraussichtlich
baldiger Tod ; die Krauke sehr erschöpft.
Keine.
1 ■
9.
TÖ~.
1844
Kiwisch
(Prag u. Würz-
burg).
Sehr feste.ff
1847
dto.
45
Die Geschwulst sehr gross. Die Kranke
sehr leidend und erschöpft.
Sehr wenfft
mit der Lebt«
dem Colon. 1
11.
I2~
1846
1847
Heyfelder
(ErlaDgen).
22
Grosse Ausdehnung des Unterleibes.
Mit dem Nefa
lil
Mogk
(Offenbach).
58
Dauer des Leidens unbestimmt Hef-
tig quälender Kreuzschmerz; staike Aus-
dehnung desUuterleibes ; Husten; Schlaf-
losigkeit; Abmagerung. Kein Fieber; der
Kräftezustand noch gut.
Leicht treu
bare Verwacl
ungen.
k
13.
1847
Küchenmeister
und Steinert
(Zittau).
28
6 Jahre langes Bestehen. Heftige Un-
terleibs - Krämpfe , wesshalb sehnlichster
Wunsch nach der Operation. Vorherige
Punction und Entleerung einer gelatinösen
Flüssigkeit. Wiederansammeln der Flüs-
sigkeit in 4 Wochen.
Keine.
fei
119
isführung der Operation und
Zufälle bei derselben.
Beschaffenheit
der
Geschwulst.
Zeit bis zum Tod
und
Todesursache.
Besondere
Bemerkungen.
Literarische
Quelle
Banchschnitt am äusseren! Rechtseitige Ge-j Tod47Tagenach •? r- 2. £• 5
ande des rechten geraden
ochmuskels. DieVerwach-
mgen mit der Hand ge-
ennt. Unterbindung des
iels en masse. Blutung
■Bring
schwulst aus zwei d Operation durch "Sog
,'Cysten bestehend jBildung jauchen- • » 9» H'
Nach deren Ent- der Abscesse. (SJ^S"^ fr
leerung 97 Uuc. Kiwisch'sTabelle.)
schwer.
Bauchschnitt vom Nabel
zur Symphyse. Leichte
otwicklung der Geschwulst
ich deren Entleerung. Un-
rbindung isolirt und en
asse. Keine Zufälle bei
wr nur 5 Minuten dauern-
?n Operation.
Gemischte Cys-
ten mit harten, un-
elastischen Wand-
ungen. Nach deren
Entleerung noch
36 Pfd. schwer.
Bauchschnitt 4 Zoll lang.
6 Zoll lauger Bauchschnitt
13 Zoll langer Schnitt auf
ir linken Bauchseite. Die
ähäsionen mit dem Finger,
einer Stelle mit dem Mes-
getrennt. Ligatur en
asse und Torquirung eini-
r Gefässe.
Tod am 5. Tage
durchErschnpfung
Cyste mit Medul- Tod HO Stunden
larsarcem. 30 Pfd. nach derOperation
schwer.
durch Peritonitis
Cystoid mit me- Tod am 4. Tage
dullarem Krebs u. durch Peritonitis
alveolarer Entart-
ung, 50-60 Pfd.
schwer.
Geschwulst 4 Pfd. 1 Nach 3 Tagen
12 Loth schwer. j Tod durch Nach-
Medullarkrebs. blutung.
Langer Bauchschnitt in! Cystoid mit einer J Tod nach 36 St.
r linea alba. Vorfall der grossen und meh- durch Peritonitis,
edärme. Eintritt vonCysten-'reren kleinerenGe
ssigkeit und Blut in die schwülsten,
uichhöhle. Dicker Stiel
rchstochen und nach 2
iten unterbunden.
6 Zoll langer Bauchschnitt. Fächerartige sehr
srvorziehuug derGeschwulst grosseCyste mitge-
ld Unterbindung des Stiels latinösem Inhalte.
masse.
Tod durch innere
Verblutung kurz
nachderOperation.
Der Krebs iu-
filtrirte auch
den Stiel bis
zum Uterus
?■ 3
Bühring
1. c.
Kiwisch's
Tabelle.
dto.
3 §.
OD CO*
rr
Der Ligatur-
faden d. Stiels
hatte sich ab-
gestreift.
os ö
TZ T5 'Z.
k" p> S
F 7
o aS q
120
1
5*
1
Operateur
und Wohnort
desselben.
Alter
der
Kranken
Dauer und Verlauf des Leidens und Zustand
der Kranken vor der Operation
Adhäsione
'■I
14.
1847
Langenbeck
(Berlin).
50
Jahr.
52
Keine.
i
15.
17.
1848
dto.
Fadenföria
mit dem Ne
\
1851
dto.
58
Vorher dh
nosticirte iiM
linea alba.
:..
1851
dto.
30
Hatte nicht geboren. — Seit 2^2 Jah-
ren besteht das Leiden. Ausdehnung des
Unterleibes, wie im 8. Monate der Schwan-
gerschaft. Der Kräftezustand gut. Ge-
ringe Abmagerung.
Keine, j
.
18.
1851
dto.
51
Uuverheirathet. — Das Leiden seit 3
Jahren. Atembeschwerden , so dass der
Patientin nicht möglich war, Treppen zu
steigen oder schnell zu gehen. Vor 1
Jahre Odem der Unterextremitäten , das
wieder verschwand ; varicöse Venen an
den Beinen.
Keine.
121
— 1
Beschaffenheit
Zeit bis zum Tod
usfohrung der Operation und
der
Zufälle bei derselben. - ,
Geschwulst.
und
Todesursache.
Besondere
Literarische
Bemerkungen.
Quelle.
1 Bauchschuitt 1 \ 2 Zoll laug.
Einfache Cyste mit
Tod 36 St. nach
Fock's
gelbl. Flüssigkeit.
der Operation.
Tabelle.
Bauchschnitt 2 Zoll lang.
Einfache Cyste mit| Anfangs geringe
festen Colloiden in Reaction , am 10.
den "Wandungen, Tage ist dieWunde
mehre Quart gelb- geheilt und die P.
lich-brauuer Flüs- reconvalescent. In
sigkeit. der 3. Woche nach
Einwirkung einer
dto.
Schädlichkeit ent-
stand Peritonitis.
Tod am 26. Tage.
Baochschnitt 6 Zoll lang.!
EinfacheColloid- Tod am 11. Tage
dto.
Cyste. durch Peritonitis.
Bauchschnitt 2 Zoll lang.)
Z weikammerige HeftigePeritonitis.
S 2 9 5 s 3
CS
»ichte Entwicklung der Ge-
Cyste mit dunkler Tod 48 Stunden
S B i g. 2.
IM
ihwulst nach deren Entlee-
klebriger Flüssig-
nachderOperation.
» 9 2. 5 g-
B •
og. Unterbindung des dik-
keit. Entartung d.
|s 5 |S>
53
— a
n Stieles en masse und
'Dlirt. Der Stiel in die
rechten Ovariums.
» = TT 2. S
5 3*2
o< a
inchwunde genäht. Das
» g« § £t =
inchfell nicht mit in die
►- a Ts <
ihte gefasst.
iess sich, dass das rechte
tosticirt wurde, das linke
/var. Der linke Eierstock
nerirt, hatte die Grosso
enthielt mehrere Cysten.
3
5
•
c
er
1
<n
«•■
c
s
09
a
9
Bauchschnitt IV4Z0II lang.
Einfache Cyste
Tod 44 Stunden
dto.
irzer, breiter Stiel. 20 Ar-
mit klarer seröser
nach derOperation
rien in demselben unter-
Flüssigkeit.
durch Nachblut-
nden. Alle Fäden und der
ung u. darauf fol-
igel des Stieles in eine
genden Collapsus.
rite Nadel eingefädelt;
ese wird in der Gegend
r fossa ing. int. -von innen
ch aussen durchstochen u.
b Fäden befestigt. In der 2.
icht bedeutende Nachblut-
g. DieWunde wird geöffnet.
9 Blutcoagula entfernt.
8*
122
m
■
I"
VI
N
m
Operateur
und Wohnort
desselben.
Alter
der
kranken
Dauer und Verlauf des Leidens und Zustand
der Kranken vor der Operation.
Adhäsion«
r
19
1849
Martin
(Jena).
22
Jahr.
Das Leiden seit 4 Jahren. 3malige ex-
piratorische Punction innerhalb eines
Monates. Sehr bedeutende Ausdehnung
des Unterleibes. Jede Bewegung, ja so-
gar das Sitzen und Liegen und die Re-
spiration beschwerlich. — Die Ernährung
hatte jedoch nicht gelitten. —
Keine, j
1
[
20.
1850
Knorre
(Hamburg).
45
Unverheiratete, robuste Dame. - Das
Uebel seit 4 Jahren ; vor 3 Monaten ein-
mal puuetirt. Regeneration der Flüssig-
keit in 3 Monaten bis zn enormem Umfange
des Unterleibes. Kein Fieber. Der Kräfte-
zustand so gut, dass Patientin weite
Wege zu gehen im Stande war. —
Keine.
i
21.
1850
dto.
24
Unverheirathet. — Das Uebel seit 2
Jahren. — Vor 3 Monaten einmal punc-
tirt. Sehr ausgedehnter Unterleib. Gute
Ernährung, kein Fieber, ungestörtes All-
gemeinbefinden.
Mit der Baut
wand.
i
i
22.
1850
dto.
24
Unverheirathet, gross und schlank;
scrophulöser Habitus. Gute Ernährung.
Vollkommen ungestörtes Allgemeinbe-
finden.
Verwachst
gen mit d
Dünndärme
der Ausdet
ung von8Z(
1
23.
1851
Baum
(Güttingen).
24
Seit 8 Jahren eine Bauchgeschwulst. —
Zweimalige Punction. — Patientin zart
und schwächlich, übrigens gesund.
Keine.
:
123
sföhrung der Operation und
Zufälle bei derselben.
Beschaffenheit
der
Geschwulst.
Zeit bis zum Tod
Besondere
und
m . Bciucrkunscn.
Todesursache.
Literarische
Quelle.
iBauchschnitt 8 Zoll lang.i 18 Pfd. schwere
hwierige Entwicklung der Colloideeschwulst
nTheil sehr hartwandigen mit Fett- u. Haar-
schwulst. Ligatur enmasse. Cysten. Entartung
r Stiel in der Bauchwunde des linken Ova-
festigt. Eindringen von riums.
üssigkeitin die Bauchhöhle
d Quetschung des Netzes.
Tod am 3. Tage
durch Peritunitis.
Martin :
Ueber die
Eierstocks
wassersuch
ten. Jena,
1852.
Der Bauchschnitt 9 Zoll
ig. Keine Zufälle bei der
eration. Der zwei finger-
:ke Stiel durchstochen und
cb beiden Seiten unter-
nden. Das Bauchfell nicht
t in die Nähte gefasst.
Cvstoid ; der feste
Tb eil 16 Pfd.. der
flüssige 28 Pfd.
schwpr.
Tod nach 3 Tagen
durch Peritonitis.
Durch
gütige Mit-
theilnng d.
Herrn Dr.
Knorre.
Bauchschnitt 1V 2 Zoll lang.
ihrend der Operation hef-
e Yomituritionen. Der
um fingerdicke Stiel eu
isse unterbunden. Das Pe-
oneum nicht mit in die
.ht gefasst.
Einfache Cyste.
diel2Pfd.Flüssig-
keit enthielt.
Sogleich nach der
Operation erschie-
nen Zeichen inne-
rerVerblutung.wie
Erbrechen . Anä-
mie. Blutung aus
der Wuude. — Tod
nach zwei Tagen
durch Verblutung.
Die Ligatur
hattesichvom
Stiele abge-
streift.
dto.
Bauchschnitt 4 Zoll lang| Einfache Cyste
e Operation war sehr ge- mit Knochenplätt-
idert durchfiele blutende chen auf d. inneren
fasse. Der Stiel durch- Seite. 22 Pfund
•chen und nach beiden Flüssigkeit,
iten unterbunden. Das
uchfell nicht mit in die
.ht gefasst.
Tod nach 2 Tagen
durch Peritonitis.
dto.
Bauchschnitt 2% — 3 Zoll
ig in der liuea alba. Ent-
»rung von 9 Quart Flüssig-
it aus der Geschwulst,
sichte Entwicklung dersel-
n. Durchstechung u.Unter-
odung des Stiels nach 2
iten. Keine Zufälle bei
t Operation.
Einfache Cyste.
Tod nach 5 Tageu
durch Peritonitis.
Seröse Ergüsse in
Pleura und Herz-
beutel.
Durch
gütige Mit-
theilung d.
Hrn. Prof.
Baum.
124
5*
2L
%
aa
I
Operateur
und Wohnort
desselben.
Alter
der
Kranken
Dauer und Verlauf des Leidens und Zustand
der kranken vor der Operation.
Adhäsionen
1
24.
1856
Baum
(Göttingen).
30
Jahr.
Seit 4 Jahren besteht das Leiden. Ein-
malige Function. Die Umstände sehr
günstig, da die Person sonst gesund, von
wenig entwickelter Geisteskraft, sehr ruhig
und reactionslos war.
Keine.
l
1
1
I:
25.
1852
Bartscher
(Osnabrück).
49
50
Hatte einmal geboren. Seit l 1 /, J. be-
steht das Leiden. Sehr beträchtlicher Um-
fang des Leibes durch die Geschwulst
und Ascites. Der Zustand der Kräfte hat
sich bei gutem Appetite auffallend gut
erhalten. Diagnostische Punction.
Mit dem C«
Ion asceudeo
1
ji .;
1
1 -
1
I
1:
26.
1852
Bardeleben
(Greifswalde).
Das Leiden seit zehn Jahren. Die Pa-
tientin ist sehr heruntergekommen und
wünscht sehnlichst, operirt zu werden. —
Zahlreiche m
dem Becken
eine 3" lan,
sehr feste n
d. Dünndarm
1
l
1
i
•
27.
1852
Wild
(Cassel).
28
Unverheirathet. — Die Geschwulst seit
27j Jahreu bemerkbar und stets zuneh-
mend. Der Bauch ausgedehnt, wie im ach-
ten Monate der Schwangerschaft. Dadurch
Athembeschwerden , Störungen der Ver-
dauung und Ernährung, aber noch guter
Kräftezustand. —
Keine.
i
•
125
Beschaffenheit
Führung der Operation und
der
Zufälle bei derselben.
Geschwulst.
Zeit bis zum Tod
und
Todesursache.
Besondere
Bemerkungen.
Literarische
Quelle.
V/ 2 — 3 Zoll langer Schnitt
terhalb des Nabels in der
ea alba. Leichte Eut-
iklung der Geschwulst
lirte Unterbindung der
terieu des Stieles. Keine
fälle bei der Operation.
Einfache Cyste
mit Krebsen in der
Wand.
Tod am 13. Tage
durch Peritonitis.
Durch
gütige Mit
theilung d.
Hrn. Prof
Baum.
Der 4 Zoll lange Bauch-
mitt musste um 1 Zoll
reitert werden. Erst nach
\ etwas schwierigen Lös-
% der Verwachsungen mit
• Hand gelang die Ent-
tlung. Unterbindung des
eles in drei Portionen.
ine Zufälle bei der Ope-
ion.
Colloid-Cystoid
des rechten Ova-
riums , 11 Ffund
schwer.
Tod 6 Stunden
nach der Operation
durch Verblutung
Deutsche
Klinik.
1852.
Seite 360.
Bauchschnitt 2i/ 2 Zolllang.
B Lösung der Adhäsion
?serst schwierig. BeimHer-
ziehen des Sackes folgte
• verwachsene Dünndarm.
Icher mit grosser Mühe
bräparirt wurde. Unter-
nduug en masse.
Cystosarcora ; eine
raanuskopfgrosse
n. mehre kleinere
Cysten. dieGrund-
Substanz von der
Struktur des Carci-
noma cellulare.
Tod nach 24
Stunden durch Er-
schöpfung.
Durch gütige Mittheilung des
Herrn Professor Bardeleben.
Siehe dio Dissertation von
Jakob. Greifswalde, 1856.
Bauchschnitt 5 Zoll lang.
ine Zufälle bei der Ope-
ion. Ligatur en masse.
mähen des Stieles in den
Kern Wundwinkel.
Einfache Cyste.
Bald nach der
Operation begann
Peritonitis, die bis
zum Tode fortdau-
erte. Am 6. Tage
heftige doppelsei-
tige Pleuritis mit
hämorrhagischem
Exsudate. Am 7.
Tage Tod. Im Ab-
domen 2 Schoppen
Eiter.
Durch
gütige Mit-
theilung d.
Herrn Dr.
Wild.
126
-i
8
»■
3
N
ii
=r
Operateur
und Wohnort
desselben.
Alter
der
Kranken
Dauer und Verlauf des Leidens und ZiMaml
der Kranken vor der Operation.
Adhäsionen
1
28.
1852
Scanzoni
(Würzburg).
33
Jahr.
Unverheirathet. Seit einem Jahr besteht
das Leiden — Der Unterleib sehr stark
ausgedehnt ; Ascites ; blasse Gesichtsfarbe.
Aber kräftig gebaut, wenig abgemagert,
und alle Functionen mit Ausnahme des
Menstrualflusses geregelt. —
Keine.
1
1
29.
1853
Bruus
(Tübingen).
23
Hatte geboren. — Geschwulst seit 1 J.
bemerkt. Sehr schnelles Wachsthum der-
selben. — Entstehung einer Bauchfistel.
Die künstliche Erweiterung derselben und
eine dadurch entstandene Eröffnung der
Bauchhöhle heilten in kurzer Zeit. —
Der Zustand der Kranken später wieder
sehr peinlich.
Viele, ab
leicht tren
bare.besondi
mit der Baue
wand.
1
3(X
1854
Koser
(Marburg).
41
, 45
Hatte mehrmals geboreu. — Angeblich
2 jährige Dauer. In letzter Zeit schnelles
Wachsthum. Sehr bedeutende Ausdehnug
des Unterleibes ; Allgemeinbefinden sehr
gut 5 kein Fieber. Prognose güustig.
Wenig fade
förmige.
31.
1856
Janson
(Frankfurt aM)
Das Leideu besteht seit 2 Jahren. Schnel-
les Wachsthum vou Kindskopfgrösse bis
zur Ausfüllung des Bauches. Abendliches
Fieber.
Lose an 1
ganzen vorde
Bauchwaud.
32.
1856
Schuh
(Wien).
24
Das Leiden seit 3 Jahren. Zweimalige
vorausgegangene Punction. Schnelles Wie-
deransammeln der Flüssigkeit. Keine vor-
hergegangenen Entzünduugszufälle. Die
Patientin von zarter Constitution , aber
gesund.
Sehr star!
.-
Ben
t\ hm
g. So eben m
lichem Ai
ird mir
jsgaug
von Prof. Li n hart die mündliche M
ausgeführt hat. Der Fall ist nicht veröff«
ttheilung, \
;utlicht word
1
127
sführuug der Operation und
Zufälle bei derselben.
Bescbaffenheit
der
Geschwulst.
Zeit bis zum Tod
und
Todesursache.
Besondere
Bemerkungen.
Literarische
Quelle.
Bauchschnitt 2 1 / 2 Zoll laug;j Mannskopfgrossej Bald eintretende
Peritonitis. Tod
nach 2 Tag. durch
Peritonitis.
: isste bis auf 7 Zoll ver-.Colloidgeschwulst
gert werden. Leichte Ent- des linken Eier
ckelung der nicht zu ent-jstocks mit dick-
renden Geschwulst. — Der flüssigem Inhalte.
el mehrmals durchstochen 10 Pfd. schwer.
en masse unterbunden.
e in der Unterleibshöhle
findliche ascitische Flüs-
keit mit Schwämmen auf-
taucht.
Bauchschnitt 4 Zoll lang.
mlich leichte Entwicklung
Geschwulst nach der
nnung verschiedener Ver-
eisungen. Isolirte Unter-
idung der Gefässe des
eis. Keine Zufälle bei
nur 10 bis 15 Minuten
ernden Operation. Sehr
bedeutender Blutverlust.
linken Eierstocks
aus vier Cysten be-
Geschwulst des! Sehr heftige Re-
action. Tod nach
4 Wochen durch
Peritonitis.
stehend, mit theils
serösem.theils fett-
igem Inhalte, der
mit Haaren und
Zähnen gemischt
war.
lauchschnitt 3 Zoll lang
der linea alba. Der Stiel grossen und vielen
rchstochen und nach 2 kleinenCvsten. Cy
ten unterbunden. Keine stosarcom
fälle bei der Operation
Colloid mit einer Tod durch eiterige
Peritonitis in der
Beckengegend.
Bauchschnitt 6 Zoll lang
der linea alba. Durch-
chung des Stieles und
terbindung nach 2 Seiten.
ine Zufälle bei der Ope-
ion.
Cystoid, 18 Pfd.
schwer, mit honig-
artiger Flüssigkeit
gefüllt.
3anchschnitt lang. Nach
Eröffnung der Bauch-
ile zeigten sich sehr starke
rwachsungen, welche durch
igehen mit der Hand ge-
nt werden mussten. Li-
ur en masse. Keine Zu-
e bei der Operation.
ir geringe Blutung.
Cystoid des linken
Ovariums aus drei
Cysten bestehend,
welche den ganzen
Unterleib ausfüll-
ten.
Tod nach 5 Tagen
durchErschöpfung
bei profuser Diar-
rhöe.
Tod nach 3 Tagen
durch Peritonitis.
Auch der
rechte Eier-
stock enthielt
einige cystoi-
de Follikel.
Auch im
rechten Ova-
rium war eine
CystemitHaa-
renu.Zähuen.
sr ^ 2 »= ö
3? =1 2. o - •
ara £■ er ~ a
g 5 er 2 er
2J. C — 3 gxi
— . O p^Ti &
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£«5 2.
& « Bö
</; — tu
crg-S
5' * er
er; s g
Durch
gütige Mit
theilung d
Hm. Prof,
Roser.
Durch
gütige Mit
theilung d.
Herrn Dr.
Janson.
Schmidt's
Jahrbücher
1856.
Nro. 8
i Prof. von Watt mann in Wien vor mehreren Jahren eine Ovariotomie mit tödt-
are Details fehlen. Dr. Scanzoni.
128
2) Bei unvollendeter oder
>•
m
er
M
Operateur
und Wohnort
desselben.
Alter
der
kranken
Dauer und Verlauf des Leidens und Zustand
der kranken vor der Operation.
Adhäsion«
33.
1826
Martini
(Lübeck).
24
Jahr.
Seit 1 Jahr Anschwellung der rechten
Seite des Unterleibes. Heftige Schmerzen ;
abendliches Fieber. Dreimalige Punction ;
einmal mit Liegenlassen einer Wicke län-
gere Zeit hindurch. Der Kräftezustand
vor der Operation gut.
Starke mit d
Becken.
ii
34.
1828
Aus Froriep's
Notizen.
48
Innerhalb 6 Monaten war 5mal punktirt
worden.
Feste
wachsungeo
35.
1838
Dohlhoff
(Magdeburg).
27
Eine Geschwulst so gross wie im 6.
Monate der Schwangerschaft , besonders
auf der linken Bauchseite.
Feste mit d
Netze, d. Mi
darme, Ute
etc.
..
36.
1841
Haynv
(Jungbunzlau).
Sehr star
37.
1844
Bühring
(Berlin).
54
Hatte mehrmals geboren; Dauer des
Leidens seit 6 Jahren ; sehr bedeutende
Ausdehnung des Unterleibs ; heftigeSchmer-
zen, bedeutende Verdauungsbeschwerden,
Athemnoth, erschwerte Stuhl- und Urin-
entleerung.
Sehr stari
129
fgegebener Ocariotomie.
sfihrnng der Operation und
Zufälle bei derselben.
Beschaffenheit
der
Geschwulst.
Zeit bi< zum Tod D « r „„j-^ L
Besondere Literarische
und
T^-„™h» Bemerkunsen. nelle -
Tode>ur>acne.
BauchscLnitt 9 Zoll lang. Entartung des Tod 36 Stunden Beid.Section Raff
Geschwulst konnte we- linken Ovariums. nachderOperation erwiess sich. Magazin.
der sehr starken Ver-
ehrungen nicht entfernt
den. selbst nicht als sie
Tgeschnitten und entleert
Der obere zugängige
eil wurde abgetragen und
blutenden Gefässe ein-
n unterbunden.
durch Peritonitis dass nicht das Band 27.
und Nachblutang. rechte Ovar.. S. 436.
wie diagnos-
ticirt wurde.
sondern das
linkeerkrankt
war.
[ncision lang. Die Ope-
on konnte der Verwachs-
ren wegen nicht vollen-
werden.
Tod nach 5 Tagen.
Kiwischs
Tabelle.
Jauchschnitt von 2 Zoll Faustgrosse Hyda- Tod nach 8 St.
rhalb des Nabels bis zur diten. mit theils durchErschöpfong
physe. Die Geschwulst weichen . theils
2te sich so verwachsen, speckartigen Mas-
s der Operateur von je- sen umgeben, auch
a Extirpations- Versuche im Netze u. an der
tand und die Bauchdecken Wirbelsäule ähn-
der schloss. liehe Geschwülste.
chVollendung des Bauch- Zusammenge- Tod am 4.
nittes zeigte sich die Cyste setzteCyste mit ge-
rall verwachsen, sie wurde latinösem Inhalte.
4Zoll lang eingeschnitten
eine beträchtliche Menge
Inhalts entleert. Die
tirpation konnte aberden-
nicht vollendet werden.
Tage
auchsohnitt 5 Zoll lang. Cyste mit sehr di- Tod 12 Tage nach
die Geschwulst uicht ex- cken. harten War.- d. Operatiou durch
pirt werden konnte, wurde düngen u. Höhlen Verjauchung der
eingeschnitten, das Flui- mit jauchigerFlüs- Cyste u.Eiterungs-
3i entleert und partiell sigkeit gefüllt. rieber.
•irpirt. Ausfüllung der
te mit Charpie.
coni's Beiträge III.
Rusts
Magaziu.
Band 51.
S. 77.
Kiwisch's
Referat in
Canstatts
Jahresber.
von 1845.
Bübring
I. c.
130
•
■
8
=r
n
VI
M
g
Operateur
und Wohnort
desselben.
Aller
der
Krankei
Dauer und Verlauf des Leidens und Y.ulam
der kranken vor der Operation
i
Adhäsione
1
38.
1844
Buhribg
(Berlin).
22
Jahr.
Hatte mehrmals geboren ; das Leiden
bestand seit mehreren Jahren ; sehr bedeu-
tende Ausdehnung des Unterleibs ; Be-
schwerden bei der Harnentleerung, öfteres
Krbrechen , Athemnoth . ödematöse An-
schwellung der Brüste, heftiges Fieber.
Sehr sta
1
1
.
1
1
I
B9.
1850
Kiwi seh
(WQrzburg).
45
24
24
Die Geschwulst bestand länger als ein
Jahr. Sehr bedeutende Ausdehnung des
Unterleibes. Function. Schnelle Regene-
ration der Flüssigkeit. Die Kranke sehr
heruntergekommen.
Verwachso
gen mit Ne
Colon und M
gen.
1
to.
1853
v. Rothmund
(München).
\
Fnverheirathet. — Das Uebel seit 2
Jahren bemerkbar. — Constitution sehr
blüheud. Einmalige vorhergegangene Func-
tion. Schnelle Wiederansammlung der
Flüssigkeit. —
Viele n,
starke Vi
wachsungeif]
Gefässverbiß
ungen.
1
r
I
11.
1853
v. Siebold
(Darmstadt).
Hatte geboren. — Das Leiden seit 1 f 2
Jahren. Bedeutende Ausdehnung des Unter-
leibes. Schmerzen im Leibe ; Verdauungs-
nnd Atembeschwerden. Abmagerung, aber
doch guter Kräftezustand.
Sehr stari]
X
p
h
m
: °
kl
131
»fübrung der Operation und
Zufalle bei derselben.
Beschaffenheit
der
Geschwulst.
Zeit bis zum Tod
und
Todesursache.
Besondere Literarische
Bciucrkunsen. Quelle.
Wie im vorhergehenden Cyste
le wurde bei deD bedeu- festen
den Verwachsungen d. In- gen
on und partielle Excision
Geschwulst ausgeführt.
ih möglichster Verkleiner-
derselben wurde sie
Charpie ausgefüllt.
,auge Incisiou. Nach, der
wicklung der entleerten
mit sphrl Tod 3 Wochen
"Wandun- Dach derOperation
durch Verjauchung
der Cyste und Ei-
terungsfieber.
Bühring
1. c.
ten Ovariums mit
ichwulst wurden die vorher meh
1 Tod 23 Stunden
nach derOperation
rereu grosse- durch Peritonitis>
ht erkannten \ erwachs- ren, mit dunkler
*en mit Finger und Mes-
getrennt. Die Geschwulst
at ganz vollständig ent-
lt. Die Gefässe einzeln
erbunden.
Flüsssigkeit ge-
füllten Cysten.
ausschnitt 5 Zoll lang. Linkseit. Ova-jTod durch Peri-
der Operation. besonders.rien-Cystoid von'tonitis am 6. Tage
der Trennung der ^ er-jder Grösse eines nach d. Operation.
hsungen eine sehr starke im achten Monat
rielleßlutung.Der grossen! schwangeren Ute-|
imie u. d. Verwachsungen rus.
:en wurde d Cyste ineidirt
. von der
estanden.
Exstirpation
.anger Bauchschnitt in Cystoid ; eine
linea alba. Die Ge- grosse den Unter-
malst ist 6ehr fest ver- leib ausfüllende
hsen. Trennung meh- und mehrere klei
>r Adhäsionen mit dem nere Cysten,
ger und Messerstiel. Da
Operation der Verwachs-
en wegen nicht vollen-
werden konnte . wurde
Geschwulst partiell ex-
pirt und der Wundrand
Geschwulst mit den Rän-
der Bauchwunde ver-
Tod nach 36 St
durch Peritonitis
C:
er
^3
OD
< o
» Sä"
Durch
gütige Mit
theilung d.
Herrn Prof.
von Roth-
mund.
Durch
gütige Mit-
theilung d.
Hrn. Stabs-
arztes Dr.
v. Siebold.
132
Operateur
Alter >
und Wohnort
der
desselben.
kranken
Dauer und Verlauf des Leidens und Zustand
der Kranken vor der Operation.
Adhäsionen
42.
43.
1855
.856
Wernher
(Giessen).
N. N.
(C. in Sachsen)
Jahr.
Unverheirathet. Seit 2 Jahren bestehtl Sehr
|das Leiden. Unbedeutende Schmerzen, tende.
/, Jahr vor der Operation Punction und
Kntleerunp erweichter Colloid- Massen,
chnelle "Wiederanfüllung der Cyste. —
Bleiche Farbe; sehr auiimisch ; bedeutende
Verdauungsbeschwerden ; grosse Athem-
noth.
30
Vorhergehende ömalige Punctionen.
Sehr st«
Anmerkung: Ki wisch hat den Verlauf und den Ausgang von Hayny's Operation 1
schieden sind.
3) Bei falsö
44. 1852
N. N.
36
Harte Geschwulst im Leibe ; starke Aus-
dehnung des Unterleibes durch gleichzei-
tigen Ascites.
133
fübrung der Operation und
1 Zufälle bei derselben.
Beschaffenheit
der
Geschwulst.
Zeit bis zum Tod
und
Todesursache.
Besondere
Bemerkungen.
Literarische
Quelle.
\leiner Bauchschnitt in
lioea alba. Entleerung der
»te mit dem Trocar. Es
gten sich so bedeutende
rwacbsuogen , dass die
eratiou nicht vollendet
■den konnte. Die Trocar-
>h« wurden mit Ligatu-
geschlossen und die
uchwunde vereinigt.
Cystoid ; eine
sehr grosse und
zahlreiche kleinere
Cysten.
Tod am 3. Tage
durch Peritonitis
und Erschöpfuug.
— > r-
IP ?
■ ""•■ 2. -j
m * • «
ä » O •
• " •"* g
• S'I
■• a 2.
= «. 7"
3auchschnitt vom Nabel
zur Symphyse. Partielle
cision. Keine Zufälle bei
■ Operation.
Cystenconvolut.
Tod nach 7 Tagen
durch Peritonitis.
Durch
gütige Mit-
theilung d.
Hrn. Me'di-
cinalrathes
Dr. Küchen
meister.
nso angegeben, wie bei dessen früher angeführter Operation , obgleich beide sehr ver-
ignose.
Bauchschnitt in der linea! Krebsig« Ge- Tod nach 3 Tagen
*a. Nach Eröffnung der schwulst d. Uterus.
chhöhle und Entleerung
! ascitischen Flüssigkeit
d sich, dass die Geschwulst
e mit dem Uterus zu-
imenhängende Krebsge-
wulst war. Die Bauchhohle
rde geschlossen.
^
s
—
2.
a
-
2.
r
a
-~-
«
T:
O
-:
j2
—
Ul
X;
■
>
•
B
■
■r.
■s
134
C. Operationen, von welchen die Kranken genasen, aber nur vorü
Le
1) Bei ganz oder theilw
'■;
e—
Operateur
m
und
•i
M
N
M
Wohnort
desselben.
2.
1851
1850
Alter
der
Kranken
Martin
(Jeua).
Küchen-
meister u.
Steinert
(Zittau).
32
Jahr.
36
Dauer und Verlauf des
Leidens und 'Anstand
der Kranken vor der
Operation.
Ad-
häsionen ?
Ausführung; der Operation
Zufälle bei derselben.
Hatte mehrmals ge-
boren. — Das Leiden
seit 9 Monaten. Ein-
malige Function und
Entleerung von 9V2 s
erweichter mit Blut
gemischter Colloid-
masse. RascheWieder-
anfülluug der entleer-
ten Cyste. — Allge-
meinbefinden unge-
stört; alle Functionen
geregelt.
Das Leiden seit 5
Jahren. Der Zustaud
der Kranken war sehr
lästig, aber derKräfte-
zustand noch gut.
Keine.
Mit Colon
trans-
versum.
Rauchschnitt 3 Zoll 1
Ligatur des dünnen Stii
isolirt und en masse. Lei
Entwicklung der Geschwil]
nach deren Entleerung. Sti
in die Bauchwunde ei
näht, das Bauchfell n:
mit in die Nähte gefasst
3
Bauchschnitt 3 Zoll lai
in der linea alba. Keine Z
fälle bei der Operation. D
Sack wurde hervorgezogi
und die Verwachsungen mfi,
liehst gelöst, was jedoch nie
gelang. L>er leere Sack, s<
weit es sich thun Hess, $1
getragen , die Runder
stocheu und die Fadenend
nach aussen geführt.
2) Nach ganz aufgegebener Ovarioto»
1838
Dietzen-
bach
(Berlin).
44
Verheirathet. Die
Geschwulst seit 8— 12
Jahren. Eine harte sehr
umfangreiche aber be-
wegliche Geschwulst,
welche besonders die
Nabelgegend hervor-
trieb. Viele Beschwer-
den. •— Die Frau je-
doch sonst gesund u.
kräftig ; ihr Aussehen
blühend.
Sehr
starke.
Nach dem Eingehen
der Hand in den lang
Bauchschnitt fand sich
ganze umfaugi eiche Basis d
Geschwulst so verwachs«
dass von der Operation abg
standen werden musste. I
der Punction der Geschwo
eine stärkere Blutung, wek
durch Verstopfen mit Prts
schwamm gestillt wurde,
135
lenden, zweifelhaften oder gar keinen Nutzen für Gesundheit und
itten.
lendcter Ovariotomie.
äeschafTciiheit ; Reaetionscrschein-
der jungen und Zeit bis
Geschwulst. znr Genesung.
Späteres Befinden.
Besondere
Bemerkungen.
Literarische
Quelle.
olloid-Cvstoid Geringe Reaction
linken Eier-
cks.
sse. deu gan-
Unterleib aus-
ende Cvste.
Heilung in 24 Tg.
Tod nach acht
Monaten durch re-
cidivirendeKrebs-
bildung.
Patientin starb acht Martin selbst bringt 1 Martin
Monat nach der Opera- die späteren Krebsab- (a. a. 0.).
tion an Krebsbildung lagerungen mit dem
in Pancreas . Lymph- entfernten Eierstocks-
drüsen und Lungen, colloid in Verbind-
nachdem sie sich 4 M. ung (s. a. a. 0. S. 18).
lang vollkommen ge-
sund gefühlt hatte.
Nach 12 Wochenj Nach 20 Wochen
wurde die Kranke war d.Erau noch ziem-
ziemlich wohl ent- lieh munter gefunden
lassen. Nack a / 4 J. worden,
starb sie an Peri-
tonitis, nach dem
Platzen einer se-
cund.ir wieder ge-
wachsenen Cvste.
Die Patientin wollte
sich nicht zur Ent-
fernung der seeuudär
gewachsenen Cyste
durch eine 2. Opera
tion eutschliessen.
Durch
gütige Mit-
teilung d.
Hrn.Me.ii-
cinalrathes
Dr. Küchen
meister.
zu starken Vericaehsungen.
arte sehr um-l Sehr heftige
»reiche Ge- Reaction. Incar-
nlst. cerationserschein-
nngen ; dann hek-
tisches Eieber mit
bedeutender Jau-
che-Absonderung.
Endliche Heilung
der Wunde. Die
Geschwulst blieb
im Leibe.
Unbekannt.
Dieffenbach hatte Rust's
wegen der Beweglich- Magazin,
keit der Geschwulst Bd. 25.
nicht an stärkere Ver- Seite 349
wachsungen gedacht.
136
Operateur
und
Wohnort
desselben.
Alter
der
kranken
Dauer und Verlauf des
Leidens und 'Anhand Ad- Ausführung der Operation
der Kranken vor den häsionen ? Zufälle bei derselben
Operation.
1850
Kiwisch
Würzburg.
36
Das Leiden bestand
seit lVz J- Schnelles
Wachsthum der Ge-
schwulst bis zum Um-
fange eines im achten
Monate schwangeren
Uterus, Kreuzschmerz,
Dyspnö. Die Kranke
sehr ergriffen. Ab-
magerung.
Sehr
starke.
Bauchschnitt 3 V 2 Zoll 1
Mit der Sonde fand ma
Geschwulst überall so
verwachsen , dass an
Exstirpation nicht ged
werden konnte. Die Bai
wunde wurde wieder f
einigt.
3) Bei falsa
1838
Dohlhoff
(Magde-
burg.)
•23
Krankheitssyraptome
waren : Retentio uri-
nae nach "Wechselfle-
ber, Schmerzen in der
Unterbaucbgegend,
Verstopfung, Hervor-
treibung des Nabels.
Es schien sich eine
Geschwulst nach oben
zu bilden, die fühlbar
war. Das Allgemein
befinden gut.
I
Bauchschnitt 5 Zoll
Es fand sich keine
einer Geschwulst. Die Bai
wunde wieder geschloM
137
Beschaffenheit
der
Geschwulst.
Reactionserschein-
ungcn und Zeit his Späteres Befinden,
zur Gencsunsr.
Besondere
Bemerkungen.
Literarische
Quelle.
Cysto>arcom des Keine Keaction. Die Kranke starb Die Geschwulst sass' Ulsamer
inken Ovariums. die Wunde ver- 4 Monate nach dem am linkeu Eierstucke, (a. a. 0.
heilte schnell. Operations- Versuche obgleich man eine
durch Zunahme ihres rechts sitzende diag-
Uebels und nach zwei- nosticirt hatte,
maliger Punctiuu.
liagnose.
Die Wunde heilte,| Die nach der Ope-
obgleich sehr stür- ration eine Zeit lang
mische Erschein- gehobenen Beschwer-
ungen auftraten, deu kehrten nach eini-
gen Wochen in ihrer
früheren St.irke zu-
rück. —
Rust's
Magazin
Bd. 51.
Scanzoni's Beiträge III.
10
138
Nachtrag.*)
Die vorstellende Tabelle habe ich durch folgende
nachträglichen Bemerkungen
zu berichtigen und zu ergänzen:
Nr. 1. In der Rubrik der „Operationen mit Aus-
gang in radikale Heilung" ist der Fall von Ehrhart-
stein, welchen ich nach Ki wisch 's Tabelle anführte, ein
nicht verbürgter und schon Crull hatte denselben in seiner
Tabelle gestrichen (s. Crull, Therapie der Eierstocks-
wassersucht, Rostock 1848, An merk, zur Tabelle). Ich
führte diesen Fall in meiner Tabelle an , weil ich immer
noch hoffte, nähere Nachrichten darüber zu erhalten. Meine
Bemühungen waren jedoch ohne Erfolg.
Nr. 2. In derselben Rubrik ist bei dem Falle von
Quittenbaum angeführt, „dass die Operirte später ein
gesundes Kind geboren habe". Diese Bemerkung steht
nicht in Carl Friedrich Quittenbaums Schrift: „Com-
mentatio de ovarii hypertrophia et historia exstirpationis
ovarii hypertrophici &c, Rostock 1835," sondern ich hatte
sie nach der bestimmten Versicherung eines Collegen nieder-
geschrieben. In der später erhaltenen Dissertation von
Alexander Friedrich Qui ttenbaum „Eierstockskrank-
heiten u. s. w., Rostock 1850% fand ich jedoch, dass
C. F. Quittenbaum 2 Ovariotomieen gemacht hatte. Der
erste Fall ist der in voranstehender Tabelle angeführte
vom 18. November 1834. Die operirte Frau gebar aber
nicht ein gesundes Kind, sondern, wie in der erwähnten
*) Der vorstellende Aufsatz des Herrn Dr. Simon war bereits
im Drucke vollendet , als er uns diesen Nachtrag noch zur Vervoll-
ständigung desselben zustellte. D. Red.
139
Dissertation von Crull angeführt ist, giebt Sachse an,
„dass nach kurzer Zeit der Leib der Operirten wieder an-
schwoll und dass sie nach 8 Wochen eine Leiche war."
Dieser Angabe widerspricht C. F. Quitten baurn im Jahre
1850, auf pag. 21 der Dissertation seines Sohnes Alex.
Fr. Quittenbaura, indem er sagt, „dass die betreffende
Frau erst im Frühjahr (also -j — \ Jahr) nach der Operation
an einer Erkältung gestorben, und dass der Leib nicht ge-
schwollen gewesen sei." Nähere Notizen und ein Sektions-
befund fehlen jedoch. — Im Jahre 1842 führte Carl
Friedrich Quittenbaum eine zweite Ovariotomie aus.
Nach dieser Operation genass die Fat. vollständig, sie ge-
bar ein gesundes Kind und wurde noch viele Jahre hin-
durch in bester Gesundheit beobachtet. Der Fall betraf
eine 36jährige Frau, deren Leiden von 5 Jahren her da-
tirle. Der Unterleib war stark ausgedehnt, die Flüssigkeit
regenerirte sich sehr schnell nach einer Punction, welche
2 Monate vor der Operation vorgenommen worden war.
Die Beschwerden der Patientin waren beträchtlich , das
Gehen, selbst das Sitzen fiel ihr schwer. Zur Entfernung
der Geschwulst wurde die Bauchhöhle in der Länge von
14 Zollen geöffnet. Die Geschwulst war sehr stark und
innig mit der Vorderwand des Bauches, dem Zwerchfelle,
dem Magen u. s. w. verwachsen. Sie wurde entleert und
nach mühsamer Trennung der Verwachsungen hervorge-
zogen. Der Stiel wurde en masse unterbunden. Während
der Operation traten keine schlimmen Zufälle ein und der
Blutverlust war ein unbedeutender. Die Bauchhöhle wurde
mit 17 Nähten geschlossen. Die Reactionserscheinungen
nach der Operation waren gering und etwa 2 Monate nach
derselben reiste die Frau gesund in ihre Heimath zurück.
Die Geschwulst war ein Cystoid des rechten Eierstocks. — Von
Quittenbaum haben wir daher 2 Operationen, von denen die
erste, des bald eingetretenen Todes und der zweifelhaften
Todesursache wegen wohl unter die Rubrik., der mit zweifel-
10*
140
haftem oder nur vorübergehendem Nutzen ausgeführten
Operationen" zu setzen ist, die zweite aber unter die der
„radikalen Heilungen" gehört.
Nr. 3. In der erwähnten Dissertation von Alex. Fr.
Quitten bäum wird ferner angeführt (pag. 27), dass die
Doctoren Gersonund Müller aus Hamburg und ein dritter
Arzt in der Nähe von Hamburg verschiedene Ovariotomieen,
aber alle mit unglücklichem Erfolge gemacht hätten. Ich
hübe mich vielfach darnach erkundigt, aber nichts Näheres
erfahren können. —
Nr. 4. Durch die Güte des Hrn. Prof. Strempel in
Rostock erhielt ich nachträglich Notizen über 2 Ovarioto-
mieen, welche in der Dissertation von A. Müller: „Drei
Fälle von Hydrops ovarii, Rostock 1857" veröffentlicht
wurden. — Die erste dieser Operationen wurde 1850 von
Prof. Krauel bei einer 27jährigen Frau mit glücklichem
Erfolge ausgeführt. Die Frau hatte mehr als 2 Jahre an
der Geschwulst gelitten. Zwei Monate vor der Operation
war sie punktirt worden, die Flüssigkeit hatte sich aber
sehr schnell regenerirt. Der Unterleib war stark ausge-
dehnt, Oedem der Füsse und der Bauchdecken war einge-
treten. Die Geschwulst wurde durch einen 10 Zoll langen
Schnitt in der Linea alba entfernt. Sie war nirgends ange-
wachsen und nach der Entleerung ihres flüssigen Inhaltes
leicht aus der Unterleibshöhle zu ziehen. Sie bestand aus
2 grossen Cysten und war eine Degeneration des rechten
Ovariums. Der Stiel wurde en masse unterbunden. An-
fangs waren die Keactionserscheinungen ziemlich bedeutend,
aber nichts desto weniger konnte die Patientin nach sechs
Wochen gesund entlassen werden. Der Gesundheitszustand
derselben ist noch jetzt (nach 7 Jahren) vortrefflich. —
Die 2. Ovariotomie wurde von Strempel im Jahre 1852
an einer 40jührigen Frau ausgeführt. Das Uebel bestand
seit mehr als 2 Jahren. Der Ernährungszustand war schlecht,
141
der Appetit gering. Der Unterleib war sehr bedeutend aus-
gedehnt, die Füsse üdematiis angeschwollen. Die Schmerzen
periodisch von stärkerer Intensität. Eine Punction brachte
nur vorübergehende Erleichterung; die Flüssigkeit sammelte
sich sehr schnell wieder an. Die Exstirpation wurde durch
einen 4 Zoll langen Schnitt durch die Bauchdecken ausge-
führt. Die Geschwulst war an 2 Stellen verwachsen. Die
Verwachsungen mussten mit dem Messer getrennt werden ;
sie waren sehr gefässreich und bluteten stark. Der Stiel
wurde durchstochen und nach 2 Seiten hin unterbunden.
18 Stunden nach der Operation trat der Tod durch Nach-
blutung und Peritonitis ein. Die Geschwulst war ein Cys-
toid mit carcinomatösen Wucherungen ; der Inhalt verhielt
sich wie verflüssigte durch verändertes Blutpigmeut bräun-
lich gefärbte Colloidmasse. —
Xachtriisliche Berechnung: der Resultate.
Die nach der Tabelle von 61 Operationen auf pag. 107
gegebene procentische Berechnung der verschiedenen Resul-
tate dürfte durch die nachträglich gebrachten Fälle nicht
sehr verändert werden, wenn wir nur die hinlänglich con-
statirten Falle mitzählen lassen. Denn wenn wir die nicht
verbürgte Ovariotomie von Ehrhartstein ganz weg-
lassen und die erste Operation Qui t tenb aum's vom Jahre
1834 unter dieOperationen -mit z w e ifelh aftem Xu tze n"
bringen, so bleibt die Anzahl der in der Tabelle angege-
benen radikalen Heilungen unverändert. Wir haben
nämlich für diesen Ausfall von 2 Fällen, 2 andere Fälle
und zwar Q uittenb aum's zweite Operation undKrauel's
Ovariotomie. Die Operationen „mit zweifelhaftem
Xutzen" raüssten um den ersten Qui t tenb au m 'sehen Fall
vermehrt werden und zu den Operationen ^mit Ausgang
in Tod" müssten die von Scanzoni angeführte Watt-
mann'sche (s. pag. 126) und die von Strempel gerechnet
142
werden. — Die übrigen in Anmerk. 3. angeführten Operationen
mit tödtlichem Ausgange sind eben so wenig wie der Fall
von Eh rh artstein hinlänglich verbürgt und können dess-
lialh nicht mitzählen.
So hatten wir bei G4 theils versuchten , theils ausge-
führten Ovariotomieen 12 radikale Heilungen, 46 Opera-
tionen mit tödtlichem Ausgange und 6 Operationen mit
zweifelhaftem, vorübergehendem, oder ganz ohne Nutzen.
IV.
Aus der Praxis
des Dr. F. HOLST in Dorpat.
1. Einiges über die Knickungen des Uterus.
Die folgenden kurzen Mittheilungen waren schon im
Sommer 1854 niedergeschrieben, und habe ich jetzt nach
Verlauf von bald drei Jahren nichts daran zu ändern ge-
habt, was irgend von Bedeutung gewesen wäre, indem ich in
dieser Zeit meine Ansichten in Bezug auf das fragliche Uebel
in keiner Weise geändert habe ,. trotzdem , dass manche
Beobachtung hinzukam. "Wenn ich das von mir Beobach-
tete hier in aller Kürze mittheile, so forderte mich dazu
auf: einerseits die grosse Meinungsverschiedenheit die unter
den Aerzten besonders in Bezug auf die Behandlung der
Knickungen herrscht, andererseits die nicht unbedeutende
Zahl von Beobachtungen (es sind 26 Fälle) die ich zu
machen Gelegenheit hatte, und dass ich meinte , in Bezug
auf die Behandlung zu einem Abschluss gekommen zu sein.
Ich brauche wohl nicht erst hinzuzufügen, dass es nur meine
Absicht ist, über einzelne Punkte kurze Notizen zu geben.
Ist ja doch durch Scanzoni's ausführliche Arbeit, mit dein
ich, soweit ich Gelegenheit hatte, die Krankheit zu beob-
achten , vollkommeu übereinstimme, ein weiteres Eingehen
ganz unnütz gemacht. Wenn ich nun aber trotzdem
manches von Scanzoni Gesagte berühre und wiederholen
werde, so darf und muss ich ausdrücklich hinzufügen, dass
144
dies, was i cli sage, auf eigener selbständiger Beobachtung
und Erfahrung beruht, ohne irgend welche fremde Einwirk-
ung und dass sich nieine Ansichten ganz so gestaltet hatten,
'ange bevor mir die Arbeit 8 c a n z o n i's zu Gesicht kam,
bei deren Durchlesen ich die grosse Freude hatte zu sehen,
wie ich so ganz zu denselben Resultaten gekommen war.
Diese Selbständigkeit meiner Erfahrung ist es ganz allein,
was den folgenden wenigen Seiten einigen Werth verleihen
wird, mag nun der Leser damit übereinstimmen oder nicht.
Was das Vorkommen betrifft, so rcuss ich nach
meinen Beobachtungen die obige Formveränderung bei uns
für das häufigste Gebärmutterleiden halten, das in die Be-
handlung kommt. Selbst die an andern Orten so häufig
vorkommenden Erosionen und Geschwürsbildungen an der
Vaginalportion habe ich seltener beobachtet. Allerdings
muss ich hinzufügen , dass ich über das Vorkommen der
letztern mich nicht so entschieden aussprechen kann , da
meine Bobachtungen alle der Privatpraxis entnommen sind,
in er ich allerdings, wo nur der geringste Verdacht von
Uterusleidcn da war, stets mit Finger und Sonde genau
untersuchte, was aber mit dem Speculum selten geschehen
ist, wozu ich auch sehr selten Aufforderung hatte. Wenn
die Knickungen von Jemand noch als seltene Krank-
heit bezeichnet worden, so darf man da gewiss nicht an
lokale Verhäftnisse in Bezug auf Verbreitung der Knick-
ungen denken; es darf vielmehr mit Recht angenommen
werden, dass nicht häufig genug untersucht wurde, und
dass man nicht zu untersuchen verstand. Ferner habe
ich die Knickungen nach vorn viel häufiger gefunden als
die nach hinten, so zwar, dass ich auf vier der erstem
eine der letztern rechne, was aus der Stellung des Uterus
im Becken und der Bildung der Nachbartheile leicht er-
klärlich ist. Die Bildung dieser letztern macht es auch
erklärlich, warum die Knickungen nach hinten einen so
viel bedeutenderen Grad erreichen. Und zwar findet der
145
Fundus uteri hinten so viel Raum, dass ich ihn in gleicher
Höhe mit der Vaginalportion, selbst tiefer stehend fand.
Das Allgemeinbefinden betreffend, war dasselbe
fast ohne Ausnahme mehr oder weniger gestört. Nur zwei
Frauen waren in der That ganz gesund. Bei diesen zeigten
sich nicht nur keine lokalen subjektiven Erscheinungen
krankhafter Art, sondern sie hatten auch sonst gar keine
Beschwerden und ein wiederholtes genaues Examen ver-
mochte nichts der Alt zu ermitteln. Sie boten beide das
Bild einer ungetrübten blühenden Gesundheit dar. Beide
waren kinderlos und das war die Ursache, warum eine
Untersuchung vorgenommen wurde. Bei allen übrigen
Frauen ohne Ausnahme zeigten sich einerseits chlorotische
Erscheinungen, oft schon aus der Hautfarbe, Palpitationeu,
Athembeklemmungen etc. erkennbar ; oft fehlten diese Er-
scheinungen und erst die Untersuchung mit dem Hörrohr
gab Aufschluss über den Zustand der Blutmischung. Es
versteht sich, dass in manchen dieser Fälle, die den Chlo-
rotischen so oft eigene gedrückte und wechselnde Ge-
müthsstimmung nicht fehlte. Ebenso zeigten sich als Com-
plikation andererseits die so oft mit Uterusleiden verbun-
denen sogenannten hysterischen Ercheinungen. Diese letzte-
ren Frauen boten nicht selten das Bild frischer blühender Ge-
sundheit , während andere von elendem Aussehen waren.
Ich habe mir zum öftern die Frage vorgelegt: warum in
dem einen Fall hysterische in dem andern chlorotische Er-
scheinungen als Complikation beobachtet werden V ohne
darauf eine genügende Antwort geben zu können. Fast
ohne Ausnahme fand ich, dass ältere Frauen hysterische,
jüngere chlorotische Erscheinungen darboten. Bei mehreren
von den jungen Frauen führte das Examen entschieden
zu der Annahme, dass das Leiden schon vor der Verhci-
rathung entstanden , und auch zu jener Zeit die Kranke
schon chlorotisch war. Es liegt auf der Hand, dass die
Verheirathung nichts dazu beitragen konnte, das lokale
146
Leiden zu bessern, vielmehr es verschlimmern musste ; dass
aber die Chlorose fortdauerte, ist verständlich, wenn man
bedenkt, wie häufig sich zu gestörter Utcrusfunction chlo-
rotische Ercheinungen hinzugesellen ; ich erinnere nur
kurz an die Fälle, wo in Folge heftiger Endometritis im
Wochenbett die Absonderung des Menstrualblutes gänzlich
aufhörte, an die rudimentären Ausbildungen und den Mangel
des Uterus etc. Dieselbe Entstehung hat die Chlorose, wenn
die Knickung später sich ausbildete, bei noch gesunder
Blutmischung, wie es ja solche Fälle gibt, wo die Entsteh-
ung der chlorotischen Erscheinungen in späterem Verlaufe
des ursprünglichen Leidens sich entschieden nachweisen
lässt. AVir dürfen hier in den seltensten Fällen den oft
starken Blutverlust emen Antheil zuschreiben , schon aus
dem einfachen Grunde, weil sie in vielen von den fraglichen
Fällen nie da waren. Jüngere Frauen, die neben der
Knickung entschiedene hysterische Erscheinungen darge-
boten hätten, habe ich nicht beobachtet, auch war die
Hysterie bei älteren Frauen dieser Art nie in einem sehr
entwickelten Grade vorhanden, und möchte ich fast glau-
ben, dass in unsern Fällen die Chlorose der jüngeren Jahre
in den späteren Jahren in Hysterie übergeht, wenn die
häufigen Schmerzen , die GemüthsafTektion, die Sorge und
Sehnsucht nach Nachkommenschaft, der krankhafte Zustand
überhaupt, schon das Bewusstsein eine Krankheit mit sich
herumzutragen und die damit verbundene Angst und Sorge,
nehmen wir noch hinzu eine fehlerhafte Blutmischung, wenn
diese Einflüsse die Willenskraft, die Energie des ganzen
Ncrvensystemes, Centrum wie Peripherie geschwächt haben,
wozu denn noch hinzukommt der unerklärte Zusammenhang
der Hysterie mit Erkrankungen des Genitalsystems ohne
dass die Kranken selbst eine Ahnung oder Empfindung
von dem Grundleiden haben. Ich habe hier nur noch zu
erwähnen, dass hysterische und chlorotische Erscheinungen
öfter zugleich und neben einander die Knickungen begleiten.
147
Die Untersuchung zeigt in vielen Fällen eine voll-
kommene Erschlaffung des ganzen Genitalsystems; die Scheide
ist grossfaltig, sondert viel Schleim ab, ist so schlaff, dass
man jeden Knochenraud, jedes Band des Beckens, jede
Hervorragung, die dem Finger zugänglich ist, so deutlich
fühlt, als wäre das Becken skelettisirt; es sind die Fett-
massen zwischen Mastdarm und Scheide und im Ausgange
des Beckens zwischen den Aponeurosen gänzlich geschwun-
den und man fühlt die Ränder der Aponeurosen und die
von diesen gebildeten Ligamente so deutlich, dass man oft
Anfangs gar nicht weiss, was man vor sich hat, so
fremd ist für den ersten Augenblick das Ergebniss der
Untersuchung. In so bedeutendem Grade findet man
die Erschlaffung allerdings selten , vorhanden ist sie
fast stets und fehlt uns selten ganz. Die Vaginalportion
fühlt sich selten schlaff, weich, teigig an ; der Muttermund
ist stets etwas offen, und es ist stets die der eingebogenen
Seite entgegengesetzte Lippe etwas in die Höhe gezogen,
indem die entsprechende Wand des Uterus durch die Knick-
ung gedehnt und in die Höhe gezerrt wird. Die Höhle
des Uterus fand ich stets verlängert, und zwar eine Ver-
längerung von 3 — 20 Linien, letzteres nur in einem Falle,
wo die Verlängerung eine ganz ungewöhnlich grosse war.
Bei Knickungen nach hinten war die Verlängerung stets
eine bedeutendere als bei der entgegengesetzten Formver-
änderung. Beim Durchdringen der Sonde durch den innern
Muttermund wurde stets etwas Schmerz empfunden, ebenso
derselbe Schmerz bei etwas stärkerer Berührung der
Knickungsstclle an der gedehnten Uterinwand. Das Auf-
richten gelang jedesmal leicht, jedesmal hatte die Frau
dabei eine unangenehme Empfindung, die öfter sogar als
Schmerz bezeichnet wurde. In einem einzigen Falle war
das Aufrichten und das Erhalten in der richtigen Stellung
so unbequem, dass das Instrument sogleich entfernt werden
musste. Einmal glaubte ich beim Aufrichten aus Zerrung
148
des Seheidengewölbes auf Anlöthung schliessen zu dürfen.
Es war in diesem Fall vor ein paar Jahren eine Peritonitis
überstanden worden. Ausserdem liess sich durch die Unter-
suchung viermal leichte Anschoppung als Complikation
nachweissen. Zweimal beobachtete ich als Complikation
eine Heizung des Scheideneinganges , bemerkbar durch
Röthung, stärkere Entwicklung der Schleimfollikel und
Schmerzhaftigkeit bei der Berührung.
Wenn wir nun die Entstehung dieses Leidens kurz
betrachten, so liegt es auf der Hand, dass, damit eine Um-
biegung geschehen könne, eine Vergrösserung oder Er-
schlaffung des Uterus oder beides zugleich vorhanden sein
muss. Beide Ursachen kommen vor und wirken oft zu-
sammen. So beobachtet man häufig das Entstehen nach
Wochenbetten, besonders Wochenbetten, wo frühzeitige oder
todte Kinder geboren wurden und so eine gehörige Rück-
bildung des Uterus durch das mangelnde Säugen gehindert
oder verlangsamt wurde. Eine ähnliche Bewandniss hat es
mit dem Abortus, nach welchem die Frauen glauben, keiner
Schonung und Vorsicht mehr zu bedürfen. In andern
Fällen wird eine Erschlaffung durch schlaffe Constitution
überhaupt, durch chlorotische Blutmischung, lang dauernden
Fluor albus bedingt. In allen diesen Fällen tritt dieUmbieg-
ung gewiss kaum je plötzlich ein , es bildet sich vielmehr
ganz allmählig die Verkrümmung heraus, oder es wird aus
einer Retro- und Antevemo eine Retro- oder Anteflexio. In
eine dritte Reihe von Ursachen gehören allgemeine und
lokale Bauchfell- und Gebärmutterentzündungen , die den
Uterus anlöthen und dadurch seine Funktion stören; es
bildet sich eine Erschlaffung und so endlich eine Knick-
ung aus.
Das Wesen besteht demnach in einer durch Erschlaff-
ung oder Vergrösserung vorbereiteten Knickung nach hinten
oder vorn, die mit Ausnahme sehr seltener Fälle von Stör-
149
ungen im Allgemeinbefinden chlorotischer und hysterischer
Art vorbereitet und begleitet sind.
Nach allem diesem sollte man nun sehr bedeutende
Störungen und vielfache beschwerliche krankhafte Erschein-
ungen erwarten und doch ist dem nicht so. Dass gar
keine Beschwerden da sind, ist im Ganzen selten und habe
ich das nur zweimal beobachtet: häufiger schon beobachtete
ich, dass ausser leichten chlorotischen und hysterischen
Erscheinungen die Kranken sonst keine Gesundheitsstörung
darboten. Selbst wenn Beschwerden da sind, ereignet es
sich oft, dass die Kranken sich lieber mit ihrem Leiden
herumtragen wollen, als sich einer lang dauernden Cur zu
unterziehen ; und es ist mir besonders in der Zeit, wo ich
solche Kranke noch mit den Knickungsinstrumenten glaubte
behandeln zu müssen, öfter widerfahren, dass dieselben,
nachdem ich ihnen Zeitdauer und Art der Behandlung aus-
einandergesetzt hatte, eine solche ablehnten, noch bevor
ich ihnen irgend etwas über die geringe Wahrscheinlichkeit
eines günstigen Erfolgs der Behandlung mitgetheilt hatte.
Zu erwähnen ist noch der grosse Wechsel in der Stärke
der krankhaften Erscheinungen. Es wechseln bei ein und
derselben Person die verschiedenen Erscheinungen, beson-
ders die schmerzhaften Empfindungen in auffallendem Grade,
ohne dass man nachweisen könnte, wie das zusammenhängt.
So geht es oft Monate hindurch ganz s:ut und mit einem
Male stellen sich recht bedeutende Beschwerden ein, ohne
irgend eine nachweisbare Gelegenheitsursache. Mir hat es
vielmehr so scheinen wollen , als sei hieran meistens eine
Verschlimmerung des konstitutionellen Leidens , also die
Blutmischung Schuld, die natürlich nicht ohne Einfluss auf
das kranke Organ sein kann. Ich konnte wenigstens in
diesen Fällen nie eine Veränderung im Uterus nachweisen.
Aus allem vorhergegangenen geht nun wohl zur Genüge
hervor, dass die einzelnen Krankheitsfälle nichts Constantes
haben werden, das charakteristisch für sie wäre.
150
Das einzige Symptom, das ich während der ganzen
Dauer der Krankheit stets fand, war die Kinderlosigkeit,
und ich will hier schon kurz bemerken, dass in zwei von
mir geheilten Fällen mit der Heilung Schwangerschaft
eintrat und die Heilung eine bleibende war. Nächst der
Unfruchtbarkeit sind die constantesten und den meisten
Fällen gemeinsamen Erscheinungen die oben besprochenen
hysterischen und chlorotischen Beschwerden. Erscheinungen,
die ich ferner fast constant fand , waren Verdauungsstör-
ungen : träge Verdauung, langsam und gestörte schwache
Magen- und Darmverdauung, kurz Dyspepsie und Verstopf-
ung in verschiedenen Graden und Formen. Man muss sich
hüten, diese Erscheinungen für mechanische Wirkung des
Unterinleidens zu halten , sie hängen vielmehr mit dem
Allgemeinleiden zusammen. Urinbeschwerden, die man von
vornherin sehr häufig erwarten möchte , und zwar in be-
deutendem Grade, habeich wohl beobachtet; aber so selten
und unbedeutend, dass nicht eine einzige Kranke freiwillig
darüber gekiagt hätte, sondern erst auf meine Frage nach
solchen Beschwerden , sehr selten zwar eine bejahende
Antwort erfolgte. Uterinkoliken, schmerzhafte Empfindungen
im Uterus sind ein ziemlich allgemeines Symptom, können
aber auch ganz fehlen. Am häufigsten und stärksten be-
obachtet man sie zur Zeit der Periode und öfters ganz in der
Art und Heftigkeit von Wehen, so dass ich selbst schon
bei Kranken, die ich zum ersten Mal gerade zu solch einer
Zeit sah, in Versuchung war, einen Abortns zu vermuthen.
Diese sehr heftigen Schmerzen rühren daher, dass sich über
der eingeknickten Stelle eine grössere Menge Blut ansam-
melt, die dann durch Zusammenziehungen herausgestossen
wird. Eigentümlich ist es für diese Krankheit und beob-
achtete ich sehr oft, dass, nachdem die Periode einige Tage
gedauert hat, sie nach zwei Tagen aufhörte, worauf sich
dann wieder auf einmal eine grössere Menge Blutes ergiesst,
und der Blutabgang dann noch ein Paar Tage andauert.
151
Die Schmerzen beobachtet man entweder wahrend der
ganzen Dauer der Periode oder sie sind nur im Anfange
da und zeigen sich als eine Vermehrung der sonst den
Eintritt der Menstruation begleitenden Empfindungen. Auch
in der Zwischenzeit treten diese Schmerzen ein und halten
oft Monate lang an, so dass die Kranken sich sehr schonen
müssen, und mit jeder Bewegung und Anstrengung sehr
vorsichtig sein müssen, um nicht die schon vorhandenen
Schmerzen ncch zu steigern. Ich leite diese Schmerzen von
der Zerrung des Uteringewebes her, weil ich eine Anschoppung
kaum je finden konnte, vielmehr beobachtete, dass die Er-
schlaffung in solchen Fällen zugenommen hatte und die Heble
eine längere geworden war. Was nun das Nähere der Men-
struation betrifft, so habe ich kaum zwei Frauen beobachtet,
bei welchen sich dieselbe gleich verhalten hätte, und fand ich
nicht eine einzige, bei der sie nicht Abweichungen dargeboten
hätte. Bei einem Theil der Kranken ist die Blutung eine sehr
reichliche, und hängt das entschieden nicht mit der Constitu-
tion zusammen, sondern mehr mit dem Zustande des Genital-
systems. Wenn nun auch Verstärkung zu den constan-
testen Symptomen gehört, so habe ich dieselbe doch selten
sehr bedeutend gesehen. Viel seltener beobachtete ich
ein zu häufiges Eintreten und konnte sich dieses bei Per-
sonen zeigen, bei denen durch Monate vorher die Menstrua-
tion seltener kam oder ganz ausblieb. In anderen Fällen
kam die Menstruation seltener, blieb auch wohl Monate
lang ganz aus, so dass die Kranken sich schwanger wähn-
ten, Zunahme der Brüste und des Bauches zu bemerken
wähnten. Es waren das gerade nicht Frauen mit ausge-
sprochenen chlorotischen Erscheinungen , wie man wohl
meinen könnte , im Gegentheil. Bei so längerem Aus-
bleiben waren die Schmerzen jedesmal bedeutend ver-
mehrt und forderten die Frau in dieser ganzen Zeit des
Ausbleibens zu äusserster Vorsicht auf. Eine sehr häufige
Erscheinung ist Fluor albus, doch beoachtete ich ihn nur
152
in drei Fällen sehr stark, in allen übrigen Fällen war er
ganz massig.
Wenn nun meine kurze Beschreibung der krankhaften
und schmerzhaften Empfindungen mir wenigstens darin von
den Beschreibungen anderer Beobachter abzuweichen scheint,
dass icli im Ganzen geringere Beschwerden beobachtete,
so möchte ich zur Erklärung nur noch hinzufügen , dass
meine Kranke, fast ohue Ausnahme, den höheren Ständen
angehörten und meiner Privatpraxis entnommen sind , dass
es also Frauen waren, die auf sich die gehörige Sorgfalt
verwenden , die sich schonen konnten und bei denen
bedeutende Anstrengungen nicht vorkommen , wo also
verschlimmernde und verstärkende Einflüsse vermieden
wurden, nnd so das Leiden auf einem niedern Grad er-
halten wurde.
Die Diagnose bietet keine Schwierigkeiten; man
erkennt bei der Untersuchung durch Scheide und Mastdarm
leicht die Knickung, und mit diesem Leiden stets Ante-
oder Retroversio complicirt, so dass man nicht meinen darf,
die Vaginalportion behalte bei Knickungen ihre normale
Stellung. Bei sehr schlaffen Bauchdecken gelingt es, bei der
Untersuchung durch Scheide und Rauchdecken den ganzen
geknickten Uterus zu umfassen und seine Form ganz genau
zu bestimmen. Daher hier mancherlei Täuschungen und
Verwechslungen vorkommen könuen, und um schneller zum
Ziel zu gelangen, habe ich von der Sonde jedesmal Ge-
brauch gemacht. Durch die Sonde lässt sich das Organ
aufrichten und in seine richtige Stellung bringen und hier-
durch erkennt man, ob der vor oder hinter der Vaginal-
portion liegende Theil der Uterusgrund ist, oder nicht;
die Diagnose ist auf diese AVeise eine bequemere und
sicherere. Ich brauche die Sonde bei jeder Untersuchung
eines nicht schwangeren kranken Uterus , und habe noch
nie nach ihrem Gebranch irgend eine unangenehme Folge
gesehen , weder Blutungen noch Rcizungszustände des
153
Uterus irgend welcher Art. Natürlich muss die Sonde
leicht, sanft und vorsichtig geführt werden, und besonders
ist es gut, wenn das Instrument nicht hineindringen will,
ihm eine andere Krümmung zu geben. Trotzdem gelingt
aber das Einführen nicht immer leicht, und besonders bei
sehr erschlafftem Uterus finden sich in der Höhle desselben
eine Menge Falten, unter denen der Knopf der Sonde an-
gehalten wird. Hier gelingt es oft mit einem Instrumente,
das einen grösseren Knopf hat, viel leichter. Oder man
zieht das Instrument ein wenig zurück und dringt wieder
vorwärts. Olt scheint sich das Instrumeut selbst am besten
den Weg zu suchen, wenn man nur das Gewicht desselben
wirken lässt, während man es ruhig in seiner Lage erhält.
Ich habe hier natürlich nicht von den Haupthandgriffen
zur Durchdringung der schwierigsten Stelle , des innern
Muttermundes gesprochen und wollte nur einige kleine
praktische Handgriffe angeben. Beim Ueberwinden der
geknickten Stelle, was mir übrigens nie misslungen ist,
wird stets eine unbequeme Empfindung, auch wohl ein
Schmerz wahrgenommen, derselbe Schmerz, der bei Berühr-
ung der geknickten Stelle empfunden wird. Ebenso ist es
beim Aufrichten und war hierbei allerdings einige Mal
die Empfindung eine so schmerzhafte und quälende , dass
das Instrument entfernt werden musste. Es braucht wohl
kaum erwähnt zu werden, dass die subjektiven Symptome
nichts zur Feststellung der Diagnose beitragen , und dass
ohne Untersuchung durch die Scheide die Diagnose nicht
möglich ist.
Behandlung. Da diese Krankheitsform mich beson-
ders interessirte, so habe ich mir dabei viel Mühe gegeben
und viel Fleiss und Zeit darauf verwandt. Die Behand-
lung muss eine allgemeine, das allgemeine Leiden be-
achtende, und eine lokale sein. Den ersten Fall behan-
delte ich im Jahre 1848 und heilte ihn. Nicht so ging es
mir mit den folgenden Fallen, es Hess mich Alles im Stich.
Scanzoni's Beiträge IIT. \\
1L4
Das Kiwisch'sche Instrument schien mir brillante Erfolge
zu versprechen. Ich erhielt ein solches mit der Modifika-
tion von Meyer aus Berlin im Oktober 1851. Wie mir,
ist es damals gewiss Vielen gegangen, die noch kaum ein
anderes Instrument mit grösserem Enthusiasmus und besseren
Erwartungen empfangen halten. Ich brauchte mein Instru-
ment bei allen mir vorkommenden Fällen und sparte nicht
Mühe und Zeit. Auffallend war es mir, dass von keiner
Seite etwas über die erzielten Erfolge verlautete. Entweder
war das Instrument so gut, dass es sich bald eingebürgert
hatte und man es für unnütz hielt, darüber zu sprechen,
oder es war gerade umgekehrt. Meine Erfahrungen nun
waren folgende : Das Einführen des Instruments verursachte
mir nie Schwierigkeiten, eben so wenig das Aufrichten des
Uterus. Bald jedoch stellten sich zwei Uebelstäude ein:
ich fand Frauen, die das Instrument nicht vertrugen, trotz
aller Mühe, die ich mir gab, die Empfindlichkeit des Uterus
zu vermindern. Wenn ich das Instrument auch nur jeden
dritten Tag einführte und die Zeit, die ich das Instrument
liegen Hess, so weit als möglich verkürzte, so traten uner-
trägliche Schmerzen, Schluchzen, Weinen, krampfhafte Er-
scheinungen, Zittern u. s. w. ein, und ich musste das In-
strument entfernen und diese Methode der Behandlung auf-
geben. Consequenz in der Anwendung, natürlich mit Be-
achtung der nöthigen Vorsicht, halfen da noch am meisten.
Trotz dieser Consequenz habe ich nie gefahrdrohende Er-
scheinungen zu beklagen gehabt, nie überhaupt Erschein-
ungen, die nicht durch eine Kühe von 1 , höchstens 2
Stunden wären beseitigt worden, und möchte ich von dem
Gesichtspunkte der Gefahr dem Instrumente kein Ver-
dammungsurtheil sprechen. Um nun bei diesen empfind-
lichen Kranken das Instrument, von dem ich so viel er-
wartete, wo möglich noch brauchen zu können, liess ich
mir die federnden Enden dünner feilen und so einrichten,
dass sie bei geöffnetem Instrumente nicht so weit ausein-
155
anderstanden. Auch das war ohne allen Nutzen, ich musste
aufhören und eine andere Behandlung versuchen. Es waren
das zwei Frauen, die nicht zu den empfindlichen und reiz-
baren gehörten, sie mussten vielmehr zu den trägen, tor-
piden Naturen gezählt werden, es waren Frauen, die schon
geboren hatten. In einem andern Falle beobachtete ich
gerade das Entgegengesetzte. Er betraf eine Wjttwe,
Mutter mehrerer Kinder, die seit mehreren Jahren, ohne
untersucht worden zu sein, an Vorfall oder Senkung be-
handelt wurde. Ich fand eine Knickung nach hinten mit
einer Verlängerung der Höhle von reichlich 20 Linien. Es
lag von dem Kiwisch - Meyer'achen Instrumente nicht nur
der King, durch den die Fäden gehen, im Uterus, sondern
noch 4 Linien von der Spirale. Es ist das eine Verlänger-
ung von reichlich 40 Linien , die bei weitem grösstc, die
ich beobachtete. Das Einführen des Instrumentes und das
Aufrichten gelangen sehr leicht: jedes Mal aber, als die
Frau sich aufrichtete, fiel das Instrument heraus; selbst
bei liegender Stellung der Kranken glitt das Instrument
bald hervor. Ich liess mir ein Instrument mit stärker fe-
dernden und weiter aus einander stehenden Enden machen.
Es half nichts. Ich musste auch hier von der Behandlung
mit diesem Instrumente abstehen.
Die meisten Frauen ertrugen das Instrument sehr gut,
aber trotz täglicher Anwendung von mehreren Stunden
Dauer durch einige Monate hindurch erzielte ich nicht ein-
mal Besserung. Es versteht sich von selbst, dass neben-
bei noch die gleich zu erwähnenden innern Mittel gebraucht
wurden. Ich setzte trotzdem diese Behandluug noch fort,
gestand meinen Kranken aber ein, dass der Erfolg ein sehr
unsicherer sei, und fand, dass die Hälfte der Kranken es
vorzog, ohne Behandlung zu bleiben. Endlieh griff ich zu
einer andern , sowohl für die Kranken ah den Arzt be-
quemeren Behandlung, und habe Ursache mit dieser zufrie-
den zu sein, wenn die Heilungen auch sehr seltene waren.
11*
156
Es ist dieselbe Behandlung, die ich im ersten Anfang, be-
vor ich das Kiwisch-Meyersche Instrument erhielt, einleitete
und durch die es mir gelang , zwei Kranke herzustellen,
die darauf concipirten, lebende Kinder gebaren und bleibend
geheilt sind.
Ich leite vor allem eine allgemeine Behandlung ein,
um auf die ganze Constitution, das Blutleben insbesondere
und auf den erschlafften Uterus kräftigend zu wirken, und
lasse zu dem Zweck kalte Bäder, Seebäder, Eiscnschlamm-
bäder brauchen. Innerlich reiche ich Eisenpräparate, selbst
in den Fällen , wo die chlorotischen Erscheinungen nicht
deutlich ausgesprochen waren, und verbinde hiermit Seeale
cornutum oder Ergotin, um Contraction in den Uterus zu
bringen und seinen Tonus zu erregen. In der Wahl der
Eisenpräparate musste ich vorsichtig sein , indem in den
meisten Fällen Verdauungsstörungen zugegen waren, und
die schwereren Präparate, namentlich das metallische Eisen,
nicht vertragen wurden, indem sie Appetitlosigkeit, cardial-
gische Beschwerden u. s. w. hervorriefen, und ich so zu
den leichtesten Präparaten und den schwächsten Gaben
greifen musste. Solch ein vorsichtiger Gebrauch wurde
durch Monate fortgesetzt, ohne irgend welchen Nachtheil
zu haben. .Neben diesen Mitteln wurden als Ilauptmittel
kalte Einspritzungen vermittelst eines Douche -Apparates
ebenfalls durch Monate, wohl Jahre gebraucht. Die Tem-
peratur des Wassers wurde bis auf 9 Grad vermindert,
und die Dauer der Einspritzungen bis auf mehrere Minuten
verlängert; doch ist dabei Vorsicht nöthig. Bevor ich die
Wirkung der Douche erwähne , will ich vorher noch einen
unangenehmen Zufall nicht unbesprochen lassen , der sich
bei einer meiner Kranken beim Gebrauch der Douche mehr-
mals einstellte. Während der Einspritzung, die nicht kälter
als am Tage vorher angewandt wurde, entstand plötzlich
eine unangenehme, selbst schmerzhafte Empfindung im
Uterus. Die Kranke meinte, es müsse Luft hineingedrungen
157
sein. Der Leib trieb sich auf, war sehr empfindlich, die
Kranke musste im Bette liegen, durfte sich nicht bewegen
und fühlte sich sehr unbehaglich, bis nach 12 — 36 Stunden
sie wieder wohl war. Es wurde hier ein Apparat nach
Art des Braun'schen gebraucht, und es wäre sowohl das
Eindringen von Luft als von Wasser in den Uterus möglich.
Dieser Zufall ereignete sich nicht mehr, nachdem, bevor
die Einspritzung begonnen wurde, alle Luft aus dem Appa-
rate herausgetrieben wurde und der Strahl in vollem Gange
war. Was nun nun den Erfolg der Einspritzungen betrifft,
so war derselbe nicht zu läugnen ; stets wurden die
schmerzhaften Empfindungen gemildert und schwanden ganz.
Die Frauen konnten sich wieder mehr zumuthen , selbst
wenn sie durch Wochen vorher das Gehen kaum hatten
vertragen können ; die Menstruation wurde regelmässiger,
war nicht von Schmerzen begleitet, der Fluor albus hörte
auf. Ebenso schwanden durch den innern Gebrauch die
chlorotischen Erscheinungen , die Cardialgien , die Auf-
geregtheit und Unruhe, der Schlaf wurde besser , kurz die
ganze Constitution war gekräftigt und gestärkt. Wurde
nun der äussere und innere Gebrauch ausgesetzt, so dauerte
es kaum ein halbes Jahr und alle alten Beschwerden waren
wieder da und die Untersuchung zeigte auch wieder Ver-
längerung des Uterus. In manchen Fällen war die Besser-
ung anhaltender, und selbst nach einem Jahre fand ich im
Uterus denselben Tonus und dieselbe Verkürzung, die nach
dem Gebrauche eingetreten war. Die Knickung war die-
selbe geblieben und somit die Möglichkeit einer baldigen
Wiederkehr der Beschwerden. So kam es, dass die Kran-
ken sich gar nicht mehr von ihren Pillen und ihrer Douche
trennon mochten, ja dass diese sie selbst auf Reisen begleitete.
Wie schon oben erwähnt, habe ich nur von zwei
Heilungen zu berichten unter 14 anhaltend und mit Aus-
dauer behandelten Kranken und ich bin auch mit diesem
Erfolge sehr zufrieden, besonders da er ein bleibender war.
158
Bedenkt man, dass bei längerer Dauer des Uebels not-
wendig Schwund der geknickten Stelle eintreten mnss,
der durch nichts zu ersetzen ist , und das Uebel also un-
heilbar macht, so sind es jedenfalls sehr glückliche und
und noch nicht weit vorgeschrittene Fälle. Von meinen
beiden war der erste eine Retroflexio der zweite eine Ante-
(lexio. Jene oben genannten Mittel bleiben also in den
allermeisten Fällen palliative Mittel, die aber von grosser
Bedeutung sind , weil sie sicher lindern und ein Mittel
gegen Beschwerden sind , die oft mit bedeutender Heftig-
keit eintreten und die Kranken sich selbst zur Last
machen.
Und so schliese ich denn und bitte den Leser meine
Mittheilungen nur als einige kleine praktische Notizen und
Winke anzusehen, die mit aller Bescheidenheit und An-
spruchlosigkeit an die Oeffentlichkeit hintreten.
2. Ein Fall von Schwangerschaft bei Uterus bilocularis .
Der folgende Fall mochte nicht nur durch das Interesse,
das solche Fälle schon durch ihre Seltenheit für sich haben,
sondern noch durch einige andere Umstände die Aufmerk-
samkeit des Arztes in Anspruch zu nehmen geeignet sein,
darum ich es für Pflicht gehalten habe, denselben einem
grösseren Publikum nicht vorzuenthalten. Ich gebe eine
einfache schlichte Frzählung des Falles, der mir mancherlei
Unruhe und Kopibrechen gemacht hat , und dadurch mag
es denn entschuldigt sein, wenn hier und da ein Gedanke
hineinfliesst , der mich bei der schwierigen und lange
zweifelhaften Diagnose beschäftigte.
Frau X. eine blühende, frische, aber im Ganzen zarte
Blondine erfreute sich stets einer guten Gesundheit, die
Kegeln stellten sich im sechszehnten Jahr ganz regelmässig
ein, und verliefen stets regelmässig. Es könnte erwähnt
werden , dass das Eintreten insofern vielleicht ein etwas
159
verspätetes war, indem die ebenfalls gesunde \\i Jahr
jüngere Schwester schon einige Zeit vor der älteren men-
struirt war. Nach der im Jahre 1854 erfolgten Verheirath-
ung trat bald Schwangerschaft ein , die ohne Störung und
ohne bedeutendem Beschwerden regelmässig verlief, bis
im Juni 1855, am Ende der 32. Schwangerschaftswoche
ein Knabe geboren wurde, der bald atelektatisch starb.
Die Menstruation stellte sich regelmässig ein und erschien
ganz in alter Ordnung am 3. Oktober 1855. Am 31. Okt.,
dem nächsten Menstruationstermine, stellten sich die Menses
nicht ein. Es zeigte sich um diese Zeit einiges Unwohl-
sein : Blässe des Gesichts , Sausen in den Halsvenen , Ge-
müthsverstimmung ; beim Druck auf die rechte Unterbauch-
gegend wurde Schmerz empfunden, ebenso beim Untersuchen
durch die Scheide an der entsprechenden Stelle. Ich dachte
an Ovarienleiden; faud aber nichts dergleichen, hingegen
zeigte die Sonde die Höhle des Uterus verlängert, und
den Cervikalkanal leicht zugänglich.
Am 19. November, also 6 — 7 Wochen nach der letzten
Menstruation sondirte ich wieder, und fand die dieses Mal
nicht so leicht zugängliche Höhle um einen halben Zoll
verlängert. Der Schmerz war noch vorhanden. Ich fühlte
eine Völle im rechten Scheidengewölbe und glaubte einen
Tumor durchzufühlen. Gegen Abend stellte sich ein Blut-
fluss ein, (ob in Folge der Sondirung kann ich nicht be-
stimmen) der sich ganz wie die Menstruation ausnahm,
nur noch einmal solange als diese, d.h. 10 Tage, dauerte.
Am 8. Dezember, IG 1 j Wochen nach der letzten
Menstruation, zeigte sich die Höhle noch mehr verlängert,
der Schmerz bestand fort und sowohl durch die Scheide
als die Bauchdecken war deutlich ein Tumor zu erkennen.
Die Vaginalportion stand nach links und hinten. Die
Natur des Tumor Hess sich nicht bestimmen , am meisten
neigte ich mich zur Annahme einer Eierstocksgeschwulst,
doch musste man schon an die Möglichkeit einer extraute-
160
rinen Schwangerschaft denken, doch blieb ich darüber ganz
im Unklaren, da kein Zeichen da war, das mit einiger
Wahrscheinlichkeit für Schwangerschaft gesprochen hätte.
Am 12. Januar, 14 Wochen nach der letzten Periode,
zeigte sich die sondirte Höhle um L Vj Zoll verlängert. Die
fühlbare Geschwulst liegt ganz in der Seite , ist noch
schmerzhaft bei der Berührung. Am 19. Januar reichte
die Geschwulst rechts bis drei Fingerbreit unterhalb des
Nabels herauf; verfolgte man die Grenze des Tumor noch
links gegen die Mittellinie hin , so senkte sich der Rand
oder die Begränzung und verlief drei Fingerbreit tiefer als
der höchste Punkt der Geschwusst horizontal, und erstreckte
sich in dieser Begränzung 2—3 Fingerbreit über die Linea
alba nach links hin. Diesen in der Mittellinie liegenden
Theil der Geschwulst Hess eine genaue innere und äussere
Untersuchung bald als den vergrosserten aber leeren Uterus
erkennen. Was war aber der Tumor rechts ? Folgendes
waren nun die Ergebnisse einer genauen manchen Aufschluss
gewährenden Untersuchung. Die Vaginalportion stand stark
nach hinten und links, war dick, der äussere Muttermund
war offen. Rechts von der Vaginalportion drängte die
Geschwulst das Scheidengewölbe herab, und an derselben
erkannte man deutlich pulsirende Arterien, ebenso erkannte
man zweifellose Fluktuation, und was das wichtigste war,
bei verbundener äusserer und innerer Untersuchung und
bei von oben angebrachtem Drucke fühlte man sicher das
Ballottement. Bei länger fortdauernder Untersuchung wurde
der Tumor derber und fester. Untersuchte man nun den
Zusammenhang des Uterus mit dem Tumor, so überzeugte
man sich bald, dass beide in einander übergingen, oder
eng an einander lagen. An der Oberfläche war keine Ab-
gränzung zu fühlen und ebenso schien die Vaginalportion
unmittelbar in die Geschwulst überzugehen , und zwar in
der eigentümlichen Weise, dass zwischen Uterus und dem
Tumor eine Furche verlief, die eine Gränze bildete , und
161
so die Vaginalportion nicht in gerader Linie in den Tumor
übergehen Hess. Ueber die Existenz einer Schwanger-
schaft in der 16. Woche war jetzt kein Zweifel mehr. Da
bei Extrauterinschwangerschaften die Frucht mit ihren Hül-
len oft ganz fest am Uterus anliegt, besonders bei Graviditas in-
terstitialis ; da so oft die grossen Schmerzen und grossen
Leiden fehlen, konnte ich es ebensogut mit Extrauterin-
sohwangerschaft zu thun haben, als mit Uterus bilocularis.
Das Derberwerden des Tumor bei der Untersuchung, durch
wahrscheinlich eintretende Contraction in Folge längerer
Untersuchung sprach noch am meisten für das Letztere,
doch reichte es kaum hin , um eine sichere Diagnose zu
begründen. Zur Befestigung einer solchen hoffte ich aller-
dings das Fehlen spontaner Schmerzen in so vorgerückter
Schwangerschaft hinzunehmen zu dürfen. Auf der an-
deren Seite schien mir wieder die leichte Zugänglichkeit
der Höhle mehr fürExtrauterinschwangerschaft zu sprechen.
— Die am H>. November dagewesene Blutung glaubte
ich weder nach der einen, noch andern Seite in dieWaag-
schaale legen zu dürfen, einfach schon aus dem Grunde,
weil eine Sondirung vorhergegangen war, die möglicher
Weise die Ursache gewesen war. Einen Umstand glaubte
ich nicht unbeachtet lassen zu dürfen ; ich meine die er-
folgte Frühgeburt, wie eine solche bei Uterus bilocularis
natürlich eintritt. Wenn ich also allerdings hoffte, Uterus
bilocularis annehmen zu dürfen, so erhielt diese Annahme
eine neue Stütze durch eine nach 14 Tagen vorgenommene
Untersuchung, bei der sich zeigte, dass der ganze Tumor,
der auf der einen Seite keinen Platz mehr hatte, sich auf-
gerichtet hatte und in der Mittellinie lag, was bei extra-
uteriner Schwangerschaft nicht so leicht eintreten wird.
Dem entsprechend war jetzt die Vaginalportion mehr
nach links gerichtet; das Scheidengewülbe war freier, man
fühlte keine pulsirende Arterien und kein Ballottement
mehr. Am 5. Februar, am Ende der 19. W^oche kam nun
162
noch Uterinrauschen hinzu, und wenn dieses allerdings auch
bei extrauteriner Schwangerschaft vorkommen möchte , so
schien es mir doch in diesem Falle die Diagnose fast
sicher zu stellen. Am 7. Februar stellte sich die Kindes-
bewegung ein. Am 8. wieder Ballottement. Am Morgen
des 20. März erwachte Frau K. mit 13lutspuren auf der
Wäsche. Die Untersuchung zeigte den inneren Muttermund
offen und in demselben die Eihäute und über demselben
den Kopf. Einige Wehen förderten ein lebendes Mäd-
chen zur Welt, das in anderthalb Stunden starb.
Die zum zweiten Male eingetretene Frühgeburt wäre
ganz dunkel geblieben, wenn ich nicht in der Meinung, es
sei nicht an Schwangerschaft zu denken, mit der Sonde
untersucht hätte, und Frau K. hätte vielleicht sich einer
Reihe vou Heilversuchen unterwerfen müssen, die nie zu
einem Resultat geführt hätten.
Ein Fall von Atresia uteri congenita mit nachfolgender
Schwangerschaft.
Von Dr. Tl PPERT in Wnnsiedl.
M. Müller aus Tr., ein robustes Bauernmädchen von
mittlerer Grösse, war bis zu ihrem 17. Lebensjahr stets
gesund und kann weder sie sich auf irgend eine überstan-
dene Krankheit erinnern, noch wissen deren Eltern in dieser
Beziehung das Geringste anzugeben. In ihrem 17. Lebens-
jahre traten krampfhafte Schmerzen im Unterleib ein. welche
den vierwöchentlichen Typus einhielten, einige Tage sehr
heftig waren und dann allraälig verschwanden. Diese
Schmerzen wurden in den folgenden Jahren immer stärker,
und dauerten oft 14 Tage lang an, Hessen an Heftigkeit
zwar etwas nach, verschwanden aber fast nie mehr gänz-
lich. Von Menstruation zeigte sich keine Spur. Zur Be-
ruhigung wurden Narcotica angewendet und vorzüglich fand
die Kranke Erleichterung nach einer Venaesection , wess-
halb sie Jahre lang, ohne einen Arzt zu fragen, alle <d — S
Wochen einen Aderlass vornehmen liess.
Am 18. April 1846 sah ich die damals 29 Jahre alte
Kranke zum ersten Mal. Ihr Zustand war ein Mitleid er-
regender, Leib und Seele trugen die Spuren schweren
Leidens an sich. Ein ängstlicher, scheuer Blick, Hoffnungs-
losigkeit, der Ausdruck grässlicher körperlicher Schmerzen
vereinigten sich zu einem erbarmungswürdigen Bilde.
164
Der Unterleib war merklich ausgedehnt, der Nabel
jedoch unverändert. Die untersuchende Hand fühlte einen
festen runden Körper, welcher von vorne nach rückwärts
gegen die Wirbelsäule verschiebbar war, dessen oberstes
Ende bis an den Nabel reichte, dessen unterer Theil sich
in das Becken hinein erstreckte. Das obere Ende dieses
Körpers war nicht abgerundet, sondern nach Rechts und
nach Links mit einer Hervorragung versehen. — Die Vagina
hatte eine Länge von l.^ZolI, von einem Collum uteri war
nichts wahrzunehmen, sondern es befand sich am Ende der
kurzen Scheide ein gleichmässig runder, elastisch anzu-
fühlender, tief in's kleine Becken hereinragender, Manns-
faust grosser Körper, welcher durch Druck auf den Unter-
leib noch tiefer herabgedrängt wurde. Statt des Mutter-
munds war eine seichte Querfurche zugegen.
Schmerz wurde durch die Untersuchung nicht erzeugt,
dagegen war seit langer Zeit der typische Charakter der
Schmerzen fast ganz verschwunden und die Kranke hatte
nur manchmal einige Tage , wo der Schmerz erträglicher
war. Der Vorschlag der Operation wurde freudig aufge-
nommen und diese sobald als möglich verlangt.
Am 9. Mai 1846 wurde die Operation und zwar auf
folgende Weise vollzogen. Die Kanüle eines massig ge-
krümmten Troikart von der Stärke einer Schreibfeder
wurde mittelst des in die Scheide eingeführten Zeigefingers
der linken Hand auf die durch die Querfurche angedeutete
Stelle des Muttermundes gesetzt, der Troikart mit der
rechten Hand eingestossen , etwas aufwärts geschoben und
sodann zurückgezogen , worauf sogleich eine dickbreiige,
kastanienbraune, geruchlose, nach Farbe und Consistenz
gleichmässige Masse aus der Canüle hervorquoll. Es
wurden beiläufig 5 Unzen dieser Masse entleert und so-
dann die Canüle mit einem Holzstöpsel verstopft, indem
eine plötzliche Entleerung des Uterus eine grössere Reaction
fürchten Hess. Die Canüle blieb liegen.
165
Patientin fühlte sich sogleich erleichtert und war glück-
lich über die so schnell und ohne allen Schmerz voll-
zogene Operation.
Am nächsten Tage wurde die Kanüle entfernt und
an ihrer Stelle eine starke Darmsaite eingelegt, neben wel-
cher beständig etwas von dem Inhalt der Uterushöhle ab-
sickerte, so zwar, dass der Uterus 6 Tage nach der Operation
bis zur Grösse einer Mannsfaust zusammengezogen war.
Eine entzündliche Reaction trat nicht ein, Patientin konnte
am 7. Tage nach der Operation das Bett verlassen und
fühlte sich wohl. Von diesem Tage an blieb auch die
Darmsaite weg, nachdem sie bisher täglich durch eine
frische ersetzt worden war. — 14 Tage nach der Operation
traten die Menses ohne Schmerz ein und kehrten anfangs
alle 14 Tage, später alle 3 Wochen wieder. Mitte Oktbr.
jedoch, also 6 Monate nach der Operation, traten die
Menses nicht ein, es kehrte der frühere Schmerz wieder
und Patientin bemerkte zu ihrem Schrecken die an Umfang
zunehmende Geschwulst im Unterleib. Am 21. Xovbr.
hatte der ausgedehnte Uterus dieselbe Form und fast die-
selbe Grösse wie zur Zeit der ersten Operation , nur war
das untere Segment nicht so tief herabgesenkt wie damals.
Der künstlich angelegte Muttermund war wieder verwach-
sen. Der Troikartstich wurde sofort gemacht und es ent-
leerten sich etwa 4 Unzen Blutes von derselben Beschaffen-
heit, wie bei der ersten Operation, nur war es etwas flüssiger.
Am vierten Tage trat Fieber und Schmerz im Unterleib
ein und öfteres Erbrechen. Das aus der Ader gelassene
Blut zeigte eine sehr starke Entzündungskruste und die
aus dem Uterus absickernde Flüssigkeit war von seröser,
am nächsten Tage von eiteriger Beschaffenheit und hatte
einen stinkenden Geruch. Auch Gase entwickelten sich
in der Uterushöhle und strömten durch den Muttermund
aus. Nach 8 Tagen waren diese Erscheinungen ver-
schwunden, Patientin fühlte sich wieder wohl und am 8. Dec,
166
also 17 Tage nach der Operation, traten die Menses ohne
Schmerz ein. Doch auch dieses Mal war der Erfolg der
Operation kein dauernder, denn schon am 21. Februar,
also 3 Monate nach der zweiten Operation war der Mutter-
mund wieder verwachsen ; die Schmerzen stellten sich
wieder ein und nahmen so zu, dass am 7. April zum
dritten Male zum Troikart gegriffen werden musste. Dieser
dritten Operation folgte keine Reaktion. Die silberne Ca-
nüle blieb 2 Tage liegen und wurde dann durch eine Blei-
röhre ersetzt.
Die wiederholte Verwachsung des Muttermundes, selbst
mehrere Monate nach der Operation, gab die Veranlassung
zu folgendem Verfahren: Nachdem die bleierne Röhre acht
Tage lang an der Stelle der Canüle gelegen hatte , wurde
sie entfernt und dafür eine aus Blei gefertigte Röhre von
folgender Form eingelegt : ein 1 Zoll langer Cylinder von
der Stärke eines Gänsekiels hatte am oberen Ende einen
zweimal so dicken Kopf, welcher mit mehreren kleinen
Ocflnungen versehen war, ähnlich dem Ansatzrohre einer
Gebärmutterspritze. Am untern Ende des Cylinders befand
sich eine runde Platte von der Grösse eines Kupferpfennigs.
Der Cylinder selbst war hohl, so dass Flüssigkeiten oben
durch die Oeffnung am Kopfe desselben eindringen und
durch die Oeffnung in der Platte am untern Ende ab-
fliessen konnten. — Der Kopf hinderte das Herausgleiten
und die Platte am untern Ende das zu weite Eindringen
in die Uterushöhle.
Dieses Instrument blieb volle 3 Monate im Mutter-
munde liegen und wurde sodann entfernt. Die Menses
blieben regelmässig und eine Wiederverwachsung des Mutter-
mundes fand nicht mehr statt.
In der Mitte des Sommers 1851 (4 Jahre nach der
dritten und letztenjParacentese) blieben die bis dahin regel-
mässig alle 4 Wochen eintretenden Menses weg, jedoch
folgten keine Schmerzen. Der Unterleib wuchs mehr und
167
mehr und die früher schwer Geprüfte fürchtete die An-
wesenheit des alten Leidens — allein die Untersuchung
ergab in Bälde , dass kein krankhafter Zustand , sondern
Schwangerschaft vorhanden sei. Diese verlief ohne be-
sondere Beschwerden und am 7. Februar 1852 wurde ein
Knäblein geboren, welches dem Aussehen nach um zwei
Monate zu früh zur Welt kam. P^s war während der
übrigens regelmässig verlaufenden, leichten, nur 5 Stunden
dauernden Geburt gestorben. Die Mutter erholte sich bald
und blieb gesund bis auf den heutigen Tag.
VI.
Briefliche MiUheilung an den Herausgeber.
Von Dr. BRESLAU in München.
Ich hatte Ihnen versprochen, Etwas über meine Darm-
städter Reise zu schreiben, und ich erfülle nun mein Ver-
sprechen mit um so grösserem Vergnügen, als dieselbe
ihrem Zwecke vollkommen entsprach. Schon längst wünschte
ich j nachdem ich so viel von den Fisteloperationen des
Dr. Simon gehört und auch gelesen hatte, persönliche
Bekanntschaft mit dem Operateur und der Operation zu
machen, als ich in voriger Woche eine briefliche Einladung,
mich zu einer Operation nach Darrastadt zu begeben,
erhielt, welcher ich nicht umhin konnte, alsogleich Folge
zu leisten. Am Donnerstag den 25. März früh 5 Uhr sass
ich in einem Eisenbahn-Waggon und Dank der vortreff-
lichen Anschlüsse war ich bereits Nachmittag um 3 Uhr in
Darmstadt, wo ich von den HH. Dr. Si mon und Dr. Eigen-
brodt auf das Freundschaftlichste bewillkommt wurde.
Nachmittag und Abend wurden verplaudert und am nächst-
folgenden Tage begaben wir uns um 1 1 Uhr in das be-
scheidene, von dortigen Aerzten zum Zwecke operativer
Chirurgie gegründete, und durch Privatmittel erhaltene
Krankenhaus, wo gegenwärtig fleissig gearbeitet wird , um
es für 20 Betten in Stand zu setzen. Zuerst stellte mir
Dr. Simon zwei von ihm vor längerer Zeit operirte Kranke
vor, wovon die eine meinetwegen aus der Umgegend von
169
Heidelberg her telegraphirt worden. Die erste Kranke
hatte an einer Fistel gelitten , welche die Cervicalhöhle mit
dem Blasengrunde verband. Durch eine ausgedehnte An-
frischung und genaue Vereinigung der Muttermundslippen
ist es Dr. Simon gelungen, den äusseren Muttermund voll-
kommen zu verschliessen und auf diese Weise den un-
willkürlichen Abgang des Urins durch die Scheide auf-
zuheben. Die Fistel aus der Cervicalhöhle in die Blase
besteht fort, denn die Frau verliert regelmässig alle
4 Wochen ihre Menses durch die Urethra , nachdem sie
ihrer eigenen Aussage gemäss früher sehr unregelmässig
durch die Scheide menstruirt war und nebenbei noch an
einem Fluor albus litt. Man sieht durch das Speculum
deutlich eine quere , über die ganze Vaginalportion sich
hinziehende Narbe und an keiner Stelle ist eine Spur
eines Orificium oder einer Fistel wahrzunehmen. Das Aus-
sehen der Frau ist vortrefflich, ihre Dankbarkeit für den
Erlöser jahrelanger Leiden eine unbegrenzte. Die zweite
Kranke, ich sollte eigentlich sagen früher Kranke , war in
die Behandlung des Dr. Simon mit Defect der ganzen hin-
teren Blasenwand gekommen. Nichts als ein etwa 1^ Zoll
langes Stück der Urethra, die vordere Wand und ein Theil
des Blasengrundes waren zurückgeblieben. Natürlich konnte
man hier wegen des enormen Defectes an keine Vereinig-
ung der Fistelränder denken und so kam denn Dr. Simon
auf die kühne Idee, hintere Wand und den Rest der vor-
deren Wand der Scheide mit einander zu vereinigen und
somit dem unwillkührlichen Abgang des Urins ein Ende zu
machen. In der That führte er diese Idee auch aus , in-
dem er die sich berühren sollenden Scheidenwände in
grossem Umfange anfrischte, durch viele Nähte, welche
theilweise Mastdarm und Urethra durchdrangen, vereinigte
und so eine quere Obliteration des Scheideneingangs er-
zielte. Es bestellt zur Zeit zwar noch eine äusserst feine
lange Fistel , welche ohue Zweifel , weil sie lang ist und
Scanzoni's Beiträge III. a <y
170
die Wände dos Fistelkanals sich berühren , durch eine
methodische Cauterisation noch ganz zum Verschluss kom-
men wird, im Wesentlichen ist aber die Frau als vollkommen
genesen zu betrachten, die Excoriationen an den äuseren
Genitalien und den Schenkeln, deren früheres Vorhanden-
sein man noch an der dunklen Figmentirung erkennt, sind
geheilt, der Urin kann durch den Sphincter der Urethra
zurückgehalten werden und fliesst nur in gewissen Lagen
tropfenweise durch die Fistel ab , die Menses werden wie
bei der ersten Kranken allmonatlich durch die Urethra
entleert und das Aussehen der Operirten ist ein wahrhaft
blühendes zu nennen. Dieser zweite Fall steht bisher, so
viel mir bekannt, einzig da, denn ich glaube nicht, dass
es bei einem so grossen Defecte der Blase bisher je einem
Chirurgen gelungen ist, durch irgend eine Methode eine nur
annähernde Heilung hervorzubringen. Man hat bisher einen
Fall dieser Art als vollkommen unheilbar betrachet und
ich erinnere mich auf der Frauenabtheilung des verstorbenen
Frofessors Chiari in Frag eine Kranke mit einem gleich
grossen Defecte der Blase gesehen zu haben, welcher man
als einzige Hülfe für ihre unsäglichen Leiden einen Schwamm
und ein Urinreceptaculum aus Cautchouc auf die Reise
mitgab und sie ihrem weiteren Schiksal überliess. Ver-
schliessung des Muttermundes bei Utero-Vesicalfisteln hat
Jobert das Verdienst zuerst gemacht zu haben, in Deutsch-
land ist aber gewiss Simon der erste, welcher diese Opera-
tion ausgeführt hat. Nach vollendeter Untersuchung der
2 Geheilten, welche meine volle Aufmerksamkeit in Anspruch
nahm, ging es nun zur Operation einer kürzlich im Spitale
aufgenommenen Kranken. Es war gegen 12 Uhr, als die
Kranke auf den Operationstisch kam und Nachmittags 4
Uhr wurde sie erst in ihr Bett transferiit. Schon daraus
lässt p ich entnehmen , welche ausserordentliche Schwierig-
keit die Operation bot. Die Fistel, kaum von der Grösse
einer Linse, la<r hoch oben in der linken seitlichen Ver-
171
längerung des Scheidengrundes. Es kostete schon einige
Mühe, sie von der Scheide aus zu entdecken und eine Sonde
durch sie in die Blase zu bringen, denn von dieser aus
gelang es weder mitSonde noch mit Katheter in die Scheide
zu dringen. Das Herabziehen des Uterus durch Einsetzen
Mus e u x'scher Zangen an die Vaginalportion gelang nicht,
denn der Uterus stand, vermutblich durch Adhäsionen in
Folge vorausgegangener Perimetritis so fe?t im Becken,
dass er nur um ein Geringes dem Zuge der Zangen folgte.
Somit musste man diesen Versuch aufgeben und Dr. Si-
mon suchte nun, nachdem ein Katheter in die Blase ge-
bracht war und ein abgeschnittenes Speculum in die Scheide,
welches leider etwas zu kurz war, die Fistelränder mit
starken scharfen Häckchen anzuziehen und theils mit dem
Jo b ert'schenFistelraesser, theüs mit einer Cooper'schen
Scheere anzufrischen. Ich brauche kaum zu erwähnen,
mit welch' ungeheuerer Schwierigkeit dies verbunden war,
zumal es Dr. Si mon 's Grundsatz ist, in möglichst grossem
Umfange, trichterförmig gegen die Blase zu und mit der
grossten Genauigkeit die narbigen Fistelränder zu excidi-
ren, um sich so eine Basis sich berührender wunder Flächen
zu verschaffen. Es gehört keine gewöhnliche Ausdauer
und Geduld dazu, um immer wieder von Neuem durch
Wechseln der Hände und Instrumente neue Anhaltspunkte
zu gewinnen und neuen Schwierigkeiten entgegen zu gehen.
Statt des Speculums mussten wiederholt ein oder zwei
Gorgerets eingebracht werden oder unsere Assistenten-Finger,
um die Scheidenwände zurückzuhalten, die scharfen Häck-
chen mussten mit M us eux 'sehen Zangen und Hacken-
pincetten vertauscht werden, die durch die Manipulationen
veränderte Lage der Kranken musste wieder hergestellt,
die Chloroformnarkose wegen beträchtlicher Struma der
Kranken sorgfältig überwacht und wiederholt ausgesetzt,
das das Sehfeld bedeckende Blut durch einen kräftigen
Strahl Wasser entfernt worden. — All' d;;s verzögerte die
12*
172
Operation so sehr, dass sie bereits an 4 Stunden gewährt
hatte, bevor noch ein einziger Faden eingelegt war. Nun
kam die Schwierigkeit des Faden-Einziehens , wozu sich
Dr. Simon theils des Jobert'shen Nadelhalters, theils krum-
mer feststehender Nadeln und starker Seidenfäden bediente.
Der erste Faden wurde ungefähr 2 — 3 Linien von dem
Rande der Fistel entfernt ein- und eben so weit auf der
andern Seite ausgestochen, den zweiten Faden, welcher an
den höchst- und seitlich gelegenen Punkt der Fistel an-
gelegt werden musste, gelang es trotz der grössten Mühe
nicht ordentlich zu placiren und es trat wahrscheinlich aus
einer angestochenen Arterie eine so beträchtliche Blutung
ein, dass von einem weiteren Näh-Versuche abgestanden
werden musste. Der erstere Faden wurde geknüpft und abwech-
selnd durch die Blase und die Scheide Injectionen mit kaltem
Wasser gemacht, bis die Blutung gestillt war. Die Kranke und
wir Alle waren zu sehr durch die lang dauernde Operation
erschöpft, als dass es nicht rathsam gewesen wäre , davon
für heute abzustehen. Sofort ward die Kranke in ihr Bett
transferirt und ein Katheter in die Blase eingelegt und durch
eine Bauchbinde bleibend befestigt. Der Verschlusss der
Fistel durch einen einzigen Faden war gleichwohl so
fest, dass am selben Abend und am andern Morgen vor
meiner Abreise kein Urin durch die Scheide abging. Ich
bedaure, dass ich die vielbesprochene und in neuester Zeit
von Dr. Kühles mit Unrecht für sich usurpirte Simon'-
sche Doppelnaht nicht in Anwendung haben bringen sehen,
aber ich freue mich , einer Operation assistirt zu haben,
welche nach Dr. Simon 's eigener Aussage die schwie-
rigste war, welche er je ausgeführt hat, einer Operation,
welche mir zeigte , welch' ungeheuere Ausdauer dazu ge-
hört, um nicht entmuthigt, rath- und thatlos zu werden.
vir.
Ein Beitrag zur Lehre von der Entstehung und Be-
deutung des Nabelschnur-Geräusches.
Von Dr. GREGOR SCHMITT,
Assistenten an der geburtshilflichen Klinik in Würzbnrg.
In der Monatsschrift für Geburtskunde v. Jahre 1854
(Bd. III. p. 198) machte Dr. Spöndli in Zürich neuer-
dings auf das sogenannte Nabelschnurgeräusch aufmerksam;
eine Erscheinung, die mehrfach discutirt, doch bezüglich
ihrer Entstehung und Bedeutung nicht endgültig erklärt
worden war.
Der Angabe Devilliers beistimmend (Union med.
Nr. 11, 1854), dass das Geräusch, wenn gleich sehr selten
vorkommend, doch praktisch nicht unwichtig sei, theile ich
nachstehend 5 Fälle von Nabelschnurgeräusch mit, die ich,
ein Beweis für das seltene Vorkommen dieses Phänomens,
in einem Zeiträume von H Jahren in unserer Anstalt
(unter circa 500 Geburtsfällen) zu beobachten Gelegenheit
hatte, wobei ich nicht unerwähnt lassen darf, dass bei
sämmtlichen Kreissenden in unserer Anstalt die Auscultation
der kindlichen Herztöne stets aufs Genaueste vorgenommen
wird.
1. Fall. Bei einer Zweitgebärenden stellte sich das
Kind in zweiter Schädellage zur Geburt. Die vonScan-
zoni während der Klinik vorgenommene Auscultation
der kindlichen Herztöne ergab ein blasendes Geräusch im
174
ersten und zweiten Moment anstatt der Herztöne, wess-
halb derselbe Umschlingung respect. Compression der
Nabelschnur vcrmuthete. Die Geburt verlief sehr rasch,
die vermuthetc Umschlingung der Nabelschnur um den
Hals des Kindes war nicht vorhanden. Das 6 Pfund
schwere, gut entwickelte Kind kam scheintodt zur Welt
und konnte trotz aller Wiederbelebungsversuche nicht zum
Leben gebracht werden. Die von Virchow vorgenommene
Sektion zeigte starke Hypertrophie des rechten
Ventrikels, Insufficienz derValvula mitralis et
tricuspidalis, sowie Auflagerung vieler hellrother gela-
tinöser Körnchen auf diesen beiden Klappen. Die arteriellen
Klappen waren normal, der rechte Vorhof und das Foramen
ovale aussergewöhnlich weit.
2. Fall. Gelegentlich der mit den klinischen Prak-
tikanten vorgenommenen Uebungen im Untersuchen der
Schwangern constatirte man beim Auscultiren des Unter-
leibes einer Drittgeschwängerten ein deutliches blasendes
Geräusch an der Stelle des ersten fötalen Herztones und
diagnosticirte , gestützt auf den vorhergehenden Fall,
entweder eine Mitral -Insufficienz oder Umschlingung
der Nabelschnur um den Hals des Kindes. Drei Tage
darauf meldete sich dieselbe Schwangere bei mir mit
Wehen ; ich vernahm das Geräusch noch eben so deutlich
wie früher und machte hierauf die eben anwesenden Prak-
tikanten aufmerksam. Die Geburt ging unverhältnissmässig
langsam von Statten , was mir die Annahme einer Um-
schlingung der Nabelschnur noch wahrscheinlicher machte.
In der That zeigte sich diese Verrauthung bestätigt: der
Nabelstrang war zweimal um den Hals des Kin-
des geschlungen und zwar so straff, dass die Com-
pression der Halsgefässe sich an dem cyanotisch gefärbten
Gesichte zu erkennen gab und ich mich genöthigt sah,
den Nabelstrang nach doppelter Unterbindung zu durch-
schneiden und das Kind zu extrahiren. Trotzdem verschied
175
dasselbe nach wenigen Atheinzügen. Die Nabelschnur war
23V Zoll lang und sehr dünn. Arn Herzen und besonders
an dessen Klappen liess sich trotz der genausten Unter-
suchung nichts Abnormes finden.
3. Fall. Bei einer Erstgebärenden mit ziemlich weitem
Becken hörte ich vor dem Blasensprunge die fötalen Herztöne
deutlich und rein. Die Blase borst sehr bald, während der
Muttermund kaum bis zur Grösse eines Kronenthalers eröffnet
war. Eine sogleich nach dem Blasensprunge vorgenommene
innere Untersuchung ergab den Vorfall einer Nabel-
schnurschlinge, auf welcher der vorliegende Kopf ziem-
lich fest auflag. Die gleichzeitig vorgenommene Auscultation
liess nun mit Bestimmtheit an der Stelle der fötalen Herz-
töne ein Geräusch vernehmen, das jedoch wieder ver-
schwand, als ich mittelst des Braun 'sehen Stäbchens die
vorgefallene Nabelschnurschlinge reponirt hatte. Theils um
auf die Erweiterung des Muttermundes einzuwirken, theils
um das fernere Vorfallen der Nabelschnur zu verhindern,
führte ich einen Blasen-Tampon bis hoch an den Mutter-
mund. Das mehr beregte Geräusch war durch etwa V*
Stunde nicht mehr zu hören. Mit dem Stärkerwerden der
Wehen jedoch zeigte sich auch wieder das Geräusch ; ich
entfernte den Tampon und fand, meiner Vermuthung ent-
sprechend , die Nabelschnur diesmal in mehren Schlingen
vorgefallen. Eine derselben reichte bis vor die äusseren
Genitalien und in derselben liess sich durch ein aufge-
setztes, mit sehr enger Mündung versehenes Stethoscop
dasselbe blasende Geräusch, wie vorher durch die Bauch-
decken, wahrnehmen. Während ich mich mit vergeblichen
Repositionsversuchen der Nabelschnur abmühte, trat der
Kopf unter einer kräftigen Wehe plötzlich durch das Becken
hindurch, das Kind kam scheiutodt zur Welt und verschied
nach wenigen Augenblicken. Die Sektion zeigte das Herz
und seine Klappen ganz normal. Der Nabelstrang war
sehr dünn und 33 Zoll lang.
176
4. Fall. Bei einer Drittgebärenden waren die fötalen
deutlich hörbaren Herztöne von einem starken blasenden
Geräusche begleitet, das bis zürn Austritt des lebenden
6 Pfund 3 Loth schweren Kindes vernehmbar blieb, jedoch
zeitweilig an Stärke zu- und abzunehmen schien. Die
(19 Zoll lange) Nabelschnur war nicht umschlungen, die
kindlichen Herztöne waren nach der Geburt ganz rein und
deutlich. Das Kind verliess nach 10 Tagen - lebend und
gesund die Anstalt.
5. Fall. Eine 21jährige Erstgeschwängerte kam mit
Wehen in die Anstalt, die etwa 3 Stunden vor ihrer Auf-
nahme begonnen hatten. Mein sie zuerst untersuchender Col-
lege Dr. J.B.Schmidt entdeckte bei der Auscultation des
Unterleibes das mehr beregte Blasen statt des ersten Tones
und stellte die Diagnose auf Umschlingung der Nabelschnur.
Die Geburt ging sehr langsam vor sich und ich konnte
mich durch mehrmalige im Verlaufe des Tages vorge-
nommene Untersuchungen überzeugen, dass dasselbe noch
immer im ausgesprochensten Maasse vorhanden war. Erst
nach 12 Stunden trat endlich der in 1. Lage befindliche
Kopf tiefer in's Becken und nun kam es mir vor , als ob
das Blasen weniger deutlich zu vernehmen wäre, was mög-
licherweise in der weiteren Entfernung der Compressions-
stelle von dem auscultirenden Ohre seine Erklärung finden
dürfte. Nach Verlauf einer weiteren Stunde trat endlich
der Kopf durch die Schamspalte und es fand sieb eine
straffe Umschlingung der schwach pulsirenden
Nabelschnur um den Hals des Kindes. Ich lockerte,
so viel es möglich war, die Schlinge und extrahirte rasch
das in augenscheinlicher Lebensgefahr befindliche Kind,
das denn auch scheintodt mit cyanotisch gefärbtem Ge-
sichte zur Welt kam und erst nach fast Vi stündlichen Be-
mühungen völlig zum Leben gebracht werden konnte.
Während ich diese Zeilen niederschreibe, am 3. Tage
nach der Geburt, befindet sich das 6 Pfund 18 Loth
177
schwere Kind vollkommen wohl und sind die Herztöne des-
selben deutlich und rein zu hören.
Die bisherigen Ansichten über die Entstehung
des fraglichen Geräusches waren bekanntlich getheilt.
Während Ki wisch z. B. die Umschlingungen der Nabel-
schnur als Entstehungsursache des Geräusches gänzlich
läugnet; Nägele, Spondli, Devilliers u. A. dasselbe
nur durch Umschlingung und resp. Compression des Nabel-
strangs hervorgerufen wissen wollen, ist wieder Mass-
mann (Monatsschrift f. Geburtskunde etc. Bd. IV Heft 2
p. 81) der Ansicht, es entstehe nur in Folge von Herz-
und resp. Klappenfehlern. Der Einwurf Kiwisch's und
SpÖndli's, das fragliche Geräusch könne desshalb nicht
von Umschlingungen herrühren , „weil der Sitz desselben
fast nie auf den Hals des Fötus falle", ist wohl schon um
desswillen von keinem Belange, weil erstlich die Lage des
Halses wohl nie ganz genau mit voller Sicherheit bestimmt
werden kann und weil zweitens die Entfernung des Nabel-
stranges (und somit des Geräusches selbst) vom Ohre des
Auscultirenden doch immer eine mehr minder bedeutende
ist, so dass die Schallschwingungen besonders durch das
dazwischenbefindliche Fruchtwasser, sowie durch die Be-
wegungen des Kindes Modificationen erleiden und somit
den Ort für das deutlichste Vernehmen des Geräusches
mehrfach verändern können.
Würdigt man die von mir mitgetheilten Fälle einer
näheren Betrachtung, so zeigt der Erste (ebenso wie der
von Massmann 1. c. erzählte) unwiderleglich, dass das
Geräusch durch Klappenfehler, in specie durch Insuffizienzen
derselben bedingt werden kann, während bei dem zweiten
und fünften Falle wohl auch nicht bestritten werden
wird, dass hier das Geräusch eine Folge der Umschling-
ung und Compression des Nabelstranges war.
W T enn Martin (Monatsschrift für Geburtskunde Bd. VII,
Heft 3 p. 179, 1856) bei 23 Fällen von „Fötalblasen*
178
nur 14 mal eine Urasohlingung der Nabelschnur, dagegen
bei 28 Umschlingungen kein Geräusch fand, so erklärt
sicli diess leicht daraus , dass erstlich das Geräusch nicht
blos in Folge von Umschlingung, sondern auch jeder andern
einfachen Compression des Nabelstrangs entstehen kann ;
sowie ferner daraus, dass, wie Martin selbst sagt, nicht jede
Umschlingung eine Compression des Nabelstranges veran-
lassen muss.
Der instructivste Fall ist jedenfalls der dritte, denn
er beweist uns, dass jedwede Compression des Nabel-
stranges, und dass hier eine solche vorliegt, ist bei dem Auf-
liegen des Kopfes auf demselben bei noch wenig eröffnetem
Muttermunde nicht zu läugnen, das Geräusch hervorrufen kann.
Es wird diese Behauptung um so wahrscheinlicher durch die
Wahrnehmung, dass das Geräusch nach gelungener Re-
position der vorgefallenen einfachen Nabelschnurschlinge,
i. e. nach Aufhebung der Compression derselben verschwand,
bis die Nabelschnur von Neuem in mehren Schlingen
vorgefallen und dadurch die Causa movens wieder gegeben
war. Gewiss mit Recht lassen sich auch die wahren
Knoten des Nabelstranges als Ursache des Geräusches
denken , so lange die durch sie veranlasste Compression
nicht eine so bedeutende ist, dass sie die Circulation gänz-
lich aufhebt. — Dass das Geräusch auch an der vor den
Genitalien liegenden Schlinge vernommen werden konnte,
ist meiner Ansicht nach eben nur ein Beweis dafür, dass
dasselbe nicht allein am Orte seiner Entstehung, sondern
auch entfernter und vielleicht hier nicht minder deutlich
wie dort wahrnehmbar ist; wenigstens war es mir nicht
möglich, eine Differenz in der Schallstärke des durch die
Bauchdecken und des am Nabelstrange selbst gehörten
Geräusches zu erkennen, eben so wenig, als es mir je ge-
lang, durch die Bauchdecken hindurch, wieSpöndli angibt
den Nabelstrang zu fühlen, oder wie Kennedy, durch be-
liebige Compression desselben das Geräusch hervorzu-
179
rufen, welches letztere übrigens, wenn das Erstere möglich
ist, sicher auch geschehen könnte. Ob nach Breit Ste-
nosen des Nabelstranges Ursache des Geräusches sein
können , darüber fehlen mir eigene Beobachtungen , doch
lässt sich auch dieser Grund — Unterbrechung des Blut-
stromes — als wahrscheinlich aufstellen.
Der vierte Fall ergibt allerdings nichts Positives,
als eben das gehörte Geräusch durch die Bauchdecken und
das Nichthörbarsein desselben am Herzen des geborenen
Kindes. — Ob hier der Nabelstrang über dem Rücken des
Kindes verlief und auf diese Weise oder irgendwie anders
comprimirt wurde, kann ich nicht entscheiden, doch möchte
jedenfalls eine Compression stattgehabt haben, deren Stärke
je nach der veränderten Lage des Kindes auch die Ver-
änderlichkeit in der Stärke des Geräusches erklärbar macht.
Wenn ich auch nicht so glücklich war , wie Professor
Martin in Jena, der unter 253 Geburten das fragliche
Geräusch 23 mal entdeckte, so glaube ich doch durch die
Veröffentlichung meiner wenigen Fälle einen nicht unwesent-
lichen Beitrag zur Feststellung der Entstehungsursache des
beregten Phänomens geliefert uud (übereinstimmend mit
Martin) nachgewiesen zu haben, dass dasselbe entstehen
kann :
a) durch Klappenfehler,
b) durch Umschlingungen der Nabelschnur um den
Hals des Kindes,
c) durch anderweite, von der Lage des Kindes ab-
hängige Compressionen des Nabelstrangs.
Was die praktische Bedeutung des Nabelschnur-
Geräusches betrifft, so glaube ich Martin widersprechen
zu müssen , wenn er dieselbe als unwichtig betrachtet.
Wenn auch, wie oben erwähnt, das Geräusch durch unbe-
deutende Compressionen veranlasst werden und hier nur
von untergeordnetem Werthe sein kann , so ist auf der
180
anderen Seite auch gewiss , dass in der Regel ernsthaftere
Zustande dasselbe bedingen — ich nenne hier wiederholt
die 14 Umschlingungen, welche Martin unter 28 Geburts-
Fällen mit vorhandenem Geräusche beobachtete — und
dass gerade diese Zustände für die dem Kinde zu stellende
Prognose von nicht zu übersehendem Einflüsse sind.
Der Geburtshelfer weiss wenigstens, dass der Fötus bei
vorhandenem Geräusche in wahrscheinlicher Lebensgefahr
sich befindet und wird darnach sein Handeln einzurichten
bemüht sein.
VIII.
Ein Todesfall, hervorgerufen durch das Einströmen
ton Kohlensäure in die Uterushöhle.
Von Dr. v. SCAXZOM.
Nachdem die Kohlensäure in neuester Zeit theils als
ein locales Anaestheticum, theils als ein die Muskelthätig-
keit der weiblichen Genitalien anregendes Mittel empfohlen
und auch in Anwendung gezogen wurde, halte ich es für
meine Pflicht, einen Fall bekannt zu machen , den ich im
Laufe des letzten Frühjahrs zu beobachten Gelegenheit
hatte, einen Fall, der das Interesse des ärztlichen Publi-
kums um so mehr in Anspruch nehmen dürfte , als er
meines Wissens bis jetzt einzig in seiner Art dasteht.
A. W., 30 Jahre alt, vom 14. Lebensjahre an stets regel-
mässig menstruirt, verheirathete sich in ihrem 26. Lebens-
jahre, concipirte bald darauf und gebar im Mai 1854 nach
einer aussergewöhnlich schmerzvollen und länger dauernden
Geburtsarbeit ein gesundes Mädchen. Während der Schwan-
gerschaft war sie durch die gefährliche Erkrankung ihrer
Mutter durch längere Zeit in hohem Grade beunruhigt,
welche Gemüthsbewegnngen sich noch höher steigerten,
als A. W., einige Wochen nach ihrer Entbindung in das
elterliche Haus zurückkehrend, die einstweilen verschiedene,
innigst geliebte Mutter nicht mehr vorfand. Die Kunde
von diesem Verluste wirkte im höchsten Grade erschütternd
auf die Wöchnerin, auf eine auffallende geistige und körpei-
182
liehe Depression folgte bald eine psychische Aufregung,
welche Anfangs December (sechs Monate nach der Ent-
bindung) in eine vollständige Manie ausartete, so dass
die Kranke am 13. Dezember 1854 in die Irrenanstalt
zu Erlangen abgegeben werden musste. Daselbst ver-
weigerte sie im Anfange ihres Aufenthalts die Annahme
jeder Nahrung und musste mittelst eines Schlundrohres
ernährt werden, wobei sie körperlich immer schwächerund
elender wurde, welcher Zustand seinen höchsten Grad er-
reichte, als sich später sphacelÖse Entzündung der äus-
seren Genitalien und einer Ohrmuschel einstellte; erstere
hatte eine Mastdarmscheidenfistel zur Folge, welche indess
auf operativem Wege vollkommen geheilt ward.
Der einsichtsvollen Behandlung des Direktors der An-
stalt, Dr. Solbrig, gelang nach und nach die psychische
Heilung der Kranken bis zu dem Grade, dass sie im Mai
1856 die Führung ihrer häuslichen Geschäfte wieder über-
nehmen konnte. Die Ernährung des Körpers ging wieder
regelmässig von Statten, und A. W. hätte als vollkommen
genesen betrachtet w r erden können, wenn sie nicht an voll-
ständiger, seit ihrer Schwangerschaft fortbestehender Ame-
norrhoe gelitten hätte. Wiederholt sprach sie die Be-
hauptung aus : „Die in Erlangen überstandene Krankheit
habe ihre Geschlechtstheile verdorben und missstaltet, so
dass der Eintritt der Periode und einer nochmaligen Em-
pfängniss unmöglich sei." Indess schon im Juni 1856
traten die Menses wieder ein und kehrten, wenn auch
stets spärlicher werdend, in den darauf folgenden 4 Mona-
ten wieder. Da sie bei sonst vollkommenem Wohlbefinden
im Monate November nicht eintraten , vermuthetete man
eine Schwangerschaft, welche indess von der Kranken mit
der vollsten Bestimmtheit in Abrede gestellt wurde. Ende
Februar 1857 klagte sie über heftige Schmerzen in den
Kreuz- und den beiden Inquinalgegenden und über das
Heraustreten einer Geschwulst aus den Geschlechtstheilen,
183
welche beim Gehen und Stehen sehr peinlich werde, bei
länger dauernder horizontaler Rückenlage wieder zurücktrete.
Anfangs März wurde ich zum ersten Male von dem
behandelnden Arzte consultirt und war mein erster Ge-
danke, dass ich es mit einer Schwangerschaft zu thun habe,
indess weder die Untersuchung der Brüste, noch jene des
Unterleibs bestätigte meine Vermuthung, namentlich muss
ich hervorheben, dass ich in der Regio hypogastrica auch
nicht die geringste Spur einer vergrößerten Gebärmutter,
weder durch die Palpitation noch durch die Percussion ent-
decken konnte. Da übrigens nur die 4monatliche Ameno-
rhoe als einziges Zeichen der Gravidität vorhanden war
und für dies Symptom in dem gleich zu beschreibenden Ver-
halten der Genitalien ein Erklärungsgrund gefunden wurde,
die Kranke noch dazu die Möglichkeit einer Schwanger-
schaft mit vollster Bestimmtheit in Abrede stellte, so wird
man sich nicht wundern, wenn auch ich irre geleitet wurde.
— Was nun die Genitalien anbelangt, so fand ich folgen-
des Verhalten: Vor der Schamspalte lag eine kleinapfel-
grosse. blaurothe , vielfach zerklüftete, bei der Berührung
unschmerzhafte Geschwulst . in deren Mitte sich eine
OefTnung zeigte, in welche der Zeigefinger mit Leichtigkeit
eindrang. Derselbe gelangte in einen mehr als 3 ZU
langen unten weiteren , oben enger werdenden Canal,
welcher als die beträchtlich verlängerte Cervicalhöhle ge-
deutet werden rausste. Bei der Untersuchung des Vaginal-
kanals fand ich diesen ansehnlich erweitert, eher verlängert
als verkürzt und durch das in normaler Höhe stehende
Scheidengewölbe konnte ich eine etwas vermehrte Resis-
tenz entdecken. In die Vagina reichte eine etwa 4 Zoll
lange, \^ Zoll dicke, massig harte Geschwulst, welche bis
vor die äusseren Genitalien herabtrat und hier den oben
beschriebenen blaurothen Tumor bildete.
Nach dem oben beschriebenen Befunde musste ich das
vorliegende Leiden für eine sehr bedeutende Iiypertrophie
184
des Cervix uteri halten und sprach dem behandelnden
Arzte gegenüber meine Ueberzeugung dahin aus, dass bei
einem so hohen Grade des fraglichen Leidens wol nur von
einem operativen Eingriffe etwas zu erwarten sei. Da indess
keine Gefahr im Verzuge war, so ging ich auf den Vor-
schlag meines Collegen ein und liess täglich des Abends
eine Lösung von Jodkali in Glycerin mittelst eines Schwam-
mes in die Vagina einschieben und nebstdem täglich zwei-
mal ein mit Kreuznacher-Salz versetztes Sitzbad ge-
brauchen.
Während der Anwendung dieser Mittel vergrösserte
sich die Geschwulst zusehends ; sie ragte etwa 3 Zoll aus
den äusseren Geschlechtsteilen und bildete hier einen
beinahe faustgrossen, blaurothen, schlaffen Tumor, dessen
äussere Fläche auffallende Aehnlichkeit mit der inneren
des Herzens darbot. Dabei steigerten sich die Schmerzen
von Tag zu Tag , die Kräfte der Kranken sanken und
auch ihr Aussehen beurkundete die Steigerung des Uebels.
Es wurde unter diesen Umständen die operative Entfernung
des hypertrophischen Theils der Gebärmutter beschlossen,
indess glaubte der behandelnde Arzt zur Verhütung der
bei der Amputation der Vaginalportion häufig auftretenden
profusen Blutung zuvor noch ein Mittel anwenden zu dür-
fen, welches nach seiner Ansicht eine Veringerung der Lumina
der Gefässe herbeiführen konnte. Er machte desshalb den
Vorschlag, durch einige Tage Kohlensäure in den Cervical-
Kanal einströmen zu lassen und obgleich ich mir von der
Anwendung dieses Mittels keineswegs einen besonderen
Erfolg versprach, so war ich doch wegen des eigenthüm-
lichen Verhältnisses , in welchem mein Collega zur Kran-
ken stand , nicht gegen die Anwendung. Eine mit einer
durch einen Hahn schliessbaren Kanüle versehene Schweins-
blase wurde mit Kohlensäure gefüllt und diese letztere am
10. April Abends 4.^ Uhr mittels eines elastischen Schlau-
ches zum erstenmal in die weit klaffende Cervicalhöhle
185
eingeleitet, wobei, wie mich mein College versicherte , ein
nur massiger Druck auf die, die Kohlensäure enthaltende
Blase ausgeführt wurde. Aber kaum mochten zwei bis
drei Kubikzoll Kohlensäure in den Cervix uteri eingetreten
sein, so schrie die Kranke laut auf und die Worte: „es
tritt mir Luft in den Unterleib, in den Kopf, in den Hals,"
waren die letzten, die sie sprach ; denn alsogleich erfolgte
ein sehr heftiger allgemeiner Starrkrampf, die sehr er-
schwerte Respiration wurde rasselnd, der Puls kleiner, be-
schleunigter, die Extremitäten kalt und trotz aller von
mehreren herbeigerufenen Aerzten vorgenommenen Be-
lebungs-Versuche erfolgte 1J Stunden nach der Vornahme
der oben erwähnten Manipulation der Tod. —
Bei der am 2. Tage später vorgenommenen Section
liess sich ausser einem hochgradigen Lungen-Oedem keine
weitere Todesursache ermitteln; indess zeigte sich, dass
eine Schwangerschaft vorhanden war, welche bereits deu
4. Monat erreicht hatte, der Diagnose aber wegen des
ganz eigentümlichen Verhaltens der Gebärmutter nicht
wohl zugänglich war. Es zeigte sich nämlich die Wand
des Gebärmutterkörpers so dünn, dass sie die Dicke eines
Kartenpapiers nur wenig überstieg und bei der Eröffnung
der Bauchhöhle die Gegenwart einer kindskopfgrossen , mit
Wasser gefüllten , schlotternden Cyste vortäuschte. Es
schien sich in diesem Falle die der Schwangerschaft zu-
kommende Massenzunahme des Uterus in einer ganz eigen-
thümlichen Weise blos auf den Halstheil des Organes be-
schränkt und so die enorme Hypertrophie, die ich oben zu
beschreiben Gelegenheit hatte, herbeigeführt zu haben. Es
bot zwar nach dem Tode die erwähnte Geschwulst bei
weitem nicht mehr die Dimensionen dar, wie sie sich
während des Lebens der Kranken zeigten , dennoch aber
betrug die Entfernung zwischen dem äusseren und inneren
Muttermunde 3i Zoll. Das Ei war vollkommen unver-
letzt, leider aber liess sich bei der Schlaffheit desselben sowohl
Scanzoui's Beiträge Ilf. 13
186
als auch der Gebärmutterwand nicht mit Sicherheit ent-
nehmen , ob die bei der Eröffnung der Uterus-Höhle vor-
iindliche Lostrennung des Eies von der inneren Fläche des
Uterus schon vor dem Tode bestand, oder erst bei der
Herausnahme des Präparates aus der Leiche bewerkstelligt
wurde.
Nach dem ganzen Hergänge lässt sich wol nicht be-
zweifeln, dass das Einströmen der Kohlensäure in den weit
geöffneten Cervicalkanal als Todesursache gewirkt hat;
leider aber lässt sich die nächste Wirkung des kohlensauren
Gases wol nicht mit Sicherheit ermitteln. Das von meh-
reren der bei dem Tode gegenwärtigen Aerzte angenom-
mene Einströmen des Gases in die Bauchhöhle lässt sich
desshalb als Todesursache nicht wol vertreten, weil eines-
teils das Uterinal-Ende der Tuba durch das in der Gebär-
mutterhöhle befindliche Ei dem Gase nur sehr schwer zu-
gängig war und weil anderestheils der Austritt des kohlen-
sauren Gases in die Bauchhöhle wol eine Peritonitis, nicht
aber einen so plötzlichen Tod, wie er hier beobachtet
wurde, herbeizuführen im Stande ist. Nach meiner An-
sicht bleiben nur zwei Erklärungsweisen dieses letzteren;
entweder muss man annehmen — und diess ist mir das
Wahrscheinlichere — dass das Gas in eines der grösseren
Uterinal-Gefässe eindrang und so in der bei chirurgischen
Operationen schon öfter beobachteten Weise den Tod
herbeiführte , oder wir hatten es mit einer wirklichen
Intoxikation zu thun. Ich verhehle mir nicht, dass beide
diese Hypothesen einige Angriffspunkte darbieten; so
lässt sich gegen die erstere einwenden, dass bei der Sec-
tion nirgends, weder im Cervix, noch im Körper des Ute-
rus ein verletztes, klaffendes, der Kohlensäure den Eintritt
gestattendes Gefäss gefunden wuirde ; auch ist nicht zu
übersehen , dass der Tod erst 1£ Stunden nach der von
meinem Collegen vorgenommenen Manipulation erfolgte,
während in jenen Fällen, wo der Lufteintritt in die Blut-
187
gefässe als Ursache des Todes wirkte, dieser letztere meist
sehr rasch , in wenigen Augenblicken eintrat. — Gegen
die Annahme einer wirklichen Intoxikation spricht vor Al-
lem die Erfahrung, dass verhältnissmässig sehr grosse
Mengen von Kohlensäure auf dem Wege der Digestion
und Respiration mit dem Blute in Berührung kommen
können, ohne Vergiftungs-Erscheinungen hervorzurufen;
und namentlich ist nicht zu übersehen , dass bereits in
zahlreichen Fällen das erwähnte Gas durch lange Zeit in
die Vagina eingeleitet wurde, ohne auch nur das Geringste
gefahrdrohende Symptom hervorzurufen.
Jedenfalls ist die mitgetheilte Beobachtung geeignet,
den praktischen Arzt zur grössten Vorsicht bei etwaigen,
mit dem fraglichen Gase vorzunehmenden Experimenten
aufzufordern, indem der oben beschriebene Fall hinreichend
zeigt, dass uns die Art und Weise , wie die Kohlensäure
ihren deletären Einfluss zu äussern vermag , noch keines-
wegs nach allen Seiten hin bekannt ist.
13*
IX.
Kurze Schilderung des grossen kaiserlichen Erziehungs-
Hauses in Moskau.
Von Dr. v. SCAXZOXI.
"Während meines Aufenthaltes in Russland hatte ich
auch das seltene Glück, das grosse kaiserliche Erziehungs-
Haus in Moskau zu besuchen und einen , wenn auch nur
kurzen Blick in die Einrichtungen dieser einzig in der Welt
dastehenden Anstalt zu thun. Herr Staatsrath v. Blumen-
thal, der ärztliche Vorstand des Instituts, hatte die be-
sondere Güte, mich in den weiten Räumen des eine kleine
Stadt bildenden Gebäudes zu begleiten und mir mit wahr-
haft collegialer Freundschaft die gewünschten Aufschlüsse
zu geben. So sehr ich ihm hiefür zum innigsten Danke
verpflichtet bin , welchen ich ihm hiemit auch öffentlich
ausspreche, so wäre es mir bei der Kürze meines Aufent-
haltes in der Anstalt doch nicht möglich gewesen, vor-
liegende Skizze einer Beschreibung derselben zu veröffent-
lichen, wenn mir nicht durch die Freundlichkeit des Herrn
Staatsraths v. Richter ein offizieller Bericht*) über dies
Institut zu Händen gekommen wäre, der mir das wichtigste
Material für nachstehende Arbeit lieferte.
Wenn desshalb letztere auch keinen Anspruch auf
Originalität machen kann, so glaube ich der ärztlichen
') Coup d'oeil goneral sur la maison imperiale d'^ducation ä
Moscou. 1856.
189
Lesewelt durch ihre Veröffentlichung doch einen Dienst
erwiesen zu haben , da meines Wissens die Verhältnisse
des in Frage stehenden Instituts ausserhalb Russlands nur
sehr Wenigen näher bekannt sind.
A. Geschichtliche Notizen.
Die Anstalt wurde am 1. September 1763 von der
Kaiserin Catharina der Zweiten hehufs der Aufnahme
von Findlingen beiderlei Geschlechts eröffnet und verdankt ihre
ursprüngliche Organisation dem bekannten Menschenfreunde
Betskoi, dessen Name immer wieder genannt werden
muss, wo es sich in dem weiten Reiche um Wohlthätig-
keits- und Erziehungs-Anstalten handelt. Bald ward dem
Findelhause eine für arme Frauen bestimmte Gebäranstalt
beigesellt; doch nahmen diese zwei mit einander vereinigten
Institute den Staatsschatz so sehr in Anspruch, dass , un-
geachtet der reichen, durch die Stifterin und den Thron-
folger aufgebrachten Fonds, bald an den Wohlthätigkeits-
sinn der Privaten appellirt werden musste, worauf die
Spenden von den verschiedensten Seiten so reichlich flössen,
dass die gegenwärtige Grösse und der unermessliche Reich-
thum der Anstalt zunächst wohl als die schöne Frucht des
in Russland so häufigen, der grössten Opfer fähigen Wohl-
thätigkeits- und Gemeinsinns betrachtet werden kann. Unter
diesen Wohlthätern des Erziehungshauses steht die Familie
Demidoff oben an, an sie reihen sich die Fürsten Kan-
temir, Kourakine und SchakhofskoY, die Prinzessin Anastasia
von Hessen-Homburg, die Fürstin Galitsine, die Fräuleins
Kachkadamoff und Che're'inetieff, der Bauer Se'ze'moff, der
Erzbischof Ambrosius, der Archimandrite Baranovitsch, der
Baron Borodin und der Kaufmann Chtchouroff. Die Anstalt
ehrt die Verdienste dieser ihrer vorzüglichsten Wohlthäter
theils dadurch, dass sie die Namen derselben ihren Pfleglingen
190
ertheilt, theils dadurch , dass sie die Bildnisse derselben
in der Gallerie des Hauses für die Nachwelt aufbewahrt.
Später wurde eiue vom Institute selbst gegründete
Depositenkasse, ein Pfandhaus und eine Wittwenkasse die
Quelle unerschöpflicher Reichthümer, welche nicht blos für
die Zwecke des Erziehungshauses, sondern auch für die
Unterstützung anderer verwandter Anstalten im übrigen
Russland ausgebeutet werden.
Der ursprüngliche Bauplan gränzte an das Riesen-
hafte; man beabsichtigte nämlich den Bau zweier unge-
heurer, quadratischer Häuser von 5 Stockwerken Höhe mit
mehreren Höfen in ihrem Inneren, welche durch ein eben-
falls 5 Stockwerke hohes, für die Wohnungen der Beamten
etc. bestimmtes Mittelgebäude mit einander verbunden
werden sollten, und diese 3 immensen Gebäude sollten mit
den dazu gehörigen Gärten von einem ringsherum laufenden
3 stöckigen Hause eingeschlossen werden. Bald aber über-
zeugte man sich davon, dass die projektirte Zusammen-
häufung vieler Tausender von Ammen und Säuglingen
gesundheitswidrig werden müsse; man entschloss sich, die
Säuglinge an auf dem Lande lebende Frauen abzugeben,
und so ward der ursprüngliche Bauplan in so weit aufge-
geben, dass man einzig und allein mit den von Demidoff
vorgestreckten Geldmitteln eines der oben erwähnten, fünf-
stöckigen Carres, das mittlere Wohngebäude und einen
Theil der Urafassungshäuscr aufbaute (1768 — 1788). Im
Jahre 1788 fand die feierliche Einweihung der beinahe in
der Mitte des Instituts liegenden Kirche durch den Metro-
politen Piaton statt; die Aufnahme der Findlinge und
schwangeren Frauen erfolgte aber schon vor der Ausführung
der erwähnten Bauten am 21. April 1764, dem Geburts-
tage der Kaiserin Katharina II. Es wurde zum Andenken
an den für ganz Russland so wichtigen Tag eine Medaille
geprägt und noch gegenwärtig fliessen dem Institute am
21. April eines jeden Jahres gleichsam zur Erinnerung an
191
die Eröffnung desselben, neue, reiche Spenden aus allen
Theilen des weiteu Reiches zu.
Die Direktion der Anstalt wurde zuerst an Betskoi
übergeben, von welchem, wie bereits ermähnt, der Entwurf
zur Gründung des ganzen Instituts herrührt. Er behielt
die Direktion bis zu seinem im Jahre 1796 erfolgten Tode.
Im Jahre 1797 ging die Curatel durch einen Beschluss des
Kaisers Paul auf dessen Gemahlin, die Kaiserin Maria
Feodorowna über, mit welchem Wechsel die glänzendste
Epoche des Etablissements eintrat; eine Epoche, die durch
eine Unzahl von Verbesserungen in allen Zweigen der
Verwaltung des Instituts bezeichnet ist. Kaiser Nikolaus
übergab die Curatel seiner Gattin, der Kaiserin Alexan-
dra Feodorowna, unter deren Schutze das Institut
bis zum heutigen Tage steht.
Bei seiner Gründung war das Haus nur zur Aufnahme
von Findlingen bestimmt, welche, nachdem sie ein gewisses
Alter erreicht hatten . vollkommen frei irgend einen der
städtischen Erwerbszweige wählen konnten: man Lieh zu
diesem Zwecke Lehrer für alle Handwerke und führte selbst
eigene Fabriken einzig und allein behufs des Unterrichts
der Pfleglinge ein. — Unter der Kaiserin Maria wurden
die Pfleglinge in 3 Klassen eingetheilt: die erste Klasse,
welche ihre Erziehung auf dem Lande genossen hatte,
ward für die Agricultur bestimmt : die derselben ange-
hörenden Pfleglinge erhielten Plätze auf den Krondomänea
und später auf den dem Institute selbst gehörenden Colc-
nieen, unter welchen jene im Gouvernement SaratofT zu
einer ungewöhnlichen Blüthe stieg und später zur Kron-
domäne erhoben wurde. Die zweite Klasse umfasste jene
Kinder, welche theils innerhalb der Anstalt, theils bei
städtischen Werkmeistern ihren Unterricht genossen und zu
Handwerkern gebildet wurden; ein Theil von ihnen wurde
zu Gärtnern , Förstern . Wundärzten gebildet und etwas
später ward unter der Oberaufsicht des Instituts eine eigene
192
Schule für Künste und Gewerbe errichtet , ja sogar eine
Lehranstalt für praktische Chirurgie eröffnet. Die dieser
Kategorie angehörenden Mädchen erhielten Unterricht in
den feineren weiblichen Arbeiten, und die Kaiserin zeich-
nete dieselbe dadurch aus, dass sie zahlreiche Bestellungen
für sich und ihren Hof machte, und nie andere als in der
Anstalt gestrickte Strümpfe trug. Die dritte Klasse wurde
aus den intelligentesten Pfleglingen beider Geschlechter ge-
wählt; die Knaben wurden, nachdem sie die nöthige Aus-
bildung in der Anstalt genossen hatten, Privatlehrer, Ange-
stellte in Bureaux, Beamte der Anstalt selbst und die
talentvollsten wurden der Universität oder chirurgischen
Akademie zur weiteren BilduDg übergeben. Die Mädchen
gingen als Gouvernanten in Privatdienste über und die
Krone legte ihnen keine weitere Verpflichtung auf, als
dass sie sich durch 6 Jahre der Ertheilung des Privat-
unterrichtes widmen mussten.
Ein Ukas vom 25. Juni 1837 führte eine neue Phase
für die Anstalt herbei. Kaiser Nikolaus, besorgt um
das Schicksal jener Waisen , deren Väter im Civil- oder
Militärdienste gestanden hatten, befahl, dass alle Findlinge
ohne Ausnahme auf dem Lande erzogen wurden, um nach
Erreichung eines gewissen Alters entweder Kronbauern oder
Pfleglinge verschiedener Institute zu werden, unter welchen
letztern namentlich die Kunst- und Gewerbschule , die
Lehranstalt für praktische Chirurgie und die Horticultur-
schule zu Moskau genannt zu werden verdienen. Die von
der Kaiserin Marie gegründeten Klassen wurden in grosse
Institute umgewandelt, bestimmt für die Waisen eines be-
stimmten Rangs , welche daselbst eine sehr sorgfältige
höhere Bildung erhielten und hiemit die Verpflichtung ein-
gingen , dass die Knaben kaiserliche Civildienste nahmen,
und die Mädchen sich als Gouvernanten verdingten. Von
dieser Einrichtung her schreibt sich der Name „Erziehungs-
Haus" , welcher häufiger gebraucht wird als jener des
193
Findelhauses. Im Jahre 1847 wurden die Knaben des
Erziehungshauses an das Alexander-Institut abgegeben,
welches später das Corps der weissen Cadetten wurde ;
und die Mädchen des Alexander-Instituts traten in das
Erziehungshaus über, welches letztere von jener Zeit an
700 weibliche Waisen beherbergt. Unter der Regierung
des jetzigen Kaisers erhielt die Waisen-Anstalt den Namen
des „Nikolaus-Instituts".
Die dem Etablissement bei seiner Gründung beige-
gebene Ammen- Anstalt wurde durch die verschiedenen
oben erwähnten Veränderungen nicht im Wesentlichen be-
rührt; sie dehnte blos den Kreis ihrer Wohlthätigkeit
weiter aus. Ausser den Findlingen wurden auch eheliche
Kinder, deren Mütter einer Krankheit oder anderen Ur-
sache wegen nicht stillen konnten, in das Institut aufge-
nommen und in besonderen Sälen verpflegt. Sind die
Eltern am Leben, so bleiben diese Pfleglinge ein Jahr im
Hause; sind erstere todt, so übernimmt die Anstalt die
Kinder auf 4 Jahre, um sie, nachdem ihnen alle ihrem
Alter zukommende physische und moralische Pflege zu
Theil ward, dem sog. Kinderhause, einer Filial-Anstalt der
uns beschäftigenden, zu übergeben. Von hier aus kommen die
Knaben entweder in eiu Cadetten-Corps oder in ein Gym-
nasium ; die Mädchen mit 9 — 10 Jahren in das Nikolaus-
Institut.
Das mit dem Erziehungshause verbundene Gebärhaus
erhielt ebenfalls eine ununterbrochene Vergrößerung. Die
Kaiserin Marie gründete im Jahre 1805 besondere Säle
für verheirathete Frauen ; i. J. 1800 eine Hebammen-
Schule, deren Schülerinnen einen dreijährigen theoretisch-
praktischen Unterricht im Gebärhause erhalten, nebstbei
im Impfen und in der Pflege der kleinen Kinder unter-
richtet werden, worauf sie eine Stelle im Innern des Reiches
erhalten , welche sie im Laufe von 6 Jahren nicht ver-
lassen dürfen.
194
Die Wohlthätigkeit der Anstalt bleibt jedoch nicht
innerhalb der ihr durch ihre Statuten gezogenen Gränzen.
So eröffnete sie in den Jahren 1770 und 1771 , zur Zeit
wo die Pest Moskau verheerte, ein Asyl für die Waisen
im ersten Kindesalter und Bezkoi liess in 100U0 Exem-
plaren auf Kosten des Instituts ein Werkchen vertheilen,
welches, indem es einige Präservativ- Mittel gegen die
Pest bekannt machte , nicht wenig zur Beruhigung und
psychischen Erhebung des Volkes beitrug. Im Jahre 1812,
während der Besetzung Moskau's durch Napoleon , nahm
die Anstalt eine grosse Zahl ausländischer Kinder auf und
liess alle Waisen der während des Brandes zu Grunde
gegangenen Mütter zu.
Im Jahre 1830 leistete das Erziehungshaus eine be-
trächtliche Beisteuer zur Gründung eines durch die Cho-
lera nöthig gewordenen Waisenhauses und im Jahre 1848
nahm es eine grosse Anzahl von Waisen auf, deren Müt-
ter an der Cholera erlegen waren und vertheilte sie hie-
rauf gleichsam als Pensionäre des Institutes an verschie-
dene Versorgungs-Lehr- Anstalten.
B. Gegenwärtiger Zustand desselben.
1. Das Nikolaus-Waisen- Institut.
Dieses Institut nimmt den grössten und schönsten
Theil der Gebäude ein ; nämlich das ganze vierte , das
ganze dritte und drei Viertheile des zweiten Stockwerkes.
Es zählt 650 junge Mädchen als Pfleglinge der Regierung
und 50 Zahlende. Zählt man hiezu noch die Pensionäre
der kaiserlichen Familie und verschiedene andere Wohl-
thätigkeits-Institute, so erhält man die Ziffer von beiläufig
800 jungen Mädchen , welche im Hause ihren Unterricht
geniessen. Dieser dauert für Alle 6 Jahre, doch ist er
verschieden nach den Fähigkeiten, welche die Schülerin an
195
den Tag legt. Man unterscheidet drei Klassen: 1) die
Gouvernanten, Kanditatinnen genannt, welchen dieUniversität
ein Zeugniss ausstellt, dass sie zur Ertheilung des Unter-
richtes an Madchen in allen seinen verschiedenen Theilen
geeignet sind; 2) die einfachen Lehrerinen, welche nur
ein Zeugniss vom Gymnasium und geringere Rechte erhal-
ten ; 3) gewöhnliche Bonnen, ebenfalls mit einem Zeugnisse
vom Gymnasium ausgestattet, welches ihnen blos das
Recht zur Ertheilung des Priiuär-Unterrichts ertheilt.
Die Verwaltung des Erziehungshauses übernimmt die
Sorge , den Pfleglingen nach Beendigung des Unterrichts
eine Stelle zu verschaffen, beschützt sie in allen Lagen
ihres Lebens und öffnet ihnen sogar wieder im Falle einer
Brodlosigkeit die Thore der Anstalt, wo sie solange kosten-
freie Aufnahme finden, bis ihnen neuerdings eine geeignete
Stelle verschafft werden kann.
//. Ammen- Anstalt.
Die Aufnahme und Vertheilung der Säuglinge geschieht
hier in folgender Weise: Findlinge unter einem Jahre wer-
den zu jeder Stunde des Tages und der Nacht in einem
eigens hierzu bestimmten Saale aufgenommen , wobei
einfach nur darnach gefragt wird, ob das Kind getauft ist,
und ob es nicht von einem Soldaten oder einem Kron-
bauern abstammt, in welch' letzterem Falle es in ein an-
deres Institut abgegeben wird. Jedes so aufgenommene
Kind wird , nachdem es gereinigt und von einem Arzte
untersucht ist, bis zum darauffolgendeu Tage in einem
provisoricheu Ammensaale bewahrt; des darauffolgenden
Tages- wird es neuerdings von dem dirigirenden Arzte un-
tersucht, einer bestimmten Amme tibergeben und unmittel-
bar darauf geimpft. Die Impfung geschieht theils von den
Hebammen-Schülerinen, theils von den Schülern der prak-
tischen Chirurgie, unter Aufsicht eines Instituts-Arztes.
196
In den Ammcnsälcn werden die gesunden Kinder von
den kranken getrennt und Erstere , wenn sie den Vaccina-
tions-Prozess überstanden haben und kräftiger geworden
sind, an Frauen vom Lande abgegeben. Nie ist Mangel
an einer zureichenden Anzahl gesunder, kräftiger Ammen,
deren Milch mehrmals von einem Arzte untersucht wird.
Jede Amme hat in der Regel nur einen Säugling; nur in
äusserst seltenen Fällen der Noth hat ein Weib zwei Kin-
der zu stillen, was jedoch immer nur kurze Zeit geschieht
und für die Amme eine bedeutende Aufbesserung in der
Nahrung und Bezahlung zur Folge hat. Um Ammen her-
beizuziehen , gibt man ihnen eine Remuneration, welche
zur Zeit dringender Feldarbeiten oder bei erschwerten
Communikationswegen auf das Doppelte erhöht wird. —
Die Ammen zerfallen in zwei Klassen : .in fest aufgenom-
mene , welche sich für ein ganzes oder ein halbes Jahr
oder für ein Monat verdingen und monatsweise gezahlt
werden ; ferner in provisorische Ammen, welche nur Tag-
gelder erhalten. Die ersteren sowohl wie die Letzteren
erhalten eine zureichende Nahrung, trinken ein leichtes
Bier oder Kvass , erhalten eine hübsche und bequeme
Kleidung vom Mause und ebenso wird durch den häufigen
Wechsel der Wäsche und durch allwöchentliches Baden
für ihre Reinlichkeit gesorgt. Die Ammen sind durchaus
nicht mit Arbeit überhäuft, indem sie nur. für die Reinhalt-
ung der Säle und für die Ausbesserung ihrer eigenen, so-
wie der Kinderwäsche zu sorgen haben. In den äusserst
seltenen Fällen, wo, ungeachtet aller Vorsicht, eine Krank-
heit von dem Säuglinge auf die Amme übergeht, wird
letztere an eines der Stadtspitäler abgegeben , wo sie bis
zu ihrer Heilung bleibt , und bei dem Austritte gerade so
bezahlt wird , als wenn sie die ganze Zeit hindurch Am-
mendienste geleistet hätte. Der ärztliche Dienst in der
Ammen-Anstalt wird von dem dirigirenden Arzte, 13 As-
sistenten und einem Wundarzt versehen. Staunenswert!!
197
ist die Reinlichkeit in den Ammensälen und namentlich ist
durch eine zweckmässige Ventilation für eine beständige
Erneuerung der Luft gesorgt. Die von den Kindern ver-
unreinigte Wäsche wird täglich mehrmals zu bestimmten
Stunden durch eigene, vom 5. Stockwerke bis in das Sou-
terrain reichende Schächte herabgeworfeu, wo sie von den
Wäscherinen in Empfang genommen und zur Wäsche ge-
bracht wird.
Ausser der natürlichen Ernährung der Pfleglinge durch
Anirnen besteht auch noch ein eigenes Institut, wo Kinder
unter einem Jahre, die entweder von der Polizeibehörde
eingeliefert sind, oder nur eine kurze Zeit in der Anstalt
zu verweilen haben, oder die Brust durchaus nicht nehmen
wollen etc., mittels der Saugflasche ernährt werden.
Die Zahl der Säuglinge, welche gleichzeitig in der
Anstalt verpflegt werden, beläuft sich beständig auf 800
bis 1000 und das jährliche Contingent der von dem In-
stitute aufgenommenen Findlinge auf 10,000 — 11,000.
Die für das Land bestimmten Kinder werden nur au
Ammen abgegeben , welche mit einem Gesundheitszeug-
nisse versehen, persönlich kommen, um das Kind zu ho-
len. Bevor sie auf das Land kommen , erhalten sie eine
provisorische Amme , welche das Kind so lange säugt,
bis es kräftig genug ist, um die Reise auf das Land zn
unternehmen. Allwöchentlich gehen zweimal ganze
Züge von Ammen mit ihren Säuglingen auf das Land und
die Reise geschieht in eigens dazu gebauten Wagen oder
Schlitten und werden alle Yorsichtsmassregeln gegen Er-
kältung u. s. w. getroffen. Um es zu vermeiden, dass
die Ammen die von der Anstalt erhaltenen Kinder an an-
dere Frauen zur künstlichen Ernährung abgeben, muss der
Kutscher, welcher die Ammen auf das Land geführt hat,
bei seiner Rückkehr nach Moskau ein Certificat vou dem
Geistlichen der Gegend mitbringen, worin bestätigt wird,
dass die Amme wirklich mit ihrem Säuglinge in dem
198
Dorfe , welches sie in der Anstalt als das ihrige bezeich-
nete, angekommen ist und das Kind selbst nährt.
111. Verpflegung der Kinder auf dem Lande.
Auf Kosten der Anstalt werden auf dem Lande nicht
blos die eigentlichen im Bureau abgegebenen Findlinge
verpflegt, sondern auch noch
1) die Kinder, welche durch die Polizeibehörde von
Moskau, von den Distriktsbehörden des gleichnamigen
Gouvernements, von den Wohlthätigkeits-Anstalten zu
Toula und von den Erziehungshäusern zu Beieil und
ürel eingesendet werden;
2) die Kinder welche von dem Hospice von Kolomna
auf das Land geschickt werden ; und
3) Waisen von Unteroffizieren, Soldaten und subal-
ternen Bediensteten der verschiedenen Ministerien und Ver-
waltungszweige. Die von der Anstalt zu leistende Bezahl-
ung nimmt in demselben Maasse ab, als das Kind älter wird ; sie
wird für Knaben bis zum 17., für Mädchen bis zum 15.
Lebensjahre geleistet. In der Regel werden die auf dem
Lande befindlichen Kinder nur in häuslichen und in Feld-
arbeiten unterrichtet; können die Pflegeältern aber nach-
weisen, dass das Kind Lesen, Schreiben und Rechnen ge-
lernt hat, so erhalten sie dafür eine besondere nicht un-
ansehnliche Belohnung. Für die auf dem Lande befindlichen
krank gewordenen Kinder unterhält das Institut eine ge-
wisse Anzahl von Betten und Wiegen in den Distriktskran-
kenhäusern. Ist das Kind krüppelhaft oder leidet es an
einer Geisteskranheit, welche eine besondere Berücksichtig-
ung erfordert, so steht es den Pflegeältern frei , besondere
Bedingungen für die fernere Beibehaltung des Kindes zu
stellen; wird man über diese letzteren nicht einig, oder
kommen besondere Rücksichten in Betracht, so wird von
der Anstalt für den Pflegling ein Platz in einem Siechen-
199
oder Irrenhause erkauft. Ausserdem dass ein Theil der
männlichen Pfleglinge von der Krone zur Kultivirung ihrer
Domäne verwendet wird, wird noch ein anderer der chirur-
gischen Schule übergehen , um dann theils auf den Kron-
gütern, theils bei der Flotte, theils bei der Landarmee den
wundärztlichen Dienst zu versehen. Endlich übernimmt
einen dritten Theil die Anstalt selbst für ihre eigene Dienste
als Schreiber, Verwaltungsbeamte, Gärtner u. s. w.
Bis zum 10. Lebensjahre steht es den Eltern des
Kindes frei, dieses zu reclamiren ; nur müssen sie ein Zeug-
niss über ihre Moralität und über die Möglichkeit , das
Kind zu erhalten, beibringen. Die freien Bauern haben
das Recht, die Pfleglinge des Instituts zu adoptiren ; nur
müssen dann diesen Letzteren alle Rechte der eigenen
Kinder eingeräumt werden. Das Institut sucht diese Adop-
tionen dadurch zu unterstützen, dass sie für das Adoptiv-
kind noch durch längere Zeit einen Erziehungsbeitrag
leistet. Die Knaben, welche ein Handwerk gelernt haben,
erhalten von der Anstalt eine Beisteuer zu ihrer ersten
Einrichtung; und die Mädchen, welche vor ihrer Volljährig-
keit heirathen, die Ausstattung. Verfallen die Pfleglinge
der Anstalt in eine unverschuldete Armuth , werden sie
durch Krankheit oder Alter erwerbsunfähig, so werden sie
von dem Institute in die ihm gehörende Versorgungs-
Anstait aufgenommen.
Die Anzahl der auf dem Lande von der Anstalt ver-
pflegten Kinder betrug im Jahre 1856: 30,000; die Mehr-
zahl von ihnen befindet sich im Gouvernement von Moskau.
Die unmittelbare Aufsicht über dieselben wird von 15 In-
spectoren geleitet, welche ihrerseits wieder von drei Ober-
Inspectoren beaufsichtiget werden , die dann unmittelbar
unter dem General-Inspector des Institutes stehen.
200
IV. Spitäler und V er sorgungs- Anstalten.
Abgesehen von der Versorgungs-Anstalt des Nikolaus-
Instituts ist es vorzüglich die Gebär-Anstalt , welche hier
unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Sie zerfallt
in zwei Abtheilungen, in jene für heimliche und die für
legitime Geburten. Erstere, welche theils gemeinschaftliche
Säle , theils vollkommen abgesonderte Zimmer enthält,
nimmt in jene Frauen aus allen Kategorien , namentlich
aber aus der arbeitenden Klasse auf; in die besonderen
Zimmer aber Personen aus höheren Ständen, welche ihre
Entbindung im Geheimen durchzumachen wünschen. Diese
werden durch keine indiscrete Frage über ihren Stand,
Namen u. s. w. behelligt, ja es steht ihnen sogar frei,
während ihres Aufenthaltes im Institute beständig eine
Maske zu tragen. — Die Abtheilung für legitime Entbind-
ungen nimmt nur verheirathete Frauen auf gegen einfachen
Vorweis ihres Trauungsscheines , oder eines äquivalenten
Certificates.
Die in der geheimen Abtheilung geborenen Kinder
werden von dem Institute als Findlinge aufgenommen,
und wünschen die Mütter ihre Kinder selbst zu säugen, so
finden sie Zutritt zu den Amraensälen und können ihre
Kinder selbst später als von der Anstalt unterhaltene Pfleg-
linge mit auf's Land nehmen.
Die in der sogenannten legitimen Abtheilung geborenen
Kinder haben nur dann Anspruch auf die Aufnahme in das
Institut, wenn die Mütter entweder durch Krankheit oder
durch Noth und Elend für das Säugungsgeschäft untaug-
lich sind. Stirbt während dieser Zeit die Mutter, so über-
nimmt sie das Institut als definitive Pfleglinge.
Das Gebärhaus befindet sich gegenwärtig in einem
besonderen Hause in der Solianka-Strasse, kömmt jedoch
nach der bevorstehenden Erweiterung des Hauptgebäudes
201
in dieses selbst, wo ihm grössere und passendere Räume
als die gegenwärtigen zugewiesen werden sollen.
Die Versorgungsanstalt der Pfleglinge , der Ammen,
der Bediensteten des Hauses u. s. w., welche wegen Platz-
mangel gegenwärtig nur unzweckmässig untergebracht ist,
soll ebenfalls nächstens eine besondere Abtheilung des
Hauptgebäudes für ihre Zwecke zugewiesen erhalten.
V. Die Hebammenschule.
In diese finden zunächst Aufnahme vierzig sogenannte
Kronschülerinen , welche bestimmt sind, später im Innern
des Landes von der Regierung besoldete Stellen einzunehmen ;
ferner eine Anzahl von Externen, welche nach Beendigung
des Unterrichts in der Anstalt geprüft werden und auf
Grund dieser Prüfung von der Universität ein Diplom als
Hebammen erhalten. Endlich beabsichtigt man noch eine
dritte Klasse von Schülerinen zu creiren , welche den ein-
zelnen Verwaltungsbehörden und den Gutsbesitzern zur
Besoldung überlassen werden sollen.
Die Kronschülerinen werden aus den Pfleglingen des
Instituts gewählt und mangelt es unter diesen letzteren an
geeigneten Individuen , so nimmt man junge Mädchen von
Aussen , welche nach Beendigung ihres Unterrichts mit
Zustimmung ihrer Aeltern und Vormünder dieselben Ver-
pflichtungen übernehmen wie die Kronschülerinen.
VI. Die Gebäulichkeiten.
Diese bestehen
1) aus dem Wohngebäude (corps-de-logis central),
welches 5 Stockwerke hoch ist und an seinem einen Ende
die im Jahre 1854 restaurirte Hauskapelle enthält. Das
4. und 5. Stockwerk enthält einen Theil der Ammensäle;
das 3. und 2. die Verwaltungskanzltien und einige Wohn-
14
öcanzoni's Beiträge III.
202
ungen der Beamten und das unterste Stockwerk verschie-
dene Abtheilungen des sogenannten inneren Dienstes.
Dieses Haus steht mit dem anstossenden durch eine Gal-
leric in Verbindung, welche die Bildnisse und Marmorbüsten
der Wohlthäter des Instituts, sowie auch einige werth-
volle Geschenke der Kaiserin Katharina II. enthält.
2) Das 5 Stock hohe Carre, welches in seiner Mitte einen
sehr schön angelegten, mit einer prächtigen Fontäne ge-
schmückten Garten enthält, beherbegt die zweite Hälfte
der Ammensäle und das Nikolaus-Waisen-Institut.
3) Ein zweites, sogenanntes Wohngebäude von 2 Stock-
werken, nimmt die Versorgungs-Anstalt auf.
4) Ein weiteres Wohngebäude ist bestimmt zur Auf-
nahme der Lehrerinen des Instituts.
5) Ein diesen ähnliches Gebäude enthält die Bureaux
für die Verpflegung der auf dem Lande befindlichen Pfleg-
linge. Hier sollen später auch die Landleute , welche zur
Stadt kommen, um die ihnen zukommenden Pflegegebühren
zu erheben , Aufnahme finden und es sind die nöthigen
Anstalten getroffen, um sie Alle zweckmässig unterzubringen
und zu verpflegen.
6) Das sogenannte corps-de-logis d'enceinte, bis jetzt
von den Beamten des Instituts bewohnt, soll nächstens das
Gebärhaus und die Hebammenschule aufnehmen.
7) Ein den obengenannten Gebäuden parallel laufendes
Haus bildet die Wohnuug der Geistliehen.
8) Das Waschhaus zwischen den corps-de-logis
d'enceinte und dem centralen Wohngebäude.
9) Längs des Moskwa-Quais laufen Gebäude , welche
zwei Dampfmaschinen enthalten , von welchen eine das
Moskwa-Wasser, die andere jenes schöpft, welches ihr von
der Fontaine des Varvarka-Platzes zugeführt wird. Sie
heben dann das Wasser bis auf die Bodenräume siimmt-
licher Gebäude, von wo es sich in die verschiedenen Räume
durch Rohren ergiest, so dass das Wasser der Fontaine
203
zur Leitung der Speisen, das Flusswasser aber ausschliess-
lich nur für die Wäsche, die Bäder und die Reinigung der
Abtritte verwendet wird.
10) Die Todtenkapelle.
11) Ein dreistöckiges Gebäude mit Nebenbauten, wo
sich gegenwärtig das Gebärhaus befindet, später aber die
Beamten untergebracht werden sollen.
12) Das Gebäude des Curatoriums von 3 Stockwerken
mit mehreren Nebengebäuden.
13) Ein erst ohnlängst aquirirtes von Beamten be-
wohntes Haus am Eingang der Solianka-Strasse.
14) Ein zweistöckiges Gebäude, die Wohnung der
erst eingetretenen Diener des Hauses. Hier befinden sich
auch die Stallungen und Remisen.
15) Eine Schmiede.
16) Endlich ein auf dem Khitroff-Platze gelegenes
Haus, wo die Beamten des Curatoriums wohnen.
Alle diese Gebäude sind von weiten , luftigen und
schön angelegten Gärten umgeben; namentlich überraschen
die gewöhnlich als Perspectiven gezeichneten Alleen den
Besucher der Anstalt.
Scblüsslich sei noch bemerkt , dass die Zahl der in
den genannten Gebäuden wohnenden Menschen etwa 5000
beträgt. Die Ordnung innerhalb dieser Bevölkerung wird
durch eine Hauspolizei gehandhabt, welche in Folge eines
besonderen kaiserlichen Privilegiums von der städtischen
Polizei ganz unabhängig ist. Das Institut hat auch seine
eigenen, im Hause kasernirten Pompiers.
Ausserdem besitzt das Institut noch eine Domäne
ausserhalb der Barriere von Dorogomiloff, die sog. Merairie,
ein Landgut, dessen Erzeugnisse der Verwaltung des Insti-
tuts zu Gute kommen. Daselbst befinden sich auch zahl-
reiche Wohngebäude für die Pfleglinge des Nikolaus-In-
stituts, in welchem sie ihre Sommerferien zubringen, um
das Stadt- mit dem Landleben zu vertauschen.
14*
204
An
Wöchnerinnen
:5
ÖJO
M
1-8
iZahl der auf die Ammen-|
Abtheilimg aufgenommenen j
Säuglinge.
Von dieser Zahl kommen
ausschliesslich von der ge-
heimen Gebär - Abtheilung.
Gesammtsunime der Sterb-
lichkeit aller dieser in die An-
stalt aufgenommenen Kinder.
[Durchschnittszahl der Sterb-
lichkeit auf 100.
Zahl der aufs Land gebrach-
ten Säuglinge, um dort er-
zogen zu werden.
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19
4493
1074
23
1832
6370
785
1084
16
4919
1132
23
1833
6898
961
1149
16
5069
1606
31
1834
8312
924
1294
16
6399
1847
28
1835
7173
840
1208
16
5491
1378
25
1836
7678
982
1402
18
5633
1617
28
1837
7070
1063
1531
21
5473
1952
35
1838
6565
1087
1289
19
5305
2021
37
1839
7249
1147
1267
17
5783
2143
37
1840
6965
1035
1484
21
5657
1892
33
1841
6437
962
1275
19
5090
1987
39
1842
6986
1099
1413
20
5577
1637
29
1843
7274
1143
1669
21
5577
1969
35
1844
7801
1362
1886 '
24
5742
2062
35
1845
8235
1544
2036
24
6283
2097
33
1846
8579
1767
1844
21
6680
2338
34
1847
8446
1628
2500
29«
5909
2262
38
1848
8845
1594
2505
28
6213
2383
38
1849
8951
1568
2578
28
6498
2056
31
1850
9702
1676
2760
28
6904
2604
37
1851
9500
1686
2448
25
7049
2649
37
1852
9820
1732
1933
20(>)
7805
3015
38(*)
1853
10305
1893
2066
20
8158
3294
40
1854
10719
2031
1784
16
8991
3496
38
1855
10993
2221
1947
17
SS77
3G8<;
41
Summe
202612| 33452 E3451
1 21
i;,.v>7;>
54197"
~*q
hang.
und Kinder
205
Tabelle A.
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2173
37
743
13
1.4-
31
2
2216
34
-44
11
1,30
27
3
2755
40
1013
19
1,87
33
3
■ 3141
37
987
25
2,53
40
2
2586
36
883
14
1,58
35
1
3019
39
1035
17
1.64
38
1
3483
49
1129
16
1.41
35
3310
50
1164
8
0,65
46
3410
47
1217
19
1,56
43
2
3376
48
1097
38
3,46
40
2
3262
50
100 1
21
2,09
54
1
3050
44
1186
30
2,52
74
5
3638
50
1255
38
3,02
74
2
3948
50
1475
18
1,21
98
3
4133
50
1651
21
1,27
102
4
4182
48
1894
33
1.75
131
4
4762
56'i
1692
32
1,35
159
3
4888
55
1698
58
3.41
17:.
16
4634
51
1648
69
4,18
160
5
5364
55
177»]
TO
3.94
161
5
5097
53
1777
48
2.13
170
12
4948
1851
49
2.34
196
5
5360
52
2014
79
3,92 '
222
<
1 5280
49
2157
90
4.17
250
8
5633
51
2327
103
4.42
230
10
97658
48
"35511
937
— 2,63
2624
106
206
Bis zum 1. Januar 1855 befanden sich auf dem Lande
28,474 Pfleglinge; geschickt wurden aufs Land 8,877
Säuglinge, ausserdem 38 entwöhnte Kinder; im Ganzen
waren demnach auf dem Lande 37,389. Von dieser Zahl
starben im Laufe des Jahres 1855, die Säuglinge nicht
mit eingerechnet , 4008. In's Verzeichniss aufgenommen
und in den Matrikeln der Anstalt gestrichen 863. Bis zum
1. Januar 1856 befanden sich auf dem Lande 28,832.
Anmerkungen zu vorstehender Tabelle.
[Man berücksichtige die kleinen Zahlen (') ( 2 ) ( 3 ).]
(') Die Zunahme der Sterblichkeit unter den Säuglingen in
der Anstalt und auf dem Lande im Jahre 1847 ist auf Rechnung"
der Cholera-Epidemie zu schreiben, welche damals im Gouvernement
Moskau herrschte.
( 2 ) Die Zunahme der Sterblichkeit unter den Säuglingen auf
dem Lande seit dem Jahre 1852 und vorzüglich im Jahre 1853 und
1855 erklärt sich aus dem Umstände, dass seit 1852 die Kinder
zweimal in der Woche statt einmal von der Anstalt auf das Land
gebracht wurden , woraus für die Sterblichkeit der Kinder in der
Anstalt selbst eine verhältnissmässige Abnahme sich ergiebt. Im
Allgemeinen bleibt die Gesammt-Sterblichkeit der Säuglinge in der
Anstalt und auf dem Lande seit dem Jahre 1852 mehr weniger
gleich der der vorhergehenden Jahre ; man kann sogar sagen, dass sie
um etwas weniges abgenommen hat.
( 3 ) Die Sterblichkeits-Zunahme unter den Wöchnerinen in der
Gebär- Anstalt muss dem Kindbettfieber zugeschrieben werden, welches
in Moskau in den letzteren Jahren herrschte ; sowie dem Umstände,
dass diese Frauen in der Anstalt bis zu ihrer gänzlichen Wiederher-
stellung verblieben, vorzüglich auf der Abtheilung für legitime Ge-
burten.
207
Tabelle B.
I. Vom Jahre 1840 an sind aus dem Nikolaus-Waisen-
Institut entlassen worden :
Im Jahre
Candi-
datinneu.
Lehrerinnen.
Im Ganzen.
1840
21
5
26
1842
23
36
59
1844
13
37
50
1845
28
21
49
1846
13
21
34
1847
14
33
47
1848
15
27
42
1849
11
5
16
1850
12
32
44
1851
12
31
43
1852
9
22
31
1853
11
35
46
1854
12
42
54
1855
16
50
66
Summe
210
397
607
II. Seit der Gründung des Instituts bis
zum I.Januar 1856 wurden in die
Matrikel eingetragen 366,782 Kinder
Hievon sind im Zeiträume von 92
Jahren gestorben 288,554 „
Feste Plätze erhielten 47,959 „
Bis zum 1. Januar 1856 betrug die
Zahl der in die Matrikel eingetra-
genen Zöglinge 30,275 „
Hievon befanden sich behufs ihrer Er-
ziehung auf dem Lande .... 28,832 „
Im Institute auf der Ammen-Abtheil-
ung 819 „
208
In verschiedenen Anstalten unter Auf-
sicht des Instituts 624 Kinder
Summa 30,275 Kinder.
III. Vom 1. Oktober 1801 an wurden
geimpft :
Säuglinge im Institute 256,364 Kinder.
Fremde Kinder im Institute . . . 79,846 „
Jedes Jahr wurden auf Ansuchen Ein-
zelner und verschiedener Anstalten
Glaskolben mit Vaccine versandt
mehr als 10,000
IV. Aus der dem Institute einverleibten
Hebammenschule wurden bis zum
gegenwärtigen Jahre auf Kron-
kosten als Hebammen untergebracht
(ohne Hinzurechnung der Externen) 319
V. Das Erziehungshaus verbraucht jähr-
lich für die, welche in ihm wohnen,
an schwarzem Brod 400,000 Pouds.
Kvass 125,000 Eimer.
Die täglich von allen Abtheilungen
des Instituts zur Reinigung abge-
lieferte Wäsche beträgt beiläufig 100 Pouds.
Folglich für Ein Jahr mehr als . . 35,000 „
X.
Bericht über die Leistungen der unter der Leitung
des Hofrath und Professor Dr. von Scanzoni
stehenden geburtshilflichen Klinik zu Würzburg vom
1. November 1853 bis 31. October 1856.
Von Dr. J. B. SCHMIDT,
konigl. Repetitor an der Hebamnienschule und erstem Assistenten an
der kgl. Entbindungs-Anstalt.
I. Allgemeine Ucbcrsicht.
Mit dem 1. November 1853 verblieben in der Anstalt:
33 Schwangere , 4 Wöchnerinnen und 1 Kind weiblichen
Geschlechts.
Aufgenommen wurden innerhalb der 3 Jahre 902
Schwangere und 9 nicht schwangere Kranke. Die Ge-
sammtzahl der Verpflegten belief sich daher auf 949. Von
diesen wurden schwanger entlassen 30 und entbunden 879.
Es verblieben daher mit 31. October 1856 26 Schwangere.
Von den Wöchnerinnen wurden gesund entlassen 837,
krank in's Julius-Hospital transferirt 34, gestorben sind 6.
Es verblieben sonach mit 31. October 1856 6 Wöch-
nerinnen.
Von den verpflegten 9 nicht schwangeren Kranken
wurden 7 entlassen, 2 sind gestorben.
210
Von den 879 Geburten waren 869 einfache und 10
Zwillingsgeburten; die Gesanimtzahl der gebornen Kinder
betrug daher 889. Hievon wurden lebend geboren 839,
todt geboren 50.
Von den 839 lebend gebornen Kindern mit Einschluss
des vom 31. October 1853 verbliebenen 1 Mädchen wurden
entlassen 793, gestorben sind 41 ; es verblieben somit nach
Abrechnung der 50 todt gebornen Kinder mit 31. October
1856 5 Kinder (3 Knaben nnd 2 Mädchen).
Bei den vorgekommenen Geburten wurden folgende
Kindesstellungen beobachtet:
I. Schädelstellung
606 mal
ii.
231 „
I. Gesichtsstellung
1 »
ii.
3 „
I. Steisslage
12 „
II. „
6 „
Vollkommene Fusslage
5 .
Unvollkommene Fusslage
1 »
Querlagen
13 „
Unbestimmt gebliebene Li
igen
11 „
889
Selbstwendung während
der
Schwangerschaft beob-
achteten wir in 1 1 Fällen; in
10
derselben war bei Be-
ginn der Geburt der Kopf, ur
id nur in 1 Falle der Steiss
vorliegend.
II. Besondere Beobachtungen.
A. Anomalien während des Schicanger schafts - Verlaufs.
1. Das Auftreten der Menstruation beobachteten
wir in 5 Fällen, und zwar bei 2 Schwangeren während
der ganzen Schwangerschaftsdauer. Doch war der Blut-
211
Verlust geringer als ausser der Schwangerschaft und hielt
die Menstruation auch nur kürzere Zeit an.
In einem 3. Falle trat dieselbe in den ersten 4 Mona-
ten der Schwangerschaft auf; die ersten 2 Male blutig;
die beiden letzten Male blutig-wässerig. Das Kind wurde
frühzeitig in der 36. Woche geboren.
Im 4. Falle kehrte die Menstruation bis in's6. Schwan-
gerschaftsmonat regelmässig alle 4 Wochen wieder.
Im 5. Falle hatte die Schwangere ihre Menstruation
im 2., 3. und zu Anfang des 6. Schwangerschaftsmonates
und zwar jedesmal mit starkem Blutabgange.
2. An häufigem Erbrechen, gegen welches die be-
kannten Mittel erfolglos blieben, erkrankten 3 Schwangere.
In 1 Falle, bei einer Erstgeschwängerten, trat in der
30. Schwangerschaftswoche die Frühgeburt ein. Das Kind
wurde in I. Steisslage geboren, und starb 2 Tage alt.
In den beiden anderen Fällen (bei einer Erst- und
einer Drittgeschwängerten) trat die Geburt rechtzeitig auf,
und wurden beide Kinder lebend geboren.
In allen 3 Fällen hörte nach der Geburt das Erbre-
chen auf.
3. Bei einer Drittgeschwängerten trat in der 36.
Schwangerschaftswoche eine heftige Ge bärmutterblu t-
ung auf, wornach alsbald die Geburt erfolgte. In dem
geöffneten Muttermunde fand man einen kleinen Lappen der
Placenta hervorragend. Während der Geburt trat keine
weitere Blutung mehr auf.
4. Eine Viertgeschwängerte wurde mit Catarrhus
vesicae blenorhoic. behaftet aufgenommen, welche
zugleich auch an secundärer Syphilis litt. Gegen das
Blasenleiden wurden Anfangs Einspritzungen mit lauwarmem
Wasser, später solche mit verdünnter Höllensteinlösung,
lauwarme Sitzbäder und innerlich Morphium angewendet,
wodurch die heftigen Erscheinungen gemässigt wurden.
Nach 9tägigem Aufenthalte in der Anstalt trat am norma-
212
len Ende der Schwangerschaft die Geburt eines macerirten
Knaben auf. Am 7. Tage nach der Geburt ward die
Kranke in's Julius -Spital transferirt, welches sie nach
8 Tagen, geheilt von dem Blasenleiden, verliess.
5. Eine Zweitgeschwängerte, welche schon bei ihrer
ersten Schwangerschaft an Nyctalopie litt, wurde bei
dieser ihrer 2. Schwangerschaft, und zwar gleich zu An-
fang derselben, wieder von diesem Leiden befallen. Am
6. Tage nach der Geburt verlor sich dieselbe allmälig und
war am 10. Tage ganz verschwunden.
6. Bei einer Erstgeschwängerten beobachteten wir in
der 34. Schwangerschaftswoche das Auftreten von heftigen
hysterischen Co n vulsi o n en. Die Schwangere wurde
von diesem Leiden nur einmal befallen und gebar am
regelmässigen Ende der Schwangerschaft ein lebendes
Kind.
7. Ein Fall von Motilitäts- und Sensibilitäts-
Störung während der Schwangerschaft und Geburt ist
bereits im II. Bande dieser Beiträge S. 146 beschrieben.
8. Mastitis kam bei 2 Schwangern vor. Nach der
am rechtzeitigen Ende der Schwangerschaft erfolgten Ge-
burt wurden beide in's Julius-Spital transferirt, und von
dort geheilt entlassen.
9. Bei einer Neuntgeschwängerten fand sich in der
linken grossen Schamlippe eine etwa Ilühnereigrosse
fibröse Geschwulst, welche am 10. Tage nach der
rechtzeitig aufgetretenen Geburt exstirpirt wurde.
10. Eine Erstgeschwängerte wurde mit Morbus
Brightii aufgenommen. Die durch den ungemein starken
Ascites bedingten Respirationsstörungen indicirten die Ein-
leitung des künstlichen Abortus, welcher in der 22. Schwan-
gerschaftswoche vorgenommen wurde , worauf die Kranke
ihrer Besserung und Heilung entgegen ging. (Siehe unten
den Abschnitt „künstlicher Abortus".)
213
11. Syphilitische Schwangere wurden 15 in der
Anstalt entbunden und zwar 12 von reifen, lebenden Kin-
dern, 1 von einem zeitigen, raacerirten Kinde und 2 von
unzeitigen, todt gebornen Früchten.
B. AnomaUeen wahrend des Geburts-Actes.
I. Geburtsstüruugen, bedingt durch Aiiomalieen und Krankheiten des mütter-
liehen Körpers.
1. Wehenschwäche höheren Grades beobachteten
wir in 42 Fällen. Zur Behebung derselben wurden die
Colpeuryse, oder die Uterusdouche, oder die Einleitung von
Kohlensäure gegen die Cervicalportion, oder bei gehöriger
Vorbereitung des Orificiiim uteri das Seeale cornutum io
Anwendung gezogen.
In einigen Fällen wurde — jedoch ohne Erfolg —
eine Infus, herb, uvae ursi (; VIII auf ein Klystier) ge-
geben.
In der letzten Zeit wurden in 2 Fällen durch Auf-
setzen trockener Schröpfköpfe auf die Lenden- und Kreuz-
beingegend kräftigere Wehen hervorgerufen.
In jenen Fällen, wo die oben angegebenen Mittel zur
Beendigung der Geburt nicht ausreichten, wurde operative
Hilfe geleistet, worüber an den geeigneten Stellen bei An-
führung der Operationen näher berichtet wird.
2. Spastische Contractioneu des Uterus kamen
24 mal zur Behandlung. Die Behandlung bestand in An-
wendung von Opiaten (innerlich und in Klystieren), lau-
warmen Bädern , öfteren bis zur beginnenden Betäubung
vorgenommenen Chloroform-Inhalationen, der Colpeuryse und
der Uterusdouche, welche beiden letzteren vorzugsweise
ihre Anwendung in jenen Fällen fanden, wo die spastische
Contraction sich mehr oder nur allein auf den untern
214
Uterin-Abschnitt erstreckte. Waren die Geburtswege vor-
bereitet und die künstliche Beendigung der Geburt indicirt,
so wurde operative Hilfe geleistet, worüber bei den Ope-
rationen das Nähere angegeben ist.
3. Dammrisse ereigneten sich in 18 Füllen. 9 mal
war der vorderste Theil des Dammes ; 6 mal war der Damm
bis zur Hälfte , und nur in 3 Fällen bis in das hintere
Dritttheil eingerissen. In jenen Fällen, wo der Damm zur
Hälfte oder darüber eingerissen war, wurde gleich nach
Entfernung der Placenta die Naht angelegt. Fünfmal trat
vollkommene Heilung ein; in 3 Fällen heilte der eingeris-
sene und genähte Damm theilweise und in 1 Falle blieb
die Naht ohne Erfolg.
In jenen 9 Fällen, wo blos das vorderste Dritttheil
des Dammes eingerissen war, wurde die Heilung der Natur
überlassen und gelang auch stets bei sorgfältigster Rein-
haltung der Wunde und der Genitalien überhaupt.
Zur Verhütung der Dammrisse wurden bei enger
Schamspalte in die Labien Incisionen gemacht, welches
Verfahren 85 mal zur Anwendung kam. Vergl. hierüber
diese Beitr. Bd. II. S. 54.
4. Becken-Enge wurde 15 mal beobachtet.
Man stützte sich bei deren Diagnose zunächst auf die
mittelst des Fingers gewonnenen Resultate, die durch den Com-
pas d'epaisseur von Baudelocque controllirt wurden. Nur
in einigen Fällen wurde des klinischen Unterrichts wegen
der Beckenmesser von Ki wisch und van Huevel in
Anwendung gezogen.
Die Beckenverengerurig betrug:
3 mal circa 3^" Conjugata
° n r> °T v>
1 „ waren bei einem coxalgischen Becken die
linken schrägen Durchmesser vorzugsweise verengt.
215
Von diesen 15 Schwangeren wurden 7 natürlich, 3
mittelst der Zange, 2 mittelst der Perforation und Kepha-
lotripsie und 1 mittelst der Extraction amFusse entbunden.
In 2 Fällen wurde die künstliche Frühgeburt eingeleitet.
(Siehe unten den Abschnitt über „künstliche Frühgeburt".)
5. Eine Erstgebärende wurde , nachdem die Wehen
erst durch etwa 3 Stunden aufgetreten waren, von Ecclam-
psie befallen. Es gelang durch die Chloroform-Narkose,
welche immer gleich bei Beginn der Convulsionen in Anwend-
ung gezogen wurde, die Anfälle zu massigen, auch kehrten
dieselben erst nach längeren Pausen wieder. Nachdem
während 8 Stunden 5 Anfälle aufgetreten waren, starb die
Kreissende plötzlich nach einem Anfalle. Bei hinreichend
erweitertem Muttermunde wurde sogleich die Blase ge-
sprengt und das Kind mittelst der Zange extrahirt, welches
jedoch todt zur Welt kam.
Die Section der Mutter zeigte bedeutendes Extravasat
im Gehirn, flüssiges nicht geronnenes Blut undEcchymosen
an verschiedenen Organen , besonders der Leber. Die
Nieren zeigten ausser einer massigen Hyperämie an der
Basis der Pyramiden keine abnormen Veränderungen. Die
Sexual -Organe boten keine erwähnenswerthen Veränder-
ungen dar.
6. Blutungen während der Geburt.
a) Eine 22 Jahre alte Erstgeschwängerte trat mit
starker Blutung in die Anstalt ein. Die Unter-
suchung lehrte, dass die Blase bereits gesprungen,
der Muttermund Guldengross geöffnet sei und
dass neben dem Kopfe ein schmaler Rand der
Placenta an der linken Seite vorliege. Es wurde
der Colpeuryuter eingelegt und mit kaltem Wasser
gefüllt, welches nach einiger Zeit, sobald man ver-
muthete, es möchte warm geworden sein, abge-
216
lassen wurde , um wieder durch kaltes Wasser
ersetzt zu werden. Nach 5 stündiger Anwend-
ung des Colpeurynters ward derselbe hinweg-
gcnonimen, und da der Kopf bereits tiefer getreten
war und keine neue Blutung sich einstellte, so
wurde der weitere Verlauf der Natur überlassen.
Das 4 Pfund schwere Kind wurde todt geboren.
Die Mutter erkrankte an Endometritis, von der sie
geheilt nach 7 Tagen die Anstalt verliess.
b) Bei einer Drittgeschwängerten trat in der 36.
Schwangerschaftswoche eine heftige Blutung auf.
Die sogleich vorgenommene Untersuchung zeigte
den Muttermund Kronenthalergross geöffnet und
einen sehr schmalen Rand der Placenta, sowie den
Kopf vorliegend. Es wurde die Blase gesprengt,
wornach die Blutung aufhörte und nach ^ Stunde
die Frucht todt zur Welt kam.
c) Bei einer Zweitgeschwängerten stellte sich am
regelmässigen Ende der Schwangerschaft bei Be-
ginn der Wehen eine heftige Blutung ein. Der
Kopf lag in erster Lage vor; über dem Mutter-
munde, auf der rechten Seite desselben, fand man
einen bedeutenden Rand der Placenta. Es wurde
der Colpeuryuter eingelegt und mit kaltem Wasser
gefüllt, welches von Zeit zu Zeit abgelassen wurde,
um von Neuem wieder kaltes Wasser in den Col-
peurynter zu injiciren. Hiedurch wurde die Blut-
ung gestillt und nach 7 Stunden wurde ein 6 Pfd.
schweres Mädchen natürlich und lebend geboren.
— Die Mutter blieb gesund.
d) Bei einer Zweitgebärenden musste wegen Placenta
praevia centralis bei II. Schädelstellung die Wendung
auf die Fiisse und Extraction an denselben, sowie
künstliche Lösung und Entfernung der Placenta vor-
genommen werden. Zur Stillung der Blutung,
217
welche gleich bei Beginn der ersten Wehen sehr
heftig auftrat, und zur Erweiterung des Mutter-
mundes leistete der Colpeurynter die besten Dienste.
— Das Kind wurde lebend geboren ; die Mutter
erkrankte und starb an Puerperalfieber.
II. Geburtsstörungen, bedingt durch Anomalieeu des kindlichen Körpers
uud seiner Anhänge.
1. Bei einer Erstgebärenden stellte sich nach dem
Blasensprunge der Kopf in II. Gesichtslage mit nach
vorne gekehrter Stirne zur Geburt. Durch die schwa-
chen Wehen wurde das Gesicht sehr laugsam tiefer herab-
bewegt , die Stirne blieb gegen vorne stehen und trat so
tief herab, dass man die grosse Fontanelle fühlen konnte.
In dieser Stellung verharrte trotz sehr kräftiger Wehen
der Kopf längere Zeit, und man sah sich genöthigt, als
die Wehen anfingen krampfhaft zu werden, Opiate in An-
wendung zu ziehen. Schon glaubte man, der Kopf würde,
weil er schon in der angegebenen Stellung bis gegen die
Beckenenge herabgetrieben war, in der Stirnlage geboren
werden, als nach einigen Wehen das Kinn tiefer herabtrat,
sich nach vorn bewegte uud unter dem Schoossbogen zum
Vorschein kam. Vom Blasensprunge bis nach erfolgter
Geburt des Kindes waren 52 Stunden verlaufen.
2. Zwillinge kamen 10 mal vor; 1 mal bei einer
Erstgebärenden, 6 mal bei Zweitgebärenden, 1 mal bei einer
Drittgebärenden und 2 mal bei Viertgebärenden. — Das
Geschlecht der Kinder war 7 mal gleich (4 mal Knaben,
3 mal Mädchen). — In Schädellage stellten sich beide
Kinder 3 mal ; das erste in Kopf-, das zweite in Steisslage
4 mal; das erste in Steiss-, das zweite in Querlage 1 mal;
das erste in Kopf-, das zweite in Querlage 1 mal ; die
Scanzoni's Beiträge III. 15
218
Lage blieb unbestimmt 1 mal (Strassengeburt). In 3 Fällen
trat eine Frühgeburt ein, und in einem von diesen hatten
beide Früchte mir eine Placenta und ein Chorion. Lebend
wurden 17 Kinder geboren; l starb während der Extrac-
tion ; 1 mal waren die beiden Kinder macerirt.
Operative Hilfe wurde geleistet:
1 mal wurde das erste Zwillingskind wegen Wehenschwäche
mittelst der Zange lebend entwickelt;
4 mal musste nach der Geburt des Steisses die Extraction
gemacht werden. Alle 4 Kinder wurden lebend geboren;
2 mal hatte sich das erste Zwillingskind und 2 mal das
zweite mit dem Steisse zur Geburt gestellt;
2 mal musste bei dem zweiten Zwillingskinde die Wendung
und Extraction vorgenommen werden. Ein Kind kam
lebend und eines todt zur Welt.
3. Das Vorfallen kleiner Theile neben dem
Kopfe wurde in nachstehenden Fällen beobachtet:
a) 1 mal bei dem zweiten Zwillingskinde Vorfall des
rechten Armes bei I. Schädelstellung; die Geburt
wurde der Natur überlassen und ging ohne wei-
tere Störung vor sich.
b) 1 mal Vorfall des rechten Armes bei einer Zweit-
Gebärenden. Der vorgefallene Arm wurde repo-
nirt und das Kind lebend geboren.
c) 1 mal fielen bei einer Erstgebärenden und sehr
stark entwickeltem Kinde neben dem Kopfe beide
Fiisse und die linke Hand vor. Die kleinen Theile
wurden reponirt; die im weitem Verlaufe der Ge-
burt auftretenden Krampfwehen durch warmes
Bad, Opiate und V. S. behoben und später wegen
langer Geburtsdauer und Erschöpfung der Kreis-
senden die Zarge angelegt. Das Kind wurde
todtgeboren ; die Mutter erkrankte an Puerperal-
219
Fieber, wurde in's Julius-Spital transferirt und von
dort geheilt entlassen.
d) Bei einer Drittgebärenden mit sehr weitem Hecken,
deren beide frühere Geburten sehr rasch ver-
laufen waren, fielen neben dem in II. Lage sich
zur Geburt stellenden Kopfe die beiden Füsse und
die rechte Hand vor. Im weiteren Verlaufe der
Geburt, welche in 4 Stunden beendet war, zogen
sich die kleinen Theile zurück. Das Kind wurde
lebend geboren, starb aber kurze Zeit nach der
Geburt.
e) Bei Schiefstand des Kopfes fiel einmal der linke
Arm vor, nach dessen manueller Reposition der
Kopf in den Beckeneingang eingeleitet wurde. Die
Geburt verlief ohne weitere Störung. Das Kind
wurde todt geboren. Die Section ergab, dass das
Kind im Uterus geathmet hatte.
4. Der Vorfall der Nabelschnur ereignete sich
1 1 mal, und zwar 6 mal bei vorliegendem Kopfe.
In 2 Fällen wurden die Kinder durch Anwendung der
Zange gerettet; in 1 Falle wurde die manuelle Reposition
mit Erfolg ausgeführt, indem man bei noch beweglich
stehendem Kopfe die Nabelschnur mittelst der eingeführten
Hand in die Uterushöhle zurückbrachte und der Kreissen-
den hierauf eine Seitenlage annehmen Hess. Das Kind
wurde lebend geboren. In 2 Fällen wurde bei nur
wenig erweitertem Muttermunde das Braun'sche Repo-
sitorium — jedoch ohne Erfolg — versucht. In diesen
beiden Fällen hörten die Nabelschnur-Fulsationen auf,
ehe noch das Orificium uteri die zur Anwendung der Zange
nöthige Erweiterung erfahren hatte. Desshalb iiberliess
man den weitem Geburtsvorgang der Natur. In einem
dieser Fälle hatte die Nabelschnur eine Länge von 27^",
und befand sich an ihr ein wahrer Knoten. — Im
15*
220
6. Falle musste wegen Beckenenge die Geburt durch die
Perforation und Kcphalotripsie beendet werden , nachdem
vorher zur Rettung des Kindes das Repositoriura von
Brau n und die Zange vergebens angewendet worden waren.
1 mal fiel die Nabelschnur nach der Geburt des Steisses
vor. Wegen Beckenenge war dieExtraction sehr schwie-
rig. Das Kind kam todt zur Welt.
1 mal ward eine Kreissende mit vollkommener Fusslage
und mit vor die äussern Genitalien vorgefallener bereits
kalter pulsloser Nabelschnur aufgenommen.
4 mal wurde der Vorfall der Nabelschnur bei Querlagen
beobachtet. Durch die AVendung und gleich darauf fol-
gende Extraction wurde 1 Kind lebend und 3 Kinder
todt zur Welt gebracht.
5. Bei einer 37 Zoll langen Nabelschnur kam eine
3 malige Umschlingung um den Hals des Kindes vor.
Nachdem der Kopf entwickelt war, musste nach 2 maliger
Unterbindung die Nabelschnur durchschnitten werden , um
den Rumpf des Kindes extrahiren zu können. Das Kind
wurde scheintodt geboren und konnte nicht zum Leben
gebracht werden.
6. Eine Nebenplacenta beobachteten wir in einem
Falle. Eine heftige Metrorrhagie indicirte die Lösung und
Entfernung der Placenta.
7. Eine ungemein fettig entartete und ausser-
ordentlich voluminöse fest adhärirende Placenta musste
wegen Metrorrhagie gelöst und entfernt werden.
C. Ausgeführte Operationen.
I. Künstlich eingeleitete Frühgeburt.
1. Dieser Fall ist bereits von Dr. Carl Wolff in
seiner Inaugural-Dissertation „De hydraemie gravidarum",
221
Berlin 1857, näher beschrieben. Er betrifft eine 32jährige
Erstgeschwängerte, Wilhelm ine Engelhard, welche
nach ihrer Aussage im 13. u. 19. Lebensjahre am Nerven-
fieber darnieder gelegen war. Die Menstruation trat zum
ersten Male im 18. Jahre ein und zwar in sehr unregel-
mässigen Intervallen mit sehr blassem und spärlichem Se-
krete. Im Januar 1855 war die Menstruation zum letzten
Male erschienen; Mitte Mai stellte sich bedeutendes Oedem
der untern Extremitäten mit heftigen Schmerzen in der
Lumbargegend und Dyspnoe ein, wozu sich heftiger Drang
zum Harnen und Brechneigung gesellte.
Am 23. Mai 1855 wurde die Kranke in der Entbind-
ungs-Anstalt aufgenommen. Sie war sehr anämisch; die
unteren Extremitäten, die Bauchdecken, die rechte Scham-
lippe, die Mündung der Harnröhre und die Muttermunds-
lippen waren bedeutend ödematös angeschwollen. Der
Unterleib war in Folge von Ascites sehr ausgedehnt ; den
Uterusgrund entdeckte man zwischen dem Nabel und der
Symphys. oss. pubis. Die Brüste waren massig gespannt
und entleerten beim Druck etwas Colostrum. Der sehr
trübe Harn enthielt Faserstoffcylinder und Eiweiss in be-
deutender Menge. — Die Behandlung bestand in der Ver-
abreichung von Opiaten und von Phosphorsäure im Ge-
tränke, in Einreibungen von Ol. hyosc. mit Einwicklungen
der untern Extremitäten in Werg. Im Laufe der nächsten
8 Tage blieb der Zustand fast unverändert. Nach dieser
Zeit aber traten heftige Lendenschmerzen auf, welche durch
Anwendung trockener Schröpfköpfe gemässiget wurden.
Auch sollte jetzt das Ferr. lactic. täglich 3 mal zu 3 Gran
in Anwendung kommen , doch musste diess Mittel schon
des nächsten Tags wegen eintretender Diarrhoe wegge-
lassen werden. Durch die Anwendung einer Mixt. ol.
gummös, cum extracto. op. aquos. ward die Diarrhoe binnen
4 Tagen behoben. Am 4. Juni wurde behufs einer ge-
nauem Untersuchung des Blutes und Harnes eine V. S.
222
von 3 Unz. vorgenommen und der binnen 24 Stunden ge-
lassene Harn gesammelt. — Herr Dr. Carl Wollt, wel-
cher diese Untersuchungen im Laboratorium des Herrn
Prof. Dr. Scher er vornahm, fand den Blutkuchen ver-
hältnissmässig klein und auf seiner Oberfläche mit einer
geringen Speckhaut belegt. Das Blut-Serum war milchig
trübe und opalisirend in Folge zarter, flockiger, durch das
Mikroskop zu erkennende Massen. Die chemische Ana-
lyse ergab
I. In 1000 Theilen Blut:
Wasser 832,50
Feste Bestandtheile 167,5
Auf letztere fallen
Faserstoff 2,44
Blutkörperchen 109,34
Eiweiss 45,07
Extraktivstoffe 1,06
Lösliche Salze 7,45
II.
Anorganische Salze
7,90
In 1000 Theilen Serum
waren :
Wasser
938,00
Feste Bestandtheile
62,00
Auf letztere fallen
Eiweiss
50,73
Extraktivstoffe
4,61
Lösliche Salze
5,63
Anorganische Salze 8,00
Zucker, Harnstoff und kohlensaures Ammoniak konnte
nicht nachgewiesen werden.
Der Harn bildete ein nur geringes Sediment, in wel-
chem viele Faserstoffcylinder, sowie Blasenepithel und Harn-
salze enthalten waren. Der Harn reagirte neutral und
hatte ein spezifisches Gewicht von 1018. Die Gesammt-
menge des in 24 Stunden entleerten Harns betrug 1329
Grammes.
223
In 1000 Theilen waren enthalten:
Wasser 964,87
Feste Bestandteile 35,13
Auf letztere fallen
Feuerbeständige Masse 15,77
Organische Masse 19,36
Von letzteren waren
Eiweiss 5,90
Harnstoff 11,63
Extraktivstoffe 1,83
In den folgenden 8 Tagen nahm die Anschwellung
der untern Extremitäten und der grossen Schamlippen zu ;
auch wurden die Augenlider, das Gesicht und der rechte
Vorderarm von Oedem befallen. Der Harn wurde in spär-
licher Menge entleert und bot ein rothliches Ansehen mit
reichlichem Sedimente dar.
Auf die Verabreichung von Tartar. natron., roob juni-
peri ää Unze % x roob sambuc. Unze 1, liq. Kai. acet.
Dr. 2 (alle 2 Stunden einen Esslöffel voll) trat stärkere
Harnsekretion so wie Schweiss ein. Aber schon nach
4 Tagen musste wegen eingetretener Diarrhoe der Tart.
natron. und nach weiteren 3 Tagen , weil die Diarrhoe,
wenn auch im geringeren Grade, doch noch immer wieder
auftrat, diese Arznei ganz weggelassen werden, worauf
Dower'sche Pulver mit günstigem Erfolge verabfolgt
wurden.
Am 26. Juni wurde wiederholt eine Blut- und Harn-
Analyse vorgenommen.
I. 1000 Theile Blut enthielten:
Wasser 837,56
Feste Bestandtheile 162,44
Auf letztere fallen
Fibrin 2,35
Blutkörperchen 98,91.
Eiweiss 48,82
224
Extraktivstoffe
3,26
Lösliche Salze
7,60
Anorganische Salze
11,91
000 Theile Blutserum
enthielten :
Wasser
932,45
Feste Bestandteile
67,55
Auf letztere fallen
Eiweiss
53,36
Extraktivstoffe
1,95
Lösliche Salze
9,70
Anorganische Salze
10,86
Der gelbröthliche Harn hatte ein specifisches Gewicht
von 1020; er reagirte sauer und führte nur wenig Faser-
stoffcylinder und Epithel mit sich. In 24 Stunden wurden
892 Grammes entleert.
In 1000 Theilen Harn waren enthalten :
Wasser 953,67
Feste ßestandtheile 46,33
Von letzteren waren
Feuerbeständige Salze 18,23
Organische Masse 28,10
Diese bestand wieder aus
Eiweiss 8,23
Harnstoff 17,15
Extraktivstoff 2,72
Am 29. Juni trat plötzlich Lungankatarrh mit heftiger
Dyspnoe und Erstickungsanfällen auf, welche letzteren Zu-
fälle den dagegen angewendeten Mitteln nicht wichen,
sondern unter Zunahme des Oedems und des Ascites sich
steigerten und die Kranke in Lebensgefahr brachten. Unter
diesen Umständen schien die künstliche Einleitung der
Frühgeburt (im 7. Monate der Schwangerschaft) gerecht-
fertigt und es wurden vom 3. Juli an die Milchsauggläser
binnen 3 Tagen 9 mal angewendet. Als hierauf nur schwache
Wehen, aber grosse Schmerzhaftigkett der Brüste sich ein-
225
stellte, wollte man zur Anlegung des Colpeurynter schreiten,
welcher aber wegen der Enge der Vagina und der be-
deutenden Schmerzhaftigkeit der in hohem Grade ange-
schwollenen Labien nicht vertragen wurde. Man zog nun
die aufsteigende Uterus-Douche in Anwendung und ge-
brauchte dieselbe vom 7. Juli an durch 6 Tage hindurch
täglich 2 mal. Es traten nur schwache Wehen auf, doch
eröffnete sich allmählig der Muttermund. Die Schamlippen
schwollen indessen bis zur Kindskopfgrösse an und mussten
vom 13. Juli an wegen der heftigen Schmerzen öfters sca-
rißeirt werden. Von diesem Tage an wurde die Uterus-
Douche ausgesetzt.
Da der Zustand der Kranken jedoch sich von Tag
zu Tag verschlimmerte und nur seltene und schwache
Wehen auftraten, so versuchte man am 17. Juli ein Clysma
von Seeale cornutum (U. 1 — U. lv) und wiederholte
solches den nächsten Tag, worauf starke Wehen sich ein-
stellten. Am 19. Juli sah man sich genöthigt, mittelst der
Uterussonde die Eihäute bei Guldengross eröffnetem Mut-
termunde zu sprengen, worauf nach 2 Stunden die Geburt
eines todten 2 Pfd. 22 Loth schweren Knaben erfolgte.
In den ersten Tagen des Wochenbetts befiel die Kranke
ein heftiges Fieber mit starker Hitze des Kopfs, welche
Erscheinungen jedoch bald wieder verschwanden. Die
Lochien flössen sehr spärlich. Die ödematösen Anschwell-
ungen hatten schon am nächsten Tage nach der Geburt
bedeutend abgenommen ; kehrten aber am 23. Juli in
ziemlich hohem Grade, vorzüglich an den Schamlippen,
wieder zurück, worauf sie dann von Tag zu Tag mehr
und mehr verschwanden. Am 27. Juli entdeckte man zum
letzten Male im Harne Faserstoff-Cylinder in sehr geringer
Menge bei noch immerhin beträchtlichem Gehalte von Ei-
weiss, welches jedoch auch von diesem Tage an stets ab-
nahm und bis zum 13. August, an welchem die Kranke
entlassen wurde, gäuzlich verschwunden war. Bei ihrem
226
Austritte war dieselbe nur mit einem sehr geringen Oedem
an den Knöcheln des Unterschenkels und mit chlorotischen
Symptomen leichteren Grades behaftet, von welchen sie
nach weiteren 6 Wochen vollkommen befreit war.
Um den vorliegenden Fall besser würdigen zu kön-
nen, erscheint es nothwendig, die chemischen Analysen des
Blutes bei nichtschwangeren und schwangeren Frauen, so
wie die von Dr. Wolff bei unserer Kranken vorgenom-
menen übersichtlich zusammenzustellen.
In 1000 Theilen Blut fand
bei Nicht- bei Schwan- bei Engelhard
schwangern gern
als Mittel als Mittel I. Untersuch. IL Unters.
Rcqucrel & Rodicr. Rcqucrcl & Rodicr. Wolff.
Wasser . . .
791,10
801,0
832,50
837,56
Feste Bestand-
teile . .
208,90
199,0
167, 5
162,44
Blutkörperchen
127, 2
111,8
109,34
98,91
Eiweiss . . .
70, 5
66,1
45,07
48,82
Fibrin . . .
2, 2
3,4
2,44
2,35
Lösliche Salze
Extraktivstoffe .
1 %}
j 6,6
7,45
1,06
7,60
3,24
Feuerbeständige Salze 7,90 11,91
Aus den angeführten Zahlen ist leicht zu ersehen, dass
durch die Schwangerschaft das Blut in der Art eine Ver-
änderung erleidet , dass bei zunehmendem Wassergehalte
die festen Bestandteile, namentlich das Eiweisss und die
Blutkörperchen vermindert werden ; und dass dieser sonst
physiologische Process bei unserer Kranken eine solche
Höhe erreichte, dass er als pathologische Erscheinung auf-
trat. In dieser abnormen Beschaffenheit des Blutes musste
man die Ursache der massigen serösen Ergüsse und des
ganzen Leidens erkennen. In dem Respirations- und Cir-
culations-Apparate Hess sich keine organische Erkrankung
auffinden ; die Nieren konnten von keiner tieferen Textur-
227
Erkrankung befallen sein , indem der Harustoff-Gehalt im
Harne nie bedeutend vermindert gefunden wurde. Die
katharrhalische Affection der Nicrenschleimhaut konnte für
sich allein nicht die Intensität des Krankheitsprocesses be-
dingen ; sie musste, nachdem man die hochgradige seröse
Blutbeschaffenheit kannte, als deren Wirkung angesehen
werden; dass die erwähnte katharrhalische ArTection der
Nieren nicht auf mechanische "Weise durch Druck der ab-
dominellen und Nierengefässe von Seite des schwangern
Uterus zu Stande kam, ist in Anbetracht des noch tiefen
Standes desselben — zwischen Nabel und Symphyse —
und seines noch geringen Umfanges ausser Zweifel.
Nachdem man sich überzeugt hatte, dass in der
Schwangerschaft die Ursache des die Kranke im höchsten
Grade gefährdenden Leidens liegt, musste, da alle anderen
Mittel fruchtlos angewendet worden waren , die vorzeitige
Unterbrechung der Schwangerschaft eingeleitet werden. Die
alsbald nach der Geburt erfolgte Besserung und Heilung
dürfte wohl als der beste Beweis für die Richtigkeit der
gestellten Diagnose und die Zweckmässigkeit des einge-
schlagenen Verfahrens anzusehen sein.
2. Bei einer Erstgeschwängerten wurde in der 33.
Schwangerschaftswoche wegen Beckenenge (Conjug. 3y 4
bis 3% Zoll) die künstliche Frühgeburt dadurch eingeleitet,
dass kohlensaures Gas in die Vagina und gegen das Ori-
ficium uteri geleitet wurde. Man benützte hiezu eine gegen
y% Maass Flüssigkeit fassende Flasche, welche mit 2 Oerl-
nungen versehen ist. In der einen Oeffnung wird eine ge-
rade Glasröhre, welche bis tief unten in die Flasche hin-
einragt, durch einen Kork befestigt. Durch diese Röhre
wird die Säure in die Flasche geleitet. In der 2. Oeff-
nung ist eine gebogene Glasröhre fixirt, welche das sich
entwickelnde Gas in eine mit Wasser gefüllte kleinere
Flasche (Vorlage) führt, in welcher mitübergeführte Spuren
228
der zur Gasentwicklung angewendeten Säure absorbirt wer-
den. An dieser Vorlage ist eine 2. Oeflnung und in dieser
eine Glasröhre fixirt, an welcher eine gegen 3'/j Schuh
lange Kautschukröhre befestigt ist , an deren einem Ende
ein Mutterrohr angebracht wird. Um das Gas an die Cer-
vicalportion zu leiten, wird ein Speculum eingeführt und
durch dasselbe das Mutterrohr gegen dieselbe geleitet.
Damit das sicli entwickelnde Gas nicht zu schnell ent-
weicht, wird über dem Mutterrohr eine Korkplatte be-
festigt, mit welcher das Speculum verschlossen werden
kann. Zur Bereitung der Kohlensäure bringt man in die
grössere Flasche fein zerztossene Kreide und füllt sie gegen
Va mit Wasser, worauf man durch die gerade Glasröhre
concentrirte Salzsäure zugiesst. — Dieser Apparat wurde
bei der oben erwähnten Erstgebärenden am 2. Februar 1856
Abends 8 Uhr zum ersten Male durch 20 Minuten appli-
cirt, ohne dass hierauf subjektiv oder objektiv wahrnehm-
bare Veränderungen folgten. Am 3. Februar wurde das
Verfahren Morgens 8 Uhr durch 25 Minuten und Abends
8 Uhr durch 30 Minuten wiederholt. Die Schwangere
empfand, so lange die Kohlensäure einströmte, ein unange-
nehmes prickelndes Gefühl in der Vagina und im Laufe
des Tages öfters Stiche in der Nabelgegend. Abends er-
schien die Vaginalportion beträchtlich aufgelockert. Nach
einer in ruhigem Schlafe zugebrachten Nacht wiederholten
sich die erwähnten Stiche in der Nabelgegend. Am 4. Februar
kam der Apparat des Morgens und des Abends um 8 Uhr
jedesmal durch % Stunde in Anwendung, während welcher
Zeit das prickelnde Gefühl in der Vagina wieder auftrat.
Im Laufe des Tags ward der Muttermund für den Finger
durchgänglich. In der darauffolgenden Nacht erwachten
ziemlich heftige , gegen die Inguinalgegend ausstrahlende
wehenartige Schmerzen im Kreuze und gegen den Morgen
zu lebhafte, fühlbare Uterus-Contractionen , welche jedoch
später wieder nachliessen. Am 5. Februar Morgens wurde
229
wieder durch 30 Minuten die Kohlensäure eingeleitet, wahrend
welches Vorganges sich das mehrfach erwähnte Prickeln
wieder einstellte. Das Orificium war bis zur Grösse eines
Zwanzigkreuzer-Stückes erweitert, nachgiebig und leichf
ausdehnbar; die Secretion der Vagina war beträchtlich ver-
mehrt. Gegen Mittag traten wieder Wehen auf, welche
sich fortwährend steigerten. — Um 6 Uhr Abends erfolgte
der Blasensprung und nach */» Stunde in I. Schädelstell-
ung die Geburt eines 3 Pfund 12 Loth schweren, lebenden
Kindes. Die Placenta musste wegen starker Metrorrhagie
gelöst und entfernt werden. — Die Wöchnerin blieb gesund.
Dieser Fall ist bereits von Scanzoni in der Wiener
medicinischen Wochenschrift vom 15. März 1856 ver-
öffentlicht.
3. Bei einer Drittgeschwängerten, deren erste Geburt
durch eine sehr schwierige Zangenoperation beendet wurde
und bei deren 2. Schwangerschaft die künstliche Frühge-
burt eingeleitet ward (vergl. diese Beitr. Bd. I. S. 85),
wurde die Einleitung der künstlichen Frühgeburt in der
30. Schwangerschaftswoche vorgenommen. (Vergl. diese
Beitr. Bd. IL S. 45.) Man hatte zuerst die Milchsaus-
gläser, hierauf die Uterusdouche, dann den Colpeurynter
und warme Bäder angewendet und sah sich wegen der
Erfolglosigkeit dieser Mittel zum Eihautstich genöthigt.
Das Kind stellte sich in einer Querlage mit Vorfall des
rechten Arms und der Nabelschnur zur Geburt. Die auf-
getretenen Krampfwehen wurden durch die bekannten
Mittel behoben und hierauf die Wendung vorgenommen.
Da die Füsse nach vorne und links lagen und die ein-
geführte Hand krampfhafte Contractionen des Uterus her-
vorrief, so war die Wendung äusserst schwierig; auf die
Wendung liess man sogleich, weil man Gefahr für das
Leben des Kindes fürchtete, die Extraction folgen; das
Kind wurde jedoch todt geboren. Die Mutter erkrankte an
230
Puerperalfieber, wurde in's Juliushospital transferirt und
von dorten geheilt entlassen.
4. Hei einer Viertgeschwängerten, über deren 3 frühere
Geburten bereits in diesen Beiträgen Bd. I. S. 85 und
Bd. II. S. 45 Erwähnung gemacht wurde , versuchte man
wegen Beckenenge in der 32. Schwangerschaftswoche die
künstliche Frühgeburt mittelst der Kohlensäure auf die im
vorhergehenden Falle näher beschriebene Art und Weise
einzuleiten. Am 16. Juni 1856 um 11 Uhr Morgens w T urde
durch 40 Minuten die Kohlensäure gegen die Vaginalpor-
tion geleitet. Die Schwangere empfindet das Einströmen
derselben als ein leichtes Prickeln in der Vagina, und klagt
über wehenartige Schmerzen, während die auf den Uterus
aufgelegte Hand denselben härter und fester fühlte. Um
4 Uhr Nachmittags ward der Apparat wieder durch 30 Minuten
angewendet. Während der Anwendung traten mehrere
deutlich wahrnehmbare Wehen auf, die auch nach Entfern-
ung des Apparates noch durch einige Zeit fortdauerten.
Die folgende Nacht brachte die Schwangere im ruhigen
Schlafe zu, bis sie des Morgens gegen 4 Uhr wegen heftiger
Wehen das Bett verliess , nach welchen man keine merk-
liche Erweiterung des Muttermundes, aber eine beträchtliche
Erweichung und Auflockerung der früher fast knorplig an-
zufühlenden Vaginalportion bemerkte. Am 17. und 18. Juni
wurde die Kohlensäure 3 mal, des Morgens, Mittags und
Abends applicirt. Gleich nach der Anwendung, während
und einige Zeit nach derselben gewahrte man deutlich
Wehen. Am 18. Juni trat nach der des Morgens vorge-
nommenen halbstündigen Anwendung Brechneigung und
ein schmerzhaftes Gefühl von Hitze in der Scheide auf,
wogegen ein lauwarmes Bad und M% Gran Morph, mit dem
besten Erfolge angewendet wurde. — Am 19. Juni fand
man die Cervicalportion äusserst weich und den inneren
Muttermund für den Finger durchgänglich. Es wurde des
Morgens das Verfahren wiederholt. Des Mittags liess man
231
bei der Anwendung das Speculum weg, indem man das
Mutterrohr unmittelbar in die Vaginalportion einführte.
Dadurch wurden sehr starke und alle 2 — 3 Minuten sich
wiederholende, aber nur gegen 15—20 Sekunden dauernde
Wehen hervorgerufen, welche nach Beendigung der 1 '» Stunde
dauernden Sitzung wieder nachliessen, worauf ein spannen-
der, sich über den ganzen Unterleib verbreitender Schmerz
noch einige Stunden andauernde. Des Nachmittags gegen
4 Uhr wurde wie Mittag verfahren, ohne dass die geringste
Spur von Wehen aufgetreten wäre. Bei der Sitzung des
Abends 7 Uhr bediente man sich wieder des Speculums
und gewahrte diessmal erst nach 13 Minuten schwache
Wehen, und nach Hinwegnahme des Apparats völliges Auf-
hören der Wehenthätigkeit. Man wollte jetzt die Cohen'sehe
Methode versuchen und injicirte eine Infus, capit. papav.
den 20. Juni 5 mal , und den 21. Juni Morgens 1 mal in
die Uterushöhle, jedoch ohne den geringsten Erfolg, wess-
halb man den 21. Juni wieder 3 mal die Kohlensäure in
Anwendung zog, wodurch aber nur schwache und nur
sehr kurz anhaltende Wehen erzielt wurden. Die Nach-
mittags-Sitzung wurde durch eine Ohnmacht der Schwangeren
unterbrochen , welche sich nach Entfernung des Apparats
bald wieder verlor.
Am 22. Juni wurde des Morgens eine lauwarme In-
jection von Decoct. alth. in die Uterushühle gemacht,
worauf bald einige heftige Wehen und zugleich starke
Dyspnoe auftrat. Die Wehen Hessen bald wieder nach
und nur erst in der Nacht wurden wieder einige bemerkt.
Am 23. Juni Morgens ward wieder eine Injection
von Decoct. alth. in die Uterushöhle — jedoch ohne den
geringsten Erfolg — gemacht. Gegen Mittag wurde die
Tamponade der Vagina nach Schöller in Anwendung ge-
zogen, worauf nach lf i Stunde nur 2 — 3 starke Wehen
eintraten.
232
Am 24. Juni wurde des Morgens und des Nachmittags
und am 25. Juni Morgens eine Injection von Decoct alth.
in die Uterushöhle ohne den geringsten Erfolg vorgenommen.
Am 26. Juni Morgens wurde, nachdem alle die ange-
gebenen Verfahren nicht im Stande waren , eine rege Ge-
burtsthätigkeit hervorzurufen, der Eihautstich nach Meiss-
ners Methode vorgenommen, wobei sich eine beträchtliche
Menge geronnenen Blutes mit trüber schleimiger Flüssig-
keit entleerte. Nach y 4 Stunde traten regelmässige kräftige
Wehen auf, die durch ein lauwarmes Bad noch verstärkt
wurden. Der Blasensprung erfolgte den 27. Juni gegen
Mittag bei nur sehr gering erweitertem Muttermunde, und
am 28. Juni Nachmittags l 1 /* Uhr erfolgte in vollkommener
Fusslage die Geburt. Das Kind kam todt zur Welt. Die
adhaerirende Placenta musste wegen Metrorrhagie ge-
löst werden. Die Wöchnerin erkrankte an Endometritis,
doch wurde sie geheilt entlassen. —
Diesen Fall beschrieb bereits näher Dr. Henri Dor
aus Vcvey in seiner Inaugural-Dissertation : Die Kohlen-
säure, als Mittel zur künstlichen Einleitung der Frühgeburt.
Würzburg 1857.
Es wurde sonach die Frühgeburt 4 mal künstlich ein-
geleitet; die Indication hiefür war einmal hochgradige
flydrämie, 3 mal Beckenenge und zwar zum zweitenmale
bei einer Drittgeschwängerten , zum drittenmale bei einer
Viertgeschwängerten und dann bei einer Erstgeschwängerten.
In letzterem Falle gelang die Operation durch die Ein-
strömungen der Kohlensäure vollkommen, in den 3 ersten
Fällen führten verschiedene Methoden und zwar die Kohlen-
säure , die Milchsauggläser, die aufsteigende Douche, die
Injectionen nach Cohen und die Colpeuryse nicht zum
Ziele, wesshalb man zur Ausführung des Eihautstiches
sich gcnöthigt sah. Von den Kindern kam das in Folge
der Einwirkung der Kohlensäure geborene lebend, die drei
233
übrigen todt zur Welt. — Von den Müttern blieb gleich-
falls die mit Kohlensäure behandelte gesund, während von
den 3 anderen die eine an Endometritis,, die andere an
Febris puerper. erkrankte, wovon jedoch beide genasen, die
dritte endlich der hydraulischen Erscheinungen wegen noch
in Behandlung: blieb und auch °;enas.
Scmnioni'g Beitrüge III. j o
234
III. Operationen mit der Gebnrtszunge
SP
bJD
C3
h9
A usgang
2 Indication
13 L
S; liir flip. Onprntinn
für die Mutter ifür das Kind
Krk rankt
Ge-
storb.
Le-
bend
Todt-
gebor.
1.
IT
T
~5.
IT
T
T.
"ä
10.
Krampf wehen.
I.
Schä-
del-
Stell-
ung.
1
Wehenschwäche.
II.
1
Krampfwehen.
I.
1
Wehenschwäche.
II.
~1L~
Incontinentia
urinae
1
Krampf wehen.
1
Wehenschwäche.
11.
»
I.
l
3>
IL
l
»
I.
1
J)
I.
l
l
n.
ri
I.
•235
lei Torlifefndera Ropfe.
Bemerkungen.
Bald nach dem Biasensprunge traten bei der 24 Jahre alten
Erstgebärenden heftige sich über den ganzen Uterus erstreckende
Krampfwehen auf. wogegen öftere Chloroform-Inhalationen. Ein-
reibung von Chloroform-Liniment , Morphium innerlich. Opium
in Klystier . warmes Bad und Aderlass in Anwendung kamen.
Nach 39stündiger Dauer der Geburt und hinreichender Erweiter-
ung des Muttermunds wurde die Zange angelegt. Die Herztöne
des Kindes waren schon einige Stunden vorher nicht mehr zu
hören. Ein bei der Extraction des Kopfes aufgetretener Damm-
riss wurde genäht und war die Heilung nach VI Tagen erfolgt.
Das an der Seite stehende Hinterhaupt ward nach vorne
gedreht fs. Scanzor.i's Lehrb. d. Geburtshilfe IL Aufl. p. 828 u. f.).
Chloroform-Inhalationen wurden 14 mal und zwar immer
bis zur Betäubung der Kreissenden angewendet.
Durch öfteres Einlegen eine* silbernen Catheters. den man
durch einige Wochen liegen lies- . war die Incontinentia urinae
nach 3 Tagen behobeu.
Die Anwendung von Chloroform-Inhalationen bis zur Be-
täubung behob die Krampfwehen nur auf kurze Zeit. Nach
einem i"2 maligen Gebrauche derselben wurden noch 3 Morphi um-
Pulver , jedes '/e Gran enthaltend, gegeben, und bei gehöriger
Erweiterung des 3Iuttermunds künstliche Hilfe geleistet. Das
zur Seite des Beckens stehende Hinterhaupt wurde nach vorne
gedreht.
Drehung des seitlich stehenden Hinterhauptes nach vorne.
Trotz der Incisionen in die Schamlippen erfolgte ein Damm-
riss. der sogleich genäht wurde und nach 8 Tagen geheilt war.
Das zur Seite stehende Hinterhaupt ward nach vorne gedreht.
Die vordere Muttermundslippe schwoll bedeutend an und
konnte nicht über den Kopf zurückgeschoben werden. Nach der
Geburt fand man sie grösstenteils abgerissen, aber noch mit
dem Uterus zusammenhängend. Ohne irgend welche Erschein-
ung hervorzurufen, schrumpfte die abgerissene Muttermundslippe
derart ein. dass sie nach 3 Tagen nur als eine höckerige Un-
ebenheit sich anfühlte.
236
2
Indication
für die Operation
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9
Ausgang
für die Mutter
für das Kindl
Erkra » kt | S forb.
Le-
bend
Todt-
gebor.
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14.
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24.
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27.
Vorfall der Nabel-
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1.
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del-
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I.
1
Wehenschwäche.
1
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giebiger Kindskopf.
I.
Febr. puerp.
1
11
I.
II.
Schäd.
stell.
mit
Vorf.
beider
1
Krampfwehen.
Febr. puerp.. Pa-
rese der linken
untern Extre-
mität.
1
237
Bemerkungen.
Die Blase trat bis zum Beckenausgange herab. Sobald die
Nabelschnur schwächer pulsirte. wurde die Blase gesprengt und
das Kind entwickelt.
Die Nabelschnur war 2 mal und zwar so fest um den Hals
geschlungen, dass sie nach der Extraktion des Kopfes unter-
bunden und durchschnitten werden musste.
Das zur Seite stehende Hinterhaupt wurde nach vorne ge-
dreht
Erstes Zwillingskind.
Das zur Seite stehende Hinterhaupt wurde nach vorne
gedreht.
Das zur Seite stehende Hinterhaupt wurde nach vorne
gedreht.
Das zur Seite stehende Hinterhaupt wurde nach vorne
gedreht.
Wegen Metrorrhagie in der Nachgeburtsperiode musste die
Placenta gelöst werden, wornach jedoch die Blutung noch tort-
dauerte und den gewöhnlichen Mitteln widerstand, wessnalb
eine Lösung von Murias fern (2 Drachmen auf 6 Unzen ) mit
Erfolg injicirt wurde. Die Wöchnerin war sehr anaemiseh. er-
krankte den folgenden Tag an Puerperalfieber und starb 11 Tage
nach der Operation.
Zu Anfange der Geburt lagen die beiden Füsse und der
linke Arm vor. Der in der Nähe befindliche grössere Körper,
den man wegen seines hohen Standes nicht genauer erkennen
konnte , wurde für den Steiss gehalten : erwies sich jedoch als
den Kopf, nachdem man bei längerer Verzögerung der Geburt
mit der ganzen Hand untersucht hatte. Die vorliegenden kleinen
238
"3
Indication
für die Operation
03
SP
>3
Au s gang
für die Mutter
für das Kind
Erkrankt ! storL.
Le-
bend
Todt- 1
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Füsse
u. des
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28.
Becken veren gn n g.
(Conjugata3%Zoll)
II.
Schaft.
1
19.
Wehenschwäche.
I.
1
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Febr. puerp.
1
31.
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I.
1
34.
So!
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II.
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1
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I.
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1
36.
37.
38.
Wehenschwäche.
I.
1
1
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I.
1
Wehenschwäche.
1
39.
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41.
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1
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Beckenenge (Con-
jugata 37, Zoll).
Krampfwehen.
IL
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1
i
239
Bemerkungen.
Theile wurden reponirt und der Kopf in den Becken-Eingang
hereingeleitet. Die hierauf sich einstellenden heftigen Krainpf-
wehen wurden durch Opium , warmes Bad und Aderlass ge-
mässigt, worauf die Geburt künstlich beendigt wurde.
Nach Ausschluss der Placenta trat eine sehr heftige Blut-
ung auf, die den gewöhnlichen Mitteln widerstand und erst
nach d. Injection einer verdünnten Lösung von Murias ferri aufhörte.
Nachdem mehrere Versuche . die nach rechts und hinten
vorgefallene Nabelschnur mittels des Bra un'schen Repositoriums
zurückzubringen , misslangen und deren Pulsationen allmälig
schwacher wurden, so musste an dem im Beckeneingange schon
feststehenden Kopfe die Zange angelegt werden.
Die Kreissende wurde -bei Beginn der Geburt von Ecclam-
psie belallen. Nachdem der Tod eingetreten war . wurde das
Kind bei hinreichender Eröffnung des Muttermundes durch die
Zange zu Tage gefördert.
Wegeu Härte und Unnachgiebigkeit des Muttermundes
wurde dessen Erweiterung durch 4 stündige Anwendung des
Colpeurynters und durch 3 malige Application der lauwarmen
Uterusdouche erzielt und wegen Erschöpfung der Kreissenden
die Zange angelegt. —
Der Kopf blieb bei sehr kräftigen Wehen im Beckeneingange
eingekeilt. Es traten heftige Krampfwehen auf. welche durch
ein lauwarmes Bad. Opiate und Chloroform gemässiget wurden,
worauf dann die Zange, weil durch die lange Geburtsdauer
die Kreissende sehr erschöpft war und die fötalen Herztöne nur
240
-
s
Indication
für die Operation
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Ausgang
für die Mutter
für das Kind
Erkrankt
Ge-
storb.
Le- | Todt-
bcnd | gebor.]
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Schäd.
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Wehenschwäche u.
sehr enge Vagina.
43.
Krampfwehen und
Ausbleiben der
normalen Drehung
des vorliegenden
Gesichts.
11.
1
44.
45.
46.
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II.
Febr. puerp.
1
Wehenschwäche.
I.
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1
1
Febr. puerp.
1
Beckenenge (Con-
jugata 3'/ 4 ")-
1
Von diesen Zangenoperationen vollführte v. S c a n z o n i
5, Dr. J. B Schmidt 16, Dr. Langheinrich 11, Dr.
Gregor Schmitt 6. Von den Practikanten operirten:
zweimal Dr. Mayrhofer, einmal die Dr. Dr. Papellier,
Bittinger, Deckert, Rück er und die Cand. med.
K e m p e r d i c k, S a c k, K i m m i g, A m a n n u. F 1 e i s c h m a n n.
Die Zange wurde an dem vorliegenden Kopfe einschlüssig der
zwei Fälle, in welchen die Verkleinerung des Kopfes vor-
genommen war, 49 mal angelegt und zwar wegen Wehen-
schwäche 34 mal, wegen der durch Krampfwehen bedingten
Geburtsverzögerung 6 mal, wegen nicht erfolgter natürlicher
Drehung des mit dem Kinne nach hinten stehenden Gesichtes
1 mal. wegen Vorfall der Nabelschnur 3 mal, wegen absoluter
Beckenenge 5 mal, wegen relativer Beckenenge 1 mal, und
241
Bemerkungen.
noch sehr schwach zu hören waren, angelegt wurde. Erst nach
etwa 15 Tractionen gelang es . das stark entwickelte Kind zu
Tage zu fördern.
Bei der Erstgebärenden mit sehr engen Genitalien blieb die
Stirne nach vorne und rechts stehen . selbst als das Gesicht bis
in die Beckenenge herabgetreten war. Nachdem die Krampf-
wehen durch die bekannten Mittel beseitiget waren . wurde
durch eine zweimalige Anlegung der Zange das nach hinten
und links stehende Kinn nach vorne gedreht und das Kind zu
Tage gefördert.
Eine heftige Blutung nach Ausstossung der Placenta er-
heischte ausser den gewöhnlichen Mitteln die Injection einer
Lösung von Murias ferri.
1 mal wurde nach dem in Folge von Ecclampsie erfolgten
Tode der Mutter das Kind durch die Zange entwickelt.
Von den mittels der Zange entbundenen 47 Müttern
blieben vollkommen gesund 32, an Puerperalfieber erkrank-
ten 5, an Incontinentia urinae 2, an Blutung in der Nach-
geburtsperiode 8.
Gestorben ist von den Operirten 1 an Puerperalfieber.
Das zur Seite des Beckens stehende Hinterhaupt wurde
7 mal, und 1 mal das bei II. Gesichtslage hinten und links
stehende Kinn nach vorne gedreht. 42 Kinder wurden
lebend und 5 todt zur Welt gebracht.
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zu den Schultern natür-
lich ggberen. Da Sie Na-
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und aussetzend pulsirte.
wurden die Schultern ge-
löst und der Köpf manuell
ZU extrahiren versucht,
was jedoch nicht gelang,
wesshalb die Zange ange-
legt wurde. Das Kind kam
scheintodt /.. Welt, konnte
abei nicht zum Leben gen
bracht werden. (Dr. Lang«
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Bis zu den Schultern
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die Naturkräfte. Wegen
schwacher u. unregelmäs-
siger Pulsation der Nabel-
schnur wurden die Schul-
tern gelöst. Die Versuche,
den Kopf manuell zu ent-
wickeln, niisslangen. Man
griff desshalb zur Zange,
welche aber wegen spasti-
scher Contraction d. Mut-
termundes nicht angelegt
werden konnte. Durcli die
Chloroforniirung ^vurde
diese Anomalie behoben u.
sodiinn weg. Verzögerung
derGcburt d. Kopf niiinueil
entwickelt. Die 7 monatl.,
4 Pf. schwere Frucht zeigte
nberdeniGesichte deutlich
die Kinschmirungsstelle.
(Dr. Langheinrich ).
Die 6 monatl. Frucht
wurde in den Eihäuten u.
mit der Placenta geboren!
Erstes Zwillingskind.
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Vollkommne
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Nachdem der Nabe] ge-
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Aufhören d. Nal>elsrhnur-
Fnlsationen dieExtraction
vorgenommen werden;
( Dr. .1. H. Srl.mi.lt ).
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247
Geburten mit vorliegendem untern Rumpfende kamen
24 mal vor; und zwar als Steisslagen 18, als vollkommene
Fusslagen 5 und als unvollkommene 1. Von den Steiss-
geburten konnten der Natur 12 überlassen werden, 9 Kinder
wurden lebend, 2 todt und 1 im macerirten Zustande ge-
boren. Unter den lebend gebornen Kindern befand sich
1 mal eine einzelne frühzeitige Frucht, 1 mal ein erstes
Zwillingskind, 4 mal ein zweites Zwillingskind , von welch'
letzteren 2 rechtzeitig, und 2 zu früh geboren wurden.
— Die 2 todtgebornen Kinder waren Früchte von 5 und
6 Monaten. Durch die Extraktion mussten 6 Steissgeburten
beendet werden: in 2 Fällen wurde an den nachfolgenden
Kopf die Zange angelegt. 4 Kinder kamen lebend, 2 todt
zur Welt. Bei einem dieser letzteren war die Nabelschnur
vorgefallen und hatte die Entwicklung des Kopfes wegen
bedeutender Beckenenge grosse Schwierigkeiten.
Die Steissgeburten kamen vor bei Erstgeschwängerten 9 mal
(darunter 1 mal Abortus im 6. Monate , 1 mal Zwillings-
geburt und 1 mal Frühgeburt) ;
bei Zweitgeschwängerten 5 mal (darunter 3 mal Zwillings-
geburt);
bei Drittgeschwängerten 1 mal ;
bei Viertgeschwängerten 2 mal (1 mal Abortus im 5. Monate
und 1 mal Zwillingsgeburt) ;
bei einer Fünftgeschwängerten 1 mal.
Vollkommene Fusslage kam 5 mal vor. In 3 Fällen
ward die Geburt der Natur überlassen. Ein ausgetragenes
Kind wurde lebend geboren; 1 zu früh geborenes, dessen
Nabelschnur vorgefallen und bei der Untersuchung schon
pulslos befunden wurde, sowie 1 Kind (bei eingeleiteter
künstlicher Frühgeburt) todt geboren.
Die Extraktion wurde 2 mal gemacht. 1 Kind, an
dessen nachfolgenden Kopf wegen spastischer Contraction
des Muttermundes die Zange nicht angelegt werden konnte,
248
kam tudt zur Welt, und 1 Kind (Frühgeburt ira 7. Monate)
wurde lebend entwickelt.
Die vollkommenen Fusslagen kamen vor bei Erst-
geschwa'ngerten 2 mal (beide Frühgeburten), bei Zweit-, bei
Dritt- und Viertgeschwängerten je 1 mal.
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2.
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Querlage (Kopf
rechts. Rücken nach
vorne) mit Vorfall
des rechten Armes.
1
1
1
II. Schädelstellung
(Schiefstand des
Kopfs).
1
1
— —
1
Querlage
(Kopf rechts, Rük-
ken nach hinten ).
Vorfall des rechten
Arms u. der Nabel-
schnur.
1
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1
249
Unvollkommene Fusslage ereignete sich nur 1 mal bei
einer Erstgebärenden. Das Kind kam durch die Natur-
kräfte und lebend auf die Welt.
Alle 24 Mütter, welche Geburten mit vorliegendem
untern Kumpfende überstanden hatten, blieben gesund.
i u i den Fuss.
Bemerkungen.
Zweites Zwillingskind. — (Oper Dr. Langheinrich.)
Der Kopf blieb lange über der Symphyse stehen trotz der
kräftigsten Wehen. Man versuchte denselben mit der Hand
gegen den Beckeneingang hereinzuleiten , was jedoch nicht ge-
lang; es wurde desshalb der linke Fuss erfasst und herabge-
führt und da dieser auf angebrachte Reize nicht reagirte. wurde
sofort die Extraction vorgenommen. Der Kopf blieb im Becken-
eingange stecken. Ein Versuch, die Zange au demselben anzu-
legen, misslang, und man überliess die Sache der Natur, bis
durch kräftige "Wehen der Kopf tiefer in die Beckenhöhle her-
abgetreten war ; als er hier trotz kräftiger Wehen mit seinem
Diagonaldurchmesser im queren Durchmesser des Beckens stecken
blieb, versuchte man ihn manuell zu entwickeln, Mas auch nach
mehreren kräftigen Tractionen gelang. — Das Kind zeigte keine
Lebenszeichen, doch wurde sofort die Nabelschnur unterbunden,
fwornach die Umbilicalvene des zur Placenta gehenden Theiles
des Nabelstranges durch etwa '/ 2 Minute in starkem Bogen
spritzte) um die Wiederbelebungsversuche, die jedoch erfolglos
waren, vorzunehmen. (Oper. Hofr. Seanzoni.)
Künstliche Frühgeburt in der 30. Schwangerschaftswoche
wegen Beckenenge (Conjugata 3 l ,y). Zur Erregung von Wehen
waren die Milchsäuggläsei;, die Uterusdouehe. der Colpeurynter
und warme Bäder mehrere Tage hindurch furchtlos angewendet,
wesshalb der Eiliautstich gemacht wurde. Im weiteren Verlauf
der Gehurt traten Krampfw elien auf, welche durch die geeigneten
Mittel beseitigt wurden. Nach gehöriger Erweiterung des Mutter-
mundes sehritt man zur Wendung, welche jedoch, da die Füsse
nach vorne lagen und der Uterus sieh nach Einführung der
Hand krampfhaft zusammenzog, sehr schwierig war. Der herab-
gezogene Fuss reagirte nicht auf angebrachte Reize, wesshalb
sofort die Extraction des während der Operation jedoch abge-
storbenen Kindes vorgenommen wurde. (Oper. Dr. Lang-
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Querlage
(Kopf links. Rücken
nach hinten).
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1
1
1
Querlage
( Kopf links, Rücken
nach vorne ).
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1
Querlage
(Kopf rechts. Rück.
nach hinten, Vorfall
des linken Annes u.
der Nabelschnur).
Querlage
(Kopf links. Rücken
nach hinten, Vorfall
der Nabelschnur).
Querlage
(Kopf links. Rücken
nach hinten).
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1
l
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Querlage
(Kopf rechts, Rü-
cken nach vorne,
Vorfall der Nabel-
schnur).
l
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Puer-
peral-
fieber.
II. Schädelstellung,
Placenta praevia
centralis.
l
i
Puer-
peral-
fieber.
Querlage
(Kopf rechts, Rü-
cken nach hinten).
l
i
Querlage
(Kopf rechts, Rü-
cken nach vorne),
1
13.
Querlage
(Kopf links. Kücken
nach hinten. Vorfall
des linken Annes ).
l
1
1
1
1
251
Bemerkungen.
(Oper. Hofr. Scanzoni.)
Zweites ZwUBngskind. Nach der Wendung übcrliess man
der Natur den weiteren Fortgang der Geburt. Nachdem der
Steiss zu Tage getreten war und die Nabelschnur nur äusserst
schwach pulsirte, musste die Extraction vorgenommen werden.
(Oper. Dr. J. B. Schmidt.)
Die Wendung wurde in der Seitenlage ausgeführt und Wegen
schwacher Pulsation des Nabelstranges gleich darauf die Extrac-
tion vorgenommen. (Oper. Dr. J. B. Schmidt.)
Ebenso. (Oper. Dr. J. B. Schmidt.)
(Oper. Hofr. v. Scanzoni.")
Wegen der gleich bei Beginn der Wendung wahrgenom-
menen schwachen Nabelschnur-Pulsation musste sofort die Ex-
traction folgen. fOper. Dr. J. B. Schmidt.)
Gleich bei Beginn der Geburt trat eine heftige .Metrorrhagie
auf. wesshalb die Tamponade durch einen mit kaltem Wasser
gefüllten Colpeurynter vorgenommen wurde. Die Blutung stand
hierauf still und kehrte erst nach 12 Stunden wieder, nachdem
erst kurz vorher mehrere kräftige Wehen aufgetreten waren.
Bei hinreichender Erweiterung des Muttermundes wurde das
Kind gewendet und extrahirt und gleich darauf die Lösung der
Placenta vorgenommen. (Oper. Hofr. v. Scanzoni.)
Da der Kopf sehr nahe gegen den Beckeneingang Jag. ver-
suchte man die Wendung auf den Kopf. Hiebei fiel eine Hand
und der Nabelstrang vor. wesshalb man einen Fuss herableitete.
Nach der Geburt des Steisses war die Extra tion durch die schwachen
Nabelschnur-Pulsarionen indicirt. (Oper. Dr. J. P>. Schmidt.)
fOper. Dr. J. B. S c h niTTl V j
An dem herabgeleiteten Fusse gelang die Drehung des Kin-
des nicht . wesshalb der doppelte Handgriff in Anwendung ge-
zogen werden musste. Die früher deutlich wahrgenommeneD
totalen Herztöne waren nach der Wendung nicht melir zu ver-
nehmen : man liess desshalb sogleich die Kxtration folgen. Bei
der Extraction des Steisses fiel eine pulslose Nabelschnurschlinge
vor. (Oper. Dr. J. B. S c h in i d t. i
252
Die Wendung wurde 13 mal und zwar wegen Quer-
lage 12 mal und 1 mal bei II. Schädelstellung wegen hefti-
ger Metrorrhagie in Folge von Placcnta praevia central, vor-
genommen. Ausgeführt wurde die Operation von Scan-
zoni 4 mal , von Dr. J. B. Schmidt 7 mal , von Dr.
Langheinrich 2 mal. Nur in 2 Fällen konnte man nach
der Wendung den weiteren Geburtshergang der Natur über-
lassen. Von den operirten Müttern blieben gesund 10,
3 erkrankten an Puerperalfieber, von denen 1 bei Placenta
praevia starb. Von den gewendeten Kindern wurden 6 lebend
und 7 todt extrahirt, unter welch' letztern 1 macerirtes war.
VI. Verkleinerung des Kindskopfes (kephalotripsie, Perforation).
Bei einer 22 Jahr alten Erstgebärenden, welche mit
starker Neigung des Beckens und bedeutendem Hängebauche
behaftet war, blieb der Kopf trotz der kräftigsten Wehen
lange Zeit über dem Schambeine stehen ; die Pfeilnahtstand
so hoch, dass sie nicht erreicht, werden konnte und war
stärker als gewöhnlich gegen das Kreuzbein gekehrt. Bei
dieser schiefen Stellung des Kopfes versuchte man , nach-
dem bereits 12 Stunden nach dem Blasensprunge verflossen
waren und die kräftigsten Wehen ohne Erfolg blieben, durch
die Zange denselben tiefer iu die Beckenhöhle herab zube-
wegen. Es wurden 6 Traktionen, jedoch vergebens, ge-
macht. Die Herztöne , welche man früher ganz deutlich
auf der linken Mutterseite hörte, wurden indess schwächer
und verschwanden endlich gänzlich, und die früher vorhan-
dene Kopfschwulst wurde weicher. Nachdem man sich
durch diese Zeichen über den eingetretenen Tod des Kin-
des versichert hielt und die Mutter durch die lange Ge-
burtsdauer sehr viel gelitten hatte , wurde der Kopf mit
dein K iwis ch 'sehen Perfonitorium perforirt und die Ke-
phalotribe angelegt. Da dieselbe jedoch bei der sehr un-
253
günstigen Stellung des vorliegenden Kopfes nur dessen
nach hinten gekehrte Flache erfasste und sonach nur einen
kleinen Theil desselben comprimirte, so feg sie nicht lest
genug an, und musste desshalb nach einigen Tractionen,
welche jedoch den Kopf etwas tiefer herabbewegten, absre-
nommen und wieder angelegt werden. Nach einigen Trak-
tionen , als deren Abgleiten wieder zu befürchten stand,
wurde sie wieder abgelegt und zum 3. Male eingeführt,
wornach durch sie die Extraction des Kopfes nach 54
Stunden langer Dauer der Geburt gelang. Aber auch die
Entwicklung der Schultern hatte wegen des sehr nach hin-
ten gerichteten untern Randes der Symphys. op. pubis
grosse Schwierigkeiten.
Aus der Vagina, deren hintere Wand durch einen
Knochensplitter, welcher bei der Compression des Kopfes
die Kopfdecken perforirt hatte, verletzt war , ergoss sich
ziemlich viel Blut . wesshalb ein mit Essig und Walser
befeuchteter Schwamm in dieselbe eingebracht wurde,
worauf die Blutung stand. Die Mutter erkrankte an
Eodomtritis , Colpitis und Peritonitis und staib nach 96
Tagen unter den Erscheinungen der Pyaemie.
9. Bei einer Kreissenden mit sehr geneigtem und ver-
engtem Becken fConjug. gegen &%") fühlte man neben dem
in I. Lage befindlichen Kopfe zugleich die Nabelschnur
vorliegend, von welcher nach dem Blascnsprunge zwei
grosse Schlingen vorfielen. Man versuchte dieselbe mittelst
des B raun 'sehen Repositoriums zurückzubringen, was je-
doch nicht gelang. Als nach einigen kräftigen Wehen der
Kopf im Beckeneingange feststand, der Muttermund hin-
reichend erweitert war und die Nabelschnur nur noch
schwach pulsirte. versuchte man durch die Zange das Le-
ben des Kindes zu retten, von welchem Vorhaben man je-
doch abstand, als nach einigen kräftigen Tractionen der
Kopf nicht tiefer herabbewegt werden konnte und die Na-
254
belsehnur keine Pulsationen mehr zeigte. Man wollte die
Geburt der Natur überlassen , sah sich aber gezwungen,
nach längerer Dauer derselben und nachdem mehrere
sehr heftige, den Kopf jedoch nicht weiter fördernde, die
Kreissende aber sehr ergreifende Wehen aufgetreten waren,
und überdiess eine nicht unbeträchtliche Gebärmutterblut-
ung sich einstellte, den Schädel des bereits schon länger
abgestrobenen Kindes zu perforiren und den Kopf mit der
Kephalotribc zu entwickeln, welche Operation ohne erheb-
liche Schwierigkeit gelang.
Die Mutter blieb gesund.
VII. Placentar - Lösungen.
Wegen Metrorrhagie in der Nachgeburtsperiode musste
die Placenta 28 mal gelöst werden; und zwar
zwanzigmal wegen regelwidrig fester Adhaesion (in einem
Falle war eine Nebenplacenta vorhanden), viermal bei In-
carceration , dreimal bei Atonie des Uterus und einmal
wurde bei Placenta praev. centr. nach der Wendung und
Extraction des Kindes sofort die Placenta entfernt. Von
diesen Wöchnerinnen erkrankten an Anaemie 1 7 , welche
in gebessertem Zustande entlassen wurden ; an Puerperal-
fieber 4, von denen eine geheilt entlassen wurde und 3
starben.
In einem dieser tödtlich abgelaufenen Fälle war die
Geburt mit der Zange beendet worden. Nach der Entfern-
uno: der Placenta, die an der vorderen Uteruswand fest
adhaerirte , trat eine heftige, den gewöhnlichen Mitteln
hartnäckig widerstehende Blutung auf, wogegen eine Lös-
ung von Murias icrri mit Erfolg injicirt wurde. Die
Wöchnerin war durch den starken Blutverlust sehr anae-
DUBCh geworden. Sic erkrankte an Endometritis und Metro-
phlebitis und starb 10 Tage nach der Geburt.
255
Bei der Section fand man an der hintern Muttermunds-
lippe eine geborstene varicöse Vene, in welche eine Sonde
eingeführt und bis zur Insertionsstelle der Placenta fortge-
führt werden konnte. — In einem zweiten Falle war die
Geburt durch Krampfwehen verzögert, aber ohne Kunst-
hilfe beendet worden. Die gelöste und entfernte Placenta
war ungemein fettig entartet und ausserordentlich volumi-
nös. Die Wöchnerin erkrankte an Meningitis und starb
32 Stunden nach der Geburt. Die Section zeigte ausge-
breitete frische Meningitis und Gehirn-Apoplexie. — Der
dritte tödtlieh abgelaufene Fall betrifft die Kreissende mit
Placenta praev. centralis. Sie starb am 8. Tage nach der
Geburt an Metrolymphangoitis , Metrophlebitis und Endo-
metritis.
D. Störungen des Wochenbetts.
1. An Puerperalfieber erkrankten 30 Wöchnerin-
nen. Von diesen verlassen 2 geheilt und 2 gebessert die
Anstalt und 6 sind gestorben. In's Juliushospital wurden
20 an Puerperalfieber Erkrankte transferirt. Von diesen
wurden 13 geheilt, 2 gebessert entlassen und 5 sind
gestorben.
Nach Operationen erkrankten : nach 47 maliger Anleg-
ung der Zange 5, von denen 1 gestorben ist: nach 13
Wendungen 2 , von denen 1 starb. Nach 2 maliger Vor-
nahme der Perforation und Kephalotripsie erkrankte und
starb 1 Wöchnerin.
Die Sectionen der an Puerperalfieber Verstorbenen
zeigten die entzündlichen Processe der Peritonitis, Endome-
tritis, Lvmphangöitis , Phlebitis und Oophoritis mit mehr
oder weniger massenreichen Exsudaten. Sogenannte sep-
tische Formen kamen diesmal nicht vor.
2. Eine Wöchnerin, bei der die künstliche Frühgeburt
eingeleitet worden war und welche durch die Wendung
25G
uii.l Extraction entbunden wurde, erkrankte an Perito-
nitis und Endometritis, welcher Process nach 12 Ta-
gen abgelaufen war. Hierauf traten aber Gerinnungen in
den oberflächlichen Neuen der linken untern Extremität
auf, wornach an derselben Extremität Hydrops desSchleim-
beutels der Patella und Entzündung des Kniegelenkes sich
einstellte. Die Kranke wurde in's Juliushospital transferirt
und dort nach 1 1 wöchentlicher Behandlung geheilt ent-
lassen. Ein Jahr später ward sie wieder schwanger in die
Gebäranstalt aufgenommen.
3. Metrorrhagie bald nach Ausstossung der Pla-
centa kam 19 mal vor, und zwar 13 mal aus dem Uterus,
10 mal wegen unzureichender Contractionen des Uterus,
3 mal wegen zurückgebliebener Eihaut- und Piacentarreste
und 6 mal aus der Vagina. Nur in 3 Eällen war die In-
jection einer Eösung von Murias ferri niithig , und man
beobachtete in einem dieser Fälle 3 Stunden nach der An-
wendung derselben einen leichteren eclamptischen Anfall,
der jedoch, so wie das Wochenbett, ohne weiteren Nachtheil
verlief.
Von diesen 19 Wöchnerinnen sind 8 an Anaemie
erkrankt und wurden im gebesserten Zustande entlassen.
An Puerperalfieber erkrankten 5, von denen 4 geheilt wur-
den und 1 gestorben ist.
4. Nach einer heftigen Metrorrhagie erkrankte eine
Wöchnerin an Anaemie mit den mannichfaltigsten hyste-
rischen Erscheinungen, zu welchen sich noch eine mehrere
Tage anhaltende Diarrhoe gesellte. Auf den Gebrauch
von Eisen besserte sich die Kranke sehr bald, so dass sie
nach 4 wöchentlichem Aufenthalt in der Anstalt geheilt ent-
lassen wurde.
257
E. Einige der wichtigeren Bildungsfehler und Krankheiten
der Kinder.
11 Angeborene Knochcnbrüch c. An einem Kinde,
welches auf den Fuss gewendet und extrahirt worden war,
fand man bald nach der nicht schwierigen Entbindung Tren-
nung der Knochen an allen 4 Extremitäten. Der rechte Vor-
derarm war unmittelbar über dem Handgelenk, der linke
etwas höher oben, die beiden Oberschenkel gleich ober
den Condylen und der linke Unterschenkel über den Knö-
cheln getrennt.
Die Arme wurden iu einen Contentiv-Verband gebracht,
wahrend die Heilung der Knochentrennungen an den untern
Extremitäten der Natur überlassen wurde. Das Kind wurde
täglich 2 mal in ein lauwarmes Bad gebracht, dem Orber
Salz zugesetzt wurde; die untern Extremitäten wurden
mit warmen Kataplasmen bedeckt. Die Knochentrennungen
waren in 4 Wochen ohne auffallende Verkürzung der Ex-
tremitäten geheilt.
Während und nach der Heiluung litt das Kind öfters
an Lungen- und Darmkatarrh , so dass es erst etwa 8
Wochen nach seiner Geburt gesund aus der Anstalt ent-
lassen wurde.
2. Bei einem Kinde fehlte ein grosser Theil
des weichen Gaumens mit der Uvula. Auch waren
am linken Fusse die beiden letzten Zehen mit einander
verwachsen.
3. Zwei Kinder hatten an der linken Hand einen über-
zähligen Daumen, der amputirt wurde.
4. Epidernicidale Atresie des Anus. Bei einem Kinde
beobachtete man gleich nach der Geburt den After verschlos-
sen und eine von dieser Stelle längs des Perinaeums und
der Raphe des Scrotums verlaufende häutige Hervorragung,
Scanzoni's Beiträge III. 18
258
welche das Ansehen einer mit dunklem Blute stark ange-
füllten varicösen Vene hatte. Am 2. Tage nach der Ge-
burt platzte diese llervorragung in der Aftergegend , und
es entleerte sich hier Meconium in geringer Menge. Mit
der Sonde gelangte man von der Rissteile in den Mastdarm,
auch konnte man eine dünne Sonde längs des erwähnten
häutigen Kanals vorschieben, welcher mit Meconium gefüllt
war, das man gegen die Hissstelle hin auspressen konnte.
5. Wegen membranöser Verschli essung der
Aftermündung wurde die den After verschliessende Membran
durchschnitten, worauf eine unbedeutende Blutung eintrat«
Von nun an erfolgte die Stuhlentleerung regelmässig.
6. Ein Kind wurde mit lnsufficienz der Valvula
mitralis und tricuspidali s geboren, nachdem man
während der Geburt ein deutliches Nabelschnurgeräusch
gehört hatte. (Ausführlicheres über diesen Fall theilt
Dr. Gr. Schmitt in seinem Aufsatze über das Nabel-
schnurgeräusch pag. 173 dieses Bandes mit.)
7. Die Behandlung der Ophthalmie der Neuge-
bornen bestand in den leichteren Fällen in kalten Um-
schlägen und des Tags öfters vorgenommener Reinigung
des kranken Auges durch die lauwarme Douche. Bei
heftigeren Fällen wurden Blutegel an die Schläfe gesetzt
und einigemal bei sehr starker Anschwellung der Con-
junetiva deren Scarification vorgenommen. Bei den schwe-
reren Fällen wurde auch des Tages 2 mal eine Höllenstein-
lösung (Gr. 1 — x auf die Unze Wasser) eingeträufelt. Von
den 54 an Augenentzündung erkrankten Neugebornen ver-
liessen 1 1 geheilt, 23 gebessert und 20 ungeheilt die An-
stalt.
259
Zahl der Entbundenen
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Wöchnerinnen
Schwangere
Mädchen
Knaben
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Nicht schwangere Kranke
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Anaemia post metror-
rhagiam
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14
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25
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6
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1
5
Catarrhus intestinalis
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T
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1
1
1
2
Catarrlms pulmonum
Catarrhus vesic.
Catarrhus vesicae blen-
norrhoieus
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4
5
1
1
14
1
1
3
~2~
1
Ecclampsia
Eczema mammae
Erysipelas faciei
"2Ö~
13
Erysipelas bullosum
Febris puerperal is
Gonitis in puerperio
2
1
1
Hvsteria
Incontinentia urinae
—
"27
2
3
3
28
1
3
~2~
Intermittens
1
11
1
1
7
Mastitis
5
5
Meningitis
Morbus Brigthii
1
1
Neuralgia extremita-
tum ini'eriorum
Paresis extremitatum
inieriorum
5
1
1
13
1
T
Pneumonia
1
Prolapsus uteri
4
28
Prolapßus vaginae
Ruptura perinaei
18
3
2
Rectocele cum prolapsu
vaginae
Rheumatismus acutus
articulorum
Syphilis
15
1
1
Tumor übros. labii pu-
dciuli in;ij<>ns.-iniMri
T~
T
—
—
Variolois
Summe 1 225
M 1!) 3!) i; i; | 9 | 2 | 5
V. lebersicht der Krauklioiten der Kinder.
261
Krankheiten
—
$
7.
30
s
z
s
Aphthae
36
Iß
23
9
4
Apoplexia intermeningea
1 1 ;
i plexia pulmoimm 2
2
Atresia ani
1
Ti~
5
1
Atrophia
11
Catarrhus pulmonum
1
2
2
C'autrrhus intestinalis 13
3
6
2 2
Hypospadiaeus 1
1
Kephalohämatoma 4
3
1
1
Mastitis
4
54
3
Ophthalmia neonatorum
11
23
20
Pemphigus 4
3
1
Pneumonia 3
3
Retentio urinae spastioa ' 8
8
Sclerosis textus cellulosi; 4
1
3
Soor 32
19
8
5
Spina binda 1
1
Summe 199
74
52
32 41
262
VI. lebersicht der Krankheiten der Nichtschwangercn.
Krankheit
'S
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i.
f.
<o
—
'Z
s
o
/-
V
O
Bemerkungen
Anteflexio cum in-
fareto uteri
1
l
Carcinoma uteri
1
i
Fistula vesico vaginalis
1
1
Mittelst der Musseux-
'schenHackenzange wurde
die Vaginalportion gefasst
und der Uterus , so wie
die Fistel vor die Scham-
lippen herabgezogen, wo-
rauf die callösen Ränder
der Fistel abgetragen und
die Doppelnaht angelegt
wurde. Drei Tage nach
der Operation erlag die
Kranke einer heftigen
Peritonitis, welche durch
einen 1" langen Riss des
Peritoneum im hintern
Douglas'schen Räume be-
dingt war.
Infarctus uteri
1
l
Paralysis vesicae uri-
nariae
1
l
Retroversio cum in-
fareto uteri
1
1
Tumor colloides ovarii
1
L
Tumor polyposus uteri
1
1
Ulcus granulosum ori-
ficii uteri
1
t
Summe
9
2
3
2
'2
263
VII. Personale der Anstalt
Vorstand: Hofrath Professor Dr. von Scanzoni, seit
November 1850.
I. Assistent, zugleich Repetitor an der k. Hebammenschule:
Dr. J. B. Schmidt, seit November 1852.
II. Assistent: Dr. L an gh ein rieh , vom 1. Mai 1853 bis
1. Mai 1856, an welchem Tage der zur Zeit
noch fungirende Dr. Gregor Schmitt diese
Stelle übernahm.
Haushebamme: Margaretha Billa.
Mi
Den geburtshilflichen Unterricht genossen im Laufe
der Jahre 1853 — 1856 1011 Mediciner, welche
sich auf die einzelnen Seraester und Collegien folgender-
massen vcrtheilen :
.lalir
Semester
Collegium über
Zahl der
Zuhörer
18 53 /s4
Winter
geburtshilfliche Klinik
92 i
98 206
theoret. Geburtskunde
Operationscursus
16 \
Sommer
geburtshilfliche Klinik
103 ]
Operationscursus
31 j 134
18 54 / 55
Winter
geburtshilfl. und| r ,. .,
gynaekologische ( *
111 1
theoret. Geburtskunde
94 ( 221
26 )
Operationscursus
Sommer
geburtshilfl. und j K]inik
g}maekologische \
91 fl07
Iß \
Operationscursus
18%
Winter
geburtshilfl. und i in . .,
lynaekologische| Khmk
92 /
123 }™
theoret. Geburtskunde
Operationscursus
11 )
102 j m
Sommer
geburtshilfl. und | K]inik
gynaekologische \
Operationscursus
15 \
Summe
1011
XI.
Tabellarisclie Zusammenstellung der Ereignisse in der
geburtshilflichen Klinik zu Würzburg während der
6 Jahre tarn 1. JSocbr. 1850 bis 31. Od. 1856.
Von Dr. GREGOR SCHMITT,
klinischem Assistenten an der ksl. Entbin<lunt:s-An>tah.
I. Allgemeine lebersicht.
Während der oben genannten 6 Jahre wurden in die
kgl. Entbindungsanstalt aufgenommen:
Schwangere 1728
Nicht schwangere Kranke 26
Summa 1754
Von den Schwangern wurden unentbunden wieder
entlassen S2
entbunden 1639
verblieben am 31. October 1856 2G
Von den Wöchnerinnen verliessen gesund die Anstalt 1569
wurden krank in das Julius-Hospital überbracht . 59
siud gestorben 17
verblieben am 31. October 1856 6
16
266
Von den nicht schwangeren Kranken verliessen die
Anstalt 22
wurden in das Julius-Hospital transferirt ... 1
sind gestorben 3
Unter den 1639 Geburten ereigneten sich einfache . 1612
Zwillings-Geburten 27
Es wurden sonach Kinder geboren 1666
Von diesen Kindern kamen lebend zur Welt. . . 1536
todt 130
Von den 1536 lebend geborenen Kindern wurden
gesund entlassen 1415
sind gestorben 118
verblieben am 31. October 1856 5
Die Geburten vertheilen sich auf die einzelnen Kindes-
Stellungen und Lagen folgendermassen :
I. Schädelstellnng 1109
II. „ 443
I. Gesichtsstellung 6
n. „ 4
Steisslagen 25
Fusslagen 23
Querlagen 24
Unbestimmt gebliebene Lagen 26
Selbstwendung während der Schwangerschaft wurde
16 mal beobachtet.
267
Zahl der Entbundenen
Verbleiben am
loteten ( Jetober
L856
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1
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60
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Wöchnerinnen
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Zuwachs
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73 Knaben
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Schwangere
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268
III. Uebcrsicht über die währeud der G Jahre 1850 — 1856
ausgeführten Operationen.
A. Künstliche Einleitung der Frühgeburt.
Indication
efl
<
Zeit der
Schwjanger-
.srhal't
Ausgang
für die Mutter
für d. Kind
Ge-
sund
Kr-
krnkt.
Todt
bend Todt
Morbus Brightii
1
22.
Woche
1
1
1
1
Becken-Enge (3 1 /, — 3%"
Conjug.)
1
33. W.
„ „ (allgemein,
nicht genau
messbar)
1
34. W.
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n n r> n
1
30. „
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1
n » n n
1
32. „ !
1
1
r> n n 5?
1
32. .
1
1
„ (3"2'"Conj.)
1
32. „
1
1
Summa
6
4
2
3
3
B. Zangen-Operationen.
269
Iudication für die
Operationen.
Lage
-
N
Ausgang für
Mutter
Kind
—
-
-
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—
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Wehenschwäche
I. Schädel-Stell-
ung
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Wehenschwäche
IL Schädel-Steil. 20
18
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1
4
KrampiSvehcm
6 mal I. Sch.-L.
2 „ IL Sch.-L.
1 „ Gesichts-L.
9
3
_ 3"
Schiefstand des Kopfes
Querstand des Kopfes
Njcht erfolgte Drehung d.
mit dem Hinterhaupte
nach hinten stehenden
Kopfes
i
9
1
2
l
1
•>
2
-
1
Harter unnachgiebiger
Kindskopf
2 mal L, 2 mal:
IL Schäd.-Stell. 3
Beckenenge
3 mal I. . 4 mal 7
IL Schäd.-Stell.,
5 2
3 i
Placenta praevia lateralis.
IL Schäd.-Stell.
I— 1 -
3
1
3
Nabelschnur- Vorfall
I. Schäd.-Stell.
Summa | 100
C. Extractione
Wehen sc hw äche
1 mittels des Aerotra
I. Schäd.-Stell. ; 5
cio
LH
i's
1
too
270
D. Extractionen des mit dem unleren Rümpfende vor-
liegenden Kindes.
Kindeslage und Stellung
Der Kopf win-
de extrahirt
mit d.
Zange
ma-
nuell
Ausgang für
die Mutter d. Kind
m
Vollkommene Fusslage
Unvollkommene Fusslage
I. Steisslage
II. Steisslage
Schiefläge des Kopfes mit
Vorlage d. linken Hand
des linken Fusses und
Nabelstrangs
8
6
15"
9
1
2
2
1
Summa
39
21
Von den todten Kindern waren
E. Wendungen auf den
| 38 | 1 | 1 26 1 13
39 39
3 macerirt.
Fuss.
Querlage , Kopf rechts,
Rücken nach hinten
Querlage , Kopf rechts,
Rücken nach vorn (ein
Mal Vorfall der Nabel-
schnur)
Querlage , Kopf links,
Rücken nach hinten
(3 Mal Vorfall d. Nabel-
schnur)
Querlage , Kopf links,
Rücken nach vorn
Schädelstellung mit
Vorliegen der Hand u,
Nabelschnur)
IL Schädelstellung :
a) Schiefstand d. Kopfes
b) Placenta praevia cen-
tralis
7 I
111
Summa
24
11
19 3 2
Von den todten Kindern waren
24
3 macerirt,
12 I 12
'24
271
F. Perforation, Kephalotripsie.
Lage und Stellung des
Ausgang für
9
die Mutter das Kind
Kindes.
<
-^
=
6
X
w<
d
^
E
o
-_
B H
r-
— H
Becken-Enge
5
4 1
5
G, Forceps-scie (mit va
k Huevel's Instrument).
Becken-Enge 1
1 1
272
l\
lebcrsicht der Krankheiten der Mütter während
der 6 Jahre 1850-1856.
C
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M
u
W
u
V
B
tSJ
Von den in der n 1 Von den im Ju-
Krankheit
Anstalt xsenan-
delten wurden
entlassen
vi 'u
C ,ü
.5 S
— •_
1— 1
nusnospii. r>e-
handelten wur-
den entlassen
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Anaemia post metror-
rhagiam
46
46
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Anasarca
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1
.
Catarrhus intestinalis
27
23
3
■1
Catarrlms pulmonum
43
33
10
1
1
Catarrhus vesic.
1
1
1
Catarrhus vesicaeblen-
norrhoieus
i 1
Ecclampsia
3
1
T
1
'
13
1
T
T
1
T
—
:>
Eczema mammae
Epilepsia
4
6
Erysipelas faciei
Erysipelas bullosum
l l
7
l | l
67 !14
W
1,
20
2
1
5
Febris puerperalie
Gonitis in puerperio
3
1
l
Glossitis cum intlam-
matione glaudulanmi
sali Valium.
1
Hysteria
1
Incontinentia urinae
13
13
I
Inllainmatio Symphysis
ossium pubis
1
1
Intrrmittens
2
1
l
1
.Mania ptterperalis
1
L8
1
~3~
12
9"
T
Mastitis
Meningitis
Morbus Brightii
9
2
3
Neuralgia extreinita-
tuiii inferioram
273
1
Von den in dei
Anstalt Behan-
delten wurden
od —
^"* >n den im Ju-
li ushospit. Be-
ihandelten wur-
Krankheit
flä
entlassen
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den entlas-en
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B
OB
-
Ophthalmia blenno-
rhoica
1
3
i
2
~~
1
1
13
—
1
Paresis extremitatum
inferior um j 7
1
Pleuritis
1
1
X
32
1
Pneumonia
1
i
Prolapcns uteri
4
Prolapsus vaginae
32
18
_
14
3
Rectocele cum prolapsu
vaginae
Rheumatismus acutus
articulorum
4
4
Ruptura perinaei
28
4
IT
—
4 2
f
__
Syphilis
Tuberculosis
1
1
Tumor fibrös, labii pu-
dendi majoris sinistri
Typhus
1
1
1
l
—
—
-
1
Uleera varicosa extre-
mitatum inferiorum
1
1
5
Variolois 6
Summe
434
M.
112
113
17
«
31
9
2
5
Scauzoui's Beitrage 111.
19
274
V. Icbersicht der Kraukhcitcn
6 Jahre 1850
der Kinder
-1856.
während der
Krankheiten
3
'S
'Z
o
'.
O
'Z
M
fco
s
o
O
Anaemia ex dilaceratione
funiculi umbilicalis 2
2
Aphthae | 76
48
22
6
Apoplexia intermeningea 49
49
Apoplexia pulmonum 3
3
Arteritis umbilicalis 1
1
Atresia ani
2
1
1
Atrophia
35
35
Catarrhus pulmonum
8
3
2
3
Catarrhus intestinalis
20
7 | 6
3
4
Hydrocephalus acutus
3
3
Hypospadiaeus
3
3
Kephalohämatonia
10
7
3
Mastitis
6
2
3
1
Omphalophlebitis
1
1
Ophthalmia neonatorum
134
37
53
1
41
Otorrhoea
1
Pemphigus
8
5
3
5
Pneumonia
5
Pyaemia
2
2
Retentio urinae spastica
18
18
Sclerosis textus celluiosj
6
1
34
5
Soor
58
13
11
Stenosis funiculi umbili-
calis ad inscrtionem in
umbilieum
1
5
1
Spina bifida
1
Struma congenita
5
Summe 458 170 | 106 64
118
275
VI. Uebersicht der Krankheiten der Mchtschwangercn
während der 6 Jahre 1850—1856.
Krankheit
3
s
-
<
'S
43
o
u
e
C3
"v
t
OB
-p
Anteflexio uteri
3
3
Carcinoma uteri
2
Fistlila vesico-vaginalis
1
i
2
\ 1
1
Iniarctus uteri
1
3
Metrorrhagia ex atonia
uteri
1
Metritis acuta
2
Paralysis vesicae urinariae
1
1
Prolapsus uteri
3
1
3
Retroflexio uteri
2
Retroversio cum infareto
uteri
1
Tumor colloides ovarii
2
o
Tumor fibrosus uteri
2
2
1
______
1
Ulcus granulosum orificii
uteri
2
Summe
I
26
7 9
7
3
Ausserdem wurden noch seit dem Sommersemester
1855 bis 31. October 1856 in der gy n aekol ogisch e n
Klinik des Julius-Hospitals 77 Nichtschwangere behandelt,
worüber in einem folgenden Bande des Weiteren berichtet
werden wird.
Druckfehler.
Keitc 74 letzte Zeil*-, lies „acetabula" statt „aeetubula".
„ 75 Zeile 10 lies „l.endenlordose" statt „I.eiieiilordose".
„ 75 „ 23 „ „hinten" statt „hinten".
„ 76 „ 16 „ „Kilian" statt „Kiliun".
„ 76 letzte Zeile lies „der diel..'" statt „die dielte".
„ 77 Zeile 2 lies „der zwi -ite" Matt „die zweite".
„ 77 „ 20 „ „convergineud" statt „coverjfirend".
„ 78 „ 24 „ „C die Spitze" statt „f die Snitze"-
„ 104 „ 5 von unten lies „transaetions" statt „transacitous"
„ 105 „ 12 „ „ „ „aber" statt „oder".
».173 » "> „ „ „ „Küehler" statt „Kühles".
fiponttufohsfAt
w
Fig. 2.
Si'illirlic Atisiclil ilrr U'tHii-ls.-iiil
Scanzoni's Beitrage zur Oeburtskunde III Band
Erster Pall.
Tafel I
Fall . fraß Würxburger Baken
.,. /;.; ///
Druck b.F Sir ?rag.
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2 Fall. Münchner Bechew.
Gex/- v. D r Lambl.
Spondylolisthesis.Taf.lV.
(London ,Guy's Rosnüalj
\^
^
(Leyden,Jf.310)
(Wien JVC ZZ&3.)
(Wun.Jf.g.)
■ D r Lmll
(Wien, Josenhinum)
Srim :u>iii'x Beiträge.Bd..
Giv.u.kth.v V r lanibl.
3 Fall Wiener Becken,. M^fi^
Scaiixanis Beiträge. Bd-HJ.
Coc. Dr.Lambl
Snill'.lliiü Beiiri'itjr. B(?Jff.
Spondy lolisthesis . Taf VII .
jir. transtr-,
sin.
HukiJal |
Beiträge. HOT.
Gex.r.D'La.nibl.
5 Fall.PaderboriierBecl&n.
Scan-xonis Beiträge, Bd.]
Vig.S.
Qti.D.D-Lambl
Satrap H.i m
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Scanzonfs Beiträge zur Ceburtskunde 1 Band Tafel X .
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